Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Sollst du ihn nicht bauen von behauenen Steinen” bedeutet nicht aus eigener Einsicht. Dies erhellt aus der Bedeutung der behauenen Steine, insofern sie das bezeichnen, was aus eigener Einsicht hervorgeht; denn Steine bedeuten Wahrheiten; und sie behauen oder sie zubereiten heißt, die Wahrheiten oder solches, was den Wahrheiten ähnlich ist, ausbrüten oder erdichten aus dem Eigenen oder aus der eigenen Einsicht. Denn was aus dem Eigenen oder aus der eigenen Einsicht ausgebrütet oder erdichtet wird, hat Leben aus dem Menschen, welches Leben kein Leben ist, denn das Eigene des Menschen ist nichts als Böses. Hingegen, was nicht aus dem Eigenen, sondern aus dem Göttlichen ist, das hat Leben in sich, denn vom Göttlichen kommt alles Leben. Die Wahrheiten, aus denen der Herr verehrt werden soll, sind nur aus dem Worte zu entnehmen, denn im einzelnen desselben ist Leben vom Göttlichen. Wenn aber die Wahrheiten dem Eigenen entnommen werden, dann bezwecken und beabsichtigen sie Ansehen und Hoheit über alle in der Welt, und auch Besitz von Land und Reichtümern vor allen anderen, weshalb sie Eigenliebe und Weltliebe in sich tragen, und somit alles Böse in Zusammenfassung. Die Wahrheiten aus dem Worte dagegen bezwecken und beabsichtigen das ewige Leben, und haben in sich die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten, somit alles Gute in Zusammenfassung. Wenn die Wahrheiten aus dem Eigenen oder aus der eigenen Einsicht ausgebeutet werden, herrschen sie über das Wahre, das vom Göttlichen stammt, denn dieses wird gebraucht, um jene zu begründen, während doch im Gegenteil die Wahrheiten vom Göttlichen herrschen, und die aus der eigenen Einsicht dienen sollen. Die aus dem Eigenen oder aus der eigenen Einsicht stammen, heißen auch Wahrheiten, sind aber keine Wahrheiten. Sie erscheinen nur als Wahrheiten in der äußeren Form, denn durch Anwendungen aus dem Buchstabensinn des Wortes und durch Vernünfteleien werden sie zwar den Wahrheiten ähnlich gemacht, aber der inneren Form nach sind sie Falsches. <HG 8941>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 377 →
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