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borgen – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Borgen, sofern es heißt das Wahre anderswoher empfangen als von sich, somit das Wahre von einer anderen Sippschaft. Daß borgen die Bedeutung hat, beruht darauf, daß es in der geistigen Welt kein anderes Gutes gibt, das von anderen erbeten und gegeben wird, als solches, das der Einsicht und Weisheit angehört. Es gibt zwar sehr viele andere Gegenstände, die sichtbar vorhanden sind, ja unzählige, aber sie sind Erscheinungen aus dem, was der Einsicht und Weisheit angehört. Vom Menschen wird gesagt, er empfange die Wahrheiten aus sich, wenn er sie aus den Wahrheiten, die bei ihm sind, erschließt. Diese verbindet er alsdann mit den früheren, wenn er aber das tut, so läßt er keine anderen Wahrheiten zu, als die unter dem gleichen Guten zusammenstimmen; denn das Gute ist es, was die Wahrheiten in Reihen ordnet, und sie verknüpft. Das Gute ist nämlich gleichsam die Seele im Menschen, und die Wahrheiten sind gleichsam das, womit die Seele sich bekleidet, und wodurch sie wirkt. Daß alles und jedes im Menschen aus seiner Seele lebt, ist bekannt, somit auch die Wahrheiten, die dem Glauben angehören, aus dem Guten der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten. Ist dieses Gute nicht die Seele des Menschen, sondern das Gute der Selbstliebe oder der Weltliebe, dann ist der Mensch kein Mensch, sondern ein wildes Tier, und erscheint auch im anderen Leben im Himmelslicht als ein wildes Tier, obwohl er in seinem eigenen Licht, das beim Himmelslicht Finsternis wird, als ein Mensch erscheint. Aber man merke, daß der Herr die Wahrheiten nach dem Guten des Lebens des Menschen ordnet. Hingegen wird vom Menschen gesagt, er empfange die Wahrheiten anderswoher, wenn er von einem anderen belehrt wird; wenn dieselben nicht unter dem Guten zusammenstimmen, worin er ist, so werden sie zwar in seinem Gedächtnis unter den Wißtümern niedergelegt, werden aber nicht sein Eigen, d.h. Sache seines Glaubens, weil sie von einer anderen Sippschaft sind. <HG 9174>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 242 →

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