Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und ich sah einen starken Engel, der mit großer Stimme predigte” bedeutet den Einfluß des Herrn in den Himmel. Dies erhellt aus der Bedeutung des starken Engels, sofern er den Himmel vorbildet. Daß der starke Engel den Himmel bedeutet, kommt daher, weil der gesamte Engelshimmel vor dem Herrn ist wie ein Mensch oder wie ein Engel, ebenso eine jede Gesellschaft des Himmels. Deshalb wird durch den Engel im Wort nicht ein einzelner Engel verstanden, sondern eine ganze Engelsgesellschaft, z.B. durch Michael, Gabriel, Raphael; hier nun wird durch den starken mit großer Stimme predigenden Engel bezeichnet der Einfluß des Herrn in den ganzen Himmel. Daß in den ganzen Himmel, leuchtet auch aus dem Folgenden ein, denn es wird gesagt: und niemand konnte im Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde das Buch öffnen und hineinsehen. <EKO 302>
“Und ich sah einen anderen starken Engel herabkommen vom Himmel” bedeutet den Herrn in Ansehung des Wortes, hier in Ansehung seines letzten Sinnes, der
Buchstabensinn genannt wird. Dies erhellt aus der Bedeutung des starken Engels, sofern es der Herr in Ansehung des Wortes ist. Es heißt in Ansehung des Wortes in seinem letzten Sinn, welcher Buchstabensinn genannt wird, weil der Herr vermöge desselben stark heißt, denn alle Stärke und alle Macht des göttlich Wahren existiert und besteht in seinem Letzten, mithin im Buchstabensinn des Wortes. Weil der Buchstabensinn des Wortes verstanden wird, darum wird gesagt, der Engel sei gesehen worden vom Himmel herabkommen; das gleiche wird gesagt vom Wort, welches das göttlich Wahre ist: dieses kommt vom Herrn durch die Himmel in die Welt herab, deshalb ist es der Weisheit der Engel, die in den drei Himmeln sind, angepaßt, und auch den Menschen, die in der natürlichen Welt sind. Daraus folgt, daß das Wort in seinem allerersten Ursprung ganz göttlich ist, hernach himmlisch, dann geistig und zuletzt natürlich: himmlisch für die Engel des innersten oder dritten Himmels, die himmlische Engel genannt werden, geistig für die Engel des zweiten oder mittleren Himmels, die geistige Engel genannt werden, und himmlisch- und geistig-natürlich für die Engel des letzten oder ersten Himmels, die himmlisch- und geistig natürliche Engel genannt werden, und natürlich für die Menschen in der Welt; denn solange die Menschen im materiellen Körper leben, denken und reden sie natürlich. Dies nun ist der Grund, daß das Wort bei den Engeln eines jeden Himmels sich befindet, aber mit Unterschied gemäß den Graden ihrer Weisheit, Einsicht und Wissenschaft. Obwohl es aber dem Sinne nach in den einzelnen Himmeln verschieden ist, ist es so dennoch ein und dasselbe Wort; denn das Göttliche selbst, das vom Herrn dem Wort innewohnt, wird, wenn es herabkommt zum innersten oder dritten Himmel, ein himmlisch göttliches, wenn es von da herabkommt zum mittleren oder zweiten Himmel, wird es ein geistig göttliches, und wenn es von diesem Himmel zum letzten oder ersten herabkommt, wird es ein himmlisch- oder geistig-natürlich göttliches, und wenn es von da herabkommt in die Welt, wird es ein natürlich göttliches Wort, wie es bei uns im Buchstaben ist. Diese nacheinander folgenden Ableitungen des göttlich Wahren, das vom Herrn selbst ausgeht, haben ihr Dasein aus den von der Schöpfung selbst her festgesetzten Entsprechungen zwischen Höherem und Niederem, worüber, so der Herr will, anderwärts mehreres. Daß alle Stärke und alle Macht dem Letzten des göttlich Wahren, somit dem natürlichen Sinn des Wortes innewohnt, welcher der Buchstabensinn ist, kommt daher, weil dieser Sinn alle inwendigeren Sinne, nämlich die geistigen und himmlischen enthält; und weil er der Behälter ist, so ist er auch die Unterlage, und in der Unterlage ist die eigentliche Stärke; denn wenn das Obere nicht auf seiner Unterlage sich stützt, so sinkt es herunter und fällt auseinander, ebenso wenn das Geistige und Himmlische nicht auf den natürlichen oder buchstäblichen Sinn des Wortes sich stützen würde; denn dieser trägt nicht nur die inwendigeren Sinne, sondern er enthält sie auch. Deshalb ist das Wort oder das göttlich Wahre in diesem Sinn nicht bloß in seiner Macht, sondern auch in seiner Fülle. <EKO 593>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 53 →
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