Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Myrrhe und Weihrauch bezeichnet das, was wohlgefällig ist. <HG 113>
Die Weisen brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe dem Herrn: durch Gold, Weihrauch und Myrrhe wird alles bezeichnet, was dem Guten der Liebe und dem Glauben an den Herrn angehört. Gold, was dem Guten der Liebe, Weihrauch, was dem Guten des Glaubens, und Myrrhe, was beidem im Äußeren angehört. Daß die Weisen aus dem Morgenlande jenes darbrachten, geschah aus dem Grunde, weil im Morgenland bei einigen von alten Zeiten her die Wissenschaft und Weisheit der Alten noch vorhanden war, die darin bestand, daß man in dem, was in der Welt und auf der Erde ist, himmlische und göttliche Dinge erkannte und sah; denn die Alten wußten wohl, daß alles entsprach und vorbildete und daher seine Bedeutung hatte, wie auch aus den ältesten Büchern und Denkmälern der Heiden erhellt. Daher kam es, daß sie wußten, daß Gold, Weihrauch und Myrrhe das Gute bedeuteten, das man Gott darbringen soll. Sie wußten auch aus den prophetischen Schriften, die der Alten Kirche angehörten, daß der Herr in die Welt kommen und daß ihnen dann ein Stern erscheinen werde, von dem auch Bileam weissagte, der ebenfalls zu den Söhnen des Morgenlandes gehörte. Der Stern bezeichnet auch wirklich die Erkenntnisse des inwendigen Guten und Wahren, die vom Herrn sind. <HG 9293>
“Die edelste Myrrhe” bedeutet das Innewerden des sinnlich Wahren. Dies erhellt aus der Bedeutung der wohlriechenden Myrrhe, sofern sie das Innewerden des sinnlich Wahren bezeichnet, denn der Geruch derselben bedeutet das Innewerden, und die Myrrhe das sinnlich Wahre. Das nun Folgende handelt vom Salböl, durch welches das himmlisch Gute bezeichnet wird, welches das göttlich Gute der göttlichen Liebe des Herrn im innersten Himmel ist. Seine Beschaffenheit wird durch wohlriechende Stoffe bezeichnet, aus denen es bereitet wurde, und diese waren die edelste Myrrhe, gewürzhafter Zimt, gewürzhafter Kalmus, Kasia und Olivenöl, wodurch himmlisch Wahres
und Gutes in seiner Ordnung bezeichnet wird, nämlich vom Letzten bis zum Ersten, oder vom Äußersten bis zum Innersten; das Letzte oder Äußerste wird durch die Myrrhe bezeichnet. Die Weisen brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe dem Herrn: Gold bedeutet hier das Gute, Weihrauch das innere Wahre, und Myrrhe das äußere Wahre, beides aus dem Guten; der Grund, warum hier an erster Stelle das Gold genannt wird, ist, weil Gold das Gute bezeichnet, welches das Innerste ist; an zweiter Stelle der Weihrauch, weil er das innere Wahre aus dem Guten bezeichnet; und der Grund, warum an dritter oder letzter Stelle die Myrrhe genannt wird, ist, weil sie das äußere Wahre aus dem Guten bezeichnet. Weil die Myrrhe das äußerste Wahre, welches das sinnlich Wahre ist und sein Innewerden bezeichnet, darum wurden die Leiber der Toten ehemals mit Myrrhen und Aloe gesalbt und durch diese Salbung wurde die Erhaltung alles Wahren und Guten beim Menschen bezeichnet, wie auch die Auferstehung; deshalb wurde auch solches gebraucht, was das Letzte des Lebens beim Menschen bezeichnete, und dieses Letzte wird das sinnliche Leben genannt. Daß der Leib des Herrn mit solchem gesalbt und zugleich mit einem Leintuch umgeben wurde und war bei den Juden Sitte war. Man muß aber wissen, daß das, was in Beziehung auf den Herrn selbst im Wort gesagt wird, in einem besonders erhabenen Sinn zu verstehen ist; daher bezeichnet dies an jener Stelle Sein göttliches Leben im Sinnlichen, welches das dem Leibe eigene Leben ist, und dessen Auferstehung. Daß der Herr mit dem ganzen Leibe, den Er in der Welt hatte, auferstanden ist, nicht so wie andere Menschen, ist bekannt, denn Er hat nichts im Grab zurückgelassen. <HG 10252>
Durch die Weisen aus dem Morgenland werden ebenfalls diejenigen bezeichnet, die in den Erkenntnissen des Wahren und Guten sind. Ihr Gottesdienst aus dem himmlisch Guten, geistig Guten und natürlich Guten, wird dadurch bezeichnet, daß sie Gold, Weihrauch und Myrrhen darbrachten, denn durch Gold wird das himmlisch Gute, durch Weihrauch das geistig Gute und durch Myrrhen das natürlich Gute bezeichnet. Daß solches dadurch bezeichnet wurde, war noch mehreren im Morgenland bekannt, daher wurden sie auch Söhne des Morgenlandes genannt, unter denen im Wort diejenigen verstanden werden, die in den Erkenntnissen des Wahren und Guten sind; denn die Wissenschaft der Entsprechungen war noch bei ihnen zurückgeblieben. Um daher die Freude ihres Herzens zu bezeugen, brachten sie solches dar, was alles Gute vom ersten bis zum letzten bedeutete; und das ist es, was bei Jesajas vorausgesagt worden, daß sie aus Scheba kommen und Gold und Weihrauch bringen, und das Lob Jehovas verkündigen werden. <EKO 324>
“Und es wird in deinem Bauche Bitterkeit erregen” bedeutet, es sei innerlich unangenehm, weil äußerlich geschändet. Dies erhellt aus der Bedeutung von bitter oder Bitterkeit, sofern es bezeichnet unangenehm infolge des geschändeten Wahren, wovon unten; und aus der Bedeu-
tung des Bauches, sofern er das Inwendigere bezeichnet. Daß der Bauch das Inwendigere bezeichnet, beruht darauf, daß nachher folgt, daß es im Munde süß wie Honig war, und unter dem Mund das Auswendigere verstanden wird; denn was mit dem Munde genommen wird, wird gekaut und in den Bauch hinabgebracht, und so geht es von außen nach innen. Es geht nach innen, denn es geht in die Eingeweide des Menschen. Daß das Bittere und die Bitterkeit das Unangenehme infolge des geschändeten Wahren bedeutet, und daß daher verbittern bedeutet, unangenehm machen, beruht darauf, daß das Süße bitter und daher unangenehm wird durch Vermischung mit etwas Widrigem; daher kommt die Bitterkeit des Wermuts, der Galle, der Myrrhe. Weil nun süß das Angenehme aus dem Guten des Wahren und dem Wahren des Guten bedeutet, deshalb bedeutet bitter das Unangenehme aus dem geschändeten Wahren. Das Unangenehme daraus wird von keinem Menschen in der natürlichen Welt als bitter empfunden und gefühlt, sondern von einem Geist und von einem Engel in der geistigen Welt; denn alles Gute des Wahren, das geschändet ist, wird, wenn es bei ihnen in den Geschmack übergeht, als bitter empfunden; denn die Geister und Engel haben ebenso einen Geschmackssinn wie die Menschen, aber der Geschmack der Geister und Engel hat einen geistigen Ursprung, der Geschmack der Menschen dagegen einen natürlichen Ursprung. Den Geschmack des Bitteren haben die Geister aus dem geschändeten Wahren des Guten, aber die Menschen haben den Geschmack des Bitteren aus der Vermischung des Süßen und des Widrigen. Das Gefühl des Süßen hatte auch Johannes aus geistigem Ursprung, denn er war im Geist, sonst hätte er das Büchlein nicht essen können. Durch das geschändete Wahre wird bezeichnet das Wahre des Guten, das angewandt ist zum Bösen und vermischt mit seinem Falschen, was geschieht, wenn die Wahrheiten des Buchstabensinnes des Wortes zu unreinen Liebesneigungen angewandt und so mit Bösem vermischt werden. Dieses Unangenehme ist es, was hier durch die Bitterkeit im Bauch bezeichnet wird. Es soll noch mit wenigem gesagt werden, was durch das Inwendigere im Wort, d.h. durch das Innere des Wortes bezeichnet wird: Das Innere des Wortes ist das, was sein inwendiger oder geistiger Sinn enthält; das sind die echten Wahrheiten, diesen entsprechen die auswendigeren Wahrheiten des Wortes, und das sind die, welche in seinem äußeren oder natürlichen Sinn sich finden, welcher der Buchstabensinn und der buchstäbliche genannt wird. Wenn das Auswendigere des Wortes oder die Wahrheiten des Wortes im Buchstaben oder buchstäblichen Sinn verfälscht und geschändet werden, dann sind die inwendigeren Wahrheiten des Wortes verfälscht und geschändet. Wenn daher der Mensch das Wort im Buchstabensinn zum Bösen irdischer Liebesneigungen anwendet, dann wird es den Engeln, die im inneren oder geistigen Sinn des Wortes sind, unangenehm, und dieses Unangenehme ist wie das Unangenehme des Bitteren. Aus diesem kann erhellen, daß dadurch, daß das Büchlein im Bauch Bitterkeit erregte, bezeichnet wird, das Wort sei innerlich unangenehm geworden.
Aber das Unangenehme, wovon bis jetzt gehandelt wurde, ist das geistig Unangenehme, dagegen das geistig natürlich Unangenehme, das hier auch unter jener Bitterkeit verstanden wird, ist, daß das Wahre der Lehre, das inwendiger aus dem Buchstabensinn des Wortes hergenommen und sein buchstäblicher Sinn genannt wird, denen unangenehm ist, die im Falschen des Bösen sind; denn es wird gehandelt vom Verständnis des Wortes von seiten der Menschen der Kirche an ihrem Ende, wo die meisten in Falschem aus dem Bösen sind, und dann ist das Falsche des Bösen, das aus dem Buchstabensinn des Wortes begründet ist, ihnen angenehm, dagegen das Wahre, das aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes begründet ist, unangenehm. Auch dieses wird dadurch bezeichnet, daß das Büchlein im Bauche Bitterkeit erregte, und daß es im Munde süß war wie Honig. Aus diesem kann erhellen, daß durch das Bittere und die Bitterkeit im allgemeinen die Verfälschung und Schändung des Wahren und Guten bezeichnet wird, und daß die verschiedenen Arten derselben durch Galle, Wermut, Myrrhe, Herlinge, Koloquinten, usw. bezeichnet werden. <EKO 618>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 161 →
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