Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und legte sie unter die Streu eines Kamels” bedeutet Wißtümliches. Dies erhellt aus der Bedeutung von Streu des Kamels, insofern sie das Wißtümliche bezeichnet; die Streu wird genannt, sowohl weil Stroh die Speise des Kamels ist, als auch weil es beziehungsweise das Grobe und Ungeordnete ist, daher wird auch Wißtümliches bezeichnet durch ein Dickicht von Bäumen und Wäldern. Daß das Wißtümliche verhältnismäßig Grobes und Ungeordnetes ist, und daher durch Stroh bezeichnet wird, und auch durch Dickicht, erscheint nicht vor denen, die im bloßen Wißtümlichen sind, und dadurch als Gelehrte gelten. Diese glauben, in dem Maß, als der Mensch wisse oder Kenntnisse besitze, sei er auch weise. Daß sich aber die Sache anders verhält, konnte ich (Swedenborg) deutlich erkennen an denen im anderen Leben, die, während sie in der Welt lebten, in bloßen Wißtümlichkeiten waren, und hierdurch den Namen und Ruhm eines Gelehrten zu erlangen suchten. Sie sind nämlich bisweilen viel stumpfsinniger als die, welche keine Wissenschaften verstanden. Als Grund wurde mir enthüllt, daß zwar die wißtümlichen Kenntnisse Mittel sind um weise zu werden, aber auch Mittel, um in Irrsinn zu geraten. Für diejenigen, die ein Leben des Guten führen, sind die Wissenschaften Mittel, weise zu werden; für diejenigen aber, die ein Leben des Bösen führen, sind sie Mittel, irrsinnig zu werden; denn durch Wißtümliches begründen sie nicht nur das Leben des Bösen, sondern auch die Grundsätze des Falschen, und zwar in anmaßender Weise und mit Überredung, weil sie glauben, vor anderen weise zu sein. Daher kommt es, daß sie ihr Vernünftiges zerstören, denn nicht der hat ein Vernünftiges, d.h. inneres Denken, der aus dem Wißtümlichen heraus vernünfteln kann, und zwar dem Anscheine nach oft scharfsinniger als andere, es ist aber nur ein Irrlicht, das diese Geschicklichkeit hervorbringt; sondern derjenige erfreut sich eines wahren Vernünftigen, der erkennen kann, daß das Gute gut, und das Wahre wahr ist, und ebenso, daß das Böse bös und das Falsche falsch ist. Wer aber das Gute als Böses, und das Böse als Gutes betrachtet, ferner wer das Wahre für Falsches und das Falsche für Wahres ansieht, der kann durchaus nicht vernünftig genannt werden, sondern vielmehr unvernünftig, wie sehr er auch vernünfteln kann. <HG 4156>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 417 →
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