Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Die Älteste Kirche hatte keinen anderen Glauben, als den der Liebe zum Herrn und gegen den Nächsten. Die Lehre der Ältesten Kirche wurde verfälscht, indem man sich zum Glauben bekannte, und so den Glauben von der Liebe trennte. Die, welche so die Lehre verfälschten oder den Glauben von der Liebe trennten, oder sich zum bloßen Glauben bekannten, wurden damals Kain genannt, und es war dies bei ihnen etwas sehr Arges. <HG 337>
Kain bezeichnet den Glauben. <HG 338>
Daß unter dem Ende der Tage verstanden wird der Fortgang der Zeit, kann jedem klar sein. Es stellt sich heraus, daß diese Lehre, die Kain genannt wird, in ihrem Anfang, da ihr noch Einfalt innewohnte, nicht so mißfällig gewesen war, wie nachher, was daraus erhellt, daß sie das Erzeugte den erworbenen Mann Jehovah nannten. Somit war auch im Anfang der Glaube nicht so von der Liebe getrennt, wie am Ende der Tage oder im Fortgang der Zeit, wie es mit jeder Lehre des wahren Glaubens zu geschehen pflegt. <HG 347>
Es wird hier beschrieben die Glaubenslehre, die Kain heißt. Weil diese den Glauben getrennt hat von der Liebe, so hat sie ihn auch getrennt von der Liebtätigkeit, die eine Frucht der Liebe ist. Überall wo eine Kirche ist, da entstehen auch Ketzereien, und dies darum, weil, sobald man bei einem Glaubensartikel stehenbleibt, dieser zur Hauptsache gemacht wird; denn so ist das Denken des Menschen, daß er, indem er sein Augenmerk auf irgendeine Sache richtet, diese der anderen vorzieht, hauptsächlich wenn die Phantasie jene als eigene Erfindung anspricht, und wenn die Selbst- und Weltliebe dabei einflüstern; dann stimmt gleichsam alles bei, und bekräftigt es, so daß man beinahe schwört, es sei so, während es doch falsch ist. Wie denn die, welche Kain genannt wurden, den Glauben zum Wesentlichen in Vorzug
von der Liebe machten; und weil sie so ohne Liebe lebten, wirkte sowohl die Selbstliebe, als die aus ihr kommende Einbildung darauf ein. <HG 362, 356>
Durch Kain wird der von der Liebe getrennte Glaube verstanden. Um dies zu verstehen, muß man wissen, wie es sich mit Glauben verhält. Die Älteste Kirche war von der Art, daß sie keinen Glauben anerkannte, außer dem, der von der Liebe kommt, was so weit ging, daß sie den Glauben nicht einmal nennen wollten; denn alles, was Sache des Glaubens, wurden sie inne durch die Liebe vom Herrn; von der Art sind auch die himmlischen Engel. Weil aber vorausgesehen wurde, daß das menschliche Geschlecht nicht lange werde so sein können, und daß man den Glauben von der Liebe zum Herrn trennen und aus dem Glauben eine besondere Lehre machen werde, wurde auch Vorsehung getan, daß er zwar getrennt wurde, jedoch immerhin so, daß man durch den Glauben oder durch die Glaubenserkenntnisse vom Herrn Liebtätigkeit empfing, so daß das Erkennen oder Hören voranging, und durch das Erkennen oder Hören vom Herrn Liebtätigkeit, das ist Liebe zum Nächsten und Barmherzigkeit, geschenkt wurde, welche Liebtätigkeit nicht bloß vom Glauben unzertrennlich war, sondern auch die Hauptsache des Glaubens ausmachte. <HG 393, 394>
Die Irrlehre, die Kain genannt und mit dem Fortgang der Zeit verödet wurde, denn sie erkannte zwar die Liebe an, aber sie machte den Glauben zur Hauptsache und zog ihn der Liebe vor. <HG 409>
Weil der Zustand des Menschen dieser Kirche, die Noach genannt wird, ein ganz anderer geworden ist, als der Zustand des Menschen der Ältesten Kirche, so konnte derselbe nicht mehr so unterwiesen und erleuchtet werden, wie der Urmensch, weil das Innere verschlossen war, so daß keine Gemeinschaft mehr mit dem Himmel war, außer eine unbekannte. Darum konnte er auch nicht anders belehrt werden, als auf dem äußeren Wege, d.h. dem der Sinne oder dem Sinnlichen. Deshalb sind, vermöge der Vorsehung des Herrn, die Lehrsätze des Glaubens nebst einigen Offenbarungen der Ältesten Kirche zum Gebrauch dieser Nachkommenschaft erhalten worden. Diese Lehrsätze sind zuerst von Kain gesammelt und aufgehoben worden, damit sie nicht verlorengingen, daher es von Kain heißt, es sei ihm ein Zeichen gesetzt worden, daß niemand ihn töte. <HG 609, 920>
Das geistige Geheimnis in der Geschichte von Kain und Abel ist dieses: Abel bildet dort das Gute der Liebtätigkeit vor und Kain das Wahre des Glaubens; jenes Gute und dieses Wahre werden auch im Wort Brüder genannt; und zwar das Wahre des Glaubens der Erstgeborene, aus dem Grunde, weil die Wahrheiten, die nachher Angehör des Glaubens werden, zuerst erworben und ins Gedächtnis niedergelegt werden, damit das Gute daraus wie aus einem Magazin das entnehme, was es mit sich verbinden und was es zur Glaubenssache machen will. Das Wahre wird nämlich nicht eher Glaubenssache, als wenn der Mensch es will und es tut,
und in dem Maß, als der Mensch es tut, verbindet ihn der Herr mit Sich und dem Himmel, und fließt aus der Liebe mit dem Guten ein, und durch das Gute in die Wahrheiten, die der Mensch von Kindheit an erworben hat, und verbindet sie mit dem Guten und macht sie zu Glaubenssachen. Vorher sind sie eben nichts als Kenntnisse und Wissenssachen, denen der Mensch keinen anderen Glauben schenkt, als wie Dingen, die er von einem anderen gehört hat, und von denen er wieder abtreten kann, wenn er nachher anders denkt. Daher ist dieser Glaube der Glaube eines anderen in ihm und nicht sein eigener, und doch muß der Mensch seinen eigenen Glauben haben, wenn er ihn nach dem Tod erwarten soll, und alsdann wird er sein eigen, wenn er das, was er glaubt, sieht, will und tut; denn alsdann geht er in den Menschen ein und bildet seinen Geist und wird Gegenstand seiner Neigung und seines Denkens; denn der Geist des Menschen ist in seinem Wesen nichts anderes, als seine Neigung und sein Denken; was Sache der Neigung ist, das wird gut genannt, und was von daher Sache des Denkens ist, das wird wahr genannt. Der Mensch glaubt auch von nichts anderem, daß es wahr sei, als was Sache seiner Neigung ist, aber der inwendigeren Neigung, die seinem Geist angehört. Was der Mensch aus der inwendigeren Neigung denkt, das ist daher sein Glaube; alles übrige aber, das er in seinem Gedächtnis hat, mag er es aus dem Wort oder aus der Lehre der Kirche durch das Lesen oder aus der Predigt oder aus dem eigenen Verstand entnommen haben, ist nicht der Glaube, mag er immerhin meinen, daß er es sei. Dieses ist das Erstgeborene und Erste, was Kain in jener Geschichte vorbildet und bezeichnet, denn Kain war der Erstgeborene. Wenn man solches für den Glauben hält, der den Menschen selig macht, ohne daß man es will und es tut, d.h. danach lebt, so entsteht die verdammliche Irrlehre, daß der Glaube allein selig mache, mag das Leben beschaffen sein, wie es wolle, und daß es einen Glauben gebe ohne Leben, während doch das kein Glaube ist, sondern nur ein Wissen, das außerhalb des Menschen in seinem Gedächtnis seinen Sitz hat, und nicht innerhalb seiner im Leben. Und wenn dies Glaube genannt wird, so ist es ein historischer Glaube, und dieser Glaube ist der Glaube eines anderen bei ihm, und empfängt nicht früher Leben, als wenn er das, was er aufgefaßt hat, selbst sieht, daß es wahr ist. Er sieht es aber erst dann, wenn er es will und es tut. Wenn diese Irrlehre überhand nimmt, dann wird die Liebtätigkeit, die das Gute des Lebens ist, vernichtet, und zuletzt, als unwesentlich zur Seligkeit, verworfen. Dies wurde dadurch vorgebildet, daß Kain seinen Bruder Abel tötete, denn der Glaube und die Liebtätigkeit, oder das Wahre des Glaubens und das Gute der Liebtätigkeit, werden Brüder genannt im Wort, wie oben gesagt wurde. Daß Jehovah an Kain ein Zeichen machte, daß er nicht getötet werden sollte, bedeutet, Er habe ihn von anderen unterschieden und erhalten, weil es keinen seligmachenden Glauben geben kann, wenn nicht der historische Glaube vorhergeht, der die Kenntnis von Dingen der Kirche und des Himmels ist, die man von anderen empfängt; mit einem Wort, er ist das Wissen solcher Dinge, die nachher Glaubenssachen werden sollen. Denn wenn der Mensch nicht von Kind auf Wahrheiten auffaßte aus dem Wort oder aus der Lehre der Kirche oder aus der Predigt,
so wäre er leer; in einen leeren Menschen fällt aber keine Einwirkung und findet kein Einfluß aus dem Himmel vom Herrn statt; denn der Herr wirkt und fließt ein durch das Gute in die Wahrheiten beim Menschen, und verbindet sie, und macht, daß die Liebtätigkeit und der Glaube eins sind. Aus diesem kann erhellen, was es bedeutet, daß Jehovah an Kain ein Zeichen gemacht habe, daß niemand ihn töten sollte, und wer ihn töten würde, siebenfältig gerächt werden sollte. Außerdem werden diejenigen, die bloß im historischen Glauben sind, d.h. im Wissen solcher Dinge, die dem Glauben angehören, die durch Kain vorgebildet werden, auch erhalten, weil sie andere die Wahrheiten aus dem Wort lehren können, denn sie lehren aus dem Gedächtnis. <EKO 427>
Durch Kain werden die Erkenntnisse des Wahren und Guten bezeichnet, die aber von dem ihnen entsprechenden Leben, und somit von der himmlischen Liebe getrennt sind; durch Abel aber wird die himmlische Liebe bezeichnet; oder was dasselbe ist, durch Kain wird das vom Guten getrennte Wahre bezeichnet und durch Abel das mit dem Wahren verbundene Gute. Und weil das Wahre das Erste der Kirche ist, denn jede Kirche wird durch Wahrheiten gebildet, weil mit den Erkenntnissen des Wahren und Guten jede Kirche beginnt, deshalb war Kain der Erstgeborene und wurde der Mann Jehovahs genannt (1.Mose 4/1), denn durch den Mann Jehovahs wird im Wort das Wahre des Himmels und der Kirche bezeichnet, und durch das Feld, welches Kain bebaute, die Kirche; aber die Trennung des Wahren vom Guten wird durch den von Kain verübten Mord Abels bezeichnet. Denn wenn das Ganze der Kirche in die Wahrheiten und Erkenntnisse und nicht auch in das Gute und in die Neigung den Wahrheiten gemäß zu leben, gesetzt wird, dann wird das Gute mit seinen Neigungen getötet; und weil das Ganze der Kirche zugrunde geht, wenn das Wahre vom Guten getrennt wird, deshalb ward Kain aus dem Lande verstoßen, das, wie gesagt, die Kirche bezeichnet. Weil aber gleichwohl die Wahrheiten das Erste der Kirche sind, denn die Wahrheiten müssen den Weg lehren, deshalb wurde an Kain ein Zeichen gemacht, daß ihn niemand töten sollte und dabei bestimmt, daß, wer ihn töte, siebenfach gestraft werden müsse. Und weil das Wahre ohne das Gute unsicher hin und her wankt, denn es ist kein Führer da, deshalb versinkt es nach und nach in das Falsche und irrt ab vom Weg, der zum Himmel führt, und darum wurde Kain von dem Angesicht Jehovahs vertrieben, und wurde unstet und flüchtig. Ebenso verhält es sich mit dem Glauben und der Liebtätigkeit, denn der Glaube ist Sache des Wahren, die Liebtätigkeit Sache des Guten; daher verhält es sich mit dem von der tätigen Liebe getrennten Glauben ebenso, wie mit dem, was von Kain gesagt wird, daß er nämlich den Abel, seinen Bruder, d.h. die tätige Liebe tötet, und die Kirche dadurch zugrunde geht, was bezeichnet wird durch das Vertriebenwerden aus dem Lande und durch das Unstet- und Flüchtigsein; denn wenn der Glaube von der Liebtätigkeit getrennt wird, dann verwandelt sich das Wahre allmählich in Falsches und zerstiebt. <EKO 817>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 271 →
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