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schlafen – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Matth.25/5: “Da nun der Bräutigam verzog, wurden alle schläfrig und schliefen ein”: bedeutet Verzug und daher Zweifel. Schläfrig werden heißt nämlich im inneren Sinn infolge der Verzögerung lässig werden in Sachen der Kirche, und einschlafen heißt Zweifel hegen, die klugen Jungfrauen einen Zweifel, worin Bejahung, die törichten Jungfrauen einen Zweifel, worin Verneinung ist. <HG 4638>

“Worin er schlafen soll” bedeutet die Ruhe auf demselben. Dies erhellt aus der Bedeutung von schlafen, sofern es soviel ist als ruhen, hier auf dem äußeren Sinnlichen, das durch das Kleid bezeichnet wird, denn es wird gesagt, das Kleid, worin er schlafen soll. Wie es zu verstehen ist, daß das Innere

seine Ruhe habe auf dem Sinnlichen, soll gesagt werden: Das Sinnliche ist das Letzte des Lebens des Menschen, wie oben gezeigt wurde. Was das Letzte ist, das enthält alles Inwendigere, und bildet das Allgemeine desselben, denn in dieses endigt es sich, und somit ruht es auf demselben; so z.B. die Haut, welche die letzte Decke des Leibes ist, in diese endigen sich die inneren Teile des Leibes, weil sie dieselben enthält, somit ruhen sie auf ihr. Ebenso im Leibe das Bauchfell, weil dieses die Eingeweide des Unterleibes enthält, so ruhen diese auch auf ihm und haben auch einen gemeinsamen Zusammenhang mit demselben; ebenso das Rippenfell in Beziehung auf die Eingeweide der Brusthöhle. In gleicher Weise verhält es sich mit allem, was dem eigentlichen Leben des Menschen angehört, z.B. mit dem, was sich auf seinen Verstand und auf seinen Willen bezieht; auch dieses stuft sich ordnungsmäßig ab vom Inneren zum Äußeren. Das Äußere bildet das Wißtümliche mit seinem Ansprechenden, und das Äußerste bildet das Sinnliche, das Gemeinschaft hat mit der Welt durch Gesicht, Gehör, Geschmack, Geruch und Gefühl; auf diesem ruht das Innere, denn in dieses läuft es aus. Das ist es, was im geistigen Sinn durch die Decke oder das Kleid, worin er schlafen soll, bezeichnet wird. <HG 9216>

“Sei wachsam” bedeutet, sie sollen sich Leben verschaffen. Dies erhellt aus der Bedeutung von wachsam sein, sofern es heißt, in einem geistigen Leben sein, hier aber, weil von denjenigen gehandelt wird, die zwar in einem sittlichen aber noch nicht in einem geistigen Leben sind, heißt: sei wachsam, sie sollen sich geistiges Leben verschaffen. Daß wachsam und wachen dieses Leben bedeutet, beruht darauf, daß das geistige Leben zu einem sittlichen Leben ohne dasselbe sich verhält wie das Wachen zum Schlaf oder wie das Mittagslicht zum Abend, ja zur Finsternis. Daß es sich aber so verhält, wissen nicht und werden nicht inne diejenigen, die in einem bloß natürlichen Leben sind, auch die nicht, die in einem sittlichen Leben sind ohne ein geistiges. Denn dieses Leben ist auch ein natürliches Leben. Der Grund, weshalb solche es nicht wissen und innewerden ist, weil sie in einem bloß natürlichen Lichte sind und dieses Licht im Vergleich mit dem geistigen Licht sich verhält wie die Finsternis des Abends zum Licht des Mittags. Die Abendfinsternis aber erscheint ihnen als Licht, denn ihr inwendigeres Gesicht, das dem Denken angehört ist für diese gebildet, ganz wie das Gesicht der Nachteulen, Fledermäuse und der übrigen Vögel, die bei Nacht fliegen, für den Schatten. Daher kommt es, daß sie selbst glauben, sie seien im Lichte, weil sie vernünfteln können, während sie doch in der Finsternis sind. Daß es sich so verhält, kann man klar an solchen nach dem Tod ersehen, wenn sie Geister werden. Wenn sie alsdann bei den ihrigen sind, so glauben sie, sie seien im Lichte, weil sie nicht bloß alles sehen, was um sie her ist, sondern auch, weil sie über einen jeglichen Gegenstand denken und reden können. Wenn aber das Licht des Himmels bei ihnen einfließt, dann verwandelt sich ihr Licht in Finsternis, und sie werden in betreff des Verstandes so verdunkelt, daß sie nichts denken können. Auch sehen die Engel, die in den Himmeln sind, wenn sie zu denen, die in einem solchen Lichtschein sind,

hinabblicken, dort nichts als lauter Finsternis. Daß das geistige Leben im Vergleich zu einem sittlichen Leben ohne dasselbe sich verhält, wie das Wachen zum Schlaf, kann weiter daraus erhellen, daß diejenigen, die in einem geistigen Leben sind, in der Weisheit und Einsicht der Engel sind, die so beschaffen ist, daß sie unbegreiflich und unaussprechlich ist für die, die in einem bloß natürlichen Lichte sind und zwar nicht bloß den Menschen, solange sie in der Welt leben, sondern auch ebendenselben nach dem Tod, wenn sie Geister werden. Einsicht aber und Weisheit bewirkt Wachsamkeit. Hieraus kann man nun klar ersehen, daß durch sei wachsam hier bezeichnet wird, sie sollen sich geistiges Leben verschaffen. Weil wachen bedeutet, geistiges Leben aufnehmen, daher bedeutet schlafen ein natürliches Leben ohne ein geistiges, weil dieses Leben zu jenem sich verhält wie der Schlaf zum Wachen. <EKO 187>

“Selig ist, wer da wachet” bedeutet den glücklichen Zustand derer, die zum Herrn aufblicken. Dies erhellt aus der Bedeutung von selig sein, indem es soviel ist, als sich in einem glücklichen Zustand befinden; und aus der Bedeutung von wachen, insofern es heißt, sich geistiges Leben verschaffen, und dieses wird dadurch erworben, daß der Mensch zum Herrn aufblickt, weil der Herr das Leben selbst ist und von Ihm allein das ewige Leben kommt. Wenn der Mensch in einem Leben vom Herrn ist, dann ist er in einem wachen Zustand, wenn er aber in einem Leben aus sich ist, dann ist er in einem Schlaf befangen, oder was dasselbe ist, wenn der Mensch in einem geistigen Leben ist, dann ist er im Wachen, wenn er aber im natürlichen Leben ist, getrennt vom geistigen, dann ist er im Schlaf, und was er dann sieht, das sieht er wie im Traum. Ein solches Leben führen wird auch im Wort unter schlafen und einschlafen verstanden. <EKO 1006>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 120 →

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