Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Denn der Vorhof ist den Heiden gegeben” bedeutet, weil es verkehrt worden ist durch Böses des Lebens und Falsches der Lehre. Dies erhellt aus der Bedeutung der Heiden (Völkerschaften), sofern sie die bezeichnen, die in Bösem in Ansehung des Lebens und daher in Falschem in Ansehung der Lehre sind, und im abgezogenen Sinn das Böse des Lebens und das Falsche der Lehre.
Daß das Äußere des Wortes und daher der Kirche und des Gottesdienstes durch Böses des Lebens und Falsches der Lehre verkehrt wurde, kommt daher, weil das Äußere des Wortes, welches sein Buchstabensinn genannt wird, den Scheinbarkeiten in der Welt gemäß ist, indem er für Kinder und Einfältige bestimmt ist, die nichts, was gegen die Scheinbarkeiten ist, begreifen. Daher werden diese durch den Buchstabensinn, wo die Scheinwahrheiten sind, in die inwendigeren Wahrheiten eingeführt, sowie sie an Alter zunehmen, und so werden die Scheinbarkeiten nach und nach ausgezogen, und an deren Statt inwendigere Wahrheiten eingepflanzt. Dies kann mit unzähligen Beispielen erläutert werden, z.B.: Daß wir beten, Gott möge uns nicht in Versuchungen führen. Es wird so gesagt, weil es scheint, als ob Gott hineinführe, während Er doch niemand in Versuchungen führt. Ebenso, daß Gott zürne, strafe, in die Hölle werfe, den Gottlosen Böses tue und dergleichen mehr, während doch Gott gar nicht zürnt, straft und in die Hölle wirft, und gar niemanden Böses tut; sondern der Gottlose tut es sich selbst durch sein Böses, denn dem Bösen selbst wohnt das Böse der Strafe inne; dennoch wird in sehr vielen Stellen im Wort so gesagt, weil es so scheint. <EKO 631>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 60 →
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