Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Ein Jüngstes Gericht ist für eine jede Kirche, wenn sie verödet ist, oder wenn in ihr kein Glaube mehr ist; das Jüngste Gericht der Ältesten Kirche war, als sie zugrunde ging, wie in ihrer letzten Nachkommenschaft zunächst vor der Sündflut; das Jüngste Gericht für die jüdische Kirche war, als der Herr in die Welt kam: ein Jüngstes Gericht wird auch sein, wann der Herr kommen wird
in die Herrlichkeit; nicht daß alsdann untergehen wird die Erde, und untergehen wird die Welt, sondern daß untergeht die Kirche; aber es wird alsdann immer wieder eine neue Kirche vom Herrn erweckt; wie zur Zeit der Sündflut die Alte Kirche, und zur Zeit der Ankunft des Herrn die christliche Urkirche aus den Heiden; so auch wann der Herr kommen wird in die Herrlichkeit; dies wird auch unter dem neuen Himmel, und der neuen Erde, verstanden; gerade wie es ist bei einem jeden Wiedergeborenen, der ein Mensch der Kirche, oder eine Kirche wird; wenn dieser neu geschaffen ist, wird sein innerer Mensch genannt ein neuer Himmel, und der äußere eine neue Erde. <HG 931>
Unter den neuen Himmeln und der neuen Erde, von denen bei den Propheten und in der Offenbarung die Rede ist, nichts anderes verstanden wird, als das Reich des Herrn, und ein jeglicher, der ein Reich des Herrn ist, oder in dem das Reich des Herrn ist. <HG 1733>
“Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde” bedeutet, daß vom Herrn ein neuer Himmel aus den Christen gebildet worden sei, der heutzutage der christliche Himmel heißt, in dem die sind, die den Herrn verehrt und nach Seinen Geboten im Worte gelebt hatten, und infolgedessen tätige Liebe und Glauben haben; in diesem Himmel sind auch alle Kinder der Christen. Unter dem neuen Himmel und unter der neuen Erde wird nicht der natürliche Himmel verstanden, der vor den Augen erscheint, und nicht die natürliche Erde, die von den Menschen bewohnt ist, sondern der geistige Himmel und die Erde dieses Himmels, wo die Engel sind. Daß dieser Himmel und die Erde dieses Himmels zu verstehen sei, sieht jeder und gibt es zu, wenn er nur, während er das Wort liest, einigermaßen von der bloß natürlichen und materiellen Vorstellung abgewendet werden kann. Daß der Himmel der Engel verstanden wird, ist offenbar, da es in dem unmittelbar folgenden Vers heißt, er habe das heilige Jerusalem gesehen herabsteigend von Gott aus dem Himmel, und zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut, worunter nicht ein herabsteigendes Jerusalem zu verstehen ist, sondern eine Kirche, und die Kirche auf Erden steigt herab vom Herrn aus dem Himmel der Engel, weil die Engel des Himmels und die Menschen der Erde in allem, was die Kirche betrifft, eins ausmachen. Hieraus kann man sehen, wie natürlich und materiell diejenigen gedacht haben und noch denken, die aus jenen und aus den folgenden Worten in diesem Vers sich das Dogma vom Untergang der Welt und von einer neuen Schöpfung aller Dinge gebildet haben. Von diesem neuen Himmel ist in der Apokalypse schon einigemal gehandelt worden, besonders Kapitel 14 und 15. Er wird der christliche Himmel genannt, weil er abgesondert ist von den alten Himmeln, die aus den Menschen der Kirche vor der Ankunft des Herrn hervorgegangen waren. Diese alten Himmel sind oberhalb des christlichen Himmels; denn die Himmel sind wie Firmamente, einer über dem anderen; in gleicher Weise jeder einzelne Himmel; denn jeder einzelne Himmel für sich teilt sich wieder in drei Himmel ab, einen innersten oder dritten, einen mittleren oder zweiten,
und einen untersten oder ersten. Ich habe sie (die Bewohner dieses Himmels) gesehen und mit ihnen gesprochen. In diesem neuen Himmel sind alle, die von der ersten Gründung der christlichen Kirche an den Herrn verehrt und nach Seinen Geboten im Wort gelebt haben, und somit die, welche vom Herrn durch das Wort in der Nächstenliebe und zugleich im Glauben standen, die also nicht in totem Glauben, sondern im lebendigen Glauben waren. In diesem Himmel sind in gleicher Weise auch alle Kinder der Christen, weil sie von den Engeln zu jenen zwei wesentlichen Stücken der Kirche erzogen worden sind, nämlich zur Anerkennung des Herrn als des Gottes Himmels und der Erden, und zum Leben nach den Zehn Geboten. <EKO 1285>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 80 →
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