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Das sechste Gebot: – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Im natürlichen Sinne wird unter diesem Gebot nicht nur verstanden ehebrechen, sondern auch Unzüchtiges wollen und tun und daher Schlüpfriges denken und reden; daß schon das bloße Begehren ehebrechen heißt, erhellt aus folgenden Worten des Herrn: “Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt wurde: du sollst nicht ehebrechen; Ich aber sage euch: wer ein fremdes Weib ansieht, um ihrer zu begehren, der hat schon einen Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen.” (Matth.5/27,28) Im geistigen Sinne wird unter Ehebrechen verstanden das Gute des Wortes schänden und seine Wahrheiten verfälschen. Daß dieses durch ehebrechen und buhlen im geistigen Sinn bezeichnet wird, weiß kaum jemand heutzutage; und dies darum, weil heutzutage nur von wenigen innerhalb der Kirche erkannt wird, was das Geistige ist und in welcher Weise es sich vom Natürlichen unterscheidet, und weil fast niemand weiß, daß das Bild des einen in dem andern sich darstellt, d.h. das Geistige in dem Natürlichen vorgebildet wird; und daß folglich das Geistige gleichsam die Seele ist, und das Natürliche gleichsam der Leib desselben und so durch Einfließen und Verbindung beide ein Ganzes bilden, wie im wiedergeborenen Menschen der innere Mensch, der auch der geistige genannt wird, und der äußere, der auch der natürliche heißt; weil man nun über solche Dinge heutzutage in Unwissenheit ist, deshalb kann man auch nicht wissen, was ehebrechen noch weiter bedeutet, als sich in Ansehung des Fleisches auf unrechtmäßige Weise verbinden. Weil man hierüber, wie gesagt, heutzutage in Unwissenheit ist, so darf ich (Swedenborg) die Ursache nachweisen, warum ehebrechen im geistigen Sinn die Verkehrung dessen bedeutet, was Sache des Glaubens und der Liebtätigkeit ist, somit die

Verkehrung des Guten und die Verfälschung des Wahren. Der Grund davon, welcher heutzutage verborgen ist, liegt darin, daß die eheliche Liebe aus der Ehe des Guten und Wahren stammt, welche die himmlische Ehe genannt wird, die Liebe, welche vom Herrn einfließt, und welche zwischen dem Guten und Wahren im Himmel stattfindet, verwandelt sich in die eheliche Liebe auf Erden und zwar durch Entsprechung; daher kommt es, daß die Verfälschung des Wahren Hurerei und die Verkehrung des Guten Ehebruch im inneren Sinn ist; und daher kommt es auch, daß wer nicht im Guten und Wahren des Glaubens ist, auch nicht in echter ehelicher Liebe sein kann; dann auch, daß die, welche in Ehebrüchen den Lustreiz ihres Lebens finden, nichts mehr vom Glauben aufnehmen können. Ich habe von den Engeln sagen hören, daß, sobald jemand einen Ehebruch auf Erden begeht, und seine Lust daran findet, ihm der Himmel verschlossen wird, d.h. daß derselbe sich weigert, noch irgend etwas von Glauben und der Liebtätigkeit aufzunehmen. Heutzutage aber werden in den Ländern, wo die Kirche ist, von den meisten die Ehebrüche für nichts geachtet, weil die Kirche an ihrem Ende steht, und daher kein Glaube mehr ist, weil keine Liebtätigkeit; denn das eine entspricht dem andern; wo kein Glaube ist, da ist Falsches an der Stelle des Wahren und Böses an der Stelle des Guten, und daher kommt es, daß die Ehebrüche nicht mehr als Verbrechen angesehen werden; denn wenn der Himmel bei dem Menschen verschlossen ist, fließt solches von der Hölle ein; man sehe, was hierüber schon früher gesagt und gezeigt worden ist. Daß buhlen und ehebrechen im inneren aber geistigen Sinn bedeutet, das Wahre und Gute des Glaubens und der Liebtätigkeit verfälschen und verkehren, wie auch das Falsche und Böse durch verkehrte Anwendungen aus dem Worte begründen, kann man aus den einzelnen Stellen im Worte erkennen, wo ehebrechen, buhlen und huren genannt werden, wie aus folgenden Stellen erhellen wird, z.B. bei Hes.16/1f.: “Menschensohn, tue Jerusalem seine Greuel kund und sprich: Du triebst Hurerei um deines Namens willen, und verschwendest deine Hurereien an einen jeglichen der vorüberzog; du nahmst von deinen Kleidern, und machtest dir bunte Höhen, und hurtest auf ihnen; du nahmst die Gefäße deines Schmuckes, die von Meinem Golde und aus Meinem Silber waren, das Ich dir gegeben, und machtest dir männliche Gebilde daraus; und du triebst Hurerei mit ihnen; du nahmst deine Söhne und deine Töchter, welche du Mir geboren hattest, und opfertest sie; war etwa noch zu wenig deiner Hurereien? Du hurtest mit den Söhnen Ägyptens, deinen Nachbarn, welche groß waren, dem Fleische nach, und vermehrtest deine Hurerei, um Mich zu reizen; und du hurtest mit den Söhnen Aschurs, weil du nicht satt wurdest; auch mit diesen hurtest du, und wurdest doch nicht gesättigt; und du machtest viel deiner Hurerei, bis zu dem Kaufmannslande Chaldäa, und wurdest doch dadurch nicht satt. Ein ehebrecherisches Weib nimmt Fremde anstatt ihres Mannes, und allen Huren gibt man Lohn; du aber gibst Belohnungen allen deinen Buhlen, und beschenkest sie, damit sie zu dir kommen ringsumher zu deinen Hurereien; darum, du Hure, höre das Wort Jehovahs: Ich will dich richten nach dem Rechte der Ehebrecherinnen und derer, die Blut vergießen”.

Wer könnte nicht sehen, daß unter Hurerei hier die Verfälschungen des Wahren und die Verkehrungen des Guten bezeichnet werden; und wer kann hier ein einziges Wort verstehen, wenn er nicht weiß, daß Hurerei solches bedeutet, wie auch, wenn er nicht weiß, was die Söhne Ägyptens, die Söhne Aschurs und Chaldäa bedeuten, mit welchen, wie hier gesagt wird, Jerusalem Hurerei getrieben hat. Daß es nicht mit diesen Völkern selbst Unzucht trieb, ist offenbar. Weil Babylon mehr als die übrigen das Wort schändet und verfälscht, darum wird es genannt die große Hure und von ihr Folgendes gesagt in der Offenb.14/8: “Babylon hat mit dem Zornwein ihrer Hurerei getränket alle Völkerschaften”. “Der Engel sprach: Ich will dir das Gericht der großen Hure zeigen, mit der gehurt haben die Könige der Erde”:Offenb.17/1,2. “Er hat gerichtet die große Hure, welche die Erde mit ihrer Hurerei verdarb”:Offenb.19/2. Weil das jüdische Volk das Wort verfälscht hatte, darum wurde es vom Herrn genannt ein ehebrecherisch Geschlecht: Matth.12/39; Mark.8/38 und Same des Ehebrechers: Jes.57/3. Wer kann heutzutage glauben, daß die Liebe zum Ehebruch die Grundliebe aller teuflischen und höllischen Liebesarten ist?, und daß die keusche Liebe der Ehe die Grundliebe aller himmlischen und göttlichen Liebesarten ist?, und folglich, daß in dem Maße, wie der Mensch in der Liebe zum Ehebruch ist, er in gleichem Maße in jeder bösen Liebe ist, wenn nicht in der Tat, so doch der Neigung nach? Und auf der anderen Seite, daß in dem Maße, wie ein Mensch in der keuschen Liebe der Ehe ist, er in gleichem Maße in jeder guten Liebe ist, wenn nicht in der Tat, so doch der Neigung nach? Wer kann heutzutage glauben, daß derjenige, welcher in der Liebe zum Ehebruch ist, nichts vom Worte und daher nichts von der Kirche glaubt? Ja, daß er in seinem Herzen Gott leugnet? Und auf der anderen Seite, daß derjenige, welcher in der keuschen Liebe der Ehe ist, in der Liebtätigkeit und im Glauben, und in der Liebe zu Gott steht?, und daß die Keuschheit der Ehe mit der Religion eins ausmacht, und daß die Lust des Ehebruches mit dem Naturalismus eins ausmacht? Der Grund, daß diese Dinge heutzutage unbekannt sind, ist, weil die Kirche an ihrem Ende und hinsichtlich des Wahren und des Guten verderbt ist; und wenn die Kirche in einem solchen Zustande ist, so kommt der Mensch der Kirche durch einen Einfluß aus der Hölle in die Überredung, daß die Ehebrüche nicht verabscheuungswürdig noch Schändlichkeiten sind. Und daher nimmt er auch den Glauben an, daß Ehen und Ehebrüche ihrem Wesen nach nicht verschieden sind, sondern nur hinsichtlich der Stellung, während doch der Unterschied zwischen ihnen ein solcher ist, wie zwischen Himmel und Hölle. Daß ein Unterschied zwischen ihnen ist, kann man im Folgenden sehen. Daher kommt es nun, daß im Worte, im geistigen Sinne, der Himmel und die Kirche unter Hochzeiten und Ehen verstanden werden; und daß die Hölle und die Verwerfung aller Dinge des Himmels und der Kirche unter Ehebrüchen und Hurereien verstanden wird. Daß der Ehebruch die Hölle und daher etwas Abscheuliches ist, kann jedermann sich denken aus der Idee einer Vermischung verschiedener Samen in der

Gebärmutter eines Weibes; denn im Samen eines Mannes ist das Innerste seines Lebens und daher der Anfangskeim zu einem neuen Leben verborgen; und deshalb ist er heilig. Diesen mit dem Innersten und den Anfangskeimen anderer vermischen, wie bei Ehebrüchen geschieht, ist schändlich. Daher kommt es, daß der Ehebruch die Hölle ist, und die Hölle im allgemeinen ein Ehebruch genannt wird. Weil aus einer solchen Vermischung - auch zufolge eines geistigen Ursprungs - nur Fäulnis kommen kann, deshalb ist der Ehebruch ein Greuel. Demzufolge erscheint in den Hurenhäusern der Hölle Unreinheit aller Art; und wenn Licht aus dem Himmel eingelassen wird, werden Ehebrecherinnen mit Ehebrechern gesehen, wie Schweine im eigenen Schmutze liegend, und was merkwürdig ist, wie Schweinen ist es ihnen auch ein Vergnügen, wenn sie mitten im Schmutze sind. Aber die Hurenhäuser werden verschlossen gehalten, denn wenn sie geöffnet werden, strömt ein Gestank davon heraus, der Ehebrechen erregt. In keuschen Ehen ist es ganz anders. In diesen gesellt sich das Leben des Mannes durch den Samen zu dem Leben des Weibes; woraus die innige Verbindung kommt, wodurch sie nicht zwei, sondern ein Fleisch werden; und gemäß der hiedurch bewirkten Verbindung nimmt die eheliche Liebe und mit ihr jedes Gute des Himmels zu. <LL,S.192>

Daß dies Gebot: “Du sollst nicht ehebrechen” dieses in sich schließe, erhellt aus der Bedeutung von ehebrechen, buhlen und Unzucht treiben, insofern es im geistigen oder inneren Sinn soviel ist, als das Gute verkehren und die Wahrheiten verfälschen, die zur Lehre vom Glauben und der Liebtätigkeit gehören; und weil dies durch ehebrechen bezeichnet wird, so bedeutet es auch das Wort zur Bestätigung oder Begründung des Bösen und Falschen anwenden; denn das Wort ist seinem innersten Wesen nach die Lehre des Glaubens und der Liebtätigkeit, und die Verkehrung des Wahren und Guten in ihm ist eine Anwendung desselben auf das Falsche und Böse. Daß dieses durch ehebrechen und buhlen im geistigen Sinn bezeichnet wird, weiß kaum jemand heutzutage, und dies darum, weil heutzutage nur von wenigen innerhalb der Kirche erkannt wird, was das Geistige ist und in welcher Weise es sich vom Natürlichen unterscheidet, und weil fast niemand weiß, daß eine Entsprechung zwischen beiden stattfindet, und zwar eine solche, daß das Bild des einen in dem anderen sich darstellt, d.h. das Geistige im Natürlichen vorgebildet wird; und daß folglich das Geistige gleichsam die Seele ist, und das Natürliche gleichsam der Leib desselben und so durch Einfließen und Verbindung beide ein Ganzes bilden, wie im wiedergeborenen Menschen der innere Mensch, der auch der geistige genannt wird, und der äußere, der auch der natürliche heißt. Weil man nun über solche Dinge heutzutage in Unwissenheit ist, deshalb kann man auch nicht wissen, was ehebrechen noch weiter bedeutet, als sich in Ansehung des Fleisches auf unrechtmäßige Weise verbinden. Weil man hierüber heutzutage in Unwissenheit ist, so darf ich die Ursache nachweisen, warum ehebrechen im geistigen Sinn die Verkehrung dessen bedeutet, was Sache des Glaubens und der Liebtätigkeit ist, somit die Verkehrung des Guten

und die Verfälschung des Wahren. Der Grund davon, der heutzutage verborgen ist, liegt darin, daß die ehelich Liebe aus der Ehe des Guten und Wahren stammt, welche die himmlische Ehe genannt wird. Die Liebe, die vom Herrn einfließt, und die zwischen dem Guten und Wahren im Himmel stattfindet, verwandelt sich in die eheliche Liebe auf Erden und zwar durch Entsprechung. Daher kommt es, daß die Verfälschung des Wahren Hurerei und die Verkehrung des Guten Ehebruch im inneren Sinn ist; und daher kommt es auch, daß wer nicht im Guten und Wahren des Glaubens ist, auch nicht in echter ehelicher Liebe sein kann. Dann auch, daß die, welche in Ehebrüchen den Lustreiz ihres Lebens finden, nichts mehr vom Glauben aufnehmen können. Ich habe von den Engeln sagen hören, daß, sobald jemand einen Ehebruch auf Erden begeht, und seine Lust daran findet, ihm der Himmel verschlossen wird, d.h., daß derselbe sich weigert, noch irgend etwas von Glauben und der Liebtätigkeit aufzunehmen. Heutzutage werden aber in den Reichen, wo die Kirche ist, von den meisten die Ehebrüche für nichts geachtet, weil die Kirche an ihrem Ende steht, und daher kein Glaube mehr ist, weil keine Liebtätigkeit; denn das eine entspricht dem anderen. Wo kein Glaube ist, da vertritt das Falsche die Stelle des Wahren, und das Böse die Stelle des Guten, und daher kommt es, daß die Ehebrüche nicht mehr als Verbrechen angesehen werden; denn wenn der Himmel beim Menschen verschlossen ist, fließt solches von der Hölle ein. Hieraus kann man erkennen, was ehebrechen bedeutet, nämlich im äußeren Sinn Ehebrüche begehen, im inneren vorbildlichen Sinn Götzenbilder und andere Götter verehren durch die zur Kirche gehörenden Gegenstände; folglich den äußeren und inneren Götzendienst. Im inneren geistigen Sinn aber werden dadurch die Entweihungen des Guten und die Verkehrungen des Wahren bezeichnet. Hieraus erhellt ganz offenbar, woher es kommt, daß die Ehebrüche schon an sich Frevel sind, und Greuel genannt werden, nämlich deshalb, weil sie der Ehe des Bösen und Falschen entsprechen, das die höllische Ehe ist, und umgekehrt, warum die echten Ehen heilig sind, nämlich deswegen, weil sie der Ehe des Guten und Wahren, welches die himmlische Ehe ist, entsprechen. Die echte eheliche Liebe stammt aus der Ehe des Guten und Wahren, also aus dem Himmel, d.h. vermittelst des Himmels vom Herrn; hingegen die Liebe zum Ehebruch aus der Ehe des Falschen und Bösen, somit aus der Hölle, d.h. vom Teufel. <HG 8904>

981. Bisher wurden fünf Gebote des Dekaloges erklärt, daher folgt nun die Erklärung des sechsten Gebotes: Du sollst nicht ehebrechen. Wer vermag noch heutigentags zu glauben, daß die Lust zum Ehebruch aus der Hölle stammt und daß dagegen die Lust zur Ehe der Himmel bei dem Menschen sei? Wer glaubt noch, daß der Mensch, soweit er in der einen Lust ist, ebensoweit in der anderen nicht sein kann, weil der Mensch, während er in der Hölle ist, nicht zugleich im Himmel sein kann? Wer glaubt noch heutzutage, daß die Liebe zum Ehebruch der Grund und die Quelle aller höllischen und teuflischen Triebe ist, und daß die keusche Liebe zur Ehe der Grund und die Quelle aller himmlischen und göttlichen Triebe ist, und daß folglich der Mensch in dem Maße, als er in der

Liebe zum Ehebruch ist, auch in jeder bösen Liebe ist, wenn nicht in der Tat, aber doch seinem Streben nach; und umgekehrt, daß der Mensch in dem Maße, als er in der keuschen Liebe zur Ehe ist, auch in jeder guten Liebe ist, wenn nicht mit der Tat, doch mit seinem Streben? Wer kann zu unserer Zeit noch glauben, daß der, welcher in der Liebe zum Ehebruch ist, nichts glaubt von dem, was dem Wort und der Kirche angehört, ja, daß er sogar in seinem Herzen ein Gottesleugner ist; und umgekehrt, daß der, welcher in der keuschen Liebe zur Ehe ist, auch in der tätigen Liebe und im Glauben ist, wie auch in der Liebe zu Gott, und daß die eheliche Keuschheit eins ausmacht mit der Religion, dagegen die ehebrecherische Lüsternheit eins ausmacht mit dem Naturalismus? Das alles weiß man aber heutzutage nicht, weil die Kirche ihr Ende erreicht hat, und in Ansehung des Guten und Wahren verwüstet ist; und wenn die Kirche so beschaffen ist, dann kommen die Angehörigen der Kirche durch den Einfluß der Hölle zu der Überzeugung, daß die Ehebrüche nicht abscheuliche und greuelhafte Verbrechen seien; und daher kommen sie auch zu dem Glauben, die Ehen und die Ehebrüche seien dem Wesen nach nicht verschieden, sondern nur der Ordnung nach, während doch der Unterschied zwischen beiden so groß ist, wie der zwischen Himmel und Hölle. Daß er wirklich so groß ist, wird man im Folgenden sehen. Daher kommt es auch, daß im Wort unter Heirat und Ehe im geistigen Sinn der Himmel und die Kirche verstanden wird, und unter Ehebruch und Hurerei die Hölle und das Verwerfen alles dessen, was zur Kirche gehört. 982. Weil nun der Ehebruch die Hölle und die Ehe der Himmel beim Menschen ist, so folgt daraus, daß der Mensch sich insoweit vom Himmel entfernt, als er den Ehebruch liebt und daß folglich die Ehebrüche den Himmel verschließen und die Hölle öffnen; und solches geschieht in dem Maße, als man die Ehebrüche für erlaubt hält und für dieselbe größere Freude fühlt, als für die Ehen. Ein Mensch, der die Ehebrüche bei sich (als unschädlich und erlaubt) begründet und sie mit Einwilligung und Zustimmung seines Gewissens begeht, dagegen die Ehen verabscheut, verschließt sich daher den Himmel in einem solchen Grad, daß er zuletzt nichts mehr vom Wort und von der Kirche glaubt; er wird ein ganz sinnlicher Mensch, und nach dem Tode ein höllischer Geist; denn der Ehebruch ist, wie schon oben bemerkt wurde, die Hölle und daher ist der Ehebrecher eine Form derselben. Weil nun der Ehebruch die Hölle ist, so folgt daraus, daß der Mensch, wenn er nicht von Ehebrüchen absteht und sie als etwas Höllisches flieht und verabscheut, sich dem Himmel verschließt und nicht den geringsten Einfluß aus demselben empfängt. Nachher bildet er sich ein, daß die Ehen und die Ehebrüche ziemlich gleich seien, aber um der Ordnung willen und wegen der Erziehung der Kinder müsse man im Staate die Ehen aufrecht erhalten. Ferner vernünftelt er, die Ehebrüche seien nicht verbrecherisch, weil aus ihnen auch Kinder hervorgehen und daß sie den Frauen keinen Schaden zufügten, auch werde durch dieselben die Vermehrung des menschlichen Geschlechtes gefördert. Solche wissen aber nicht, daß dergleichen Vernünfteleien für die Ehebrüche aus den unterirdischen Gewässern der Hölle aufsteigen und daß die lüsterne und tierische Natur des

Menschen, die er von der Geburt her hat, solche Vernünfteleien aufnimmt und mit Freuden einschlürft, wie das Schwein den Unrat. Daß solche Vernünfteleien, die heutzutage die Gemüter sehr vieler in der Christenheit eingenommen haben, von höllischer Art sind, wird man weiter unten sehen. 983. Daß die Ehe der Himmel, der Ehebruch aber die Hölle sei, kann man nicht besser als aus ihrem Ursprung erkennen. Der Ursprung der wahrhaft ehelichen Liebe ist die Liebe des Herrn gegen die Kirche, daher wird der Herr im Wort Bräutigam und Gemahl genannt, und die Kirche Braut und Weib. Durch diese Ehe ist die Kirche eine Kirche im allgemeinen und im besonderen. Die Kirche im besonderen ist der Mensch, in dem die Kirche ist. Hieraus erhellt, daß die Verbindung des Herrn mit dem Menschen der Kirche der eigentliche Ursprung der wahrhaft ehelichen Liebe ist. Es soll aber auch gesagt werden, in welcher Weise jene Verbindung dieser Ursprung sein kann: Die Verbindung des Herrn mit dem Menschen der Kirche ist eine Verbindung des Guten und Wahren: vom Herrn ist das Gute und beim Menschen ist das Wahre; daher kommt die Verbindung, die man die himmlische Ehe nennt, und aus dieser Ehe entsteht die wahrhaft eheliche Liebe zwischen zwei Ehegatten, die in solcher Verbindung mit dem Herrn sind. Hieraus wird für das erste klar, daß die wahrhaft eheliche Liebe vom Herrn allein stammt, und nur bei denen stattfindet, die in der Verbindung des Guten und Wahren vom Herrn sind; und weil diese Verbindung gegenseitig ist, so wird sie vom Herrn beschrieben, wenn Er Joh.14/20 sagt, daß “sie in Ihm seien, und Er in ihnen”. Diese Verbindung oder diese Ehe wurde schon von der Schöpfung her in folgender Weise angeordnet und bestimmt: Der Mann wurde geschaffen, damit er das Verständnis des Wahren sei, und das Weib wurde geschaffen, damit es die Liebe zum Guten sei. Der Mann sollte also das Wahre und die Frau das Gute sein. Wenn dann das Verständnis des Wahren beim Manne eins bildet mit der Liebe zum Guten beim Weibe, dann entsteht eine Verbindung zweier Gemüter zu einem. Diese Verbindung ist die geistige Ehe, aus der die eheliche Liebe hervorgeht. Wenn nämlich zwei Gemüter verbunden sind, so daß sie gleichsam ein Gemüt bilden, dann sind sie durch gegenseitige Liebe vereint, und diese Liebe, welche die Liebe der geistigen Ehe ist, wird zur Liebe der natürlichen Ehe, indem sie sich in den Körper herabsenkt. Daß es sich wirklich so verhält, kann jeder, wenn er will, deutlich wahrnehmen; denn die Ehegatten, die innerlich in betreff ihrer Gemüter sich gegenseitig lieben, lieben sich auch gegenseitig in betreff ihrer Körper. Auch ist bekannt, daß jede Liebe aus der Neigung des Gemütes in den Körper herabsteigt, und daß ohne diesen Ursprung keine wahre Liebe entsteht. Da nun die Ehe des Guten und Wahren, die ihrem Wesen nach der Himmel ist, der Ursprung der ehelichen Liebe ist, so ist klar, daß der Ursprung der ehebrecherischen Liebe die Ehe des Bösen und Falschen ist, die ihrem Wesen nach die Hölle ist. Die Ehe aber ist ein Himmel, weil alle, die sich im Himmel befinden, in der Ehe des Guten und Wahren sind, und der Ehebruch ist eine Hölle, weil alle, die sich in den Höllen befinden, in der Ehe des Bösen und Falschen sind;

und hieraus folgt, daß Ehe und Ehebruch einander so entgegengesetzt sind, wie Himmel und Hölle. 984. Der Mensch wurde so geschaffen, daß er eine geistige und eine himmlische Liebe sein sollte und dadurch das Bild und die Ähnlichkeit Gottes. Die geistige Liebe oder die Liebe zum Wahren ist das Bild Gottes, und die himmlische Liebe oder die Liebe zum Guten ist die Ähnlichkeit Gottes. Alle Engel im dritten Himmel sind Ähnlichkeiten Gottes, und alle Engel im zweiten Himmel sind Bilder Gottes. Der Mensch kann aber keine Liebe werden, die das Bild oder die Ähnlichkeit Gottes ist, außer durch die Ehe des Guten und Wahren, denn das Gute und Wahre lieben sich auf das innigste; und brennen vor Begierde, so vereinigt zu werden, daß sie eins sind; und zwar aus dem Grunde, weil das göttlich Gute und göttlich Wahre vereint vom Herrn ausgehen, und daher auch im Engel des Himmels und im Menschen der Kirche vereinigt sein müssen. Diese Vereinigung ist aber gar nicht möglich, außer durch die Vereinigung zweier Gemüter zu einem, denn der Mann wurde, wie gesagt, erschaffen, um das Verständnis des Wahren oder das Wahre zu sein, und das Weib wurde geschaffen, um die Liebe zum Guten oder das Gute zu sein; daher ist nur in ihnen eine Verbindung des Guten und Wahren möglich; denn die eheliche Liebe, die aus dieser Verbindung hervorgeht, ist das eigentlichste Mittel, daß der Mensch zu einer Liebe werde, die das Bild oder die Ähnlichkeit Gottes ist. Zwei Ehegatten, die in der ehelichen Liebe aus dem Herrn sind, lieben sich gegenseitig von Herzen und somit aus dem Innersten, und daher bilden sie in Wirklichkeit nur eine Person, obgleich sie als zwei erscheinen: dem Körper nach sind sie zwei, aber dem Leben nach sind sie ein Wesen. Man kann sie mit den Augen vergleichen, die als Organe zwei sind, aber der Sehkraft nach nur eins; ebenso mit den Ohren, die als Organe zwei sind, aber dem Gehör nach nur eines. So sind auch Arme und Füße als Glieder betrachtet zwei, aber ihrem Gebrauch und Dienst nach nur eines; und so verhält es sich auch mit den übrigen Paaren im Menschen; auch diese beziehen sich auf das Gute und Wahre. Das Organ oder Glied, das auf der rechten Seite ist, bezieht sich auf das Gute, und das, welches auf der linken Seite ist, auf das Wahre; ähnlich ist es mit einem Ehegatten und seinem Weibe, wenn eine wahrhaft eheliche Liebe bei ihnen besteht: sie sind zwei in Ansehung des Körpers, aber dem Leben nach eins; und deshalb werden auch zwei Ehegatten im Himmel nicht zwei, sondern ein Engel genannt. Hieraus erhellt, daß der Mensch nur durch die Ehe eine Form der Liebe wird, und dadurch eine Form des Himmels, die ein Bild oder eine Ähnlichkeit des Herrn ist. Der Mensch wird in die Liebe zum Bösen und Falschen geboren; diese Liebe ist aber die Liebe zum Ehebruch, und kann nicht verändert und verwandelt werden in eine geistige Liebe, oder zu einem Ebenbilde Gottes, und noch weniger in eine himmlische Liebe, oder zu einer Ähnlichkeit Gottes, außer durch die Ehe des Guten und Wahren vom Herrn, und auch dann nicht vollständig, außer durch die Ehe zweier Gemüter und zweier Körper. Daraus läßt sich erkennen, woher es kommt, daß die Ehen himmlisch, die Ehebrüche aber höllisch sind; denn die Ehe ist ein Bild des Himmels und die wahrhaft eheliche Liebe ein Bild des Herrn;

der Ehebruch dagegen ist ein Bild der Hölle, und die Liebe zum Ehebruch ein Bild des Teufels. Die eheliche Liebe erscheint auch wirklich in der geistigen Welt ihrer Form nach wie ein Engel, aber die Liebe des Ehebruchs ihrer Form nach wie ein Teufel. Präge dir dieses tief ein, lieber Leser, und erwäge, ob es wahr sei; aber nach dem Tode, wenn du als Geist-Mensch lebst, wirst du es auch sehen. 985. Wie entheiligend und verabscheuungswürdig die Ehebrüche sind, kann man aus der Heiligkeit der Ehen erkennen. Alles, was sich im menschlichen Körper vom Kopf bis zur Ferse vorfindet, das Innere sowohl als das Äußere, entspricht den Himmeln; daher kommt es, daß der Mensch ein Himmel in kleinster Form ist und daß die Engel und Geister eine vollständig menschliche Gestalt haben, denn sie sind Formen des Himmels. Alle für die Zeugung notwendigen Glieder bei beiden Geschlechtern, insbesondere der Mutterleib, entsprechen den Gesellschaften des dritten oder innersten Himmels, und zwar deshalb, weil die wahrhaft eheliche Liebe sich herleitet aus der Liebe des Herrn gegen die Kirche und aus der Liebe zum Guten und Wahren, welches die Liebe der Engel des dritten Himmels ist; und daher ist auch die eheliche Liebe, die von dort herabkommt, wie die Liebe des dritten Himmels, lautere Unschuld, die das innere Sein alles Guten im Himmel ist. Darum sind auch die Embryonen im Mutterleib in einem Zustand des Friedens, wie auch die Kinder, nachdem sie geboren sind, und ebenso die Mütter gegen sie, in einem Stande der Unschuld. Da nun eine solche Entsprechung bei den Zeugungsgliedern beider Geschlechter stattfindet, so ist klar, daß sie von der Schöpfung her heilig und deshalb einzig und allein für die reine und keusche eheliche Liebe bestimmt sind, und nicht entweiht werden dürfen durch die unreine und unkeusche Liebe des Ehebruchs. Durch solche Entweihung verwandelt der Mensch den Himmel bei sich zur Hölle; denn wie die eheliche Liebe der Liebe des höchsten Himmels entspricht, so entspricht die ehebrecherische Liebe der Liebe der untersten Hölle. Die eheliche Liebe ist aber deshalb so heilig und himmlisch, weil sie durch den Herrn selbst im Innersten des Menschen ihren Anfang nimmt und der Ordnung gemäß bis zum Letzten des Körpers herabsteigt, und so den ganzen Menschen mit himmlischer Liebe erfüllt, und ihm die Form der göttlichen Liebe mitteilt, welche die Form des Himmels und das Bild des Herrn ist, wie schon oben gesagt wurde. Die ehebrecherische Liebe beginnt dagegen im Letzten, und zwar infolge eines lüsternen Feuers und dringt der Ordnung zuwider in das Innere ein, und zwar immer nur in das Eigene des Menschen, das durchaus böse ist und ihm die Form der Hölle gibt, die ein Bild des Teufels ist; deshalb ist auch der Mensch, der den Ehebruch liebt und die Ehe verabscheut, seiner Gestalt nach ein Teufel. Da nun die Zeugungsglieder bei beiden Geschlechtern den Gesellschaften des dritten Himmels entsprechen, und die eheliche Liebe der Liebe zum Guten und Wahren, deshalb entsprechen diese Glieder und diese Liebe auch dem (göttlichen) Wort, und zwar deshalb, weil das Wort das göttlich Wahre ist, das im Verein mit dem göttlich Guten vom Herrn ausgeht. Daher kommt es auch, daß der Herr das Wort genannt wird, und daß in den einzelnen Ausdrücken des Wortes eine

Ehe des Guten und Wahren, oder eine himmlische Ehe besteht. Daß eine solche Entsprechung stattfindet, ist ein Geheimnis, das in der Welt noch unbekannt ist, mir aber durch vielfältige Erfahrung geoffenbart und bestätigt worden ist. Hieraus erhellt auch, wie heilig und himmlisch die Ehen an sich sind, aber auch wie unheilig und teuflisch die Ehebrüche sind. Daher kommt es auch, daß die Ehebrecher das göttlich Wahre und also auch das Wort für nichts achten, ja sogar die heiligen Dinge, die im Wort enthalten sind, lästern würden, wenn sie nach dem Sinne ihres Herzens sprechen wollten; und dies geschieht auch von ihnen, wenn sie nach dem Tode Geister geworden sind, denn jeder Geist ist gezwungen, aus seinem Herzen heraus zu reden, damit seine inneren Gedanken offenbar werden. 986. Weil alle Lustreize, die der Mensch in der natürlichen Welt hat, sich in der geistigen Welt in entsprechende Lustreize verwandeln, so ist dies auch bei den Lustreizen der ehelichen und der ehebrecherischen Liebe der Fall. Die eheliche Liebe wird in der geistigen Welt vorbildlich dargestellt wie eine Jungfrau, deren Schönheit von solcher Art ist, daß sie den, der sie erblickt, mit dem Wonnegefühl des Lebens erfüllt, dagegen die ehebrecherische Liebe wird in der geistigen Welt durch ein altes Weib dargestellt, deren Häßlichkeit so groß ist, daß sie dem, der sie erblickt, Kälte einflößt und alle Lebensfreude zerstört. Daher kommt es, daß im Himmel die Engel eine Schönheit haben je nach der Beschaffenheit ihrer ehelichen Liebe, und daß die Geister in der Hölle eine Häßlichkeit haben je nach der Beschaffenheit ihrer ehebrecherischen Liebe; mit einem Wort: bei den Engeln des Himmels zeigt sich im Angesicht, in den Gebärden und Reden das Leben gemäß ihrer ehelichen Liebe, bei den Geistern der Hölle aber zeigt sich der Tod gemäß ihrer ehebrecherischen Liebe. Die Wonnen der ehelichen Liebe werden in der geistigen Welt für das Gefühl durch herrliche Düfte aus verschiedenartigen Früchten und Blumen vorbildlich dargestellt, die Lüste der ehebrecherischen Liebe dagegen durch Gestank von Mist und Moder verschiedener Art. Die Lustreize der ehebrecherischen Liebe werden auch tatsächlich in solche Dinge verwandelt, weil alles, was dem Ehebruch angehört, geistiger Schmutz ist; daher kommt es, daß aus den Hurenhäusern in der Hölle abscheuliche Gerüche hervorgehen, die Erbrechen erregen. 988. Wie heilig die Ehen an sich, d.h. von der Schöpfung her sind, kann man schon daraus sehen, daß sie die Pflanzschulen des menschlichen Geschlechtes sind, und weil aus diesem Geschlecht der Himmel der Engel hervorgeht, so sind sie auch die Pflanzschulen des Himmels. Folglich werden durch die Ehen nicht nur die Erdkörper, sondern auch die Himmel mit Einwohnern versorgt. Und weil der Zweck der ganzen Schöpfung das menschliche Geschlecht und der Himmel aus diesem ist, wo das Göttliche selbst wie in seinem Eigentum und gleichsam in sich wohnt, und die Erzeugung der Menschen der göttlichen Ordnung gemäß vermittelst der Ehen bewirkt wird, so ist deutlich zu ersehen, wie heilig dieselben an sich von der Schöpfung her sind, und wie heilig sie sein müssen. Die Erde kann zwar durch Unzucht und Ehebruch ebenso mit Bewohnern erfüllt werden als durch Ehen, aber nicht der Himmel, und zwar aus dem Grund, weil aus den Ehebrüchen die Hölle hervorgeht, aus den Ehen aber der Himmel. Die

Hölle geht aber aus den Ehebrüchen hervor, weil der Ehebruch aus der Ehe des Bösen und Falschen entsteht, weshalb auch die Hölle in ihrem ganzen Inbegriff Ehebruch genannt wird, und der Himmel geht aus den Ehen hervor, weil die Ehe aus der Ehe des Guten und Wahren entsteht, weshalb auch der Himmel in seinem ganzen Inbegriff Ehe genannt wird, wie oben in einem besonderen Abschnitt gezeigt wurde. Unter Ehebruch wird aber jede Verbindung verstanden, wobei die Liebe zum Ehebruch herrscht, sei es innerhalb oder außerhalb des ehelichen Standes, und unter Ehe wird jede Verbindung verstanden, bei der die Liebe zur Ehe, oder die eheliche Liebe herrscht. Daß die Erde durch Unzucht und Ehebruch ebenso mit Bewohnern erfüllt werden kann, wie durch die Ehen, wird im nachfolgenden Abschnitt näher erklärt werden. Wenn Erzeugungen des menschlichen Geschlechtes durch Ehen stattfinden, in denen die heilige Liebe zum Guten und Wahren vom Herrn herrscht, dann geschieht (es) auf Erden wie in den Himmeln, und das Reich des Herrn auf Erden entspricht dem Reich des Herrn im Himmel. Denn die Himmel bestehen aus Gesellschaften, die nach den verschiedenen geistigen und himmlischen Neigungen geordnet sind, und aus dieser Ordnung entsteht die Form des Himmels, die alle Formen im Weltall unendlich übertrifft. Eine gleich herrliche Form würde auf Erden sein, wenn hier die Erzeugungen durch Ehen bewirkt würden, in denen die wahrhaft eheliche Liebe herrscht, denn dann würden ebenso viele Abbilder der Gesellschaften im Himmel in gleicher Mannigfaltigkeit entstehen, als Familien von einem Hausvater nach und nach hervorgingen. Dann würden die Familien gleichsam fruchtbare Bäume von verschiedener Art sein, aus denen ebenso viele Gärten hervorgingen, in deren jedem eine besondere Art von Früchten wäre, und diese Gärten würden zusammen eine Form des himmlischen Paradieses darstellen. Allein dies wird nur vergleichsweise gesagt, weil die Bäume die Angehörigen der Kirche, die Gärten die Einsicht, die Früchte das Gute des Lebens und das Paradies den Himmel bedeutet. Aus dem Himmel wurde mir mitgeteilt, daß eine solche Entsprechung der Familien auf Erden mit den Gesellschaften im Himmel bei den Ältesten (d.h. bei den Angehörigen der Ältesten oder adamitischen Kirche) stattgefunden habe, von denen die erste Kirche auf unserer Erde errichtet wurde, die von den Schriftstellern der Alten (d.h. noachitischen) Kirche auch das Goldene Zeitalter genannt wurde. Dies war aber deshalb möglich, weil damals in den Ehen die Liebe zum Herrn, die Nächstenliebe, Unschuld, Friede, Weisheit und Keuschheit regierte. Desgleichen wurde mir aus dem Himmel gesagt, daß damals die Menschen vor Ehebrüchen, wie vor Greueln der Hölle im Inneren zurückschauderten. 989. Daß der Himmel aus den Ehen und die Hölle aus den Ehebrüchen hervorgeht, wurde schon oben gesagt; nun soll aber gezeigt werden, wie dies zu verstehen ist. Das anererbte Böse, in das der Mensch geboren wird, kommt nicht von Adam her wegen des Essens vom Baum der Erkenntnis, sondern von den Eltern (einer späteren Nachkommenschaft) wegen der Schändung des Guten und der Verfälschung des Wahren, somit wegen der Ehe des Bösen und Falschen, aus der die

Liebe zum Ehebruch hervorgeht. Die herrschende Liebe der Eltern wird wie durch einen Absenker auf die Nachkommen abgeleitet und übertragen, und wird bei ihnen zur Natur. Wenn die Liebe (oder Grundneigung) der Eltern eine ehebrecherische Liebe ist, so ist sie auch eine Liebe des Bösen zum Falschen und des Falschen zum Bösen; aus diesem Ursprung hat der Mensch alles Böse, und durch das Böse hat er die Hölle. Hieraus geht deutlich hervor, daß der Mensch die Hölle hat durch die Ehebrüche, wenn er nicht vom Herrn durch die Wahrheiten und durch das Leben nach denselben gebessert wird. Es kann aber keiner gebessert werden, wenn er nicht die Ehebrüche als höllisches Böses flieht, und die Ehen als himmlisches Gutes liebt; nur so und nicht anders wird das Erbübel gebrochen und bei den Nachkommen gemildert. Man wisse jedoch, daß der Mensch zwar von ehebrecherischen Eltern als Hölle geboren wird, aber nicht für die Hölle, sondern für den Himmel; denn es ist vom Herrn Fürsorge getroffen, daß niemand wegen des anererbten Bösen zur Hölle verdammt wird, sondern nur wegen des Bösen, das der Mensch selbsttätig während seines Lebens getan hat. Dies kann man an den Kindern sehen, die alle nach ihrem Tode vom Herrn an Kindes Statt angenommen und unter Seiner Leitung im Himmel erzogen und selig werden. Hieraus erhellt aber, daß jeder Mensch, wiewohl er durch das angeborene Böse eine Hölle ist, doch nicht zur Hölle, sondern für den Himmel geboren wird. Das gleiche geschieht mit jedem Menschen, auch wenn er durch Ehebruch erzeugt ist, wenn er nicht selbst ein Ehebrecher wird. Aber ein Ehebrecher werden heißt, in der Ehe des Bösen und Falschen leben, indem man mit Lust an das Böse und Falsche denkt, und aus Liebe zu demselben es tut; ein jeder, der dies tut, ist auch ein Ehebrecher. Es ist auch der göttlichen Gerechtigkeit gemäß, daß niemand Strafe erleiden soll wegen des Bösen seiner Eltern, sondern nur wegen seines eigenen Bösen; deshalb wird auch vom Herrn vorgesehen (d.i. gesorgt), daß das Erbböse nach dem Tode nicht wieder hervortritt, sondern nur das eigene Böse, und für dieses Böse, das wiederkehrt, wird der Mensch alsdann bestraft. 990. Oben wurde gesagt, daß zwischen der Liebe zur Ehe und der Liebe zum Ehebruch ein Unterschied sei wie zwischen Himmel und Hölle; derselbe Unterschied besteht aber auch zwischen den Lustreizen dieser beiden Liebesarten; denn die Lustreize empfangen ihr ganzes Wesen aus der Liebe von der sie abstammen. Die Lustreize der Liebe zum Ehebruch empfangen ihr Wesen aus der Lust, etwas Böses zu vollbringen, oder Böses zu tun, aber die Lustreize der Liebe zur Ehe aus der Lust, etwas Gutes zu vollbringen oder Gutes zu tun. Wie daher bei den Bösen ihr Lustreiz beschaffen ist, wenn sie etwas Böses tun, so ist auch ihr Lustreiz zum Ehebruch beschaffen, weil dieser Lustreiz aus jenem hervorgeht. Daß dies wirklich so ist, wird man kaum glauben können, und dennoch hat er in jenem seinen Ursprung; hieraus erhellt aber, daß der Lustreiz zum Ehebruch aus der untersten Hölle emporsteigt. Dagegen ist der Lustreiz zur Ehe ein himmlischer Lustreiz, weil er aus der Liebe zur Verbindung des Guten und Wahren, und aus der Liebe, Gutes zu tun, hervorgeht. Er kommt auch wirklich

aus dem innersten oder dritten Himmel herab, wo die Liebe zum Herrn durch den Herrn herrscht. Hieraus läßt sich erkennen, daß zwischen jenen beiden Lustreizen ein Unterschied besteht wie zwischen Himmel und Hölle. Das Wunderbare dabei ist nur, daß man gewöhnlich glaubt, der Lustreiz zur Ehe und der zum Ehebruch seien sich gleich, während doch ein solcher Unterschied zwischen ihnen ist, wie er eben beschrieben wurde. Aber diesen Unterschied kann freilich nur der fühlen, der in der Freude der ehelichen Liebe ist, denn nur ein solcher empfindet es deutlich, daß in den Freuden der ehelichen Liebe nichts Unreines und Unkeusches, und somit nichts von Lüsternheit ist, und daß dagegen in den Freuden des Ehebruchs nichts als Unreines, Unkeusches und Lüsternes ist, denn er fühlt, daß das Unkeusche von unten her, das Keusche aber von oben her kommt. Wer aber in der Liebe zum Ehebruch ist, der kann dies nicht fühlen, weil er das Höllische als sein Himmlisches fühlt. Hieraus folgt, daß die Liebe zur Ehe auch in ihrem letzten Wirken wahre Reinheit und Keuschheit ist, die Liebe zum Ehebruch dagegen in allen ihren Handlungen wahre Unreinheit und Unkeuschheit. Weil nun die Lustreize beider Liebesarten äußerlich gleich erscheinen, obwohl sie innerlich ganz ungleich sind, da sie Gegensätze bilden, deshalb wird vom Herrn dafür gesorgt, daß die Lustreize des Ehebruchs nicht zum Himmel aufsteigen, sowie auch, daß die Lustreize der Ehe nicht zur Hölle hinabsteigen, gleichwohl aber besteht eine gewisse Entsprechung des Himmels mit der durch Ehebrüche bewirkten Erzeugung von Kindern, aber nicht mit den dabei stattfindenden Lustreizen. 991. Es wurde gesagt, daß die eheliche Liebe, die eine natürliche ist, aus der Liebe zum Guten und Wahren abstamme, die eine geistige Liebe ist; daher liegt dieses Geistige in der natürlichen Liebe der Ehe, wie die Ursache in der Wirkung. Aus der Ehe des Guten und Wahren durch die Liebe kommt daher die Liebe, Frucht hervorzubringen, nämlich Gutes durch das Wahre und Wahres aus dem Guten, und aus dieser Liebe entsteht die Liebe, Kinder zu erzeugen, in der alle Wonne und Freude enthalten ist. Umgekehrt aber entsteht die Liebe des Ehebruchs, die eine natürliche ist, aus der Liebe zum Bösen und Falschen, die eine geistige ist, und dieses Geistige liegt daher in der Liebe des Ehebruchs, wie die Ursache in ihrer Wirkung. Aus der Ehe des Bösen und Falschen durch die Liebe entsteht daher die Liebe Frucht hervorzubringen, nämlich Böses durch das Falsche und Falsches aus dem Bösen; und aus dieser Liebe stammt die Liebe Kinder zu erzeugen im Ehebruch, in der alle Lust und Freude desselben enthalten ist. Daß in der Liebe, Kinder zu erzeugen, alle Lust und Freude liegt, kommt daher, weil alle Wonne, Freude, Seligkeit und Glück im ganzen Himmel und in der ganzen Welt von der Schöpfung her zusammengefaßt ist in dem Streben und daher auch in der Handlung, Nützliches hervorzubringen, und diese Freuden wachsen je nach der Güte und Trefflichkeit der Nutzleistungen in Ewigkeit fort. Daraus erklärt sich, warum es so große Freude macht, Kinder zu erzeugen, und zwar eine Freude, die alle anderen übertrifft; und dies kommt daher, weil diese Nutzwirkung alle anderen übertrifft, weil diese in der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes

und somit auch des Himmels besteht. Daher stammt auch die Freude und die Lust des Ehebruchs; weil aber die Erzeugung der Kinder durch Ehebruch der Hervorbringung des Bösen durch das Falsche und des Falschen durch das Böse entspricht, deshalb nimmt diese Lust und Freude stufenweise ab und verliert allen Reiz, so daß sie sich zuletzt in Ekel und Überdruß verwandelt. Weil nun die eheliche Liebe eine himmlische Freude und die ehebrecherische eine höllische Freude ist, wie schon oben gesagt wurde, deshalb entsteht auch der Lustreiz des Ehebruchs aus einem gewissen unreinen Feuer, das sich fälschlich für einen Lustreiz der Liebe zum Guten darstellt, solange es besteht, an sich aber ein Lustreiz der Liebe zum Bösen ist, der seinem Wesen nach in einem Lustreiz des Hasses gegen das Gute und Wahre besteht. Und weil er diesen Ursprung hat, so ist die Liebe zwischen einem Ehebrecher und einer Ehebrecherin so beschaffen, wie die Liebe zum Haß, die von der Art ist, daß sie zwar äußerlich verbunden sein können, aber nicht innerlich; denn nur im Äußeren ist ihr Lustreiz feurig, im Inneren aber kalt, deshalb erlischt auch das Feuer nach kurzer Zeit und tritt Kälte an ihre Stelle, verbunden mit Kraftlosigkeit oder auch mit Abscheu wie vor Schmutz. Ich selbst durfte diese Liebe nach ihrem inneren Wesen sehen, und sie war von der Art, daß im Inneren tödlicher Haß brannte, im Äußeren aber sich ein Feuer zeigte, das sich aus Mist, Moder und stinkenden Stoffen entzündet hatte, und wie dieses Feuer mit seinem Lustreiz erlosch, so erstarb auch nach und nach das Leben der gegenseitigen Rede und Unterhaltung, und dann trat der Haß hervor, zuerst in der Gestalt von Verachtung, dann als Abscheu, Zurückstoßung und zuletzt als Schmähung und Streit. Das Wunderbare dabei aber war, daß sie, obgleich sie sich haßten, doch bisweilen sich wieder vereinigen und dann den Lustreiz des Hasses wie einen Lustreiz der Liebe empfinden konnten, jedoch nur vermöge eines fleischlichen Reizes. Welch eine Lust des Hasses und der Bosheit die Bewohner der Hölle haben, läßt sich weder beschreiben, noch glauben. Böses zu tun ist die Freude ihres Herzens, und dies nennen sie ihren Himmel; ihre Lust Böses zu tun schöpft aber ihre ganze Kraft aus dem Haß und der Rachsucht gegen das Gute und Wahre. Deshalb wüten sie von tödlichem und teuflischen Haß gestachelt gegen den Himmel, besonders gegen die, welche von ihm herkommen und den Herrn anbeten. Sie brennen von heftiger Begierde sie zu töten, und weil sie die Körper derselben nicht töten können, so wollen sie ihre Seele töten. Dieser Lustreiz des Hasses ist es daher, der äußerlich als ein Feuer erscheint, und wenn er in das lüsterne Fleisch eindringt, für einen Augenblick als Lustreiz des Ehebruchs erscheint, während die Seele, in welcher der Haß verborgen liegt, sich zurückzieht. Daher kommt es, daß die Hölle ein Ehebruch genannt wird, wie auch, daß die leidenschaftlichen Ehebrecher unbarmherzig, wild und grausam sind. Das ist also eine höllische Ehe. Da nun der Ehebruch nur dem Äußeren nach feurig ist, aber kalt dem Inneren nach, und weil somit das Innere nicht auf das Äußere einwirkt, so ist die Folge, daß der Mann sich kraftlos fühlt, wenn ihn das Weib zu Taten der Liebe auffordert; denn das Innere, das kalt ist, wird dann in Bewegung gesetzt und wirkt erkältend

auf das Feuer im Äußeren, so daß es erlischt. Dazu kommt noch, daß dann die lüsterne Begierde, die jenes unreine Feuer anfacht, verlorengeht. 992. Es wurde gesagt, die ehebrecherische Liebe sei ein Feuer, das durch unreine Stoffe in Brand kommt, aber bald erlischt und sich in Kälte verwandelt und in Abscheu, der dem Haß entspricht. Dagegen ist umgekehrt die eheliche Liebe ein Feuer, das durch die Liebe zum Guten entzündet wurde, und somit auch durch die Lust Gutes zu tun, und also durch die Liebe zum Herrn und gegen den Nächsten; und dieses Feuer, das seinem Ursprung nach himmlisch ist, ist voll unzähliger Wonnegefühle, wie die Freuden und Wonnen des Himmels. Es wurde mir gesagt, daß in dieser Liebe so viele und so große Wonnen und Freuden liegen, die abwechselnd sich offenbaren, daß man sie weder zählen noch beschreiben kann; denn sie werden durch Vermehrung in Ewigkeit vervielfältigt. Der Ursprung dieser Wonnegefühle liegt darin, daß die Ehegatten in Ansehung ihrer Gemüter ganz eins sein wollen, und daß der Himmel vermöge der Ehe des Guten und Wahren, die daselbst durch den Herrn besteht, zu dieser Vereinigung mitwirkt. Ich will noch einiges von den Ehen der Engel mitteilten: Sie behaupten, daß sie fortwährend die Kraft ihrer Liebe behalten, und daß sie niemals Ermüdung oder Traurigkeit nach Ausübung derselben fühlen, sondern Freudigkeit des Lebens und Heiterkeit des Gemütes, und daß die Ehegatten sich gegenseitig so vereint fühlen, als ob sie zu einem Wesen geschaffen seien. Sie erklären ferner, daß die Quellen dieser Liebe sich nicht erschöpfen, sondern fortdauernd fließen, und beide Gatten so verbinden, daß sie ein Fleisch ausmachen; denn die Lebenskraft des Mannes verbindet sich mit der des Weibes und vereinigt sie dadurch. Überhaupt sagen sie, daß die Wonnegefühle dieser Liebe durch keine Sprache der natürlichen Welt beschrieben, und nur durch geistige Vorstellungen einigermaßen erfaßt werden können. Alles dieses wurde mir von Engeln mitgeteilt. 993. Daß die wahrhaft eheliche Liebe in sich selber unaussprechliche Wonnegefühle (jucunditates) enthalte, die über alle Zahlen und Worte hinausgehen, kann man auch daraus erkennen, daß diese Liebe die Grundlage aller himmlischen und geistigen Liebesarten ist, weil der Mensch selbst durch sie zur Liebe wird, denn der Ehegatte liebt seine Gattin aus sich, wie das Gute das Wahre und das Wahre das Gute liebt, also im Vorbilde so, wie der Herr den Himmel und die Kirche liebt. Eine solche Liebe kann nur durch die Ehe bestehen, in welcher der Mann das Wahre und die Frau das Gute ist. Wenn der Mensch vermittelst der Ehe eine solche Liebe geworden ist, alsdann ist er auch in der Liebe zum Herrn und in der Liebe gegen den Nächsten, und somit in der Liebe zu allem Guten und zu allem Wahren; denn wenn der Mensch selbst zur Liebe geworden ist, so müssen notwendig alle Arten von Liebe aus ihm hervorgehen. Daher kommt es, daß die eheliche Liebe die Grundlage aller Liebesarten des Himmels ist. Weil sie aber die Liebe ist, die allen Arten der Liebe im Himmel zugrunde liegt, so ist sie auch die Grundlage aller Wonnen und Freuden des Himmels, denn alle Wonne und Freude stammt aus der Liebe. Hieraus folgt, daß die himmlischen

Freuden in ihrer Reihenfolge und ihren Stufen aus der ehelichen Liebe ihren Ursprung und Grund haben. Aus der Glückseligkeit der Ehen kann man aber auch auf die Unseligkeit der Ehebrüche schließen, nämlich, daß die ehebrecherische Liebe die Grundlage aller höllischen Liebesarten ist, die an sich betrachtet nicht Liebe, sondern Haß sind. Somit auch, daß aus der ehebrecherischen Liebe alle Arten des Hasses hervorfließen, sowohl gegen Gott, als gegen den Nächsten, und im allgemeinen gegen alles Gute und Wahre des Himmels und der Kirche; daher liegen auch alle Gefühle der Unseligkeit in ihr; denn durch die Ehebrüche wird der Mensch eine Form der Hölle, und aus der Liebe zu ihnen wird er ein Ebenbild des Teufels, wie oben gesagt wurde. Daß aus den Ehen, in denen die wahrhaft eheliche Liebe herrscht, alle Wonnegefühle und Glückseligkeiten erwachsen bis zur Wonne und Seligkeit des innersten Himmels, und daß dagegen in den Ehen, in denen die Liebe zum Ehebruch herrscht, alle Widerwärtigkeiten und Unseligkeiten entstehen, die durch ihre Schrecklichkeit bis zur untersten Hölle reichen, sehe man HH 386. 995. Die wahrhaft eheliche Liebe ist vom Herrn allein, und zwar deshalb, weil sie aus der Liebe des Herrn gegen den Himmel und die Kirche, und dadurch aus der Liebe zum Guten und Wahren herabkommt; denn der Herr ist es, von Dem das Gute stammt, und der Himmel und die Kirche ist es, in denen das Wahre ist. Hieraus folgt, daß die wahrhaft eheliche Liebe ihrem innersten Wesen nach Liebe zum Herrn ist. Daher kommt es, daß niemand in wahrhaft ehelicher Liebe sein kann, und ebensowenig in ihren lieblichen und wonnigen Gefühlen und in ihrer Freude und Seligkeit, wenn er nicht den Herrn allein, d.h. die Dreieinigkeit in Ihm anerkennt. Wer sich an den Vater, als eine besondere Person für sich, und an den Heiligen Geist, gleichfalls als an eine besondere Person wendet, und nicht im Herrn dieselben angeht, der hat keine eheliche Liebe. Das echte Eheliche ist besonders im dritten Himmel zu finden, weil die Engel daselbst in der Liebe zum Herrn leben, Ihn allein als Gott anerkennen, und Seine Befehle ausüben. Den Herrn lieben heißt bei ihnen, Seine Gebote vollziehen, und die Gebote des Herrn sind Wahrheiten, in denen sie Ihm selbst aufnehmen. Der Herr steht in Verbindung mit ihnen und sie mit dem Herrn; denn sie sind im Herrn, weil sie im Guten sind, und der Herr ist in ihnen, weil sie im Wahren sind. Das ist die himmlische Ehe, aus der die wahrhaft eheliche Liebe herabsteigt. 996. Weil die wahrhaft eheliche Liebe in ihrem innersten Wesen Liebe zum Herrn vom Herrn ist, so liegt auch Unschuld in ihr. Unschuld heißt, den Herrn als seinen Vater lieben, Seine Gebote erfüllen, und wünschen, daß man von Ihm und nicht von sich selbst, als ein Kind geführt werde. Da jene Liebe zugleich Unschuld ist, so bildet diese das eigentliche Sein alles Guten, und daher hat der Mensch so viel vom Himmel in sich, oder ist so weit im Himmel, als er in der ehelichen Liebe ist, denn so weit ist er auch in der Unschuld. Weil die wahrhaft eheliche Liebe Unschuld ist, so scherzen und spielen oft Ehegatten miteinander, wie die Kinder unter sich spielen, und je mehr sie sich lieben, desto mehr treiben sie solches Spiel, wie sich dies bei allen in den ersten

Tagen nach der Hochzeit zeigt, wenn ihre Liebe der wahrhaft ehelichen Liebe ähnlich ist. Diese Unschuld der ehelichen Liebe wird im Wort unter der Nacktheit verstanden, deren sich Adam und sein Weib nicht schämten, weil nichts Geiles und daher auch kein Schamgefühl bei den Ehegatten herrscht und noch weniger bei Kindern, die nackt beieinander sind. 997. Weil die eheliche Liebe ihrem innersten Wesen nach Liebe zum Herrn vom Herrn ist, und daher auch Unschuld, deshalb ist die eheliche Liebe auch der Friede, wie er bei den Engeln im Himmel ist; denn wie die Unschuld das eigentliche Sein alles Guten ist, so ist der Friede das eigentliche Sein alles Lustgefühls aus dem Guten, folglich auch das eigentliche Sein aller Freude bei den Ehegatten. Weil aber alle Freude aus der Liebe hervorgeht, und die eheliche Liebe die Grundlage aller Liebesarten des Himmels ist, deshalb hat der eigentliche Friede seinen Wohnsitz hauptsächlich in der ehelichen Liebe. Daß der Friede die Glückseligkeit des Herzens und der Seele sei, die aus der Verbindung des Guten und Wahren entsteht, weil aller Zwiespalt und Kampf des Bösen und Falschen mit dem Guten und Wahren aufhört, sehe man EKO 365; und weil die eheliche Liebe aus diesen Verbindungen herabsteigt, deshalb steigt auch alle Wonne dieser Liebe herab und schöpft ihr inneres Wesen aus dem himmlischen Frieden. Dieser Friede leuchtet auch wirklich im Himmel als ein himmlisches Glück aus dem Angesichte solcher Ehegatten hervor, die in dieser Liebe sind und aus ihr sich gegenseitig anschauen; und ein solches himmlisches Gefühl, das die Wonne der Liebe auf das tiefste anregt, ist nur bei denen möglich, die auf das innigste, d.h. in Ansehung ihrer Herzen verbunden werden können. 998. Der Mensch empfängt Einsicht und Weisheit in dem Maße und von solcher Beschaffenheit, wie die eheliche Liebe bei ihm ist. Dies hat seinen Grund darin, daß die eheliche Liebe aus der Liebe zum Guten und Wahren herabsteigt wie die Wirkung aus ihrer Ursache, oder wie das Natürliche aus seinem Geistigen, und aus der Ehe des Guten auch den Engeln der drei Himmel alle Einsicht und Weisheit zuteil wird; denn die Einsicht und Weisheit ist nichts anderes, als die Aufnahme des Lichtes und der Wärme vom Herrn als Sonne, d.h. die Aufnahme des göttlich Wahren, vereint mit dem göttlich Guten, und des göttlich Guten, vereint mit dem göttlich Wahren, und somit ist sie die Ehe des Guten und Wahren vom Herrn. Daß es wirklich so ist, zeigte sich ganz deutlich bei den Engeln im Himmel: wenn diese von ihren Gattinnen getrennt sind, haben sie zwar ihre Einsicht, aber nicht ihre Weisheit; wenn sie aber bei ihren Ehefrauen sind, haben sie auch ihre Weisheit; und worüber ich mich wunderte, soweit sie ihr Angesicht der Gattin zuwendeten, so weit waren sie in Weisheit, denn die Verbindung des Wahren und Guten geschieht in der geistigen Welt durch das Anschauen; denn dort ist die Frau das Gute und der Mann das Wahre. Wie sich daher das Wahre zum Guten hinwendet, so wird das Wahre lebendig. Unter Einsicht und Weisheit wird hier nicht das Talent verstanden, über das Wahre und Gute Erörterungen anzustellen, sondern die Fähigkeit, das Wahre und Gute

zu sehen und zu verstehen, und diese Fähigkeit hat der Mensch vom Herrn. 999. Aus der wahrhaft ehelichen Liebe kommt auch die Macht und der Schutz gegen die Höllen, weil gegen das Böse und Falsche, das aus den Höllen aufsteigt, und zwar deshalb, weil der Mensch durch die eheliche Liebe in Verbindung steht mit dem Herrn, und der Herr allein Macht hat über alle Höllen; wie auch, weil der Mensch durch die eheliche Liebe mit dem Himmel und der Kirche vereinigt ist. Wie daher der Himmel und die Kirche fortwährend vom Herrn beschützt wird gegen das Böse und Falsche, das aus der Hölle emporsteigt, so werden auch alle beschützt, die in der wahrhaft ehelichen Liebe sind, denn nur bei diesen und nicht bei anderen ist der Himmel und die Kirche; denn der Himmel und die Kirche ist die Ehe des Guten und Wahren, aus der die eheliche Liebe stammt, wie oben gesagt wurde. Daher kommt es, daß der Mensch durch die eheliche Liebe den Frieden hat, der die innerste Freude des Herzens ist über die vollständige Sicherheit vor den Höllen und über den Schutz gegen die Anfechtungen des Bösen und Falschen, das aus ihnen stammt. 1000. Diejenigen, die in der wahrhaft ehelichen Liebe sind, kommen nach dem Tode, wenn sie Engel werden, wieder in ihre Jugendzeit und ihr blühendes Alter. Die Männer, wenn auch noch so sehr vom Greisenalter gebeugt, werden Jünglinge, und die vom Alter geschwächten Frauen werden wie junge Mädchen. Beide Ehegatten kehren zurück zur Blüte und zu den Freuden ihres jugendlichen Alters, als die eheliche Liebe anfing, ihr Leben durch neue Wonnegefühle zu erhöhen, und durch die Lust und Freude der ehelichen Liebe zu erheitern. In diesen Zustand kommt der Mensch zuerst äußerlich, und nachher innerlich und immer innerlicher in Ewigkeit, wenn er Ehebruch als Sünde geflohen hat, und in der Welt vom Herrn in die eheliche Liebe eingeführt wurde. Weil solche immer mehr im Inneren zur Jugend zurückkehren, so folgt daraus, daß die wahrhaft eheliche Liebe bei ihnen fortwährend wächst und zu den Wonnen und Freuden fortschreitet, die von der Schöpfung der Welt her für sie vorgesehen wurden, und diese Wonnen und Seligkeiten des innersten Himmels entspringen aus der Liebe des Herrn gegen den Himmel und die Kirche, und daher aus der gegenseitigen Liebe des Guten und Wahren. Aus diesen Arten der Liebe stammt alle Freude in den Himmeln. Der Mensch wird aber wieder jung im Himmel, weil er nun in die Ehe des Guten und Wahren kommt, und das Gute fortwährend strebt, das Wahre zu lieben, wie auch das Wahre fortwährend strebt, das Gute zu lieben. Und alsdann ist die Gattin das Gute in seiner Gestaltung und der Mann ist das Wahre in seiner Form. Vermöge jenes Strebens legt der Mann alles Strenge, Ernste und Trockene des Greisenalters ab, und nimmt das Lebendige, Freudige und Frische der Jugend an, aus dem jenes Streben hervorgeht und zur Freude wird. Es wurde mir aus dem Himmel gesagt, daß solche ein Leben der Liebe haben, das man nicht anders beschreiben kann, als das Leben der innigsten und eigentlichsten Freude. Daß der Mensch, der in der Welt in wahrhaft ehelicher Liebe lebt, nach dem Tode zur himmlischen Ehe gelangt, welche die Ehe des Guten und Wahren ist, die aus der Ehe des Herrn mit der Kirche entspringt, geht deutlich daraus hervor, daß aus den Ehen im Himmel, obwohl die Ehegatten ebenso wie auf Erden

zusammenleben, keine Kinder hervorgehen, sondern statt der Kinder Gutes und Wahres und daher Weisheit, wie schon früher gesagt wurde. Daher kommt es, daß unter Gebären, Geburt und Zeugung im Wort vermöge des geistigen Sinnes geistige Geburten und Zeugungen verstanden werden, unter Söhne und Töchter aber das Wahre und Gute der Kirche; und anderes, aber ganz ähnliches, wird unter Schwiegertochter, Schwiegermutter und Schwiegervater verstanden. Hieraus kann man auch klar ersehen, daß die Ehen auf Erden den Ehen im Himmel entsprechen, und daß der Mensch nach dem Tode in diese Entsprechung kommt, nämlich von der natürlichen leiblichen Ehe zu der himmlischen geistigen Ehe, die der Himmel und die himmlische Freude selbst ist. 1001. Aus der ehelichen Liebe stammt die Schönheit der Engel, und zwar bei jedem Engel nach der Beschaffenheit der Liebe, denn alle Engel sind die Formen ihrer Neigungen, weil man im Himmel nicht täuschen und durch sein Angesicht etwas darstellen darf, was nicht in Gefühl und Neigung ist; daher ist ihr Angesicht das Bild ihres Gemütes. Wenn sie in der ehelichen Liebe sind, so sind sie auch in der Liebe zum Herrn, in der Nächstenliebe, in der Liebe zum Guten und Wahren und in der Liebe zur Weisheit. Diese Liebesarten gestalten ihr Angesicht und stellen sich wie Flammen des Lebens in ihren Augen dar, wozu noch die Unschuld und der Friede kommt, die ihre Schönheit noch erhöhen. Von solcher Art sind die Formen der Engel im innersten Himmel, und dies sind die wahrhaft menschlichen Formen. 1002. Aus dem bisher Gesagten kann man schließen, wieviel Gutes aus der Keuschheit in den Ehen hervorgeht, und folglich, was die guten Werke der Keuschheit sind, die von einem Menschen getan werden, der die Ehebrüche als Sünde gegen Gott flieht. Die guten Werke betreffen teils die Ehegatten selbst, teils ihre Kinder und Nachkommenschaft, und teils die Gesellschaften im Himmel. Die guten Werke der Keuschheit, welche die Ehegatten selbst betreffen, sind ihre geistige und himmlische Liebe, ihre Einsicht und Weisheit, ihre Unschuld und Friede, ihre Macht und Beschützung gegen die Höllen und gegen das Böse und Falsche aus denselben, und die vielfältigen Freuden und Wonnen in Ewigkeit, die denen zuteil werden, die in keuscher Ehe leben, wie schon oben gesagt wurde. Die guten Werke (oder Wirkungen) der Keuschheit, welche die Kinder und Nachkommenschaft betreffen, bestehen darin, daß durch die Familien nicht so viele und so große Übel vererbt werden, denn die bei den Eltern herrschende Liebe geht auf die Kinder über und bisweilen noch auf spätere Nachkommen, und wird bei ihnen zur angeerbten Natur. Diese wird aber gebrochen und gemildert bei denjenigen Eltern, welche die Ehebrüche als etwas Höllisches fliehen, und die Ehen als etwas Himmlisches lieben. Die guten Werke der Keuschheit, welche die himmlischen Gesellschaften betreffen, bestehen darin, daß die keuschen Ehen eine Herzensfreude des Himmels sind, daß sie auch die Pflanzschulen desselben bilden und zugleich eine feste Grundlage für ihn. Sie machen dem Himmel Freude durch Mitteilung, sie sind Pflanzschulen für den Himmel vermöge der Erzeugung von Kindern; und sie gewähren dem Himmel eine feste Grundlage durch ihre Macht gegen die Höllen, denn bei der

Gegenwart der ehelichen Liebe werden die teuflischen Geister wütend, unsinnig, ihrer selbst nicht mächtig und stürzen sich in die Tiefe. 1003. Aus der Aufzählung und Beschreibung des Guten, das aus den keuschen Ehen hervorgeht, kann man auf das Böse schließen, das aus den Ehebrüchen hervorgeht, denn das Böse ist jenem Guten entgegengesetzt: Statt der geistigen und himmlischen Liebe, die diejenigen erfüllt, die in keuscher Ehe leben, herrschen höllische und teuflische Triebe bei denen, die in Ehebrüchen leben; statt der Einsicht und Weisheit, deren sich die erfreuen, die in keuscher Ehe leben, waltet Unsinn und Torheit bei denen, die in Ehebrüchen leben; statt der Unschuld und des Friedens bei denen, die in keuscher Ehe leben, herrscht Arglist und Unfrieden bei denen, die im Ehebruch leben; statt der Macht und der Beschirmung gegen die Höllen, welche die besitzen, die in der Ehe keusch leben, sind die, welche in Ehebrüchen leben, selber teuflische Dämonen und Höllen; statt der Schönheit, welche die erlangen, die in der Ehe keusch leben, ist das Los derer, die in Ehebrüchen leben, abscheuliche Häßlichkeit je nach ihrer Beschaffenheit. Ihr Schicksal gestaltet sich zuletzt in der Art, daß sie durch die äußerste Kraftlosigkeit, die sie schließlich über sich bringen, alles Feuer und Licht des Lebens verlieren und in Wüsten einsam leben als lebendige Bilder der Trägheit und des Ekels. 1004. Wahrhaft eheliche Liebe ist nur unter zwei Personen möglich, wie auch keine andere Liebe des Herrn möglich ist gegen den Himmel, der einer ist von Ihm und in Ihm, oder gegen die Kirche, die ebenso wie der Himmel eine ist von Ihm und in Ihm. Alle, die dem Himmel, und alle, die der Kirche angehören, müssen eins sein durch gegenseitige Liebe zum Herrn. Ein Engel im Himmel und ein Mensch in der Kirche, der nicht in solcher Weise eins mit dem übrigen bildet, würde nicht zum Himmel und nicht zur Kirche gehören. Überdies gibt es im ganzen Himmel und in der ganzen Welt nur zwei Dinge, auf die sich alles bezieht, diese zwei heißen das Gute und Wahre. Aus diesen, die in eins verbunden sind, ist alles im Himmel und in der Welt entstanden, und besteht auch durch dieselben. Wenn sie eins sind, dann ist das Gute im Wahren und das Wahre im Guten, und dann gehört das Wahre dem Guten und das Gute dem Wahren an, und somit erkennt eines das andere als sein Angehöriges und Gegenseitiges an, wie ein Wirkendes sein Gegenwirkendes, und umgekehrt. Aus dieser allgemeinen Ehe stammt die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau. Der Mann ist so geschaffen, daß er das Verstehen des Wahren sein soll, und die Frau ist so geschaffen, daß sie das Wollen des Guten sein soll, so daß beide das Wahre und Gute in seiner Form darstellen, und diese Form ist der Mensch und das Bild Gottes. Und weil es von der Schöpfung her so eingerichtet ist, daß das Wahre dem Guten und das Gute dem Wahren angehören soll, somit gegenseitig und wechselseitig, deshalb ist es nicht möglich, daß ein Wahres mit zwei verschiedenen Gutheiten vereinigt sei, und umgekehrt; somit kann auch nicht ein Verstand mit zwei verschiedenen Willen vereinigt sein, und umgekehrt. Deshalb kann auch nicht ein Mensch, wenn er geistig ist, mit zwei verschiedenen Kirchen vereinigt sein, und ebensowenig kann ein Mann mit zwei Frauen auf das Innigste

vereint sein. Die innigste Vereinigung ist wie die der Seele und des Herzens. Die Seele des Weibes ist der Mann, und das Herz des Mannes ist die Frau. Der Mann teilt seine Seele mit und verbindet sie mit seiner Gattin durch die wirkliche Liebe, denn sie wohnt in seinem Samen und die Frau nimmt sie mit dem Herzen auf, daher bilden beide eine Person. Das ist die echte und wahre Ehe, die nur zwischen zweien möglich ist. Schon von der Schöpfung her ist es nämlich bestimmt, daß alles im Manne, sowohl was zu seinem Gemüt, als was zu seinem Körper gehört, sein Gegenseitiges im Gemüt und im Körper des Weibes habe, und daß daher alles und jedes sich gegenseitig erkennt und vereinigt werden will. Aus diesem Erkennen und Streben entsteht die eheliche Liebe. Alles was im Körper ist, Glieder, Eingeweide und Organe sind nichts anderes, als natürliche, körperliche Formen, die mit der geistigen Form des Gemütes in Entsprechung stehen; daher entsprechen alle Bestandteile des Körpers allen Bestandteilen des Gemütes in solcher Weise, daß der Körper alles, was der Geist will oder denkt, auf seinen Wink augenblicklich tut; wenn daher zwei Gemüter eins sind, dann sind auch die zwei Körper so vereinigt, daß sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch sind. Die eheliche Liebe ist daher so, daß zwei ein Fleisch werden wollen, und diese Liebe ist so beschaffen, wie dieses Wollen beschaffen ist. Ich kann dies durch eine wunderbare Erscheinung bestätigen, die im Himmel vorkommt: es gibt nämlich daselbst Ehegatten, die in solcher ehelicher Liebe sind, daß sie beide ein Fleisch sein können und es auch wirklich sind, wenn sie wollen, und dann erscheinen sie als ein Mensch. Ich habe es gesehen und mit ihnen gesprochen, und sie sagten, sie hätten nur ein Leben, und sie seien wie das Leben des Guten im Wahren, und das Leben des Wahren im Guten, und sie verhielten sich zueinander wie die Paare im Menschen, nämlich wie die zwei Hemisphären des Hirns, die mit einer Gehirnhaut umgeben sind, wie die beiden Herzkammern innerhalb der gemeinsamen Decke, und wie die beiden Lungenflügel; welche Organe, obwohl sie zwei sind, doch nur eins bilden in Ansehung des Lebens und der Tätigkeit, die in Nutzwirkungen besteht. Ferner sagten sie, ihr Leben, das so innig verbunden sei, sei voll des Himmels, ja, das eigentliche Leben des Himmels mit seinen unendlichen Seligkeiten; und zwar deshalb, weil der Himmel durch die Ehe des Herrn mit ihm gleichfalls so beschaffen sei, denn alle Engel sind im Herrn und der Herr ist in ihnen. Auch sagten sie, es sei ihnen unmöglich, aus irgendeiner Absicht noch an eine andere Gattin oder Frau zu denken, denn dies würde heißen, den Himmel zur Hölle machen. Wenn daher ein Engel so etwas denkt, so fällt er vom Himmel herab. Sie fügten hinzu: die natürlichen Geister halten eine solche Verbindung, wie die unsrige, für unmöglich, und zwar aus dem Grunde, weil sie, die bloß natürlich sind, keine Ehe aus geistigem Ursprung, d.h. eine Ehe des Guten und Wahren haben, sondern eine Ehe aus natürlichem Ursprung; daher ist bei ihnen keine Vereinigung der Gemüter, sondern bloß eine Vereinigung der Körper aus dem lüsternen Trieb des Fleisches; und diese Lüsternheit kommt aus dem allgemeinen Gesetz, das jedem lebenden Wesen

von der Schöpfung her eingepflanzt ist, nämlich, daß alles, in dem eine Kraft liegt, sein eigenes Ebenbild hervorzubringen und seine Gattung ins Unendliche und in Ewigkeit fortzupflanzen strebt. Weil die Nachkommen Jakobs, die Kinder Israels genannt wurden, rein natürliche Menschen und daher ihre Ehen nicht geistig, sondern fleischlich waren, darum wurde ihnen wegen ihrer Herzenshärtigkeit erlaubt, mehrere Frauen zu nehmen (Matth.19/3-9; Mark.10/2-12). 1005. Daß der Ehebruch eine Hölle und ein Greuel ist, kann jeder begreifen, wenn er sich vorstellt, daß im Mutterleib eines Weibes sich verschiedene Samen vermischen; denn der Same des Menschen ist es, in dem das Innerste seines Lebens verborgen liegt und daher der Anfang eines neuen Lebens, was deshalb heilig ist. Solches zu vermischen mit dem Innersten und mit den Anfängen anderer, wie dies bei den Ehebrüchen geschieht, ist daher Entweihung. Daher kommt es, daß der Ehebruch eine Hölle ist, und daß die Hölle im allgemeinen ein Ehebruch genannt wird. Weil aus solcher Vermischung notwendig Fäulnis, gleichfalls aus geistigem Ursprung hervorgeht, so folgt, daß Ehebruch ein Greuel ist. Daher erscheinen in den Hurenhäusern, die in der Hölle sind, Übelgerüche aller Art, und wenn Licht aus dem Himmel eingelassen wird, erblickt man Ehebrecher und Ehebrecherinnen, die wie die Schweine in ihrem Kot liegen, und sie sind, was zu verwundern ist, dabei ebenso vergnügt wie die Schweine, wenn sie mitten im Schmutz liegen. Jene Hurenhäuser werden aber verschlossen gehalten, weil, wenn sie geöffnet werden, ein Dunst daraus hervorströmt, der Erbrechen erregt. Anders verhält es sich mit den keuschen Ehen: bei diesen vereinigt sich das Leben des Mannes durch den Samen mit dem Leben des Weibes und dadurch entsteht eine so innige Verbindung, daß sie nicht zwei, sondern ein Fleisch werden, und gemäß dieser Verbindung nimmt die eheliche Liebe zu, und mit ihr alles Gute des Himmels. 1006. Man muß aber wissen, daß die Ehebrüche mehr oder weniger höllisch und greuelhaft sind. Die Ehebrüche, die aus schwerem Bösen und Falschen hervorgehen, sind auch schwerer, und die, welche aus leichterem Bösen und Falschen hervorgehen, sind leichter in ihren Folgen. Denn die Ehebrüche entsprechen den Schändungen des Guten und den dadurch entstehenden Verfälschungen des Wahren; die Schändungen des Guten sind an sich Böses und die Verfälschungen des Wahren sind an sich Falsches. Je nach den Entsprechungen mit diesen sind die Höllen im allgemeinen und im besonderen geordnet: diejenigen, deren Freude es war, Frauen zu schänden, haben aasartige Höllen; die, deren Lust es war, Jungfrauen zu schänden, haben kotartige Höllen; die, deren Vergnügen es war, mit feilen Dirnen sich Abwechslung zu verschaffen, haben schleimartige Höllen; diejenigen aber, die aus bloßer Herrschsucht durch die Begierde über andere zu gebieten, im Bösen waren, und keine Lust hatten, Nützliches zu wirken, haben sodomitische Höllen. Von denen, die durch Lehre und Leben, den Glauben von den guten Werken trennten, geht eine Sphäre von Ehebrüchen aus, wie die eines Sohnes mit seiner Mutter oder Stiefmutter; von denen, die sich bloß aus Ehrfurcht und nicht wegen des geistigen

Nutzens mit dem Wort beschäftigten, geht eine Sphäre von Ehebrüchen aus, wie die eines Vaters mit seiner Schwiegertochter; von denen, die glauben, die Sünden würden durch das heilige Abendmahl vergeben ohne ein Leben der Buße, geht eine Sphäre von Ehebrüchen aus, wie die eines Bruders mit seiner Schwester; von denen, die das Göttliche gänzlich leugnen, geht eine Sphäre von greuelhafter Vermischung mit Tieren, usw. Daß die Höllen so beschaffen sind, kommt von der Entsprechung derselben mit den Schändungen und Verunreinigungen des Guten und Wahren. 1007. Überhaupt strömt aus jeder Verbindung des Bösen und Falschen eine Sphäre des Ehebruchs hervor, aber nur bei denen, die in Ansehung der Lehre im Falschen und in Ansehung des Lebens im Bösen sind, aber nicht bei denen, die im betreff der Lehre im Falschen, aber im betreff des Lebens im Guten sind, denn bei diesen findet keine Verbindung des Bösen und Falschen statt, wie bei jenen. Jene Sphäre fließt besonders von den Geistlichen aus, die falsch lehrten und schlecht lebten; denn solche haben auch das Wort geschändet und verfälscht. Von diesen wird, wenn sie auch keine Ehebrecher in der Welt waren, dennoch ein Trieb zum Ehebruch angeregt, aber zu dem Ehebruch, welcher der geistliche Ehebruch genannt wird, der jedoch verschieden ist von den anderen Ehebrüchen. Hieraus erhellt, daß die Liebe zum Bösen und Falschen und die Verbindung beider der Ursprung der Ehebrüche ist. 1008. Daß bei den Christen die Ehebrüche weniger verabscheut werden als bei den Heiden, ja sogar weniger als bei wilden Völkern, kommt daher, weil heutzutage bei der Christenheit keine Ehe des Guten und Wahren ist, sondern eine Ehe des Bösen und Falschen; denn die Religion und die Lehre des von den guten Werken getrennten Glaubens ist eine Religion und Lehre des vom Guten getrennten Wahren, und das Wahre, das vom Guten getrennt ist, ist nicht wahr, und das Gute, das vom Wahren getrennt ist, ist nicht gut, sondern, wenn man es seinem Inneren nach betrachtet, erscheint es als Böses. Daher ist es in der christlichen Religion die Lehre des Falschen und Bösen, aus der wie aus ihrem Ursprung die Begierde und die Lust zum Ehebruch von der Hölle her einfließt, und daher kommt es, daß man die Ehebrüche für erlaubt hält in der Christenheit und sie ohne Scham ausübt. Denn die Verbindung des Bösen und Falschen ist, wie oben gesagt wurde, ein geistiger Ehebruch, aus welcher der Entsprechung gemäß der natürliche Ehebruch hervorgeht; und daher kommt es, daß im Wort Ehebruch und Hurerei die Schändung des Guten und die Verfälschung des Wahren bezeichnet. Daher wird Babylon in der Offenbarung eine Hure genannt, und ebenso Jerusalem im Wort des Alten Testaments, wie auch das jüdische Volk vom Herrn ein ehebrecherisches Geschlecht genannt wird, dessen Vater der Teufel sei. Hierüber sehe man jedoch die Nachweise aus dem Wort EKO 141. 1009. Wer die Ehebrüche flieht, nicht weil sie Sünde und gegen Gott sind, sondern aus irgendeinem anderen Grund, der ist dennoch ein Ehebrecher. Wer z.B. den Ehebruch vermeidet aus Furcht vor dem bürgerlichen Gesetz und seinen Strafen, aus Furcht vor Verlust des guten Namens und seiner Ehre, aus Furcht vor Krankheiten, aus Furcht vor Schmähungen seiner Gattin und der daraus ent-

stehenden Beunruhigung seines Lebens, aus Furcht vor Schlägen von den Dienern des beleidigten Ehemannes, oder vielleicht aus Armut oder aus Geiz, oder aus Schwäche, die durch Mißbrauch und Alter entstanden ist, oder aus Kraftlosigkeit und Krankheit, ja sogar, wenn er sich des Ehebruchs wegen irgendeines natürlichen oder moralischen Gesetzes enthält, und nicht zugleich wegen des göttlichen Gesetzes, - ein solcher ist dennoch innerlich ein Unkeuscher und ein Ehebrecher, denn er glaubt nichtsdestoweniger, daß der Ehebruch keine Sünde sei und hält ihn in seinem Geiste für erlaubt, und daher begeht er ihn mit seinem Geist, wenn auch nicht mit seinem Leib. Wenn daher ein solcher Mensch nach dem Tod ein Geist wird, so spricht er ganz offen für den Ehebruch und begeht ihn auch ohne Scham. Es ward mir gegeben, in der geistigen Welt Jungfrauen zu sehen, die alle Unzucht für Greuel hielten, weil sie gegen das göttliche Gesetz ist; aber auch solche Jungfrauen, die sie nicht für Greuel hielten, gleichwohl aber sich fern von ihr hielten wegen des üblen Rufes, der die Freier zurückscheuche. Diese letzteren sah ich in die Hölle hinabsteigen, mit einer dunklen Wolke umgeben, die ersteren aber sah ich mit einem glänzenden Licht umgeben zum Himmel emporsteigen. 1010. Im obigen war von den Ehebrüchen die Rede; nun soll aber auch gezeigt werden, was Ehebruch ist. Ehebruch sind alle Arten von Unzucht, welche die eheliche Liebe zerstören. Also jede Unzucht (scortatio) eines Ehemannes mit dem Weibe eines anderen, sie mag Frau oder Witwe sein, eine Jungfrau oder eine feile Dirne, ist ein Ehebruch, wenn sie aus Überdruß und Widerwillen gegen die Ehe verübt wird; und ebenso jede Unzucht eines Weibes mit einem verheirateten, oder mit einem ledigen Mann, wenn sie aus demselben Grunde geschieht. Auch die Unzucht eines jeden unverheirateten Mannes mit dem Weibe eines anderen, und einer jeden nicht verheirateten Frau mit dem Manne einer anderen ist Ehebruch, weil diese unzüchtigen Handlungen die eheliche Liebe zerstören, indem sie das Gemüt von der Ehe hinweg und zum Ehebruch hinwendet. Die Lustreize der Abwechslung, wenn auch mit feilen Dirnen, sind gleichfalls Lustreize des Ehebruchs, denn diese Lust zur Abwechslung zerstört den Lustreiz der Ehe. Auch der Lustreiz, Jungfrauen zu verführen ohne Beabsichtigung der Ehe, ist ein Lustreiz des Ehebruchs, denn diejenigen, die solchen Gelüsten frönen, diese wollen späterhin die Ehe nur wegen des sinnlichen Genusses und nach Befriedigung dieses Gelüsten fühlen sie Widerwillen gegen die Ehe. Mit einem Wort, alle Unzucht, die das eheliche Gefühl zerstört und die Liebe zur Ehe auslöscht, ist Ehebruch oder führt zum Ehebruch. Jene Unzucht aber, die das eheliche Gefühl nicht zerstört, und die Liebe zur Ehe nicht auslöscht, ist zwar noch kein Ehebruch, aber doch ein unzüchtiges Treiben (Fornicatio), das aus dem natürlichen Trieb zur Ehe hervorgeht, die aus verschiedenen Gründen nicht geschlossen werden kann. <EKO 981-1010>

Unter Ehebrechen wird in dem sechsten Gebote des Dekaloges im natürlichen Sinne nicht nur verstanden huren, sondern auch Schändliches tun, Geiles reden

und Unreines denken. Im geistigen Sinne aber wird unter Ehebrechen auch verstanden das Gute des Wortes schänden und sein Wahres verfälschen. Im höchsten Sinne aber wird unter Ehebrechen auch verstanden das Göttliche des Herrn leugnen und das Wort entweihen. Dies sind alle Arten des Ehebruchs: der natürliche Mensch kann aus dem Lichte der Vernunft wissen, daß unter Ehebrechen auch verstanden wird Schändliches tun, Geiles reden und Unreines denken, aber er weiß nicht, daß unter Ehebrechen auch verstanden wird das Gute des Wortes schänden und sein Wahres verfälschen; und noch weniger, daß darunter verstanden wird die Gottheit des Herrn leugnen und das Wort entweihen. Daher weiß er auch nicht, daß der Ehebruch etwas so Böses ist, daß er das Teuflische selbst genannt werden kann; denn wer in einem natürlichen Ehebruche ist, der ist auch in einem geistigen Ehebruche, und umgekehrt. Diejenigen aber sind in allen Arten des Ehebruchs zugleich, welche nach ihrem Glauben und Leben die Ehebrüche für keine Sünde halten. Daß man in so weit die Ehe liebe, als man den Ehebruch flieht, oder, was dasselbe ist, daß man in so weit die Keuschheit der Ehe liebe, als man die Geilheit des Ehebruchs flieht, kommt daher, daß die Geilheit des Ehebruchs und die Keuschheit der Ehe zwei Entgegengesetzte sind, weswegen man in so weit in dem einen ist, als man nicht im anderen ist. Man kann nicht wissen, welche Beschaffenheit die Keuschheit der Ehe hat, wenn man nicht die Geilheit des Ehebruchs als Sünde flieht. Der Mensch kann wissen, worin er ist, allein er kann nicht wissen, worin er nicht ist. Wenn er durch Beschreibung oder durch Nachdenken etwas von dem weiß, worin er nicht ist, so sieht er es doch nicht anders als im Schatten, und es bleibt ein Zweifel zurück; weswegen er es nur dann im Lichte und zweifellos sieht, wenn er in demselben ist. Dies heißt also wissen, jenes aber heißt wissen und nicht wissen. Die Wahrheit ist, daß die Geilheit des Ehebruchs und die Keuschheit der Ehe sich ganz so zu einander verhalten, wie die Hölle und der Himmel sich zu einander verhalten; und daß die Geilheit des Ehebruchs die Hölle des Menschen ausmacht, und die Keuschheit der Ehe den Himmel in ihm. Aber die Keuschheit der Ehe findet nur bei solchen statt, welche die Geilheit des Ehebruchs als Sünde fliehen. <4HL/LL 74-77>

Der Herr: ... Des Fleisches Lust. Darin liegt eigentlich das Hauptübel für alle Menschen begraben. Aus dieser Lust entspringen einmal nahe alle leiblichen Krankheiten und gar alle Übel der Seele aber schon ganz sicher und vollends gewiß. Jede Sünde legt der Mensch leichter ab als diese; denn die anderen haben bloß nur äußere Motive, diese Sünde aber hat das Motiv in sich selbst und im sündigen Fleische. Daher sollet ihr eure Augen abwenden von den reizenden Gefahren des Fleisches auf so lange, bis ihr Meister über euer Fleisch geworden seid! Verwahret die Kinder vor dem ersten Falle und erhaltet ihnen ihre Schamhaftigkeit, so werden sie als Erwachsene dann ihr Fleisch leicht zu beherrschen haben und

nicht leicht zu Falle kommen; aber einmal übersehen, - und des Fleisches böser Geist hat vom selben Besitz genommen! Kein Teufel aber ist schwerer aus dem Menschen zu vertreiben als eben der Fleischteufel; der kann nur durch vieles Fasten und Beten aus dem Menschen geschafft werden. Hütet euch darum, die Kleinen zu ärgern oder sie durch übermäßiges Putzen und durch reizende Kleidung zu reizen und fleischlich zu entzünden! Wehe dem, der sich also an der Natur der Kleinen versündigt! Wahrlich, dem wäre es wohl erklecklicher, so er nie wäre geboren worden! Den Frevler an der heiligen Natur der Jugend werde Ich selbst züchtigen mit aller Macht Meines Zornes! Denn ist das Fleisch einmal brüchig geworden, dann hat die Seele keine feste Unterlage mehr, und ihre Vollendung geht schlecht vonstatten. <JE IV,80/1-6>

Hier erblicken wir wieder eine Tafel in der Mitte des sechsten Saales. Auf der Tafel steht mit deutlich leserlicher Schrift geschrieben: “Du sollst nicht Unkeuschheit treiben, nicht ehebrechen”. Unverkennbar ist dies das sechste Gebot, welches der Herr durch Moses dem israelitischen Volke gegeben hat. Dieses Gebot ist sicher eines der schwierigsten, um es in seiner Grundbedingung zu erfassen und dann auch genau im Lebensgrunde zu beobachten. Was wird eigentlich durch dieses Gebot verboten? - Und wen geht dieses Gebot überhaupt an, den Geist, die Seele oder den Leib? Wer soll da aus diesen drei Lebenspotenzen nicht Unkeuschheit treiben? Das wäre eine Frage. Was aber ist so ganz eigentlich die Unkeuschheit und was der Ehebruch? Ist die Unkeuschheit der gegenseitige Begattungsakt? Wenn das der Fall ist, so ist durch dieses Gebot auf jede Zeugung Beschlag gelegt; denn wir finden in dem einfachen Gebote durchaus keine bedingnisweise Ausnahme gestellt; es heißt einmal: “Du sollst nicht Unkeuschheit treiben”. Wenn also der Akt der Begattung gewisserart als der Kulminationspunkt der Unkeuschheit angesehen wird, so möchte ich selbst denjenigen kennen, der unter der gegenwärtigen Gestalt der Dinge auf der Erde eine Zeugung ohne diesen verbotenen Akt bewerkstelligen könnte. Ob jetzt in der Ehe oder außer der Ehe, der Akt ist derselbe. Ob er wirklich in kinderzeugender Absicht begangen wird oder nicht, er ist derselbe. Zudem hat das Gebot selbst keine Bedingung in sich, durch welche eine geregelte Ehe von der Unkeuschheit ausgenommen wäre. Andererseits betrachtet aber muß doch jedem Menschen einleuchtend sein, daß es dem Herrn an der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts vorzugsweise gelegen ist und an einer weisen Erziehung desselben. Auf welchem Wege aber sollte sich das Menschengeschlecht fortpflanzen, wenn ihm der Zeugungsakt bei Strafe des ewigen Todes verboten ist? Ich meine, das kann ein jeder Mensch mit den Händen greifen, daß es hier offenbar einen Haken hat. Dazu aber muß noch ein jeder sich notgedrungen selbst das Zeugnis geben, daß sicher bei keinem zu haltenden Gebote die Natur dem Menschen allgemein so mächtige Prügel unter die Füße wirft, über die er stolpern muß, als eben bei diesem. - Ein jeder Mensch, wenn seine Erziehung einigermaßen geordnet war, findet

keinen Anstand, oder höchstens einen nur sehr geringen, in der Haltung der übrigen Gebote aber bei diesem Gebote macht die Natur allezeit einen kräftigen Strich selbst durch die Rechnung eines Apostels Paulus! Offenbar sehen wir eine Untersagung der fleischlichen Lust, welche mit dem Zeugungsakte unzertrennlich verbunden ist. Liegt also das Verbot nur an der fleischlichen Lust und nicht zugleich auch an dem Zeugungsakte, so fragt es sich, ob von dem ordnungsmäßigen Zeugungsakte die fleischliche Lust zu trennen ist? Wer aus euch kann solches erweisen und behaupten, die beiden gesetzlich geordneten Ehegatten empfänden beim Zeugungsakte nicht auch die zeitliche Lust? Oder wo ist dasjenige Gattenpaar, das da nicht wenigstens zur Hälfte durch die bevorstehende fleischliche Lust zum Zeugungsakte aufgefordert worden wäre? Wir sehen aber nun daraus, daß wir mit diesem Gebote hinsichtlich der Unkeuschheit in Anwendung auf den leiblichen Zeugungsakt durchaus nicht aufkommen können. Entweder muß es einen reinen Zeugungsakt geben, der mit der Fleischeslust nichts zu tun hat, oder, wenn sich ein solcher Akt nicht erweisen läßt, muß der fleischliche Zeugungsakt nicht unter diesem Gesetze stehen und als eine freiwillkürliche, straflose Handlung des Menschen angesehen werden. - Denn solches ist schon bemerkt, daß sich das Gesetz schonungslos und jeder ausnahmsweisen Bedingung ledig ausspricht. Das notwendige Bestehen der Menschen aber spricht sich laut gegen das Verbot dieses Aktes aus, sowie die allezeit schonungslos begehrende Natur. Denn da mag jemand sein, wes Standes er will, so wird er davon nicht freigesprochen, wenn er zu seiner Reife gelangt ist. Er müßte sich denn verstümmeln lassen und seine Natur töten, sonst tut es sich wenigstens in seiner Begierlichkeit dazu auf keinen Fall, wenn er auch durch äußere Umstände von der Aktivität abgehalten wird. Also mit dem Fleische tut es sich auf keinen Fall. Vielleicht geht dieses Gesetz allein die Seele an? Ich meine, da die Seele durchaus das lebende Prinzip des Leibes ist und die freie Aktion desselben rein von der Seele abhängt, ohne welche das Fleisch tot ist, so dürfte es denn doch wohl schwerlich irgendwo einen Supergelehrten geben, der da im Ernste behaupten könnte, die Seele habe mit den freien Handlungen des Leibes nichts zu tun. Der Leib ist ja doch nur das Werkzeug der Seele, künstlich eingerichtet zu ihrem Gebrauche; was soll es demnach mit einem Gebote allein für den Leib, der an und für sich eine tote Maschine ist? Wenn jemand mit einer Hacke einen ungeschickten Hieb gemacht hat, war da wohl die Hacke schuld oder seine Hand? Ich meine, solches wird doch niemand behaupten wollen, daß hier der Hacke der ungeschickte Hieb zuzuschreiben sei. Ebensowenig kann man auch den Zeugungsakt als eine sündige Handlung dem Leibe zuschreiben, sondern allein nur dem handelnden Prinzip, das hier die lebendige Seele ist. Also muß auch unsere bisherige kritische Beleuchtung dieses Gebotes bloß der Seele gelten, welche im Fleische denkt, will und handelt; und so ist eben die Seele nach dem verlaufenden Kriterium notwendig frei von diesem Gebote. Also mit der Seele geht es auch nicht; so wird es doch mit dem Geiste

gehen? Wir wollen sehen, was sich da der Geist wird abgewinnen lassen. Was ist denn der Geist? Der Geist ist das eigentliche Lebensprinzip der Seele, und die Seele ist ohne den Geist nichts als ein substantiell ätherisches Organ, welches wohl zur Aufnahme des Lebens alle Fähigkeit besitzt, aber ohne den Geist nichts ist als ein substantiell-geistig-ätherischer Polyp, der seine Arme fortwährend nach dem Leben ausbreitet und alles einsaugt, was seiner Natur entspricht. Die Seele ohne den Geist ist also eine bloß stumme polarische Kraft, welche den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich trägt, selbst aber keine Urteilskraft besitzt, daraus ihr klar würde, womit sie sich sättigt und wozu ihr die Sättigung dient. Sie ist zu vergleichen mit einem Erzkretin, der keine andere Begierde in sich verspürt als diejenige, sich zu sättigen. Womit und warum? Davon hat er keinen Begriff. Wenn er einen großen Hunger verspürt, so frißt er, was ihm unterkommt, ob Unrat oder ob Brot oder eine barste Kost für die Schweine, das ist ihm gleich. Sehet, dasselbe ist die Seele ohne den Geist. Und diese angeführten Kretins haben eben auch bloß ein seelisches Leben, das heißt, in deren Seele ist entweder ein zu schwacher Geist oder oft auch gar kein Geist vorhanden. Daß aber solches der Fall ist, dazu brauchet ihr nichts als nur einen Blick in die Welt der finsteren Geister zu werfen; was sind diese? Sie sind nach dem Tode fortlebende Seelen, die bei Leibesleben auf die leichtsinnigste und oft böswilligste Weise ihren Geist in sich so sehr geschwächt und niedergedrückt haben, daß er ihnen in solchem Zustand kaum die kargst zugemessene Lebenserregung zu verschaffen imstande ist, bei der aber alle Lebensvorteile nicht selten im ewigen Hintergrund bleiben müssen! Wie aber gebärden sich solche Wesen jenseits gegenüber den seligen lebendigen Geistern? Nicht anders als pure Trottel, also geistige Kretins, in aller Weise noch mißgestaltet, so daß nicht selten von einer menschlichen Gestalt nicht die leiseste Spur mehr zu entdecken ist. Diese Wesen sind in der Geisterwelt in ihrer Handlungsweise so wenig mehr zurechnungsfähig wie die Trottel bei euch auf der Erde. Daraus aber geht nun hervor, daß nicht die Seele an und für sich, sondern nur im Besitze des Geistes, dem allein das freie Wollen innewohnt, zurechnungsfähig ist, im Grunde also nur der Geist. Wenn aber das nun evident erwiesen ist, so fragt sich: Wie und auf welche Weise kann denn der absolute Geist Unkeuschheit treiben? Kann der Geist fleischliche Begierden haben? Ich meine, einen größeren Widerspruch dürfte es kaum geben als den, so sich jemand wollte im Ernste einen “fleischlichen Geist” denken, der notgedrungenermaßen materiell sein müßte, um selbst grobmaterielle Begierden in sich zu haben. Wenn aber schon ein Arrestant an seinem Arreste sicher nicht das größte Wohlbehagen findet, so wird umso mehr der absolute Geist noch eine geringere Passion haben, sich mit seinem freiesten Wesen mit der groben Materie auf immer zu verbinden und an derselben seine Lust zu finden. In diesem Sinne ist also ein Unkeuschheit treibender Geist doch sicher der größte Unsinn, den je ein Mensch

aussprechen kann. Nun fragt sich demnach: Was ist also die Unkeuschheit, und wer soll dieselbe nicht treiben, indem wir gesehen haben, daß sowohl der Leib als auch die Seele und der Geist für sich nicht Unkeuschheit treiben können, so wie wir sie bisher kennen? <GS II,79/1-17>

Es dürften zwar einige sagen: Moses hat sich später darüber näher ausgesprochen, indem er den Zeugungsakt ordnungsmäßig nur zwischen den gesegneten Ehegatten erlaubt, anderartig aber verboten hat, und hat auf die anderartige Zeugung, besonders wenn ein verheirateter Mann mit dem Weibe eines anderen Mannes diesen Akt begehen möchte, verordnet, daß solch eine Tat als Ehebruch zu betrachten sei und die Ehebrecher sich beiderseits des Todes schuldig machen. Solches ist richtig, aber nachträgliche Verordnungen geben dem einfach im Anfange gegebenen Gesetze dennoch keine andere Gestalt. Wer sich daran binden will, muß im ersten Gesetze seinen Prozeß behaupten; denn weder die Unkeuschheit noch der der Ehebruch sind darin auf eine bestimmte Art verboten. Wir haben bisher klar erläutert, was man allenfalls unter der Unkeuschheit verstehen könnte. Nachdem aber alles das auf den Zeugungsakt hinweist, so kann man auch die von uns bisher als bekannt angenommene Art der Unkeuschheit unmöglich durch dieses Gesetz als verboten ansehen. Nun aber meldet sich ein in der Sache Wohlerfahrener, dieser spricht: Unter Unkeuschheit, die da verboten ist, wird bloß die leere Befriedigung des sinnlichen Triebes verstanden. Gut, sage ich; wenn aber ein Mann mit eines anderen Mannes Weibe, die von ihrem Manne nicht befruchtet werden kann, im Ernste ein Kind zeugt, frage, kann ihm das als sündiger Ehebruch angerechnet werden? Ich frage weiter: Wenn ein Jüngling von seiner Natur getrieben, mit einem Mädchen ein Kind gezeugt hat, kann ihm das zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden? Ich frage weiter: Wenn ein Mann aus der Erfahrung weiß, daß sein Weib nicht befruchtungsfähig ist, er beschläft sie aber dennoch, weil sie ein üppiges Fleisch hat, das ihn reizt, er also doch offenbar seinen sinnlichen Trieb leer befriedigt; kann ihm dieser Akt zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden? Ich frage weiter: Es gibt besonders in dieser Zeit, wie es sie auch zu allen Zeiten gegeben hat, eine Unzahl Menschen beiderlei Geschlechtes, welche gar wohl zeugungsfähig sind und eine sie mächtig drängende Natur besitzen; aber sie sind vermöge politischer und dürftiger Verhältnisse nicht imstande, sich zu verehelichen. Wenn nun solche doppelt bedrängte Menschen den Akt der Zeugung begehen, sündigen sie wider dieses sechste Gebot? Man wird sagen: Sie sollen ihren Trieb Gott aufopfern und sich nicht begatten, so werden sie nicht sündigen. Ich aber sage: Welch ein Richter kann solch einen Fehler als eine wirkliche Sünde erklären? Was hat denn der Reiche darum für ein Verdienst, daß er sich ein ordentliches Weib nehmen kann, vor dem Armen, der dieser Glückseligkeit entbehren muß? Soll somit der Bemittelte ein größeres Recht auf die Zeugung seinesgleichen haben als der Arme? Heiligt also das Geld die Zeugung darum, weil sich der Reiche in den ordentlichen Besitz eines Weibes setzen kann, was tausend Unbemittelten unmöglich ist?

Dazu läßt sich noch fragen: Wer ist denn so ganz eigentlich schuld an der vielfachen Verarmung der Menschen? Sicher niemand anderer als der glückliche Reiche, der durch seine eigennützige Spekulation viele Schätze an sich zieht, durch welche nicht selten tausend Menschen sich für den ordentlichen Ehestand hinreichend befähigen könnten. Und dennoch sollte da der reiche Ehemann allein von der Sünde der Unkeuschheit frei sein, so er mit seinem ordentlichen Weibe Kinder zeugt, und der Arme allein sollte der Sündenbock sein, weil er sich eben kein Weib nehmen kann? Wäre das nicht geradeso geurteilt, als so man auf der Erde irgendeinen Wallfahrtsort bestimmen möchte und dazu ein Gebot gäbe, demzufolge niemand zu Fuß diesen Ort besuchen darf, um dort irgendeine sein sollende Gnade zu empfangen, sondern ein jeder, der diesen Ort besucht und eine Gnade empfangen will, muß in einer höchst eleganten Equipage dahin gefahren kommen? Wer ein solches Gebot für gerecht finden sollte, der müßte doch sicher im Ernste von einer solchen Welt sein, von welcher der Schöpfer Himmels und der Erde selbst nichts weiß, das heißt von einer Welt, die nirgends existiert; oder er müßte ein Abgeordneter des Satans sein! Wir sehen aber nun aus diesen Betrachtungen, daß es sich mit der Erklärung unseres sechsten Gebotes durchaus nicht tut. Was werden wir denn anfangen, um diesem Gebote einen vollgültigen Sinn abzugewinnen? Ich sage euch im voraus: Es ist die Sache nicht so leicht, als es sich jemand vorstellen möchte. Ja, ich sage: Um den richtigen Sinn dieses Gebotes zu gewinnen, muß man ganz tief greifen und die Sache in der Grundwurzel fassen; sonst wird man sich dabei immer in der zweifelhaften Lage befinden, in der man leichtlich das, was nicht im entferntesten Sinne eine Sünde ist, als Sünde betrachten wird, und was wirklich eine Sünde ist, kaum der Mühe wert halten, es als eine Sünde zu betrachten. Wo aber ist diese Wurzel? Wir werden sie sogleich haben. Ihr wisset, daß die Liebe der Urgrund und die Grundbedingung aller Dinge ist. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne die Liebe wäre so wenig irgendein Dasein denkbar, als wie wenig sich je ohne die wechselseitige Anziehungskraft eine Welt nach dem Willen des Schöpfers gebildet hätte. Wer das etwa nicht fassen sollte, der denke sich nur von einer Welt die wechselseitige Anziehungskraft hinweg, und sobald wird er sehen, wie sich alle Atome einer Welt plötzlich voneinander trennen und sich verflüchtigen werden wie ins Nichts. Also ist die Liebe der Grund von allem und ist zugleich der Schlüssel zu allen Geheimnissen. Wie aber läßt sich eben die Liebe mit unserem sechsten Gebot in eine erklärende Verbindung bringen? Ich sage euch, nichts leichter als das, indem bei keinem Akte in der Welt die Liebe so innig verwoben ist wie gerade bei dem, den wir zu den unkeuschsündigen rechnen. Wir wissen aber, daß der Mensch einer zweifachen Liebe fähig ist, nämlich der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen, und der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist.

Nun fragt es sich: So jemand den Akt der Zeugung begeht, welche Liebe war da der Beweggrund, die Eigenliebe, unter deren Botmäßigkeit auch jegliche Genußsucht steht, oder die göttliche Liebe, welche nur mitteilen will, was sie hat, ihrer selbst gänzlich vergessend? Sehet, wir sind jetzt schon ziemlich dem eigentlichen Hauptkerne auf der Spur. Setzen wir nun zwei Menschen: der eine begeht den Akt aus selbstsüchtiger Genußsucht, der andere aber in dankbarer Andacht für die Zeugungsfähigkeit, seinen Samen einem Weibe mitzuteilen, um in ihr eine Frucht zu erwecken. Welcher von den beiden hat denn gesündigt? Ich glaube, hier einen Richter zu machen und ein rechtes Urteil zu fällen, wird eben nicht schwer sein. Damit uns aber die Sache völlig klar wird, müssen wir uns auch mit dem Begriffe “Unkeuschheit” näher vertraut machen. Was ist Keuschheit und was ist Unkeuschheit? Keuschheit ist derjenige Gemütszustand des Menschen, in welchem er aller Selbstsucht ledig ist, oder in dem er rein ist von allen Makeln der Eigenliebe. Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, besonders in Berücksichtigung des Weibes, gänzlich vergißt. Die Selbstsucht aber ist nirgends schmählicher, als wie gerade bei dem Akte, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Warum denn? Die Ursache liegt am Tage. Wie der Grund, wie der Same, so auch wird die Frucht. Ist göttliche Liebe, also die Keuschheit der Same, so wird auch eine göttliche Frucht zum Vorschein kommen; ist aber Eigenliebe, Selbst- und Genußsucht, also der unkeusche Zustand des Gemütes der Same, welch eine Frucht wird da hervorgehen? Sehet, in dem liegt es, was durch das sechste Gebot verboten ist. Wäre dieses Gebot beobachtet worden, so wäre die Erde noch ein Himmel, denn es gäbe auf ihr keinen selbstsüchtigen und herrschsüchtigen Menschen! Aber dieses Gebot ist schon im Anbeginne der Menschen übertreten worden, und die Frucht dieser Übertretung war der eigennützige und selbstsüchtige Kain. Aus dem aber geht hervor, daß nicht nur die sogenannte fälschlich bezeichnete “Unzucht”, welche man besser “Genußsucht” nennen sollte, in die Reihe unserer zu behandelnden Sünde gehört, sondern jegliche Genußsucht, wie gestaltet sie auch immer sein mag, besonders aber, wenn ein Mann das ohnehin schwache Weib sich eigennützig zum genußsüchtigen Nutzen macht, ist als Sünde der Unkeuschheit zu betrachten. - Ein kurzer Verfolg wird uns die Sache noch klarer vor die Augen bringen. <GS II,80/1-20>

Man könnte hier sagen, indem es im sechsten Gebote nur heißt: “Du sollst nicht Unkeuschheit treiben”, daß da die Hurerei nicht als verboten angesehen werden kann, da es im sechsten Gebote nirgends heißt: Du sollst nicht Hurerei treiben. - Ich aber sage: Was ist die Hurerei, welcher Art sie auch sein mag, geistig oder fleischlich? Sie ist eine sichere Anbequemung des Lasters, und zwar auf folgende Weise: Man philosophiert sich über die sündige Möglichkeit hinweg, setzt alle Erscheinungen in das Gebiet “natürlicher Bedürfnisse”. Wenn jemandem seine eigene Wesenheit die Forderung kundgibt, sie zu befriedigen, so tut der Mensch

zufolge seines Verstandes und seiner Erfindungskraft ja nur etwas Lobenswertes und Ersprießliches, so er für alle zu fordernden Bedürfnisse seiner Natur Mittel zustande bringt, durch welche denselben Genüge geleistet werden kann. Das Tier muß zwar seine Bedürfnisse in der rohesten instinktmäßigen Art befriedigen, weil es keinen Verstand, keine Vernunft und keinen Erfindungsgeist hat. Dadurch aber erhebt sich ja eben der Mensch über das gemein naturmäßig Tierische, daß er allein den Anforderungen seiner Art auf eine raffinierte Weise Genüge leisten kann. Daher sagt der Verstand des Kulturmenschen: Wer kann einem Menschen zur Sünde rechnen, so er sich mit Hilfe seines Verstandes ein stattliches Haus zur Bewohnung erbaut, und somit ein ehemaliges Erdloch oder einen hohlen Baum mit demselben vertauscht? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, so er die Baumfrüchte veredelt, aus den sauren Äpfeln und Birnen süße und wohlschmeckende erzeugt? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, wenn er sich einen Wagen erbaut, das Pferd zähmt, und dann viel bequemer eine Reise macht als mit seinen eigenen schwachen, leidigen Füßen? Wer ferner kann noch dem Menschen zum Fehler anrechnen, so er sich die Naturfrüchte zu seiner Nahrung kocht und würzt und sie ihm wohlschmeckender macht? Oder sind die Dinge in der Welt für einen anderen als für den Menschen erschaffen worden, damit er sie zweckdienlich benützen sollte? - Wie viel Schönes und Nützliches hat der Mensch entdeckt zu seiner Bequemlichkeit und zu seiner Erheiterung? Sollte ihm das zum Fehler angerechnet werden, so er durch seinen Verstand seinem Schöpfer Ehre macht, ohne den der Weltkörper so unkultiviert dastände wie eine barste Wüste, auf der alles durcheinanderwüchse in chaotischer Unordnung wie Kraut, Rüben und Brennesseln? Wenn aber dem Menschen die verschiedenartige Kultivierung des Erdbodens doch unmöglich zu einem Fehler angerechnet werden kann, obschon sie in sich durchaus kein anderes Zweckdienliches enthält als den angenehmeren und bequemeren Genuß der Dinge in der Welt; so wird doch andererseits auch ein raffinierter Zeugungsgenuß dem Menschen mitnichten können zum Fehler angerechnet werden, indem sich sonst selbst der gebildetste Mensch in diesem Akte am wenigsten von dem Tiere unterschieden hat. Also auch dieser Trieb des Menschen muß auf eine veredeltere und raffiniertere Weise befriedigt werden können, und das aus demselben Grunde, aus welchem man sich bequeme Wohnhäuser erbaut, weiche Kleider verfertigt, geschmackvolle Speisen bereitet, und dgl. Annehmlichkeiten mehr. Man nehme nur den Fall, ein Mensch gebildeten Standes hat zu seiner Befriedigung die Wahl zwischen zwei Weibspersonen, die eine ist eine schmutzige, gemeine Bauernmagd, die andere aber als die Tochter eines ansehnlichen Hauses ist ein wohlerzogenes, sehr nett gekleidetes, am ganzen Leibe makelloses und sonst üppiges und reizendes Mädchen. Frage: Wonach wird der gebildete Mann greifen? Die Antwort wird hier kein Kopfzerbrechen brauchen; sicher nach Nr. 2, denn vor Nr. 1 wird es ihm ekeln. Also ist auch hier eine Verfeinerung sicher am zweckdienlichsten Platze, weil der Mensch durch sie beurkundet, daß er ein höheres Wesen ist, welches alles Unangenehme und Schmutzige zu reinigen und

angenehmer darzustellen die volle Macht und Kraft in sich hat. Da aber der Mann wie das Weib in dieser Hinsicht ein öfteres Bedürfnis sich zu befriedigen in sich stark wahrnehmen, wobei man doch nicht allezeit die Anforderung machen kann, ein Kind zu erzeugen, wird es da wider die Gebühr der Ausübung seiner Verstandeskräfte sein, wenn er die Mittel aufstellt, durch welche die Befriedigung dieses Triebes zuwege gebracht werden kann, sei es nur durch den blinden Beischlaf mit den Weibern oder durch Selbstbefriedigung oder im Notfalle durch die sogenannte Knabenschändung? Denn dadurch unterscheidet sich ja eben auch der Mensch von dem Tiere, daß er diesen am meisten naturmäßigen Trieb auf anderen Wegen befriedigen kann als gerade auf jenen nur, auf die er von der rohen Natur angewiesen wurde. Und sonach sind ja ganz besonders wohlkonditionierte Bordelhäuser und dergleichen Anstalten mehr zu billigen, und können dem Verstande des Menschen keineswegs zur Unehre, sondern nur zur Ehre gereichen!? Sehet, was läßt sich, naturmäßig betrachtet, allem dem entgegen einwenden? Denn das ist richtig, daß das Tier dergleichen Kultivierungen und allerlei Nuancierungen in der Befriedigung seines Geschlechtstriebes nimmer zuwege bringen kann; und so ist darin gewisserart eine Meisterschaft des menschlichen Verstandes unleugbar zu entdecken. Das alles ist richtig, das Tier hat in allem dem seine Zeit, außer welcher es stumpf für die Befriedigung dieses Triebes bleibt. Aber was ist alle diese Raffinesse? Das ist eine kurze Frage, aber ihre Beantwortung ist groß und gewichtig. - Diese Raffinesse hat doch sicher nichts anderes zum Grundmotive als die entsetzlich leidige Genußsucht. Die Genußsucht aber, wissen wir, ist ein unverkennbares Kind der Eigenliebe, welche mit der Herrschliebe ganz identisch einhergeht. Es ist wahr, in einem stattlichen Hause läßt sich angenehmer wohnen denn in einer niedrigen Erdhütte. Betrachten wir aber die Einwohner! Wie stolz und hochtrabend sehen wir den Bewohner eines Palastes einhergehen, und wie zerknirscht beugt sich der schlichte Hüttenbewohner vor einem solchen glänzenden Palastherrn! Betrachten wir die Bewohner einer großen Stadt und dagegen die eines kleinen Bauerndorfes. Die Bewohner der großen Stadt wissen sich vor lauter Genußsucht nicht zu helfen, alle wollen angenehm leben, alle sich unterhalten, alle glänzen und womöglich ein bißchen herrschen. Kommt ein armer Landbewohner in die große Stadt, so muß er wenigstens einen jeden Stiefelputzer usw. “Euer Gnaden” anreden, will er sich nicht irgendeiner Grobheit aussetzen. Gehen wir aber ins Dorf, da werden wir noch Hausväter antreffen, nicht selten friedliche Nachbarn, welche sich nicht “Euer Gnaden” und “Herr von” titulieren. Was ist da wohl vorzuziehen, wenn ein Bauer zum andern spricht: “Bruder!” oder wenn in der Stadt ein nur wenig Bemittelter einen etwas mehr Bemittelten “Euer Gnaden” und “Herr von” und dgl. mehr anspricht? Ich meine, es wird kaum nötig sein, dergleichen unsinnige Ausgeburten der Raffinesse des menschlichen Verstandes noch weiter zu verfolgen, sondern wir können sogleich den Hauptspruch machen: Alle derartige genußsüchtige Verfeinerungen sind nach vorangehender Betrachtung nichts als Abgöttereien; denn

sie sind Opfer des menschlichen Geistes an die äußere tote Naturmäßigkeit. Sind sie aber Abgöttereien, so sind sie auch die barste Hurerei, und daß sie nicht in die Sphäre der Keuschheit aufgenommen werden können, beweist ihre Tendenz. Warum wurde Babel eine “Hure” genannt? Weil dort jede erdenkliche Raffinerie zu Hause war. Also heißt auch “die Hurerei treiben” im eigentlichen Sinne: der Unkeuschheit dienen nach aller Lebenskraft. So ist ein reicher Ehemann, der sich des alleinigen Genusses wegen ein üppiges und geiles Weib genommen hat, nichts als ein barster Hurer und das Weib eine barste Hure. Und eben also wird auch hier diesen Kindern die Unkeuschheit in ihrem Fundamente gezeigt, wie sie nämlich eine allerbarste Selbst- und Genußsucht ist. Es war notwendig, dieses Gebot für euch gründlicher zu beleuchten, weil sich der Mensch über kein Gebot so leicht hinwegsetzt wie über dieses. - Ich meine daher, daß ihr nun auch diesen Vortrag verstehet; und so wollen wir uns denn auch sogleich in den siebenten Saal begeben. <GS II,81/1-15>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 286 →

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