Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
In diesem Vers, 1.Mose 3/20, wird beschrieben die erste Zeit, wo die Kirche in der Blüte ihrer Jugend war, indem sie die himmlische Ehe in sich darstellte, daher sie auch durch eine Ehe beschrieben und Chavah genannt wird vom Leben. <HG 291>
Daß durch Mann und Weib bezeichnet wird die Ehe zwischen dem Glauben und der Liebe, ist früher gesagt und gezeigt worden, nämlich daß das Männliche oder der Mann bezeichne den Verstand und was Sache des Verstandes, somit was Sache des Glaubens ist; und das Weib bezeichne den Willen oder was Sache des Willens, somit was Sache der Liebe ist, weshalb sie auch genannt wurde Chavah, vom Leben, das bloß Sache der Liebe ist. Darum wird durch Weib auch bezeichnet die Kirche, und durch das Männliche (masculus) der Mann der Kirche. Es wird hier gehandelt vom Zustand der Kirche, da sie geistig war, aber bald himmlisch wurde, weshalb das Männliche vorausgeht, gerade wie 1.Mose 1/26,27; auch bezieht sich das Wort Schaffen auf den geistigen Menschen; gleich hernach aber, nachdem die Ehe zustande gekommen oder die Kirche himmlisch geworden ist, wird nicht Mann und Weib, sondern Mensch gesagt, der beide infolge der Ehe bezeichnet. Daher folgt gleich darauf: “und Er nannte ihren Namen Mensch”, wodurch die Kirche bezeichnet wird. <HG 476>
Wie die Geschichte von der Schöpfung des Himmels und der Erde, die vom ersten Kapitel des ersten Buches Mose an bis dahin, wo von der Sündflut gehandelt wird, enthalten ist, zu verstehen ist, kann niemand wissen, außer durch den geistigen Sinn, der bis ins einzelne im Buchstabensinn liegt; denn die Geschichte von der Schöpfung vom Garten in Eden, von den Nachkommen Adams bis zur Sündflut ist nicht wirkliche, sondern gemachte Geschichte, gleichwohl aber höchst heilig, weil die einzelnen Sinne und die einzelnen Worte darinnen Entsprechungen sind und daher geistige Dinge bedeuten. Dies kann jeder, der einige Schärfe des Verstandes besitzt, aus der Schöpfungsgeschichte im ersten Kapitel erkennen, die mit dem Lichte beginnt, während die Sonne noch nicht vorhanden ist, und aus mehreren anderen Umständen, wie auch aus der Schöpfung der Eva, der Gattin Adams aus einer Rippe desselben, ferner aus den zwei Bäumen im Paradies, und aus dem Verbote, daß sie nicht essen sollten vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, und daß sie gleichwohl von der Schlange verführt wurden und davon aßen, obwohl sie die Weisesten waren. Ferner daraus, daß Jehovah solche Bäume mitten in den Garten pflanzte und duldete, daß sie von der Schlange verführt wurden, von dem verbotenen Baum zu essen, was Er doch hätte abwenden können, und endlich, daß durch das bloße Essen von diesem Baum das ganze Menschengeschlecht zum ewigen Tode verurteilt wurde. Wer sieht nicht, daß dies im Widerspruch steht mit der göttlichen Liebe und mit der göttlichen Vorsehung und Voraussicht, abgesehen von vielem anderen, was nur ein blinder Verstand einfältig glauben kann. Gleichwohl schadet es nicht, wenn diese Dinge von Kindern und Einfältigen nach dem buchstäblichen Sinn geglaubt werden, weil diese Geschichten, wie das übrige im Wort, die menschlichen Gemüter mit den Gemütern der Engel verbindet, denn die Engel sind im geistigen Sinn, während die Menschen im natürlichen Sinn sind. Was aber jene Geschichten im geistigen Sinn in sich schließen, soll nun mit wenigen Worten gesagt werden: Im ersten Kapitel wird von der neuen Schöpfung gehandelt, d.h. von der Errichtung der Kirche, welche die Älteste Kirche auf unserem Erdkörper war, und auch die
vortrefflichste von allen, denn es war eine himmlische Kirche, weil sie in der Liebe zum Herrn stand. Daher waren die Angehörigen dieser Kirche die Weisesten, und standen in einer fast unmittelbaren Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels, durch die sie vom Herrn Weisheit erhielten. Und weil sie in der Liebe zum Herrn waren und Offenbarungen aus dem Himmel erhielten, und weil sie die geoffenbarten göttlichen Wahrheiten sogleich im Leben anwendeten, so waren sie in dem gleichen Zustand, in dem die Engel des dritten Himmels sind, deshalb besteht auch dieser Himmel hauptsächlich aus den Menschen jener Kirche. Diese Kirche ist unter Adam und seinem Weibe zu verstehen, aber durch den Garten in Eden wird ihre Einsicht und Weisheit bezeichnet, und auch durch alles beschrieben, was von diesem Garten erzählt wird; wenn man es nämlich im geistigen Sinn versteht; und in welcher Weise diese Weisheit bei ihren Nachkommen verlorenging, wird durch das Essen vom Baum der Erkenntnis beschrieben; denn durch die beiden Bäume in der Mitte des Gartens wird das Innewerden vom Herrn und das Innewerden von der Welt her bezeichnet: durch den Baum des Lebens das Innewerden vom Herrn, und durch den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen das Innewerden von der Welt her, das jedoch an sich nur ein Erkennen und ein Wissen ist. Durch die Schlange aber, die sie verführte, wird das Sinnliche des Menschen bezeichnet, was unmittelbar mit der Welt in Gemeinschaft steht; deshalb wird unter ihrer Verführung durch die Schlange die Verführung durch das Sinnliche verstanden, das alle seine Wahrnehmungen aus der Welt und nichts aus dem Himmel empfängt. Die Menschen der himmlischen Kirche sind nämlich so beschaffen, daß sie alles Wahre und Gute vom Herrn durch das Einfließen in ihr Inneres empfangen, weshalb sie das Wahre und Gute so schauen, als ob es ihnen gleichsam eingepflanzt wäre, und nicht nötig haben, es auf dem mittelbaren Weg durch Nachdenken zu erlernen und ihr Gedächtnis damit zu bereichern. Daher stellen sie keine Vernunft- Erörterungen an, ob sich etwas so oder anders verhalte, denn wer das Wahre in sich schaut, der denkt nicht erst darüber nach, ob es möglich sei; denn ein solches Denken schließt den Zweifel in sich, ob es sich wirklich so verhalte. Deshalb reden sie auch niemals vom Glauben, denn der Glaube deutet immer auf etwas Unbekanntes hin, das man glauben muß, obwohl man es nicht sieht. Daß die Menschen der Ältesten Kirche so beschaffen waren, wurde mir aus dem Himmel offenbart; denn es wurde mir erlaubt, mit ihnen zu reden und mich zu unterrichten, wie man aus mehrerem ersehen kann, was von den Menschen jener Kirche in den Himmlischen Geheimnissen berichtet wurde. Man wisse aber, daß ihnen keineswegs verboten war, sich Erkenntnisse des Guten und Bösen aus dem Himmel zu verschaffen, denn durch solche Erkenntnisse wurde ihre Einsicht und Weisheit vervollkommnet; auch war es ihnen nicht verboten, Erkenntnisse des Guten und Wahren von der Welt her zu erwerben, denn dadurch bekam ihr natürlicher Mensch Kenntnisse. Aber verboten war ihnen, diese Erkenntnisse auf dem mittelbaren Wege zu schauen, weil ihnen verliehen war, alles, was in der Welt vor ihren Augen erschien, auf dem unmittelbaren Weg durch das Innewerden zu sehen. Auf diesem unmittelbaren Weg die Welt und was
darinnen ist, anschauen und daraus Erkenntnisse schöpfen, heißt, sie aus dem Lichte des Himmels empfangen und anschauen, und dadurch ihre Beschaffenheit erkennen; deshalb konnten sie auch durch Erkenntnisse aus der Welt die himmlischen Wahrheiten bestätigen und dadurch ihre Weisheit verstärken. Dagegen war es ihnen verboten, ihre Erkenntnisse aus der Welt auf dem mittelbaren Wege anzuschauen, was geschieht, wenn man aus ihnen Schlüsse über die himmlischen Dinge zieht, somit in einer verkehrten Ordnung, welche Ordnung von den Gelehrten die Ordnung des physischen oder natürlichen Einflusses genannt wird, der in Beziehung auf himmlische Dinge nicht möglich ist. So geartet wurden die Menschen der Ältesten Kirche, als sie anfingen, das Weltliche mehr zu lieben als das Himmlische und sich wegen ihrer Weisheit zu erheben und zu rühmen; daher wurden ihre Nachkommen sinnliche Menschen, und alsdann verführte sie ihr Sinnliches, was unter der Schlange verstanden wird, und dieses Sinnliche will auf keinem anderen Weg als auf dem mittelbaren in der Erkenntnis fortschreiten. Dies ist es daher, was bezeichnet wird durch den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, von dem zu essen ihnen verboten war. Daß es ihnen erlaubt war, sich Kenntnisse aus der Welt zu verschaffen und sie auf dem unmittelbaren inneren Wege zu schauen, wird dadurch bezeichnet, daß Jehovah Gott allerlei Bäume, lieblich anzuschauen und gut zum Essen, hervorwachsen ließ aus der Erde, denn durch die Bäume werden die Erkenntnisse und inneren Wahrnehmungen bezeichnet, durch lieblich zum Anschauen wird bezeichnet, was der Verstand begehrt, und durch gut zum Essen wird bezeichnet, was zur Nahrung für das Gemüt dient. Die Erkenntnisse des Guten und Bösen vom Herrn her, wodurch sie Weisheit erlangten, und die Erkenntnisse des Guten und Bösen von der Welt her, wodurch sie ihr Wissen erlangten, wurden durch den Baum des Lebens und durch den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen in der Mitte des Gartens vorgebildet. Daß ihnen erlaubt war, sich von allen Seiten Erkenntnisse anzueignen, sowohl vom Himmel als von der Welt her, wenn sie nur nicht in verkehrter Ordnung vorgingen, indem sie vom Weltlichen aus über das Himmlische urteilten, statt vom Himmlischen aus über das Weltliche zu urteilen und zu schließen, wird dadurch bezeichnet, da Jehovah Gott ihnen gebot, von allen Bäumen des Gartens zu essen, aber nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Daß sonst ihre Weisheit aus dem Himmel und ihre Kirche zugrunde gehen werde bei ihnen, wird durch die Worte bezeichnet: welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. Essen im geistigen Sinn bedeutet, sich aneignen. Daß das Sinnliche sie verführte, weil es der Welt am nächsten steht und daher alles Angenehme und Liebliche aus der Welt empfindet, wodurch es in Sinnestäuschungen gerät und das Himmlische unbeachtet läßt und auch verwirft, wird durch die Schlange bezeichnet. Die Schlange bedeutet das Sinnliche, aber nicht ein anderes, sondern ihr eigenes. Die Schlange ist auch der Teufel und Satan, weil das Sinnliche in Gemeinschaft mit der Hölle steht und eins mit ihr ausmacht; denn in dieser wohnt alles Böse des Menschen in seinem ganzen Umfang. Und weil der Mensch aus seinem Sinnlichen nach Sinnestäuschungen urteilt, und
aus dem Lustreiz der weltlichen und fleischlichen Triebe, und zwar mit Gewandtheit und List, deshalb wird gesagt: die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Jehovah Gott gemacht hatte; die Tiere des Feldes bezeichnen im geistigen Sinn die Neigungen des natürlichen Menschen. Weil nun das Sinnliche meint, daß die Weisheit durch Kenntnisse aus der Welt erworben werde und durch die natürlichen Wissenschaften, aber nicht durch den Einfluß vom Herrn aus dem Himmel, darum sagte wegen dieser Unkenntnis und Sinnestäuschung die Schlange zum Weibe: ihr werdet nicht sterben, sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon esset, eure Augen geöffnet werden und ihr sein werdet wie Gott, indem ihr das Gute und Böse erkennt; denn der sinnliche Mensch glaubt, daß er alles wisse und nichts ihm verborgen sei, ganz anders wie der himmlische Mensch, der weiß, daß er nichts aus sich, sondern alles aus dem Herrn weiß, wie auch, daß das, was er weiß, so wenig ist, daß es im Vergleich zu dem, was er nicht weiß, fast für nichts zu achten ist. Ihre Nachkommen aber glaubten sogar, sie seien Götter und wüßten alles Gute und alles Böse; aber wegen ihres Bösen konnten sie das himmlische Gute nicht erkennen, sondern nur das irdische und körperliche Gute, was doch an sich nicht gut ist; dagegen aus dem himmlischen Guten kann der Mensch das Böse erkennen. Daß die Neigung des natürlichen Menschen, nachdem sie von seinem Sinnlichen beredet war, glaubte, durch das Wissen von Kenntnissen aus der Welt könne man sich die Einsicht über die Dinge des Himmels und der Kirche verschaffen, wird dadurch bezeichnet, daß das Weib sah, der Baum sei gut zum Essen und lieblich für die Augen, und begehrenswürdig, um Einsicht zu erlangen. Durch das Weib wird hier die Neigung des natürlichen Menschen bezeichnet, die ihre Wünsche aus dem Sinnlichen empfängt und diese Neigung ist von solcher Beschaffenheit. Daß diese Neigung auch das Vernünftige verführte, wird dadurch bezeichnet, daß das Weib von der Frucht des Baumes nahm und aß, und auch ihrem Manne davon gab, und daß auch dieser aß. Durch den Mann des Weibes wird das Vernünftige bezeichnet. Daß sie sich jetzt des Wahren und Guten beraubt sahen, wird dadurch bezeichnet, daß nun die Augen beider geöffnet waren und sie selbst erkannten, daß sie nackt waren. Die Nacktheit, über die man errötet, bedeutet die Beraubung der himmlischen Liebe und daher auch des Guten und Wahren, und daß sie sich alsdann mit dem natürlich Wahren bekleideten, damit sie nicht von den himmlischen Wahrheiten entblößt erschienen, wird dadurch bezeichnet, daß sie Feigenblätter zusammennähten und sich Schürzen machten. Der Feigenbaum bedeutet den natürlichen Menschen und seine Blätter das wißtümlich Wahre. Ferner wird beschrieben, wie beschaffen ihr Sinnliches geworden sei, nämlich, daß es sich ganz vom Himmel abgewendet und zur Welt hingewendet habe und dadurch nichts Göttliches aufnahm: dies wird durch die Verfluchung der Schlange bezeichnet; denn das Sinnliche im Menschen kann nicht umgebildet werden, daher wird es nur entfernt, wenn der Mensch umgebildet und wiedergeboren wird, weil das Sinnliche am Körper haftet und für die Welt da ist, und daher die Lustreize derselben als etwas Gutes empfindet und auch so nennt. Deshalb wird
gesagt, der Weibessame werde ihr (der Schlange) den Kopf zertreten, und sie werde ihm die Ferse verletzen. Unter dem Samen des Weibes wird der Herr verstanden, durch den Kopf der Schlange wird alles Böse bezeichnet, und durch die Ferse des Herrn das göttlich Wahre in seinem Letzten, was bei uns der Buchstabensinn des Wortes ist. Diesen verkehrt und verfälscht der sinnliche Mensch oder das Sinnliche im Menschen, und verletzt ihn dadurch. Daß aber der buchstäbliche Sinn Schutz gewährt, auf daß der Herr nicht anders, als durch die Erscheinungswahrheiten angegangen werde, somit nicht durch die echten Wahrheiten von solchen, die im Bösen sind, wird durch die Cherube bezeichnet, die mit der Flamme des zuckenden Schwertes vor dem Garten Eden aufgestellt wurden, um den Baum des Lebens zu bewachen; aber dieses und das übrige in diesen Kapiteln, sehe man erklärt in den Himmlischen Geheimnissen.<EKO 739>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 133 →
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