DER HERR Ich bin nicht dagegen, so ein schwacher und seelenkranker Mensch im guten Willen einem stärkeren und seelengesunden Menschen seine Schwächen und Gebrechen treu bekennt — weil dann der gesunde und lichtstarke Mensch ihm aus wahrer Nächstenliebe jene wahren Mittel an die Hand geben kann, durch die des schwachen Nächsten Seele erstarken und gesunden kann. Denn auf diese Weise wird dann ein Mensch dem andern ein rechter Seelenheiland. Aber Ich mache daraus auch kein Gesetz, sondern gebe euch damit nur einen guten Rat. Und was Ich tue, das tuet auch ihr und lehret jedermann die Wahrheit!
Das Bekenntnis allein aber reinigt einen Menschen ebensowenig von seinen Sünden wie es einen leiblich Kranken schon gesund macht, so er einem Arzt seine Leiden und deren Grund noch so treu bekennt. Der Kranke muß vielmehr auf den Rat des weisen, kenntnisreichen Arztes hören, ihn getreu befolgen und in der Folge alles meiden, was ihn zum Leiden gebracht hat.
So ist es denn auch gut, daß in einer Gemeinde ein jeder Bruder den andern kennt, sowohl in seinen starken wie auch schwachen Seiten, damit einer den andern der Vollen Wahrheit nach seelisch und auch leiblich unterstützen kann. Wer aber verschlossen sein und bleiben will in der Meinung, daß er durch sein Bekenntnis jemanden ärgern könnte, dem soll niemand seine Schwächen herausfordern!
Wenn dagegen jemand von euch ein Weiser ist, und sein Geist offenbart ihm die Mängel des schwachen und ängstlichen Bruders, so gebe ihm der Weise unter vier Augen einen guten Rat und helfe ihm mit Rat und Tat aus der geheimen Not, und sein Lohn wird nicht unterm Wege bleiben! Doch lasset jedem den freien Willen, und tuet niemandem einen Zwang an. Denn ihr wisset, daß ein jeder geistige Zwang völlig wider Meine ewige Ordnung ist!
Ihr sollet daher auch dem schwachen Bruder, der sich euch vertraulich enthüllt hat, ja nicht mit einer richterlich drohenden Miene begegnen, sondern ihm stets mit aller Liebe und Freundlichkeit die Wahrheit offen kundtun und ihm auch die Mittel an die Hand geben, durch die er leicht und sicher geheilt werden kann. So wird er auch den Mut nicht sinken lassen und ein dankbarer Jünger der freien Wahrheit werden. Aber wenn ihr ihm mit allerlei Strafpredigten kommt, so werdet ihr nichts oder wenig ausrichten, sondern ihn nur um vieles elender machen."
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