← Zurück zu „Die Haushaltung Gottes – Band 1“

33b. Kapitel — Die Abfahrt der Meduhediten

Fortsetzung von 33a

[HGt.01_033,23] Da entfernten sich die Jünglinge und berieten sich untereinander, was da zu tun sein möchte. „Denn“, sprachen sie untereinander, „wenn er denn gar so mächtig ist, warum geht er denn nicht selbst? Denn toll sein ist leichter denn kämpfen und drohen in der blinden Wut leichter denn die Ausführung. Denn das, was er geredet hat, das hätte ein jeder von uns auch reden können, aber zu was nütze? Wie weit seine und unsere Hände reichen, weiß und sieht jeder Mensch; aber wer hat je nur einen Finger des Übersternenkönigs gesehen, damit er ermessen könnte Seine ganze Macht und Kraft? Lamech ist eine Mücke nur gegen Tatahar und seinen Anhang; und wo ist dieser und sein ganzer Anhang? Nun sind wir sieben noch seine ganze Zentralkraft und haben gesehen die unbegreifliche Macht des großen, unsichtbaren Königs über den Sternen, haben gehört Seine Rede, daß vor ihrer Stärke der ganze Erdkreis erbebt hat wie jemand, den der Frost bis zu und in die Knochen und ihr Mark eisig durchdrungen hat.

[HGt.01_033,24] Daher tun wir, was wir wollen, und gehen hinaus, und statt der Drohung wollen wir Ihm ein Lob bringen und preisen Seine große Macht und Stärke; vielleicht nimmt Er uns auf, wie Er den Meduhed aufgenommen hat, und sodann soll daheim Lamech seine Kraft messen und in die Steine beißen vor Wut!

[HGt.01_033,25] Wir aber wollen lieber einem so mächtigen, großen Könige dienen, der uns gewiß auch wie die Scharen Meduheds über den Fluten erhalten kann.“

[HGt.01_033,26] Und siehe, wie sie weise beschlossen, führten sie auch ihren Mir gefälligen Entschluß aus, nahmen ihre Weiber und Kamele und Esel, wohlbepackt mit Früchten, und eilten hinaus, da sie sahen die Gewässer, und ruhten an dem Ufer des großen Weltmeeres.

[HGt.01_033,27] Einer aber, der das Wort geführt hatte, sprach nun wieder: „Da sind wir jetzt! Wo wollen wir hin? Wir wissen nichts; daher lasset uns den großen König bitten, daß Er uns aufnehme in Seine Dienste und uns zeige einen Ort unserer wahren Bestimmung, da wir schon wahrscheinlich nur durch Seine geheime Eingebung uns den Klauen Lamechs entwunden und uns frei hierher begeben haben.

[HGt.01_033,28] Daher rufe ich in aller Sinne und Geiste, da wir noch keine Namen haben, Dich, o großer, unsichtbarer König aller Macht und Stärke, ehrfurchtsvoll an: Nimm fürs erste unser aller Dank für die Rettung aus den Zähnen der Hyänen und aus den Klauen Lamechs. Und ebenso bitte ich Dich, daß Du nun auch uns führen möchtest nach Deinem Willen an irgendeinen sichern Ort, da wir Dir dann ungestört dienen möchten; denn wir wissen, daß Du ein gar mächtiger Herr bist, und kennen die volle Nichtigkeit Lamechs, dessen Stütze wir sein sollten und nicht wollten, da wir die große Macht Deiner Herrlichkeit gesehen und durch und durch empfunden haben, wie wir auch gehört haben das wilde, nichtige, leere Geplärr des nun gänzlich ohnmächtigen Lamech.

[HGt.01_033,29] Daher erhöre unsere gemeinsame Bitte, und gib uns Deinen Willen kund – oder vernichte uns; denn es ist besser, von Dir vernichtet zu werden als Lamech zu dienen!“

[HGt.01_033,30] Und siehe, als nun diese sieben mit ihren sieben Weibern so vollendet hatten ihr kurzes, aber sehr aufrichtiges Gebet, da fing ein kleiner Sturm an zu wehen von den Bergen her, und im Sturme kam im schnellen Laufe gesprengt eine sehr große Hyäne, grimmvollen und wutentbrannten Angesichtes, vor die kleine Gesellschaft und blieb vor ihnen stehen und musterte sie hin und her, auf und ab und durch und durch, gleichsam als wollte sie sich den besten Bissen aussuchen aus der von Todesangst bedrängten Gesellschaft. Und siehe, als nun alle ins Wasser die Flucht ergreifen wollten, da ermannte sich der Sprecher und sagte mit einer überlauten Stimme: „Höret mich an! Bleiben wir stehen, wo wir stehen, umgeben allenthalben von der unbesiegbaren Macht des großen Königs, und glaubet, wenn Er uns auch vernichtet, so wird Er uns auch in der Vernichtung wohl erhalten; und fürchtet nicht so sehr diese kleine Hyäne, da wir einer viel größeren aus ihren mörderischen Klauen so glücklich entronnen sind, und das um so mehr, da wir in der Ebene sind, wo keine Hyäne mehr die Macht hat, Menschen anzufallen und sie zu zerfleischen. Denn da uns der große, machtvolle König über den Sternen gerettet hat dort an den Bergen aus den Zähnen von so vielen Tausenden der reißendsten Bestien, da wir noch wider Ihn waren, nun aber wollen wir ja für Ihn sein, – wie sollte Er uns jetzt vernichten wollen?

[HGt.01_033,31] „Glaubet mir, Er wird uns alle sicher wohl erhalten! Sehet alle auf mich; ich will im Vertrauen hingehen zur Hyäne und ihr meinen Kopf in den Rachen stecken! Und so sie mir etwas zuleide tun wird, dann fliehet ins Wasser, oder wohin ihr wollt; werdet ihr mich aber wohlbehalten meinen Kopf wieder aus ihrem Rachen nehmen sehen, dann fallet nieder zur Erde und danket dem großen Könige, – denn dann ist Er uns schon sehr nahegekommen!“

[HGt.01_033,32] Und siehe, was er sagte, das tat er auch alsogleich, – ging voll Vertrauens hin zur grimm- und wutschäumenden Hyäne, welche ihren Rachen weit aufsperrte, so daß sein ganzer Kopf hinreichend Platz hatte in demselben.

[HGt.01_033,33] Und siehe, so wie er seinen Kopf hineingesteckt hatte, ebenso wohlbehalten – ohne die Krümmung auch nur eines Härchens – nahm er ihn wieder heraus! Da erstaunte die ganze Gesellschaft und fiel alsogleich zur Erde nieder und dankte Mir, freilich noch sehr unbekannter Weise, aus der ganzen erkannten Tiefe ihres Herzens.

[HGt.01_033,34] Als sie sich nun beinahe ganz erschöpft hatten in ihren Dankes- und Lobesergießungen, da fing zum allergrößten Erstaunen die Hyäne an, eine wohlverständige Rede an sie zu richten, und sprach:

[HGt.01_033,35] „Ihr späten Nachkommen Cahins und Hanochs, stehet auf und sehet mich an! Sehet an meine Grimm- und Wutgestalt! Ich bin nur ein reißendes Tier, bestimmt, treu zu bewachen die Berge und die auf ihnen wohnenden großen Kinder Gottes, den ihr in eurer Blindheit einen großen König nennt; aber saget mir, ob ich als Tier je den Willen Gottes übertreten habe! Mein Leben ist Staub und Erde; meine Zeit sind wenige Jahre, Tage und Herzschläge nur; ich habe nichts zu erwarten; was meine Blutgier mir gibt, ist alles, was von meinem Dasein ich zu gewinnen habe vom Schöpfer; und wer von euch mich je gesehen hat, über meine vorgeschriebenen Grenzen ohne den Willen Gottes schreiten, der nehme einen Stein und erschlage mich!

[HGt.01_033,36] Doch ihr zaudert, – nicht, als hättet ihr den Mut nicht dazu, sondern weil euch mein Gehorsam gegen den Willen Gottes zur Verwunderung hinreißt! Und sehet, wie euch Menschen, die ein ewiges Leben erwartet, ein reißendes Tier über eure gänzliche Gottvergessenheit und somit auch über eure Bestimmung belehren muß dem Willen Gottes gemäß! Sehet, kein reißendes Tier ist so wild, daß es auch nur in der Hungersnot seinesgleichen anfallen möchte, es zu zerreißen und sich damit den Hunger zu stillen! Allein ihr ewig leben sollenden Menschen ziehet aus in Horden, um eure Brüder nicht etwa aus Not, sondern nur aus reiner höllischer Herrschsucht zu töten, mit ihrem Blute die Erde zu beflecken und ihr Fleisch in dieselbe zu verscharren!

[HGt.01_033,37] O schämet euch, ihr Menschen, ihr sein sollenden Herren der Welt! Wo ist eure Herrlichkeit? Ihr seid euer vierzehn, und ich bin allein, und ihr habt euch vor meinem Anblick zu Tode geängstet, – vor einem unglücklichen Tiere, das ursprünglich nur zu eurem Dienste nach dem Willen des großen Gottes bestimmt war!

[HGt.01_033,38] Gehet mit in die Wälder und überzeuget euch, ob nur ein Tier das andere dominiert; und wird es zänkisch und neidisch, so wird es alsobald aus der Gesellschaft gestoßen, da es nicht war nach dem in unserm Innern waltenden Willen Gottes. Und ihr werdet da nie sehen, daß ein Tier das andere nötete, für es auf den Raub zu gehen, um dasselbe als einen baren Müßiggänger zu füttern, – außer es ist eines schwach geworden; dann schleppt ihm ein anderes Tier irgendeinen Raub vor den Rachen in die Wohnhöhle. Und es legt keines an seinen Nacken und seine Eingeweide den scharfen und starken Zahn eher, als bis es kalt geworden ist und faul und morsch; das lehrt uns der göttliche Wille in unserm Innern, und seid versichert: es hebt auch nicht ein Tier ohne den Willen Gottes seinen Kopf in die Höhe!

[HGt.01_033,39] Wir kennen gegen uns keine Eigentumsgrenzen als die unserer Natur und unseres Leibeswesens; ihr Gottes gänzlich vergessenen Menschen, ihr teilet die Erde ab, und da sagt dann ein König, ein Fürst oder ein Günstling derselben: ,Das gebe ich dir gegen einen kleinen Tribut und das dem Günstling und seinen besseren Knechten ihrer gutgesinnten, tüchtigen Fäuste wegen! Alles übrige Volk könnet ihr als Lasttiere gebrauchen, denen ihr nur so viel zu geben braucht, daß sie mit genauer Not ein elendes bißchen Leben erhalten, um für die Müßiggänger die lästige, viele Arbeit verrichten zu können; und würden sie sich weigern, so steht ihnen fürs erste eine große Mißhandlung und fürs zweite der Tod bevor!‘ Wollte sich dann ein solcher Sklave gar einbilden, daß er auch ein Bruder des Königs oder eines Fürsten oder eines sonstigen vom Könige gemachten Großen gleichen Rechtes sei oder sein wollte, – würde der nicht alsogleich ermordet werden?! – O saget, wo auf der ganzen Erde gibt es noch etwas Grausameres, als ihr Menschen es seid?! Ist nicht eine Schlange, ich oder ein Löwe, ein Tiger, ein reißender Wolf und ein grimmiger Bär ein lauterer, heiliger Engel gegen euch Menschen? Oh, wäre uns Liebe gegeben wie euch, wie würden wir Gott lieben! Aber ohne Liebe selbst lieben wir Ihn durch unseren genauen Gehorsam unendlichmal mehr als ihr, die ihr nicht nur Seiner Liebe, aus welcher heraus Er euch erschaffen hat, vergessen habt, sondern sogar Seiner Selbst, der euch erschaffen hat!

[HGt.01_033,40] Fraget die Steine, fraget das Gras, fraget die Luft, fraget das Wasser, ja fraget alles, was euch unterkommt, nur keinen Menschen, – und alles wird euch den großen Gott verkünden und die unendlichen Wunder Seiner Liebe erzählen; nur ihr freien, ewig glückseligst leben sollenden Menschen konntet eures Schöpfers, eures unendlichen Wohltäters gänzlich vergessen! – Kein Wunder, daß ihr keinen Namen habt; mit welchen Namen könntet ihr auch benannt werden? Teufel kennen Gott und fliehen Ihn; Satane kennen Gott auch, hassen Ihn, daß Er Gott ist und ein Herr ihres Daseins; wer seid aber ihr, die ihr aus Teufeln, Satanen durch Seine unendliche Liebe zu freien Menschen geworden seid und habt Seiner ganz und gar vergessen und sehet euch in eurer mückenhaften Schwäche selbst für Götter an, weil ihr mit Steinen und Knütteln aufeinander schlagen und hohle Steinhaufen errichten könnt, die ihr dann Städte nennt? Seht, ihr seid nichts, wie ihr seid; ein Grashalm ist mehr, und eine Hyänenklaue ist ein Heiligtum gegen eine ganze zahllose Brut von solchen Menschen, wie ihr sie in Hanoch verlassen habt, und wie ihr bis jetzt es selbst waret!

[HGt.01_033,41] Kurz, so will es der große Gott: Bevor euch eine andere Bestimmung zuteil wird, sollet ihr zu uns Hyänen siebzig Tage lang in die Schule gehen, um bei uns fürs erste Menschlichkeit und Nächstenliebe und dann dadurch auch wieder Gott kennen zu lernen; und so ihr wieder erkannt habt eure Gleichheit an uns reißenden, wilden Bestien und Gott durch unsern stummen und blinden Gehorsam, – dann erst wird der Herr aller Geschöpfe euch durch uns eine friedsame Stätte anzeigen lassen.

[HGt.01_033,42] Nun folget mir willig nach dem Willen Gottes ohne Furcht – außer in der alleinigen Furcht Gottes! Dem Willigen wird nichts zuleide geschehen; der Unwillige und Ungehorsame aber ist auch nicht wert, von den Zähnen der Hyänen zerrissen zu werden, sondern der erwarte hier Lamechs, der Satane, des Satansfürsten Los!“

[HGt.01_033,43] Und siehe, so folgten alle vierzehn Personen einer grimmigen Hyäne in eine finstere Gebirgshöhle und lernten dort durch Meine Zulassung von der Natur der Bestien gleiche Rechte der Menschheit, Nächstenliebe, Gehorsam und so auch wieder Mich erkennen und auf Mich ganz vertrauen, wodurch ihnen dann auch der große Unterschied zwischen der wahren Menschheit und den Tieren sichtbar wurde, und lernten aber auch zugleich erkennen, wie tief sie früher unter denselben gestanden sind, – und das alles durch Meine besondere Gnade, die sie Meinen Willen in den wilden Tieren sehen und in seiner ganzen Fülle empfinden ließ.

[HGt.01_033,44] (Notabene. Mehr als damals wäre euch jetzt eine solche Schule nötig! Denn damals waren die Menschen als Kinder der Welt schlecht der Finsternis wegen; jetzt aber sind sie böse im Lichte, und der Fürst der Finsternis bekennt, daß er ein Pfuscher geworden ist in der Bosheit gegen die Feinheit der Weltkinder, und es geht ihm ja schon wie manchen schwachen Eltern, die von ihren Kindern übertroffen werden an Einsichten aller Art.)

← Zurück zu „Die Haushaltung Gottes – Band 1“