Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Ferne stehen bedeutet die Entfernung vom Inneren, d.h. die Entfernung vom Guten oder die Entfernung vom Himmel. <HG 8918>
“Und von ferne stehend aus Furcht vor der großen Qual” bedeutet, wenn sie im Äußeren sind aus Furcht vor den höllischen Strafen. Dies erhellt aus der Bedeutung von: von ferne stehen, insofern es bezeichnet, im Äußeren sein; und aus der Bedeutung der Furcht vor der Qual, indem sie die Furcht vor den höllischen Strafen bezeichnet, denn die Qual bedeutet diese Strafen. Von ferne stehen bedeutet aber im Äußeren sein, weil der Mensch in sich ist, wenn er in seinem Inneren ist, denn hier wohnt seine Liebe und daher auch sein eigentliches Leben. Das Innere des Menschen ist das, was seinem Geist angehört, und wird im Wort unter dem Nahen verstanden; daher wird das Äußere, weil es vom Inneren entfernt ist, unter dem Fernen verstanden, hier unter dem: von ferne stehen. Jeder böse Mensch erscheint auch wirklich, während er im Äußeren ist, nicht so, wie er in seinem Inneren ist; denn dann redet und handelt er nicht nur anders, sondern er denkt und will auch anders. Sein Denken und Wollen ist nämlich darauf gerichtet, daß er als ein bürgerlich und moralisch guter Mensch, ja, auch als ein geistiger Mensch erscheine, und zwar wegen des Gesetzes und seiner Strafen, oder auch um des guten Rufes, der Ehre und des Gewinns willen, somit aus Furcht vor dem Verlust derselben. Daß er dann gleichsam ferne von sich steht, geht daraus hervor, daß er, sobald er in sein Inneres zurückkehrt, - und dies geschieht, wenn er allein ist, - sofort ganz anders denkt und will, und auch mit seinen ihm gleichen Genossen anders redet. Hieraus erhellt, daß: von ferne stehen, im geistigen Sinn bedeutet, im Äußeren sein. Die Hauptursache, aus welcher der böse Mensch in sein Äußeres eingeht oder kommt, liegt in der Furcht; wenn er nämlich die Strafen und Qualen seiner Genossen sieht, dann verschließt die Furcht sein Inneres und dann ist er in seinem Äußeren, und bleibt in demselben, solange die Strafe seinem Geist vorschwebt. Dennoch wird sein Inneres durch die Strafen nicht gebessert, sondern bleibt dasselbe wie zuvor; sobald daher die Furcht vor der Strafe zurückweicht, kehrt er zu seinem Bösen zurück, das in seinem Inneren wohnt und seinem Geist sowohl als seinem Leben angehören. Dies läßt sich durch die Erfahrung aus der geistigen Welt beleuchten: Daselbst wird der böse Geist durch die Strafen dahin gebracht, daß er nichts Böses redet oder tut, solange er an dem Ort ist, wo die Strafe seinem Gemüt vorschwebt; sobald aber die Furcht vor der Strafe zurückweicht, ist er böse wie zuvor. Ähnliches findet auch in der Welt statt: solange die Diebe, Räuber und andere Verbrecher sich in einer Stadt befinden, wo alle durch das Gesetz und seine Strafen zurückgeschreckt werden, stehlen und rauben sie nicht; aber sobald sie in ihre Wälder kommen, oder an Orte, wo sie die Strafen des Gesetzes nicht fürchten, oder wenn sie das Gesetz arglistig verdrehen und dadurch die Strafe von sich abwenden können, kommen sie in ihr Inneres und begehen ihre Verbrechen. Hieraus erhellt, daß das Äußere von dem Inneren getrennt ist und
gleichsam von ferne steht, und daher kommt es, daß im Wort durch das Ferne das Äußere bezeichnet wird, d.h. das, was vom Inneren entfernt ist. Im entgegengesetzten Sinn wird durch die Ferne das Böse bezeichnet, weil dieses im äußeren Menschen ist; denn alle, die im Bösen und dadurch auch im Falschen sind, sind äußerliche Menschen. Daß die Fernen diejenigen bedeuten, die im Äußeren der Kirche sind, kann man auch an denen erkennen, die in der geistigen Welt im Äußeren und an denen, die im Inneren sind: diese sind im Süden, jene im Norden, und sind voneinander entfernt je nach den Graden der Aufnahme des Wahren und Guten. <EKO 1133>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 158 →
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