← Zurück zu „S“

Stätte – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Und sie siegten nicht, und ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel” bedeutet, daß sie unterlagen, und daß für die Folge nirgends im Himmel sich ein Ort findet, der ihrem Zustand des Lebens entspricht, der nur im Denken und nicht in der Liebe zum Guten und Wahren besteht. Dies erhellt aus der Bedeutung von: sie siegten nicht, was ausdrückt, daß sie im Kampfe unterlagen, und aus der Bedeutung von: ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel, was besagt, daß fortan im Himmel kein Raum gefunden wurde, der dem Zustand ihres Lebens entsprach. Daß für diesen Zustand kein solcher Ort möglich ist, hat seinen Grund darin, daß der Zustand ihres Lebens, der unter dem Drachen und seinen Engeln verstanden wird, nur ein bloßes Denken ist, ohne Zuneigung für das Gute und Wahre. Denn die, welche das Ganze der Kirche und der Seligkeit in den bloßen Glauben setzen, können keine Neigung zum Guten und Wahren haben, weil diese dem Leben angehört. Es hat nämlich ein jeder Mensch zwei Vermögen des Lebens, die Verstand und Wille genannt werden, und der Verstand ist es, der denkt, der Wille aber ist es, der durch das Gefühl angeregt wird; somit gehört das Denken dem Verstand und das Gefühl (Neigung) dem Willen an. Diejenigen, die den Glauben vom Leben trennen, denken daher nur, daß es sich mit dem Glauben so verhalte, und auf ihr Denken hin und wegen desselben sagen sie, daß sie selig würden. Weil sie aber das Leben vom Glauben trennen, so können sie in keiner anderen Neigung sein, als in der natürlichen Neigung, die in der Selbstliebe und Weltliebe besteht. Daher kommt es, daß die Neigungen dieser Triebe sich mit dem verbinden, was ihren Glauben bildet, aber diese Verbindung bewirkt keine himmlische Ehe, die der Himmel ist, sondern einen Ehebruch, der die Hölle ist; denn dies ist eine Verbindung des Wahren mit der Neigung zum Bösen, und dieser Ehebruch entspricht dem Ehebruch eines Sohnes mit seiner Mutter, wie aus den in der geistigen Welt bekannten Entsprechungen deutlich hervorgeht. Damit aber gleichwohl keine solche Verbindung des Wahren mit dem Bösen stattfinde, wird vom Herrn dafür gesorgt, daß sie keine echten, sondern nur verfälschte Wahrheiten haben, die ihrem Wesen nach falsch sind. Und weil eine solche Verbindung des Falschen mit dem Bösen dem von der Liebe getrennten Glauben angehört, deshalb wird der Drache, unter dem solche verstanden werden, Satan und Teufel genannt; Satan vom Falschen und Teufel vom Bösen, denn, wie schon oben bemerkt wurde, die Verbindung des Wahren mit dem Guten macht den Himmel beim Menschen, und die Verbindung des Falschen mit dem Bösen macht die Hölle bei ihm. Jene aber gelangen nicht zum Besitz echter Wahrheiten, weil alle ihre Glaubenslehren aus dem Buchstabensinn des Wortes genommen, und sie nicht bedenken, daß die Wahrheiten, die diesem Sinn des Wortes entnommen sind, nur scheinbar wahr (oder Erscheinungswahrheiten) sind; und solche für die eigentlichen Wahrheiten halten und verteidigen heißt, das Wort verfälschen. Daher kommt

es nun auch, daß der Drache mit seinen Engeln aus dem Himmel auf die Erde herabgeworfen wurde. Daß keine Stätte mehr für ihn im Himmel gefunden ward bedeutet, daß fortan kein diesem Zustand ihres Lebens entsprechender Ort vorhanden ist, und zwar deshalb, weil alle Orte im Himmel dem Leben der Engel entsprechen; daher kommt es, daß der Ort den Zustand des Lebens bedeutet. Und weil das Leben aller Engel im Himmel ein Leben der Liebe zum Guten und Wahren ist, und weil die, welche in bloßem Glauben sind, und unter dem Drachen und seinen Engeln verstanden werden, ohne alle Neigung zum Guten und Wahren sind, deshalb gibt es keinen Ort im Himmel, der ihrem Leben entspricht. <EKO 736>

Es wird Offenb.12/3 gesagt, daß der Drache im Himmel erschienen sei, und daß jetzt ein Krieg mit ihm im Himmel stattfand, und daß nachher kein Ort für ihn und seine Engel im Himmel gefunden wurde, und gleichwohl wird er Vers 9 die alte Schlange, wie auch Teufel und Satan genannt. Es könnte sich daher jemand wundern, wie der Drache, oder der Teufel, im Himmel sein und eine Stätte daselbst haben konnte, ehe er herabgeworfen wurde, während doch für den Teufel nimmermehr Raum im Himmel ist, sondern nur in der Hölle. Allein die Sache verhält sich in folgender Weise: Unter dem Drachen sind nicht die zu verstehen, die Gott und den Herrn geleugnet und das Wort verworfen haben, und dabei die Kirche und ihre Lehre für nichts achten, die so beschaffen sind und so handeln, werden sogleich nach dem Tode in die Hölle geworfen und erscheinen niemals im Himmel, und noch weniger haben sie eine Stätte in demselben; deshalb werden unter dem Drachen und seinen Engeln diejenigen verstanden, die Gott und den Herrn anerkennen, das Wort für heilig halten, und auch der Kirche und ihrer Lehre zugetan sind, aber nur mit dem Mund und nicht mit dem Herzen, und dies deshalb, weil sie das Leben für nichts achten. Die aber das Leben für nichts achten, sind ihrem Inneren nach Teufel, wie sehr sie auch im Äußeren als Engel erscheinen mögen. Hieraus kann man aber ersehen, daß sie durch die Anerkennung Gottes und des Herrn und durch das Lesen und die Predigt des Wortes äußerlich mit dem Himmel verbunden waren, aber, weil sie ganz und gar nicht nach irgendeinem Worte des Herrn lebten, innerlich mit der Hölle verbunden waren. Solche werden Teufel und Satane genannt, weil sie die Wahrheiten des Wortes durch ein Leben der Selbstsucht und Weltliebe verunreinigten, und durch das Böse, das aus diesen Trieben wie sprudelndes Wasser aus seinen Quellen hervorfloß, wie auch, weil sie den Buchstabensinn des Wortes zur Begründung eines solchen Lebens anwendeten; und die, welche so beschaffen sind, werden vor allen anderen Schlangen genannt, weil sie mehr schaden, als die anderen; denn sie können auch die einfältigen Guten, die im letzten Himmel sind, auf ihre Seite ziehen, besonders durch solche Dinge, die sie aus dem Buchstabensinn des Wortes hervornehmen und verkehren. Es wird gesagt, daß sie im Himmel erschienen und daselbst mit Michael und seinen Engeln kämpften, weil das Wort sie mit dem Himmel in Verbindung gebracht hatte, denn die Verbindung der Menschen mit dem Himmel geschieht

durch das Wort. Als man aber bemerkte, daß andere Neigungen als die himmlischen in ihnen lebten, wurden sie aus dem Himmel herabgeworfen. Sobald das Jüngste Gericht vollzogen war (1757), wurde vom Herrn vorgesehen und angeordnet, daß forthin niemand Verbindung mit dem Himmel haben soll, der nicht im geistigen Glauben steht, und dieser geistige Glaube wird nur durch ein Leben erworben, das den Wahrheiten des Wortes entsprechend ist, und dieses Leben heißt Liebtätigkeit. Das ist es nun, was dadurch bezeichnet wird, daß der Drache mit seinen Engeln auf die Erde geworfen wurde, und man seine Stätte im Himmel nicht mehr fand. <EKO 737>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 365 →

← Zurück zu „S“