Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Es soll kein anderer Gott vor Meinem Angesicht sein”. Dies sind die Worte des ersten Gebotes, unter welchen im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, zunächst verstanden wird, man solle keine Götzen verehren; denn es folgt: “Du sollst dir kein gehauen Bild, noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, was im Himmel oben, noch dessen, was auf Erden unten, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist: du sollst dich nicht beugen vor ihnen, noch sie verehren, weil Ich Jehovah dein Gott bin, ein eifriger Gott”. Daß unter diesem Gebot zunächst verstanden wird, man solle keine Götzen verehren, hat seinen Grund darin, daß vor jener Zeit, und auch nach derselben bis zur Ankunft des Herrn, in einem großen Teil der asiatischen Welt Götzendienst bestand. Daß auch das israelitische Volk zur Zeit, da es in Ägypten war, solchen Kultus hatte, kann man an dem goldenen Kalb sehen, das sie statt Jehovah in der Wüste verehrten; und daß sie in der Folge nicht von diesem Dienst abließen, erhellt aus vielen Stellen im Wort, sowohl im historischen als im prophetischen. Unter diesem Gebot: “Es soll kein anderer Gott vor Meinem Angesicht sein,” wird im natürlichen Sinn auch verstanden, daß kein verstorbener oder lebender Mensch als Gott verehrt werden solle, was auch wirklich geschah in der asiatischen Welt und um diese her an verschiedenen Orten; viele Götter der Heiden waren nichts anderes, wie z.B. Baal, Asthoroth, Chemos, Milkom, Beelsebub; und zu Athen und Rom Saturn, Jupiter, Neptun, Pluto, Apollo, Pallas usw., von denen sie einige zuerst als Heilige, dann als überirdische Mächte und zuletzt als Götter verehrten. Daß sie auch noch lebende Menschen als Götter verehrten, erhellt
aus der Verordnung des medischen Darius, daß innerhalb 30 Tagen Niemand Gott um etwas bitten sollte, sondern allein den König, widrigenfalls er in die Löwengrube geworfen werden sollte (Dan.6,7) Im natürlichen Sinne, welcher der Buchstabensinn ist, wird unter diesem Gebot auch verstanden, daß man niemand außer Gott und nichts außer dem, was von Gott ausgeht, über alles lieben solle, was auch den Worten des Herrn gemäß ist; denn wer oder was über alles geliebt wird, der oder das ist dem Liebenden Gott und das Göttliche; wie dem, der sich oder auch die Welt über alles liebt, er selbst oder die Welt sein Gott ist; was eben die Ursache ist, daß solche im Herzen keinen Gott anerkennen; diese sind daher auch verbunden mit ihresgleichen in der Hölle, wo alle die versammelt sind, die sich und die Welt über alles geliebt hatten. Der geistige Sinn dieses Gebotes ist, daß kein anderer Gott als der Herr Jesus Christus verehrt werden solle, weil Er Jehovah ist, der in die Welt kam und die Erlösung vollbrachte, ohne welche kein Mensch und auch kein Engel errettet werden konnte. Der himmlische Sinn dieses Gebotes ist, daß Jehovah der Herr, der Unendliche, der Unermeßliche und der Ewige ist, daß Er der Allmächtige, der Allwissende und der Allgegenwärtige ist, daß Er der Erste und der Letzte ist, der Anfang und das Ende, welcher War, Ist und Sein wird, daß Er die Liebe selbst und die Weisheit selbst, oder das Gute selbst und das Wahre selbst, folglich das Leben selbst, somit der Einzige ist, aus dem alles ist. <LL,S.185>
“Ich bin Jehovah, dein Gott” bedeutet, daß der Herr in Ansehung des Göttlich- Menschlichen, überall in allem und jedem des Guten und Wahren regiere. Daß es das Göttlich-Menschliche des Herrn ist, das hier unter Jehovah Gott verstanden wird, hat seinen Grund darin, daß der Herr in bezug auf dasselbe im Worte sowohl unter Jehovah, als unter Gott verstanden wird, nämlich das göttlich Gute, das Er selbst auch in Ansehung des Menschlichen ist unter Jehovah, und das göttlich Wahre, das Er selbst ist, weil es von Ihm ausgeht unter Gott. Das Göttlich-Menschliche des Herrn wird ferner unter Jehovah Gott verstanden, weil das Göttliche Selbst, das im Herrn ist, im Himmel nicht gesehen, und nicht einmal wahrgenommen werden, also auch nicht in Glauben und in Liebe aufgenommen werden kann, sondern nur das Göttlich-Menschliche. Daß das Göttliche Selbst keine Gemeinschaft haben kann mit den Engeln im Himmel und noch weniger mit den Menschen auf Erden, außer durch das Göttlich-Menschliche, ist in den Kirchen aus den Worten des Herrn bei den Evangelisten bekannt, wo Er sagt, Er selbst sei die Türe und der Mittler, indem niemand zum Vater kommen könne als durch Ihn, und niemand den Vater gesehen habe, nicht einmal irgendwelche Gestalt desselben. Hieraus geht deutlich hervor, daß es der Herr ist, Der hier unter Jehovah Gott verstanden wird. Daß auch Er es ist, Der das menschliche Geschlecht erlöst und von der Hölle befreit hat, ist gleichfalls bekannt. Dies wird durch die nachfolgenden Worte bezeichnet, nämlich: “Der dich ausgeführt hat aus dem Lande Ägypten,
aus dem Hause der Knechtschaft”: 2.Mose 20/2. Hieraus erhellt nun, daß Jehovah Gott, der vom Berge Sinai redete, der Herr in Ansehung des Göttlich-Menschlichen ist. Dies ist aber das erste, was vom Berge Sinai herab vom Herrn gesprochen wird, weil es das allgemein Herrschende sein sollte in allem und jedem was nun folgt. Denn was zuerst gesagt wird, das soll auch bei dem Folgenden im Gedächtnis behalten und als das Allgemeine angesehen werden, was in jenem sein muß. Was das allgemein Herrschende sei, wird man im Folgenden sehen. Was vom Herrn gesagt wird, ist alles von dieser Art, daß nämlich, was zuerst gesagt wird, im Folgenden herrschen und dieses in sich enthalten muß, und somit der Reihe nach, was im Zusammenhang damit steht. Was in diesem Kapitel folgt, sind die Gebote des Dekaloges, die innere Wahrheiten sind, und dann die Satzungen, die äußere Wahrheiten sind. In diesen und jenen muß der Herr herrschen in Ansehung Seines Göttlich-Menschlichen, denn sie sind aus ihm und sind Er selbst; denn die echten Wahrheiten gehen alle von Ihm aus, und was von Ihm ausgeht, das ist Er selbst. Daß der Herr in Ansehung des Göttlich-Menschlichen in allem und jedem des Glaubens herrschen muß, ist auch in den Kirchen bekannt, denn es wird gelehrt, daß ohne den Herrn kein Heil sei, und daß alles Wahre und Gute des Glaubens von Ihm komme, und daß somit, weil der Glaube von Ihm ausgeht, Er selbst der Glaube bei dem Menschen ist, und wenn Er der Glaube ist, so ist Er auch alles Wahre, das die Lehre des Glaubens, die aus dem Worte stammt, enthält. Daher kommt es auch, daß der Herr das Wort genannt wird. Daß das, was vorhergeht, im Folgenden herrschen und mit demselben im Zusammenhang stehen muß, wie oben gesagt wurde, erhellt aus allem, was der Herr gesagt hat, besonders aus Seiner Rede, die das Gebet des Herrn genannt wird. In diesem steht alles in solchem Zusammenhang, daß es gleichsam eine Säule bildet, die vom Höchsten bis zum Untersten hinabsteigt, und in deren Inneren alles enthalten ist, was der Reihenfolge nach vorausgeht. Was in ihm das erste ist, das ist das Innerste, und was der Ordnung gemäß aufeinanderfolgt, das schließt sich aufeinanderfolgend dem Innersten an, und wächst dadurch. Das Innerste herrscht durchwaltend in dem, was ringsherum liegt, d.h. in allem und jedem, denn dadurch ist es das Wesentliche des Daseins von allem. <HG 8864>
“Der dich ausgeführt hat aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft” bedeutet, von Ihm sei die Befreiung aus der Hölle. Dies erhellt aus der Bedeutung von ausführen, insofern es eine Befreiung bezeichnet, und aus der Bedeutung des Landes Ägypten, insofern es die Anfechtungen von den Höllischen bezeichnet; und aus der Bedeutung von “aus dem Hause der Knechtschaft”, insofern es die geistige Gefangenschaft bezeichnet. <HG 8866>
“Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Angesichte” bedeutet, daß man nicht von anderswoher über die Wahrheiten denken solle, als aus dem Herrn. Dies erhellt aus der Bedeutung der Götter, insofern sie das Wahre bezeichnen, und im entgegengesetzten Sinn das Falsche; und aus der Bedeutung des Angesich-
tes, wenn es von Gott gesagt wird, insofern es Liebe, Barmherzigkeit, Friede und das Gute bezeichnet, also den Herrn selbst, denn der Herr selbst ist es, von dem diese Güter kommen. Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Angesicht bedeutet, daß man nicht anderswoher über die Wahrheiten denken dürfe, als aus dem Herrn, auch aus dem Grund, weil das Göttlich-Menschliche des Herrn, das bezeichnet wird durch Ich, Jehovah, dein Gott, zuerst gesagt wird, und deshalb die erste Stelle in der Ordnung einnimmt, und durchwaltend in den einzelnen Wahrheiten, die folgen, herrschen muß; weshalb dann alles das innerlich wahrgenommen wird, was man vermeiden muß, weil es zerstört und beraubt, so daß der Herr nicht allgemein herrschen kann in allen und jeden Wahrheiten, die in den vom Berg Sinai verkündigten und befohlenen Geboten und Satzungen enthalten sind. Das erste, was zerstören würde, findet statt, wenn man über die Wahrheiten anderswoher denken wollte, als aus dem Herrn, was dadurch bezeichnet wird, daß sie keine anderen Götter haben sollten vor dem Angesichte des Herrn; das übrige, das jenes allgemein Herrschende zerstören würde, ist in dem enthalten, was der Ordnung nach folgt, daß sie sich nämlich kein geschnitztes Bild machen sollten, noch irgendein Gleichnis, weder dessen, was im Himmel oben, noch dessen, was auf Erden unten, noch dessen, was in den Wassern ist, und daß sie solche Dinge nicht anbeten, noch ihnen dienen sollten. Denn “Ich Jehovah, bin dein Gott”, wodurch bezeichnet wird, daß der Herr in allem und jedem sein muß. <HG 8867>
Es soll auch noch in Kürze von den Wahrheiten gesprochen werden, die anderswoher sind, als aus dem Herrn. Im allgemeinen sind es diejenigen, in denen der Herr nicht ist. Der Herr ist aber nicht in den Wahrheiten bei dem Menschen, wenn dieser Ihn selbst und Sein Göttliches leugnet, und auch, wenn er Ihn zwar anerkennt, aber dennoch glaubt, das Gute und Wahre sei nicht von Ihm, sondern aus ihm selber, und daher sich selbst Gerechtigkeit zuschreibt. Der Herr ist auch nicht in den Wahrheiten, die zwar aus dem Worte entnommen werden, besonders aus dem Buchstabensinn desselben, aber zugunsten der eigenen Herrschaft und des eigenen Gewinns ausgelegt und dadurch verkehrt werden. Diese sind zwar an sich Wahrheiten, weil aus dem Worte, aber dennoch nicht Wahrheiten, weil sie falsch ausgelegt und dadurch verdreht werden. Dies wird vom Herrn verstanden unter Folgendem: Matth.24/23-26: “Wenn jemand sagen sollte: Siehe, hier ist Christus, oder da, so glaubet es nicht; denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder tun, um, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten irre zu führen!”. Luk.21/8: “Sehet zu, daß euch niemand verführe, denn viele werden in Meinem Namen kommen und sagen, Ich sei es, und die Zeit sei nahe; darum folget ihnen nicht nach”. Die Wahrheiten, die vom Herrn stammen, sind auch ihrer inneren Form nach Wahrheiten vom Herrn; aber die Wahrheiten, die nicht vom Herrn sind, erscheinen
nur in der äußeren Form als Wahrheiten, nicht aber in der inneren Form, denn inwendig sind sie entweder Eitles oder Falsches oder Böses. Damit etwas wirklich wahr sei, muß Leben in ihm sein, denn ein Wahres ohne Leben ist kein Glaubenswahres beim Menschen, und das Leben kommt nirgends anders her, als aus dem Guten, d.h. durch das Gute vom Herrn. Wenn daher der Herr nicht im Wahren ist, so ist das Wahre ohne Leben, also kein Wahres. Wenn aber Falsches darin ist, oder Böses, dann ist das Wahre selbst beim Menschen Falsches oder Böses, denn was inwendig ist, macht das Wesen aus, und leuchtet auch im anderen Leben durch das Äußere hindurch. Hieraus kann man nun erkennen, wie es zu verstehen ist, daß man nicht anderswoher als aus dem Herrn über die Wahrheiten denken dürfe. Weil nur wenige wissen, wie es sich mit den Wahrheiten verhält, die in der inneren Form Wahrheiten sind, und somit aus dem Herrn leben, soll etwas darüber aus Erfahrung gesagt werden: Im anderen Leben wird bei einem jeden, der redet, deutlich wahrgenommen, was inwendig in den Worten seiner Rede verborgen liegt, wie auch, ob etwas Verschlossenes oder Offenes in denselben ist, und dann, welche Neigung darinnen liegt. Wenn eine Neigung zum Guten, so ist etwas Weiches inwendig, wenn aber eine Neigung zum Bösen, so ist etwas Hartes inwendig in der Rede, usf. Bei den Engeln des Himmels ist das Ganze ihrer Rede offen bis zum Herrn hinauf, was man deutlich wahrnimmt, und auch hört vermöge der Weichheit und ihrer Beschaffenheit: daher weiß man auch, was inwendig in den Wahrheiten verborgen liegt, ob der Herr, oder nicht. Die Wahrheiten, in denen der Herr ist, sind lebendige Wahrheiten, hingegen die Wahrheiten, in denen der Herr nicht ist, sind Wahrheiten, die nicht leben. Die lebendigen sind Glaubenswahrheiten aus der Liebe zum Herrn und aus der Liebtätigkeit gegen den Nächsten. Die unbelebten sind nicht Wahrheiten, weil inwendig in ihnen die Selbstliebe und die Liebe zur Welt ist. Hieraus können die Geister und Engel im anderen Leben erkannt werden, denn die Wahrheiten sind bei einem jeden seinem Leben gemäß, d.h. dem gemäß, was allgemein bei ihm herrscht. <HG 8868>
“Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen” bedeutet, nicht aus eigener Einsicht. Dies erhellt aus der Bedeutung des geschnitzten Bildes, insofern es bezeichnet, was nicht aus dem Herrn, sondern aus dem Eigenen des Menschen stammt. Was aus der eigenen Einsicht kommt, wird durch das geschnitzte Bild bezeichnet, und was aus dem eigenen Willen kommt, durch das gegossene Bild. Dieses oder jenes zu seinem Gott haben oder anbeten heißt, das, was aus dem Eigenen hervorgeht, über alles lieben. Die das tun, glauben gar nicht, daß vom Göttlichen irgendwelche Einsicht und Weisheit einfließe, denn sie schreiben sich selbst alles zu. Das übrige, was ihnen begegnet, beziehen sie auf das Glück oder den Zufall. Die göttliche Vorsehung leugnen sie in solchen Dingen ganz und gar; sie meinen, wenn etwas Göttliches dabei sei, so liege es in der Ordnung der Natur, der sie alles zuschreiben. Sie sagen zwar mit dem Munde, daß ein Gott als Schöpfer
solches der Natur eingeprägt habe, gleichwohl aber leugnen sie im Herzen, daß es einen Gott über der Natur gebe. Von solcher Art sind diejenigen, die sich oder ihrer Klugheit und Einsicht alles, dem Göttlichen aber nichts, von Herzen zuschreiben; und diejenigen unter ihnen, die sich lieben, beten das Ihrige an, und wollen auch von anderen angebetet werden, ja sogar als Götter, was sie auch offen bekennen würden, wenn die Kirche es nicht verböte. Das sind die Bildschnitzer, die Schnitzbilder selbst aber sind das, was sie aus dem Eigenen ausbrüten und als Göttliches verehrt haben wollen. Daß solche Dinge unter den Schnitzbildern im Worte bezeichnet werden, erhellt aus den Stellen, wo sie genannt werden: Jerem.10/14; 51/17: “Töricht ist jeder Mensch geworden, in seinem Wissen, zuschanden wird jeder Künstler ob seines Schnitzbildes; denn Trug ist sein Gußwerk und kein Atem darinnen”: weil Schnitzbild das bedeutet, was nicht vom Herrn, sondern aus der eigenen Einsicht hervorgeht, darum heißt es, jeder Mensch sei töricht geworden in seinem Wissen und zuschanden werden jeder Künstler ob seines Schnitzbildes; und weil in dem was von der eigenen Einsicht ausgebrütet wird, kein geistiges Leben ist, das einzig vom Herrn stammt, deshalb wird auch gesagt, es sei kein Atem darinnen. <HG 8869>
“Noch irgendein Gleichnis” bedeutet, ein Bild dessen, was vom Göttlichen stammt. Dies erhellt aus der Bedeutung des Gleichnisses, insofern es ein Bild bezeichnet; daß es das Bild dessen bedeutet, was vom Herrn stammt, ist deutlich aus dem Vorhergehenden und dem Folgenden. Aus dem Vorhergehenden, weil sie keine anderen Götter haben sollen vor dem Angesichte Gottes Jehovahs, und weil sie sich kein Schnitzbild machen sollten, wodurch Wahrheiten bezeichnet werden, die anderswoher als aus dem Göttlichen stammt, und doch sich ähnlich (wie die göttlichen) darstellen. Und aus dem, was folgt: “weder dessen, was in den Himmeln, noch dessen, was auf Erden, noch in den Wassern”, worunter solches verstanden wird, was überall vom Göttlichen stammt. Was unter dem Bilde dessen, was vom Göttlichen stammt, verstanden wird, soll hier gesagt werden, weil in den nachfolgenden Worten dieses Verses und im Anfang des folgenden davon gehandelt wird: Das Bild dessen, was vom Göttlichen stammt, wird von den Menschen gemacht, wenn sie mit dem Munde Göttliches reden, und auch solche Werke tun, die von dem Göttlichen befohlen sind, und so zu dem Glauben verleiten, als ob sie im Guten und Wahren seien, während sie doch ganz anderes im Herzen denken, und auch nichts als Böses wollen. Solche sind Heuchler, Scheinheilige, Arglistige; diese sind es, die ein Bild dessen machen, was vom Göttlichen stammt. Im anderen Leben machen die bösen Geister ein Bild dessen, was vom Göttlichen stammt, indem sie eine Ähnlichkeit und einen Anschein desselben im Äußeren darstellen, in dem inwendig nichts Göttliches ist. Diese Kunst lernen die Heuchler, die Scheinheiligen und Arglistigen im anderen Leben. Im allgemeinen aber alle, die aus häufiger Übung die Gewohnheit angenommen haben, anders zu reden als zu denken, und anders zu handeln als zu wollen. Einige wollen sich dadurch
einen guten Namen erwerben, um als gut zu erscheinen und zu täuschen, einige tun es um zu herrschen. Solche Dinge geschehen auch daselbst durch Mißbrauch der Entsprechungen. Es wird ihnen aber allmählich das Äußere genommen, durch das sie solches erheucheln was Sache der Liebtätigkeit und des Glaubens ist; denn dann handeln sie aus ihrer eigenen Natur, die sie in der Welt angenommen haben, und nicht mehr aus irgendwelcher Verstellung und Heuchelei. Wenn diejenigen, die so geartet sind, bemerken, daß ihnen das Äußere genommen werden soll, sagen sie, wenn ihnen das Äußere gelassen würde, könnten sie sich ebenso wie ihre Genossen im anderen Leben benehmen und dem Anschein nach Gutes tun, wie früher in der Welt; es kann jedoch nicht geschehen, weil durch das Äußere, das dem Anschein nach gut ist, sie in irgendeiner Weise mit dem Himmel Gemeinschaft hätten, nämlich mit denen, die dort in den Umkreisen sind und zu den Einfältigen gehören, die im Größten Menschen den Häutchen entsprechen; durch ihr Inneres aber hätten sie Gemeinschaft mit den Höllen. Und weil das Böse, das inwendig ist, herrscht, indem es Sache des Willens ist, und das Gute, das im Äußeren erheuchelt wird, dient, um dem Bösen die Herrschaft zu verschaffen, darum ist es gegen die göttliche Ordnung selbst, ihnen die Freiheit zu lassen, mit Verstellung und Heuchelei so zu handeln wie in der Welt, und deswegen wird ihnen solches genommen, und sie selbst werden auf das eigentlich Böse ihres Willens beschränkt. <HG 8870>
“Weder dessen, was im Himmel oben, noch dessen, was auf Erden unten” bedeutet dessen, was im geistigen oder im natürlichen Licht ist. Dies erhellt aus der Bedeutung der Ähnlichkeit dessen, was im Himmel oben ist, insofern es das bezeichnet, was im geistigen Licht erscheint und gesehen wird, d.h. alle Gegenstände, die sich auf das Gute und Wahre beziehen, das Sache des Glaubens, der Liebtätigkeit gegen den Nächsten und der Liebe zum Herrn ist. Solches vorspiegeln und erheucheln, heißt eine Ähnlichkeit oder Gleichnis dessen machen, was im Himmel oben ist. Und aus der Bedeutung der Ähnlichkeit dessen, was auf Erden unten ist, insofern es das bezeichnet, was im natürlichen Licht erscheint und gesehen wird, d.h. solche Dinge, die sich auf das bürgerliche und moralische Gute und Wahre beziehen. Solches vorspiegeln und erheucheln, heißt eine Ähnlichkeit oder Gleichnis dessen machen, was auf Erden unten ist. Im Buchstabensinn werden solche Dinge verstanden, die am Himmel erscheinen, z.B. die Sonne, der Mond, die Sterne; und solche, die auf Erden erscheinen, wie z.B. die verschiedenen Tierarten, sowohl fliegende, als gehende und kriechende; aber im inneren Sinn werden solche Dinge verstanden, die durch jene bezeichnet werden, und die sich alle auf das Gute und Wahre beziehen, wie oben gesagt wurde. Dieses wird noch weiter bei Mose mit folgenden Worten beschrieben: 5.Mose 4/16-28: “Hütet euch, daß ihr euch kein Schnitzbild machet, ein Gleichnis irgendeines Bildes, die Gestalt eines Mannes oder eines Weibes, die Gestalt irgendeines Tieres auf Erden, die Gestalt irgendeines geflügelten Vogels der unter dem Himmel fliegt; die Gestalt eines Gewürmes auf dem Erdboden, eines
Fisches im Wasser unter der Erde; und daß du deine Augen nicht erhebest zum Himmel, und schauest die Sonne und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und lassest dich verführen, daß du sie anbetest und ihnen dienst. Hütet euch, daß ihr nicht vergesset den Bund Jehovahs, eures Gottes, den Er mit euch geschlossen hat, und euch ein Schnitzbild irgendeiner Gestalt machet; denn Jehovah, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifriger Gott. Wenn ihr Söhne und Enkel zeuget, und eingewöhnt seid im Lande, und tuet übel und machet euch ein Schnitzbild irgendeiner Gestalt, so rufe ich heute den Himmel und die Erde zu Zeugen gegen euch auf, daß ihr schnell umkommen werdet aus dem Lande; Jehovah wird euch zerstreuen unter die Völker, und daselbst werdet ihr Göttern dienen, dem Werke von Menschenhänden aus Holz und Stein”. Daß es ihnen so streng verboten wurde, ein Bildnis irgendeiner Sache in den Himmeln und auf Erden zu machen, geschah besonders deswegen, weil dieses Volk, das von Jakob abstammte, außerordentlich geneigt war, äußere Dinge zu verehren. Der Grund davon war, weil sie nichts wissen wollten vom Inneren der Kirche, was Sache des Glaubens und der Liebe zum Herrn und der Liebtätigkeit gegen den Nächsten ist, deshalb würden sie, wenn es ihnen gestattet worden wäre, sich Gleichnisse oder Bilder von den Dingen zu machen, vor ihnen niedergefallen sein und sie als Götter angebetet haben, wie sich dies offenbar zeigt an dem goldenen Kalb, das sie sich inmitten so vieler Wunder machten, und auch an ihrem häufigen Abfall von der Verehrung Gottes zum Götzendienst. Gleichwohl aber wird im inneren Sinn nicht solches verstanden, sondern das, was oben erklärt wurde. <HG 8871>
“Noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist” bedeutet, was im sinnlich Körperlichen ist. Dies erhellt aus der Bedeutung von der Ähnlichkeit dessen, was in den Wassern unter der Erde ist, insofern es dasjenige bezeichnet, was unterhalb im natürlichen Licht ist. Daß es das bezeichnet, was im sinnlich Körperlichen ist, erhellt aus den aufeinanderfolgenden Stufen des Lichtes, welches das Verstandeslicht im Menschen ist: auf der ersten Stufe ist bei dem Menschen, was im geistigen Lichte ist, und durch die Dinge, die oben im Himmel sind, bezeichnet wird; auf der zweiten Stufe ist das, was im natürlichen Lichte ist, und durch die Dinge unten auf Erden bezeichnet wird; und auf der dritten Stufe ist das, was im sinnlich Körperlichen ist, und durch die Dinge bezeichnet wird, die in den Wassern unter der Erde sind. Auf das sinnlich Körperliche beziehen sich die wißtümlichen Kenntnisse, die zunächst aus einer Erfahrung der äußeren Sinne hervorgehen und auch auf ihre Lustreize. Beides ist gut bei den Guten, weil es zum Guten angewendet wird, aber böse bei den Bösen, weil es zum Bösen angewendet wird. Durch solches Wißtümliche täuschen, wie es die Heuchler, die Scheinheiligen und Arglistigen zu tun pflegen, heißt eine Ähnlichkeit oder Gleichnis dessen machen, was in den Wassern unter der Erde ist. <HG 8872>
“Du sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen” bedeutet, ihnen gebühre keine göttliche Verehrung. Dies erhellt aus der Bedeutung von sich beugen oder anbeten, insofern es die Demut bezeichnet; und aus der Bedeutung von dienen, insofern es eine Unterwerfung bezeichnet. Eine göttliche Verehrung ist gemeint, weil Demut und Unterwerfung das Wesentliche des Gottesdienstes ist, denn ein Gottesdienst ohne sie ist kein Gottesdienst, sondern ein Gebärdenspiel zur Nachahmung derer, die im wahren Gottesdienste sind. In solchen Gebärden ist kein Leben, denn das Leben vom Herrn fließt nur in ein demütiges und gebeugtes Herz ein, weil nur dieses zur Aufnahme geschickt ist. Der Grund davon ist, weil, wenn das Herz wahrhaft demütig ist, keine Selbstliebe und keine Weltliebe hindernd entgegensteht. Beides wird hier gesagt, weil anbeten den Gottesdienst aus dem Guten der Liebe und dienen den Gottesdienst aus dem Wahren des Glaubens bezeichnet. <HG 8873>
“Denn Ich bin Jehovah, dein Gott” bedeutet das Göttliche vom Herrn sei in allem und jedem. Dies erhellt aus dem, was HG. 8864, 8865 erklärt worden ist. <HG 8874>
“Ein eifriger Gott” bedeutet, daß daher das Falsche und Böse komme. Dies erhellt daraus, daß ein eifriger Gott im eigentlichen Sinn das göttlich Wahre des göttlich Guten bedeutet, denn Gott wird vom Wahren gesagt, und eifrig vom Guten, wie man unten sehen wird. Aber ein eifriger Gott in bezug auf diejenigen, die das göttlich Wahre vom göttlich Guten des Herrn nicht aufnehmen, bedeutet das Falsche und Böse; denn die, welche im Gegensatze stehen, werden das göttlich Wahre als Falsches inne und das göttlich Gute als Böses. Ein jeder nämlich sieht es gemäß seiner Beschaffenheit. Daher kommt es, daß der Eifer des Herrn, der an sich Liebe und Erbarmen ist, ihnen als Zorn erscheint, denn wenn der Herr aus Liebe und Barmherzigkeit die Seinigen im Himmel schützt, werden diejenigen, die im Bösen sind, unwillig und zürnen auf die Guten, und stürzen sich in die Sphäre des göttlich Wahren und göttlich Guten, mit dem Streben, diejenigen, die darinnen sind, zu verderben, und dann wirkt das göttlich Wahre des göttlich Guten auf sie ein und macht, daß sie Qualen fühlen, wie sie in der Hölle sind. Daher kommt es, daß sie dem Göttlichen Grimm und Zorn zuschreiben und auch alles Böse, während doch im Göttlichen durchaus nichts von Zorn oder von Bösem ist, sondern lauter Milde und Barmherzigkeit. Hieraus wird klar, warum der Eifrige das Falsche und Böse, und der Eifer den Zorn bedeutet; man sehe, was hierüber früher gezeigt worden ist, nämlich: Man muß wissen, daß besonders dann Jehovah, d.h. der Herr, ein Eifernder oder Rächer genannt wird, wenn das verdorben wird, was bei dem Menschen der Kirche allgemein herrschen soll, nämlich das Göttliche, das vor allem geliebt, erwogen und gefürchtet werden muß; wenn dieses verdorben oder zerstört ist, dann tritt anstatt des himmlischen Lichtes lauter Finsternis ein, denn es findet kein weiterer Einfluß des Göttlichen statt, weil keine Aufnahme; daher kommt es, daß gesagt wird: “Ich Jehovah, dein Gott, bin ein eifriger Gott, heimsuchend die Missetat
der Väter an den Söhnen bis in das dritte und vierte Glied, bei denen, die Mich hassen”; und zwar, wenn sie andere Götter anbeten, oder sich ein Schnitzbild oder Gleichnisse machen würden, denn diese zerstören das Göttliche, das allgemein herrschen muß. Bei dem israelitischen Volke war dieses Verehren der Bilder so strenge untersagt, weil die Anbetung anderer Götter, der Schnitzbilder und Götzenbilder, alles Vorbildliche der Kirche bei ihnen zerstörte; denn im Himmel ist Jehovah, d.h. der Herr, das allgemein Herrschende, Sein Göttliches erfüllt alles daselbst und macht das Leben aller. Wenn anderes statt des Göttlichen verehrt würde, dann ginge alles Vorbildliche zugrunde, und dadurch auch die Verbindung mit dem Himmel. <HG 8875>
“Heimsuchend die Missetat der Väter an den Söhnen” bedeutet, daher komme die Erzeugung des Falschen aus dem Bösen. Dies erhellt aus der Bedeutung von “die Missetat der Väter heimsuchen”, insofern es die Erzeugung des Bösen bezeichnet. Heimsuchen bedeutet aber Erzeugung, weil von dem Zustand derer gehandelt wird, die das Göttliche gänzlich von sich zurückweisen, und daher nicht mehr Aufnahmeorgane des Guten, sondern des Bösen sind, und zwar fortwährend; denn bei solchen wächst das Böse beständig, was eben Erzeugung ist. Im nächsten Sinn wird unter “heimsuchen die Missetat der Väter an den Söhnen” nicht verstanden, daß die Söhne die Strafe für die Missetat ihrer Väter büßen sollen, denn dies wäre gegen das Göttliche: 5.Mose 24/16, sondern daß das Böse bei den Vätern zunehme, und so durch Vererbung auf die Kinder übertragen werde, und daraus allmählich eine Anhäufung des Bösen entstehe. Im geistigen Sinn werden aber unter den Vätern nicht Väter, sondern das Böse verstanden, und unter den Söhnen nicht Söhne, sondern das Falsche, daher wird durch diese Worte die fortwährende Erzeugung des Falschen aus dem Bösen bezeichnet. <HG 8876>
“Bis in das dritte und vierte Glied” bedeutet in langer Reihe und Verbindung. Dies erhellt aus der Bedeutung von drei, insofern es das Volk von Anfang bis zu Ende bezeichnet, somit in langer Reihe; deshalb bezeichnen die Söhne bis in das dritte Glied das Falsche in langer Reihe. Und aus der Bedeutung von vier, insofern es eine Verbindung bezeichnet, ebenso wie zwei. Daher bedeuten die Söhne im vierten Glied das Falsche, das in langer Reihenfolge verbunden ist. <HG 8877>
“Bei denen, die Mich hassen” bedeutet die, welche das Göttliche des Herrn gänzlich verwerfen. Dies erhellt aus der Bedeutung von denen, die Gott hassen, insofern sie diejenigen bezeichnen, die im Bösen und daraus im Falschen sind; denn sie sind es, die das Göttliche des Herrn verwerfen. Und wieweit sie im Bösen und daraus im Falschen sind, insoweit verwerfen sie es nicht nur, sondern hassen es auch.
Es ist das Göttliche des Herrn, das sie verwerfen, weil diejenigen, die im Bösen leben, nicht im himmlischen Licht sind, sondern im natürlichen Licht, und zuletzt im sinnlichen Licht, das aus dem Körperlichen stammt. In diesem Licht können solche das Menschliche des Herrn durchaus nicht anders ansehen als wie ein gemeines Menschliches, denn sie können nicht begreifen, was das Göttlich-Menschliche sei, weil sie über das Göttliche eine ganz inhaltlose und leere Vorstellung haben. Wenn man ihnen sagt, das Göttliche Selbst sei das Sein alles Lebens, und der Herr sei von der Empfängnis her die Liebe gewesen, die somit das innerste Sein Seines Lebens war, also Jehovah, und daß Er nach Seinem Bilde Sein Menschliches verherrlicht, d.h. göttlich gemacht habe, so können es zwar diejenigen, die einigen Scharfsinn haben, einigermaßen begreifen, gleichwohl aber glauben sie es nicht, denn wenn sie aus dem Verstandeslicht, in dem sie sich alsdann befinden, in ihr natürliches und sinnliches Licht herabsinken, geraten sie in lauter Dunkelheit über diese Wahrheit, und daher in Verleugnung derselben. <HG 8878>
“Und Barmherzigkeit erweisend an den Tausenden” bedeutet, das Gute und das Wahre werde ihnen zuteil in Ewigkeit. Dies erhellt aus der Bedeutung der Barmherzigkeit, insofern sie den Einfluß des Guten und Wahren vom Herrn bezeichnet, und daher das geistige Leben, das durch die Wiedergeburt verliehen wird; denn vom Herrn wird aus Barmherzigkeit solches gegeben, was zum ewigen Leben und zur ewigen Seligkeit gehört; ferner aus der Bedeutung von tausend, insofern es soviel ist, als sehr viel; und wenn es von der göttlichen Barmherzigkeit gesagt wird, bedeutet es in Ewigkeit. <HG 8879>
“Die Mich lieben” bedeutet, die das Gute der Liebe aufnehmen. Dies erhellt aus der Bedeutung derer, die Jehovah, d.h. den Herrn lieben, insofern es diejenigen sind, die das Gute der Liebe aufnehmen; denn die den Herrn lieben, lieben nicht aus sich, sondern vom Herrn, indem alles Gute von Ihm einfließt, und diejenigen lieben Ihn, die vom Bösen abstehen, denn das Böse widersteht, und stößt den Einfluß des Guten vom Herrn zurück. Deswegen wird, wenn das Böse entfernt worden, das Gute aufgenommen, das beständig vom Herrn hinzutritt und einzudringen sucht. <HG 8880>
“Und Meine Gebote halten” bedeutet, die das Wahre des Glaubens aufnehmen. Dies erhellt aus der Bedeutung der Gebote, insofern sie die Glaubenswahrheiten sind. Diese halten ist aber soviel, als sie aufnehmen, weil die Wahrheiten, die Glaubenswahrheiten genannt werden, um dem Glauben anzugehören und um im Menschen zu leben, auch vom Herrn einfließen müssen. Sie werden zwar vom Menschen gelernt und in das Gedächtnis niedergelegt, solange aber der Mensch sie nicht will, und daher sie nicht tut, sind sie nicht lebendig. Wenn sie aber aus dem Gedächtnis entnommen und durch den Verstand in den Willen, d.h. durch das Denken der Neigung und dadurch der Tat eingepflanzt werden, dann werden sie lebendig und gehören dem Glauben an. Dies geschieht aber
vom Herrn, wenn der Mensch vom Bösen absteht. <HG 8881>
950. Das erste Gebot: Du sollst dir keine anderen Götter machen, - das schließt auch in sich, daß man nicht sich selbst und die Welt über alles lieben soll; denn was über alles geliebt wird, das ist Gott. Es gibt zwei Arten der Liebe, die einander ganz entgegengesetzt sind, die Selbstliebe und die Liebe zu Gott, und dann die Liebe zur Welt und die Liebe zum Himmel. Wer sich selbst liebt, der liebt sein Eigenes, und das Eigene des Menschen ist nichts als Böses. Daher liebt ein solcher das Böse in seinem ganzen Umfang, und wer das Böse liebt, der haßt das Gute und somit auch Gott selbst. Wer sich selbst über alles liebt, der versenkt seine Neigungen und Gedanken in den Körper und in sein Eigenes, er lebt in körperlichen Vorstellungen und in den Vergnügungen des Körpers, und daher ist er in Finsternis über alles Höhere. Dagegen wer vom Herrn erhoben wird, der ist im Licht; wer aber nicht im Licht wandelt, sondern in der Finsternis, der leugnet Gott, weil er nichts von Ihm sieht, und erkennt die Natur als Gott an, oder einen Menschen, oder ein Götzenbild, oder er strebt danach, selbst als Gott verehrt zu werden. Daraus folgt aber, daß der, welcher sich selbst über alles liebt, andere Götter verehrt. Ebenso ist es mit dem, der die Welt liebt, wenn auch in geringerem Grade, denn die Welt kann nicht so sehr geliebt werden, wie das Eigene. Die Welt wird nämlich aus ihrem Eigenen geliebt um des Eigenen willen, weil sie ihm dient. Unter der Selbstliebe wird besonders die Liebe zur Herrschaft über andere verstanden, die aus bloßer Lust zum Herrschen hervorgeht und aus dem Streben, über andere hervorzuragen, nicht aber aus der Lust, Gutes zu wirken und das allgemeine Beste zu fördern. Unter der Liebe zur Welt aber wird besonders die Liebe verstanden, die Güter der Welt zu besitzen aus bloßer Lust an Besitz und Reichtum, aber nicht aus der Neigung, Nützliches damit zu leisten und Gutes dadurch zu wirken. Diese beiden Liebearten kennen keine Grenze, sondern stürzen sich, wenn ihnen die Macht dazu gegeben wird, ins Unendliche fort. 951. In der Welt glaubt man nicht, daß die Liebe zu herrschen aus dem bloßen Lustreiz der Herrschaft, und die Liebe Güter zu besitzen aus dem bloßen Lustreiz des Besitzes, und nicht aus dem Lustreiz, Nützliches damit zu leisten, alles Böse in sich schließen und sogar die Verachtung und Verwerfung alles dessen, was im Himmel und in der Kirche ist; und zwar glaubt man es deshalb nicht, weil der Mensch oft aus Selbstliebe und Weltliebe angereizt wird, der Kirche, dem Vaterland, einem Verein oder seinem Nächsten Gutes zu erzeigen, indem er durch seine Wohltaten Ehre sucht und Lohn dafür erwartet; daher kommt es, daß diese Liebe von vielen für ein belebendes Feuer und für eine Anregung zu großen Taten betrachtet wird. Allein man muß wissen, daß diese beiden Arten der Liebe nur insoweit gut sind, als sie zunächst den Nutzen für andere und dann erst den Nutzen für sich selbst im Auge haben. Soweit sie aber ihren eigenen Nutzen oder sich selbst an erster Stelle setzen und den Nutzen für andere an zweiter Stelle, sind sie von böser Art; denn dann tut der Mensch alles um seiner selbst willen, und
folglich aus sich, und dann ist in allem, was er tut, er selbst und sein Eigenes, was an sich betrachtet nur Böses ist. Aber wenn man zuerst den Nutzen der anderen, und dann erst den eigenen Nutzen im Auge hat, dann tut man das Gute um der Kirche willen, um des Vaterlandes, der Gesellschaft und des Nächsten willen, und was der Mensch um dieser willen tut, das tut er nicht aus sich, sondern vom Herrn aus. Zwischen diesen beiden ist ein Unterschied wie der zwischen Himmel und Hölle. Der Mensch weiß nicht, daß ein so großer Unterschied zwischen jenen beiden Arten der Liebe ist, weil er von Geburt aus in der Selbst- und Weltliebe ist, und ihr Lustreiz ihn fortwährend lockt und anregt. Er möge aber dennoch wohl merken, daß die Liebe zu herrschen aus Lust zur Herrschaft und nicht aus der Lust, Nützliches zu wirken, ganz und gar teuflisch ist und gottlos genannt werden kann, denn in dem Maße, als der Mensch von dieser Liebe erfüllt ist, glaubt er nicht von Herzen, daß ein Gott ist, und spottet in seinem Herzen über alles, was zur Kirche gehört, ja, er haßt sogar und verfolgt alle, die Gott anerkennen, besonders aber die, welche an den Herrn glauben. Der größte Lustreiz ist für solche, Böses zu tun und Schandtaten und Frevel aller Art zu begehen, kurz, sie sind Teufel. Das weiß der Mensch nicht, solange er in der Welt lebt; er wird es aber erfahren, wenn er in die geistige Welt kommt, was sogleich nach dem Tode geschieht. Die Hölle ist voll von solchen, und hier sind sie, statt zu herrschen, in Knechtschaft. Sie erscheinen hier, wenn sie im Licht des Himmels betrachtet werden, in umgekehrter Stellung, nämlich mit dem Kopf abwärts und mit den Füßen aufwärts, weil für sie das Herrschen an erster Stelle war und der Nutzen für andere an zweiter Stelle; denn was die erste Stelle einnimmt, ist das Haupt, und was die zweite Stelle einnimmt, bildet die Füße, und nur was das Haupt ist, das liebt man, aber was die Füße bildet, darauf tritt man. 952. Wer da meint, daß er Gott anerkenne und an Ihn glaube, ehe er vom Bösen absteht, das im Dekalog verboten ist, besonders von der Herrschbegierde aus bloßer Lust zum Herrschen, und von der Liebe die Güter der Welt zu besitzen bloß aus Lust am Besitz, und nicht aus der Lust Gutes zu wirken, der ist im Irrtum. Es mag ein Mensch sich noch so sehr durch Gründe überzeugen aus dem Wort, aus Predigten, aus Büchern und aus dem Licht der Vernunft, und noch so gewiß sein, daß er glaube, er glaubt dennoch nicht, wenn nicht das Böse entfernt ist, das aus der Selbstliebe und Weltliebe hervorfließt. Und zwar glaubt er nicht, weil das Böse und seine Lustreize ihn daran hindert und das Gute aus dem Himmel samt seinen Lustreizen hemmt und zurücktreibt, und daher auch die Begründung, und ehe der Himmel den Glauben begründet und befestigt, ist er nur ein Mundglaube, der an sich gar kein Glaube ist. Der Mundglaube ist nur im Äußeren, der Herzensglaube aber im Inneren; wenn aber das Innere mit Bösem aller Art angefüllt ist, dann verwirft der Mensch, sobald das Äußere weggenommen wird, was bei jedem sofort nach dem Tode geschieht, durch das Böse auch den Glauben, daß ein Gott sei. 954. In dem Maße, als der Mensch den beiden Trieben des Eigenen, nämlich der Liebe zum Herrschen aus der bloßen Lust zur Herrschaft, und der Liebe die Güter der Welt zu besitzen, aus der bloßen Lust am Besitz, widersteht, und dadurch
das Böse als Sünde gegen die Zehn Gebote flieht, in demselben Maße fließt durch den Himmel vom Herrn (der Glaube) ein, daß ein Gott ist, der Schöpfer und Erhalter des Weltalls, wie auch, daß nur ein Gott ist. Dieses fließt dann ein, weil der Himmel aufgeschlossen ist, sobald das Böse entfernt ist, und der Mensch, wenn der Himmel aufgeschlossen ist, nicht mehr aus sich, sondern durch den Himmel aus dem Herrn denkt, und weil im Himmel (die Erkenntnis), daß ein Gott sei, und daß nur einer Gott sei, das Allgemeine ist, das alles umfaßt. Daß der Mensch nur durch das Einfließen weiß und gleichsam schaut, daß Gott einer ist, kann man aus dem allgemeinen Bekenntnis aller Völker erkennen, und aus dem Widerstreben gegen den Gedanken, daß es mehrere Götter gebe. Das innere Denken des Menschen oder das Denken seines Geistes, ist entweder aus der Hölle, oder aus dem Himmel. Aus der Hölle kommt es, ehe das Böse entfernt ist, aus dem Himmel aber, wenn es entfernt ist. Wenn es aus der Hölle stammt, so sieht der Mensch nichts anderes, als daß die Natur Gott sei, und das Innerste der Natur das Göttliche genannt werde. Ein solcher Mensch nennt nach dem Tode, wenn er ein Geist wird, einen jeden Gott, der eine große Macht besitzt, und strebt selbst nach Macht, damit er auch ein Gott genannt werde; dieser Wahnsinn ist bei allen Bösen in ihrem Geiste verborgen. Denkt dagegen der Mensch aus dem Himmel, dann sieht er aus dem Licht des Himmels, daß ein Gott ist, und dieser Gott nur einer ist. Das Sehen aus dem Lichte des Himmels ist das, was man unter dem Einfluß versteht. 955. Wenn der Mensch das Böse flieht und verabscheut weil es Sünde ist, dann sieht er aus dem Licht des Himmels nicht nur, daß ein Gott ist und das Gott einer ist, sondern auch, daß Gott Mensch ist; denn er will seinen Gott sehen; er kann Ihn aber nur als einen Menschen sehen. So sahen Ihn auch die Alten vor Abraham und nach ihm; und so sehen auch die Völkerschaften in den Ländern außerhalb der Kirche ihren Gott, besonders die, welche im Inneren weise sind, aber nicht durch Wissenschaften. So sehen Ihn auch alle Kinder, Knaben und einfache, fromme Leute, und ebenso sehen die Einwohner aller Erdkörper ihren Gott; denn sie sagen, das Unsichtbare sei kein Gegenstand ihres Glaubens, weil sie keine Vorstellung davon haben. Der Grund davon ist, weil der Mensch, der das Böse als Sünde flieht und verabscheut, aus dem Himmel denkt, und der ganze Himmel und jeder einzelne daselbst keine andere Vorstellung von Gott hat, als wie von einem Menschen, und auch in keiner anderen Vorstellung sein kann, weil der ganze Himmel im größten Abbilde als Mensch erscheint, und das vom Herrn ausgehende Göttliche den Himmel macht. Es ist daher den Engeln unmöglich anders von Gott zu denken als nach der göttlichen Form, und diese ist die menschliche Form; denn die Gedanken der Engel breiten sich durch den ganzen Himmel aus. Daß der ganze Himmel in seinem Inbegriff einen Menschen darstellt, sehe man HH 51-87; und daß die Engel nach der Form des Himmels denken: HH 200-212. Diese Vorstellung von Gott fließt aus dem Himmel bei allen in der Welt ein und wohnt in ihrem Geist. Sie scheint aber in der Kirche wie ausgerottet bei denen, die in der Einsicht aus dem Eigenen sind, und zwar so ausgerottet, als ob sie gar
nicht möglich wäre. Der Grund ist, weil sie von Gott aus der Vorstellung des Raumes denken. Anders aber ist es bei ihnen, wenn sie Geister werden, was mir aus vieler Erfahrung klar wurde; denn in der geistigen Welt wird eine unbestimmte Vorstellung von Gott als eine nichtige Vorstellung betrachtet; daher gibt es hier nur eine bestimmte Vorstellung von Gott als von einem, der in der Höhe wohnt, oder anderswo, und Antworten erteilt. Aus dem allgemeinen Einfluß, der aus der geistigen Welt kommt, wurden bei den Menschen die Vorstellungen von Gott als Mensch in verschiedener Weise je nach dem Zustand des Innewerdens aufgenommen; daher kommt es, daß bei uns statt des dreieinigen Gottes drei Personen genannt werden, und daß Gott der Vater in den Tempeln auf Gemälden als der Alte der Tage dargestellt wird. Von diesem allgemeinen Einfluß rührt es auch her, daß lebende und tote Menschen vom gemeinen Volk in der Christenheit als Götter angebetet und ihre Bilder sehr geschätzt werden, sowie bei vielen Heiden anderwärts; so auch bei den Alten in Griechenland, in Rom und in Asien, die viele Götter hatten, die alle von ihnen als Menschen betrachtet wurden. Dies wurde gesagt, damit man erkenne, daß es im Geiste des Menschen gleichsam eingepflanzt ist, Gott als Menschen zu sehen. Eingepflanzt wird gesagt, weil es von dem allgemeinen Einfluß herkommt. 956. Weil der Mensch durch den allgemeinen Einfluß aus dem Himmel in seinem Geist sieht, daß Gott Mensch ist, so folgt daraus, daß die Angehörigen der Kirche, in der das Wort ist, wenn sie das Böse als Sünde fliehen und verabscheuen, aus dem Licht des Himmels, in dem sie dann sind, das Göttliche im Menschlichen des Herrn sehen, und auch das Dreieinige in Ihm, und Ihn selbst als den Gott des Himmels und der Erde. Diejenigen aber, welche die Vorstellung von Gott als einem Menschen durch die Klugheit ihres Eigenen bei sich zerstört haben, können dies nicht sehen. Durch die Dreieinigkeit, die sie sich denken, sehen sie auch nicht, daß Gott einer ist; nur mit dem Munde nennen sie einen Gott. Diejenigen, die nicht vom Bösen gereinigt sind, und daher auch nicht im Licht des Himmels sind, sehen in ihrem Geist nicht den Herrn als den Gott des Himmels und der Erde, sondern einen anderen an Seiner Stelle: einige einen Gewissen, den sie für Gott den Vater halten, andere einen, den sie Gott nennen, weil er eine große Macht besitze, wieder andere einen gewissen Teufel, den sie fürchten, weil er ihnen Böses antun kann, andere die Natur, wie sie in der Welt erscheint, und andere glauben an gar keinen Gott. Es wird oben gesagt: in ihrem Geist, weil sie nach ihrem Tode, wenn sie Geister werden, wirklich so beschaffen sind, weshalb dann offenbar wird, was in ihrem Geiste, während sie in der Welt waren, verborgen lag. Alle aber, soviel ihrer im Himmel sind, erkennen einzig und allein den Herrn an, denn der ganze Himmel stammt aus dem Göttlichen, das von Ihm ausgeht und stellt Ihn als Menschen dar. Deshalb kann niemand in den Himmel eingehen, wenn er nicht im Herrn ist, denn er geht in Ihn ein, wenn er in den Himmel eingeht; wenn andere eingehen, werden sie wie unsinnig und fallen hinter sich zurück.
957. Die Vorstellung von Gott ist unter allen die wichtigste, denn wie diese ist, so ist auch die Gemeinschaft mit dem Himmel und die Verbindung mit dem Herrn; und daher ist auch bei dem Menschen die Erleuchtung, die Liebe zum Wahren und Guten, das Innewerden, die Einsicht und Weisheit so beschaffen, denn alles dieses stammt nicht aus dem Menschen, sondern vom Herrn je nach der Verbindung mit Ihm. Die Vorstellung von Gott ist aber die Vorstellung vom Herrn und von Seiner Gottheit, denn es gibt keinen anderen Gott des Himmels und der Erde, wie Er selbst lehrt Matth.28/18: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden”. Aber die Vorstellung von Gott ist mehr oder weniger vollständig und mehr oder weniger klar. Vollständig ist sie im innersten Himmel, weniger vollständig im mittleren, und noch weniger vollständig im letzten Himmel. Daher sind die, welche sich im innersten Himmel befinden, in der Weisheit, die, welche im mittleren Himmel sind, in der Einsicht, und die, welche im letzten Himmel sind, im Wissen. Klar und deutlich ist jene Vorstellung bei den Engeln, die in der Mitte der Gesellschaften sind, weniger klar bei denen, die um sie her sind, je nach dem Grad der Entfernung vom Mittelpunkt. Alle in den Himmeln erlangen ihre Stellung je nach der Vollständigkeit und Klarheit ihrer Vorstellung vom Herrn, und befinden sich auch in der entsprechenden Weisheit und Glückseligkeit. Alle, die nicht die Vorstellung des Göttlichen vom Herrn haben, wie die Socinianer und Arianer, sind unterhalb des Himmels und unglückselig. Die, welche eine zweifache Vorstellung, nämlich von einem unsichtbaren Gott und von einem sichtbaren in menschlicher Form, bleiben auch unterhalb des Himmels, und werden nicht eher aufgenommen, als bis sie einen Gott, und zwar als den sichtbaren anerkennen. Einige sehen anstatt des sichtbaren Gottes etwas Luftartiges, und zwar aus der Vorstellung, weil Gott ein Geist genannt wird, auch diese werden nicht angenommen, wenn sich diese Vorstellung nicht in die eines Menschen, nämlich des Herrn verwandelt. Diejenigen aber, die sich Gott als das Innerste der Natur vorstellen, werden verworfen, weil sie notwendig in die Vorstellung der Natur statt Gottes verfallen. Alle Völker, die an einen Gott geglaubt haben und von Ihm die Vorstellung als von einem Menschen hatten, werden vom Herrn angenommen. Hieraus kann man erkennen, wer die sind, welche Gott selbst verehren und die, welche andere Götter anbeten, somit die, welche nach dem ersten Gebot leben, und die, welche nicht danach leben. <EKO 950-957>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 241 →
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