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Elend/elend – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Und weißt nicht, daß du elend bist” bedeutet, sie wissen nicht, daß ihr Falsches mit den Wahrheiten keinen Zusammenhang hat. Dies erhellt aus der Bedeutung des Elends, sofern es die Abschwächung des Wahren durch das Falsche ist, und auch der Mangel des Zusammenhangs. Hieraus wird klar, was unter einem Elenden verstanden wird. Daß sie solcherart sind, beruht darauf, daß ihre Lehre auf zwei falsche Prinzipien sich gründet, nämlich auf den

alleinigen Glauben und auf die Rechtfertigung durch denselben, aus denen Falsches in fortlaufendem Zusammenhang fließt. Die Wahrheiten aber, die sie aus dem Buchstabensinn des Wortes anführen zur Begründung desselben, werden abgeschwächt und verfälscht, und das verfälschte Wahre ist an sich Falsches. Dies wird in vielen Stellen im Wort beschrieben und verstanden unter den Nichtswürdigkeiten, welche die Propheten sehen und unter den Lügen, die sie reden; ferner wird es beschrieben durch die Risse der Mauern und Häuser, bis daß sie einfallen; ebenso durch Götzenbilder und Schnitzwerke, die der Künstler macht und durch Ketten verknüpft, daß sie zusammenhängen, denn durch Götzenbilder und Schnitzwerke wird Falsches der Lehre bezeichnet, ebenso durch die Risse der Mauern und Häuser; in gleicher Weise durch die Propheten, die Nichtswürdigkeiten sehen und Lügen reden, denn unter den Propheten werden Lehren verstanden, und unter den Nichtswürdigkeiten solches, was unnütz ist, und durch Lügen Falsches. Weil aber dieses in sehr vielen Stellen im Wort erwähnt wird, so können sie wegen der Menge nicht alle angeführt werden; daher werden sie übergangen und sollen bloß einige angeführt werden, wo Elendigkeiten und lose Gemäuer genannt werden, auf daß man wisse, daß dadurch Abschwächungen des Wahren durch Falsches bezeichnet werden, und somit, daß kein Zusammenhang sei. Wenn diejenigen, die den alleinigen Glauben und die Rechtfertigung durch denselben zum obersten Religionsgrundsatz angenommen haben, das Wort lesen und sehen, daß der Herr sagt, dem Menschen werde nach seinen Taten oder Werken vergolten werden, und wer Gutes getan hat, werde in den Himmel kommen, wer aber Böses getan hat, werde in die Hölle kommen, dann nennen sie das Gute, das sie tun, Glaubensfrüchte, indem sie nicht wissen oder nicht wissen wollen, daß alle guten Handlungen, die Früchte genannt werden, aus der Liebtätigkeit herkommen und keine aus dem getrennten Glauben, welcher der alleinige Glaube genannt wird. Wirklich ist auch alles Gute Sache der Liebtätigkeit und das Wahre ist durch sie Sache des Glaubens. Hierdurch leuchtet ein, daß sie das Wort verkehren, aber das tun sie, weil sie das Wahre nicht anders ihrem Grundsatz anpassen können, wobei sie gleichwohl glauben, daß es so wohl zusammenhänge; aber dadurch geht das Wahre zugrunde und wird falsch, und nicht nur falsch, sondern auch böse. Daß hieraus Falsches in fortlaufender Reihe folgt, leuchtet ebenfalls ein, denn sie lehren, daß das Gute, das der Mensch tut, verdienstlich sei, wobei sie nicht zugeben wollen, daß, wie der Glaube mit seinen Wahrheiten vom Herrn kommt und somit nicht verdienstlich ist, so auch die Liebtätigkeit mit ihrem Guten vom Herrn kommt. Ferner lehren sie, daß der Mensch, sobald er den Glauben aufnimmt, mit Gott dem Vater durch den Sohn versöhnt sei, und daß das Böse, das er hernach tut, nicht zugerechnet werde, denn sie sagen, es werden alle selig, wie sie auch immer gelebt haben, wenn sie nur den Glauben aufnehmen, und wäre es auch nur einige Stunden vor dem Tode; aber dieses und mehreres andere, das Folgerungen aus dem falschen Prinzip sind, hängt mit den Wahrheiten des Wortes nicht zusammen, sondern zerstört sie. Das zerstörte Wahre ist aber Falsches, und zwar solches Falsches, das übel riecht; der Gestank daraus wird im anderen Leben empfunden, und er ist von solcher Art, daß er von keinem

guten Geist ausgehalten werden kann; er ist wie die üble Ausdünstung eines Lungensüchtigen. Noch mehr Beispiele können angeführt werden; es gibt deren in Menge; denn alles, was aus einem falschen Prinzip gefolgert wird, bekommt von daher das Falsche, weil man darin das Prinzip sieht, von dem es abhängt, weil es daraus fließt und ihm angepaßt wird. Wie die Religion beschaffen ist, die vom alleinigen Glauben und von der Rechtfertigung durch ihn ausgeht, kann schon daraus geschlossen werden, daß alle, die solches bei sich durch Lehre und Leben begründet haben, im anderen Leben von sich eine Sphäre ruchlosen Ehebruchs ausströmen, welches der der Mutter oder Stiefmutter mit dem Sohne ist; dieser ruchlose Ehebruch entspricht ihnen, und man merkt ihn auch an ihnen, wohin sie auch immer gehen; an dieser Sphäre habe ich ihre Gegenwart tausendmal erkannt. Die Ursache, warum von ihnen eine solche Sphäre ausströmt, ist die, weil sie das Gute der Liebtätigkeit des Wortes schänden, die Ehebrüche aber entsprechen den Schändungen des Guten und die Hurereien den Verfälschungen des Wahren. <EKO 237>

“Und jämmerlich und arm” bedeutet, sie wissen auch nicht, daß sie keine Erkenntnisse des Wahren und keine Erkenntnisse des Guten haben. Dies erhellt aus der Bedeutung von erbärmlich oder jämmerlich, sofern es derjenige ist, der in keinen Erkenntnissen des Wahren ist; und aus der Bedeutung von arm, sofern es der ist, der in keinen Erkenntnissen des Guten ist. Daß jämmerlich und arm diese Bedeutung hat, erhellt aus mehreren Stellen im Wort; und überdies daraus, daß geistiger Jammer (miseria, Elend) und Armut nichts anderes ist, als Mangel an Erkenntnissen des Wahren und Guten, denn alsdann ist der Geist elend und arm; wenn er aber diese besitzt, so ist er reich und wohlhabend. Daher werden auch durch Reichtümer und Güter im Wort geistige Reichtümer und Güter bezeichnet, nämlich die Erkenntnisse des Wahren und Guten. In vielen Stellen im Wort wird gesagt elend und arm; wer den geistigen Sinn des Wortes nicht kennt, glaubt, daß keine anderen damit gemeint seien als die, welche in der Welt elend und arm sind, während doch solche nicht verstanden werden, sondern diejenigen, die nicht im Wahren und Guten und in den Erkenntnissen desselben sind, und zwar unter den Elenden diejenigen, die nicht in den Wahrheiten sind, weil nicht in den Erkenntnissen derselben, und unter den Armen diejenigen, die nicht in Gutem sind, weil nicht in den Erkenntnissen desselben. Weil diese zwei, nämlich das Wahre und Gute, verstanden werden unter jenen zwei Namen, darum wird in vielen Stellen beides gesagt. <EKO 238>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 33 →

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