DER HERR: Als nun der Körper gestorben war und die Schar der Feinde ihre Rache völlig gekühlt hatte, verlief sich das Volk auch bald, weil ein inneres Grauen — jene innere, schon berichtete Finsternis — jeden veranlaßte, einen Schutz in seinem Hause zu suchen, wo sich die Juden nach ihren Satzungen nun zum Sabbat vorzubereiten hatten, der mit Sonnenuntergang herannahte.
Meine Anhänger näherten sich jetzt der Richtstätte immer mehr, so daß der Kreis der Mir Nahestehenden sich ziemlich vergrößerte. Joseph von Arimathia war schon vorher zu Pilatus gegangen und hatte um Meinen Leib gebeten, eine Vergünstigung, die nicht immer gegeben wurde. Pilatus jedoch gab sie ihm gern, da er dadurch sowie auch durch die in drei Sprachen ausgeführte Schrift an der Spitze des Kreuzes, welche besagte, Ich sei der Juden König, den Juden einen Ärger bereiten wollte.
Meine Freunde nahmen alsbald den Körper herab, reinigten und salbten ihn und trugen ihn sorgsam zu einem Felsengrab, das dem Joseph von Arimathia gehörte, auf einem Grundstück, welches dieser dem Nikodemus abgekauft hatte, um daselbst seine eigene letzte Ruhestätte zu finden. Golgatha war zwar ein Felsenhügel, jedoch war die Stätte in nächster Nähe eines vielbewohnten Landhausviertels, wo sich viele reiche Römer und Juden angekauft und herrliche Häuser erbaut hatten. Daher ist die Nähe des Gartens erklärlich. In dieses Grab des Joseph von Arimathia legten also die Freunde den Körper und verwahrten die Stätte wohl, aus Furcht, die Juden möchten in ihrer Bosheit sonst auch noch dem Leichname Böses antun.
Die Juden aber hatten wiederum Furcht, Meine Anhänger möchten den Leichnam entführen und dann behaupten, Ich sei auferstanden. Denn sie hörten und wußten sehr wohl, daß die Rede von Meinem vorhergesagten Tod und auch von Meinem Auferstehen im Volke umging. Daher baten sie den Pilatus um Wachen, die dieser auch bewilligte, schon aus Neugierde, ob denn da wirklich etwas Wunderbares herauskommen werde, wie allerseits sowohl von den Freunden erwartet, als auch von den Feinden befürchtet wurde.
Es wurden daher Wächter bestellt, römische Soldaten, welche fünf Tage lang an dem Grabe Wache stehen sollten.
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