Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Knechte und Mägde werden hin und wieder im Worte genannt und durch dieselben werden im inneren Sinn diejenigen Dinge bezeichnet, die beziehungsweise niedriger und geringer sind, wie dies die vernunftmäßigen und natürlichen Dinge sind gegenüber den geistigen und himmlischen. Unter den natürlichen Wahrheiten werden verstanden wissenschaftliche aller Art, denn diese sind natürlich; daß durch die Knechte und Mägde im Worte diese bezeichnet werden, ergibt sich aus dem inneren Sinn der Worte, wo sie genannt werden. Daß die Knechte die Wahrheiten, und die Mägde das Gute bedeuten, die dienlich sind, und so dem geistig und himmlisch Wahren und Guten dienen, erhellt noch deutlicher aus den in der vorbildlichen Kirche für die Knechte und Mägde gegebenen Gesetzen, welche Gesetze alle sich beziehen auf den Zustand der Kirche und des Reiches des Herrn im allgemeinen und besonderen, und wie das niedrigere Wahre und Gute, welches das natürliche und das vernunftmäßige ist, dem Geistigen und Himmlischen, somit Göttlichen dienen soll. Diese Gesetze haben ihren Ursprung von den Gesetzen des Wahren und Guten im Himmel, und beziehen sich auf sie im inneren Sinn, aber teils durch Entsprechendes, teils durch Vorbildliches, und teils durch sinnbildlich Bezeichnendes. Nachdem aber die Vorbildungen und sinnbildlichen Bezeichnungen, die das Äußerste und Unterste des Gottesdienstes waren, abgeschafft worden sind, hörte auch ihre Notwendigkeit auf. Würden nun diese Gesetze, nach den Gesetzen der Ordnung des Wahren und Guten, und nach den Vorbildungen und den sinnbildlichen Bezeichnungen ausgelegt werden, so würde sich herausstellen, daß durch die Knechte nichts anderes bezeichnet wird, als die vernunftmäßigen und wissenschaftlichen Wahrheiten, die niedrigere Wahrheiten sind, und daher den geistigen Wahrheiten dienen müssen, und durch die Mägde deren Gutes, das zwar, weil es auch ein niedrigeres ist, dienen muß, jedoch auf andere Weise, daher einige in Beziehung auf die Mägde gegebene Gesetze sich unterscheiden von den in Beziehung auf die Knechte gegebenen Gesetzen; denn die Wahrheiten an sich betrachtet sind mehr Knechte als ihr Gutes. <HG 2567>
Die Dienerin, sodann die Magd, sofern sie ist die Neigung zu den Erkenntnissen, die dem auswendigeren Menschen angehören; und weil jene Neigung das Mittel ist, die inwendigeren Wahrheiten mit den natürlichen oder äußeren Wahrheiten zu verbinden, darum wird hier durch die Dienerin bezeichnet das bejahende Mittel zwischen denselben; und aus der vorbildlichen Bedeutung der Bilha, sofern sie ist die Beschaffenheit jenes Mittels. Durch die Mägde, die dem Jakob von der Rachel und Leah zu Weibern gegeben wurden, daß sie Kinder zeugen sollten, ist im inneren Sinn nichts anderes vorgebildet und bezeichnet, als solches was dient, hier zu einem Mittel der Verbindung, nämlich des inwendigeren Wahren mit dem äußeren. Wenn der Mensch wiedergeboren wird, dann muß der inwendige Mensch verbunden werden mit dem äußeren, mithin das Gute und Wahre, das dem inwendigen Menschen angehört, mit dem Guten und Wahren, das dem äußeren angehört; denn das Wahre und Gute macht den Menschen zum Menschen. Jenes kann nicht verbunden werden ohne Mittel. Die Mittel sind von der Art, daß sie etwas in sich haben von dem einen Teil und etwas von dem anderen, und sie machen, daß inwieweit der Mensch näher kommt dem einen, insoweit der andere Teil untergeordnet wird. Diese Mittel sind es, die durch die Mägde bezeichnet werden: die Mittel von seiten des inwendigen Menschen durch die Mägde der Rachel, und die Mittel von seiten des äußeren Menschen durch die Mägde der Leah. Daß Mittel der Verbindung sein müssen, kann daraus erhellen, daß der natürliche Mensch aus sich mit dem Geistigen gar nicht übereinstimmt, sondern daß er so sehr von ihm abweicht, daß er ihm ganz entgegengesetzt ist: Denn der natürliche Mensch hat sich im Auge und liebt sich selbst und die Welt, der geistige aber hat nicht sich selbst und die Welt im Auge, außer soweit es frommt zur Förderung von Nutzzwecken in der geistigen Welt, somit beabsichtigt er dessen Dienstbarkeit, und liebt diese wegen des Nutzens und des Zwecks. Darum ist es, wenn der Mensch geistig werden soll, notwendig, daß das, was dem äußeren Menschen angehört, zum Gehorsam gebracht wird. Es müssen also die selbstischen und weltlichen Zwecke abgelegt und die Zwecke für den Nächsten und für das Reich des Herrn angenommen werden. Jene können gar nicht abgelegt und diese nicht angenommen, also auch nicht verbunden werden, außer durch Mittel. Diese Mittel sind es, die durch die Mägde, und insbesondere durch die vier von den Mägden geborenen Söhne bezeichnet werden. Das erste Mittel ist das bejahende oder die Bejahung des inwendigen Wahren, nämlich, daß es so sei. Wenn die Bejahung geschieht, dann ist der Mensch im Anfang der Wiedergeburt. Das Gute wirkt vom Inwendigen her und macht die Bejahung. Dieses Gute kann nicht einfließen in das Verneinende, nicht einmal in das Zweifelnde, ehe diese Bejahung eintritt. Dasselbe Gute äußert sich hernach durch die Neigung, nämlich dadurch, daß der Mensch vom Wahren angeregt wird, oder anfängt eine Freude daran zu haben. Zuerst, daß er es weiß, und nachher, daß er danach tut. <HG 3913>
“Bis sein Herr in sein Haus kam” bedeutet, um es dem natürlich Guten mitzuteilen. Dies erhellt aus der Bedeutung des Herrn, sofern er das natürliche, nicht geistig Gute ist. Haus im inneren Sinn ist das natürliche Gemüt, denn das natürliche Gemüt wie auch das vernünftige Gemüt ist wie ein Haus; der Gatte daselbst ist das Gute, die Gattin ist das Wahre, die Töchter und Söhne sind die Neigungen zum Guten und Wahren, dann auch Gutes und Wahres, das von jenen als von Eltern abstammt; die Mägde und Knechte sind Vergnügungen und Kenntnisse, die dienen und begründen. <HG 5023>
“Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist” bedeutet, alsdann sei der Himmel und die Seligkeit in allem und jedem, das im Inneren und Äußeren des Menschen ist. Dies erhellt aus der Bedeutung von “kein Werk tun”, insofern es die Ruhe und den Frieden bezeichnet, somit den Himmel; denn wenn sich der Mensch im Himmel befindet, ist er frei von aller Sorge, Unruhe und Beängstigung, und wenn er von diesen frei ist, genießt er die Seligkeit. Ferner aus der Bedeutung von “du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, und dein Fremdling, der in deinen Toren ist”, insofern es alles und jedes bezeichnet, das im Inneren und Äußeren des Menschen ist. Durch “du” wird nämlich der Mensch selbst bezeichnet, durch Sohn sein Verstandesvermögen, durch Tochter sein Willensvermögen, beides im inneren Menschen; durch Knecht wird das Natürliche in Ansehung des Wahren, und durch Magd das Natürliche in Ansehung des Guten bezeichnet, somit beides im äußeren Menschen. Durch Vieh wird die Neigung im allgemeinen, und durch den Fremdling in den Toren das Wißtümliche im allgemeinen bezeichnet, somit alles und jedes einzelne. <HG 8890>
Es gibt solche, die im Wahren sind, aber nicht in der Neigung zu demselben, und es gibt solche, die auch zugleich in der Neigung zu demselben sind. Jene wurden vorgebildet durch die Knechte aus den Söhnen Israels, diese aber durch die Mägde, auch aus den Söhnen Israels. Durch die Mägde wurden jedoch nicht diejenigen vorgebildet, die in echter Neigung zum Wahren sind, sondern die in der unechten sind. Der Unterschied zwischen denjenigen, die im Wahren ohne die Neigung zu demselben sind, und durch Knechte vorgebildet wurden, und denen, die in der Neigung zum Wahren sind und durch Mägde vorgebildet wurden, ist derselbe, wie zwischen dem Wissen und dem Wollen des Wahren. Das Wahre wissen, bezieht sich nur auf das Verstandesgebiet, aber das Wahre wollen, auf das Willensgebiet, deshalb ist der Unterschied so, wie zwischen Wissen und Neigung. Die im Wissen des Wahren und Guten sind, und im vorbildlichen Sinn Knechte oder Männer sind, werden vom Wahren und Guten nicht angeregt, sondern nur vom Wissen desselben, demnach haben sie Freude an den Wahrheiten wegen der Erkenntnis derselben. Diejenigen aber, die in der Neigung zum Wahren und
Guten sind, und im vorbildlichen Sinn die Mägde oder Weiber sind, werden nicht vom Wissen angeregt, sondern von dem Wahren und Guten selbst, wenn sie dasselbe bei anderen hören und wahrnehmen. Diese Art der Anregung oder Neigung ist bei guten Frauen gewöhnlich; aber die Neigung zur Erkenntnis des Wahren ist bei den Männern gewöhnlich. Daher kommt es, daß diejenigen, die in einem geistigen Innewerden sind, die Frauen lieben, die von den Wahrheiten angeregt werden, die Frauen dagegen, die nur in dem Wissen derselben sind, nicht lieben. Es ist nämlich der göttlichen Ordnung gemäß, daß die Männer in den Kenntnissen, die Frauen aber nur in den Neigungen dazu sind, damit sie sich nicht selber wegen ihrer Kenntnisse lieben, sondern die Männer, woraus das eheliche Verhältnis sich bildet. Daher kommt es auch, daß von den Alten gesagt wurde, die Frauen sollten schweigen in der Kirche oder Gemeinde. Weil es sich nun so verhält, deshalb werden die Kenntnisse und die Erkenntnisse durch Männer, und die Neigungen durch Frauen vorgebildet, hier durch die Mägde die Neigungen zum Wahren, die aus den Lustreizen der natürlichen Liebesarten hervorgehen. Weil solche ganz anderer Natur sind als die, welche von den Kenntnissen angeregt werden, darum verhält es sich ganz anders mit den Mägden als mit den Knechten. Das ist es nun, was dadurch bezeichnet wird, daß die Magd nicht ausgehen sollte, wie die Knechte ausgehen. Man merke jedoch, daß dies sich so verhält bei denen, die dem geistigen Reich des Herrn angehören, umgekehrt aber bei denen, die dem himmlischen Reich angehören: in diesem sind die Männer in der Neigung, die Frauen aber in den Erkenntnissen das Guten und Wahren; dadurch bildet sich bei ihnen das eheliche Verhältnis. <HG 8994>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 9 →
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