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42a. Kapitel — Kenans Gesang von den zehn Säulen

[HGt.01_042,01] Und als der Seth eine solche kurze, liebarme Bemerkung ausgesprochen hatte, seht, da kamen diesen dreien noch der Kenan, Mahalaleel und Jared entgegen und grüßten sie in aller Liebe und dankten Mir für die Gnade des Wiedersehens, und Seth segnete sie alle in Meinem Namen, damit sie reden konnten und durften im Angesichte Meiner Liebe und im Angesichte Seths, des zweiten Stammvaters der hochgesegneten Linie nach Adam, welche endlich Ich Selbst in der großen Zeit der Zeiten körperlich beschloß.

[HGt.01_042,02] Und als diese drei den Segen empfangen hatten, da öffnete zuerst Kenan den Mund und sprach: „Liebe Väter und Kinder, höret und vernehmet wohl meine Rede; denn ich will sie euch so getreu, als ich sie empfangen habe durch nächtliches Gesicht, wiedergeben. Und dieses Gesicht stellte zehn Säulen vor, und diese Säulen ragten über ein großes Gewässer, das oft gewaltig an die Säulen schlug. Und da stand auf der ersten Säule Adam und sprach zu den Fluten: ,Höret Kinder, Gott, der Herr Zebaoth, der mächtige, große, heilige Vater aller von mir gezeugten Kinder ist ein einziger Gott! Wie Er mich auch gemacht hat zum einzigen Menschen der Erde, so ist Er von Ewigkeiten her ein einziger Gott, und es gibt außer Ihm keinen Gott mehr; denn es ist die Unendlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit ganz erfüllt von Seiner Ehre, Heiligkeit und Liebe. Daher glaubet, ihr Fluten, daß der Herr ist ein einziger, einiger, großer, ewiger, allmächtiger, heiliger, gerechter, höchst weiser, liebevollster, gnadenreicher, barmherziger, überaus guter und über alles erhabener Gott und darum unser aller Vater. Daher seid ruhig, ihr muntern Wogen, und kläret euch, damit das Licht dieses einzigen Gottes euch durchleuchten möge bis in den Grund eures Lebens! Amen.‘

[HGt.01_042,03] Und sehet, da wurden ruhig die Wogen um die Säule Adams, und es fiel ein gar gewaltiges Licht von der Höhe Gottes auf die glatte Spiegelfläche der Wässer; da erglänzte die Fläche gleich einer Sonne, und aus dem Grunde der Gewässer kam ein einstimmiger Lobgesang, entwand sich gleich einer lichten Wolke den Gewässern und stieg, heller und heller strahlend, hinauf zu den ewigen, heiligen Höhen des allmächtigen Vaters, der da ist der einzige, einige Gott.

[HGt.01_042,04] Und höret weiter, ihr lieben Väter und Kinder, was ich gesehen im nächtlichen Schauen, zwar nicht mit den Augen des Leibes, – mit geistigen Augen hab‘ solches entzückt ich gesehen!

[HGt.01_042,05] Nicht weit von der Säule des Adam stand eine fast gleiche erhaben. Die munteren Wogen getrauten sich kaum zu erheben die blitzenden Häupter empor zur erhabenen Säule und kreisten im sanften Geschaukel voll Ehrfurcht um diese erhabene Säule herum, so, als wollten sie sagen: ,Sieh, sterblicher Mensch, sieh den Namen des Höchsten, der, heilig und liebevoll, ,Jehova‘ heißet! Nie soll dieser Name von frevelnden Zungen ganz eitel genennet je werden; der Name des heiligen Vaters ist heilig, wohl heilig, höchst heilig! O Menschen, o Kinder‘, so riefen die kreisenden Wogen, ,bedenkt, o bedenkt, wem der Name ist eigen! Da denket in eueren Herzen, daß Gott, ja ein Gott es ist, dem dieser Name ist eigen!‘

[HGt.01_042,06] Und seht, als vom kreisend sanft schaukelnden Wogengetümmel ich solches hab‘ staunend vernommen, konnt‘ ich erst erheben ganz furchtsam zur Höhe der Säule des Geistes hoch staunende Sehe und sah – o ich kann’s nicht beschreiben, wie heiß und doch wonnig mir da um das Herz ist geworden! –, ich sah auf der glänzenden Höhe der Säule ganz ernsten Antlitzes dich, teueren Vater, dich, Seth, sah ich stehen! Und du sprachst zu den sanft kreisenden Wogen, was eben zuvor ich geredet, da solches von ihnen ganz treu hab‘ vernommen und war da im Glauben und Hören, als hätt‘ ich’s vernommen von allen den kreisenden Wogen, was du nur geredet da hast auf der heiligen Höhe zu den die heilige Säule im sanften Geschaukel umflutenden Wogen; und wie ich geredet, so hab‘ ich’s gesehen.

[HGt.01_042,07] Und höret nun ferner, ihr lieblichen Väter, und so auch ihr allzeit uns folgsamen Kinder! – So sah ich denn ferner unweit von der Säule des Seth ganz umflutet von leuchtenden Wogen die dritte der Säulen; die stand, wie vom rötlichen Lichte umflossen, erhab’ner denn alle die andern, und alle die Wogen, die rascher und rascher um andere Säulen sich trieben, die standen hier stille und dampften aus ihren sanft bebenden Furchen dem Herrn und ewigen, heiligen Vater, von Ehrfurcht und Liebe durchdrungen, ein feuriges Loblieb entgegen.

[HGt.01_042,08] Ich wollte nachspähen, wohin die so feurigen Dämpfe den Weg möchten nehmen, – und seht, meine Augen, geblendet beinahe vom Glanze erhab’ner Gesänge, die so da entdampften der Ruhe der reinen Gewässer, erblickten in heiliger Höhe der dritten der Säulen, von blitzenden Wolken umzogen, den dritten von euch lieben Vätern, und dieser war Enos!

[HGt.01_042,09] Ja du, Vater Enos, du standst auf der dritten der Säulen und sprachst in gar feurigen Worten zu den still horchenden Wogen: ,O höret, ihr alle Gewässer der Erde; vernehmet die Worte der Höhe und horchet den Tönen der heiligen Rede! Ihr könnet da fluten und wogen sechs Tage und Nächte in fröhlichen Reihen; doch wenn da der siebente Tag ist gekommen, gesegnet von heiliger Ruhe, der Sabbat des Herrn, ein heiliger Tag, hört, den sollet auch ihr allzeit feiern zum schuldigsten Lobe und Preise des heiligen Vaters! Denn das ist der ewigen Ordnung gemäß, daß da alles, was atmet lebendigen Odem aus Gott und im liebenden, denkenden Herzen empfindet die Liebe des ewigen, heiligen Vaters, das solle der Ruhe und Feier des heiligen Tages gedenken; denn dieses ist allzeit des heiligen Vaters hochheiliger Wille: Sechs Tage kann arbeiten all das Gewässer, kann fluten und wogen in rauschenden Zügen; doch heilige Ruhe soll wehen am heiligen Sabbat gleich feurigen Wolken, zur Feier einladend, hehr über den schweigenden, horchenden Fluten!‘

[HGt.01_042,10] Und höret, ihr lieblichen Väter und folgsamen Kinder, was ich euch allhier hab‘ gemeldet, getreu und genau, also hab‘ ich’s vernommen.

[HGt.01_042,11] Und höret geduldigen Willens noch ferner, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, was ich da noch ferner und weiter mit staunenden Augen des Geistes für Wunder der göttlichen Liebe und leuchtender Gnade hab‘ treulich gesehen! O Väter und Kinder, wie ihr mich da sehet und höret im bebenden Eifer euch meine Gesichte erzählen, ja wahrlich, so stand ich denn dort im Gesichte als vierter, vom rötlichen Lichte umflossen, auf einer ein wenig nur minder erhabenen Säule, die so wie die ersten drei leuchtend umflutet von munteren, kreisenden Wogen nach allen erdenklichen Richtungen war. Voll des Staunens ob solcher so plötzlich erhabenen Stellung, die ich da den Vätern gleich hab‘ eingenommen, bemerkte ich traurig, daß weiter und weiter der Säule entlang denn die Wogen stets finst’rer und stürmischer wurden und hoben in brennendem Eifer an zahllosen Stellen unstet ihre schäumenden Häupter gleich rauchenden Bergen hoch über die Säule, auf welcher ich stand, voll von Sorgen und Kummer, empor, so als wären sie Kinder, die ohne Gehorsam im Herzen sich böslich bemühen, die Säule des Vaters und so auch der Mutter zu stürzen und, selbe im Falle verhöhnend mit lästernden Zungen, zu treten mit stampfenden Füßen, an welchen da klebet in Massen des schwarzen Undankes ertötender Staub.

[HGt.01_042,12] Und als solches ich habe betrachtet die Zeitlang mit blutendem Herzen, erhob sich auf einmal, der Säule entströmend, ein heftiger Sturm und tobte Orkanen gleich über die schäumenden Häupter der bergenden Wogen. Und sehet, es währte der heftige Sturm, der Säule entströmend, nicht lange, als sich das Getümmel der tobenden Wogen, genötigt von strafender Macht der Orkane, zur segnenden Ruhe begab, so daß nur hie und da noch ein seltenes, leises Gemurmel der willig sich ebnenden Furchen der Fläche so großen Gewässers zur völligen Ruhe die leuchtenden Schichten dem göttlichen Munde entströmenden Hauches nicht unangenehm unterbrach. Und als völlig die mächtige Liebe des ewigen, heiligen Vaters mit solchen erstaunlichen Mitteln die segnende Ruhe hat treulich bewirket, so fing meinem Munde alsbald ein gar köstlicher Ton zu entquellen. Und hört, dieser Ton klang wie heilige Worte, entströmend dem liebenden Herzen des heiligen, ewigen Vaters aus Höhen der Höhen des ewigen Lichtes der Lichter unendlicher, leuchtender Sphären und goß sich in reichlichen, leuchtenden Strömen gar weithin laut über die endlose, horchende Fläche der großen Gewässer, und wie ich vernommen, sag‘ treu ich den Sinn solcher göttlichen Stimme gar herrlichen Klanges. Der Sinn aber sprach sich auf folgende Weise gar schön und gar wunderbar aus:

[HGt.01_042,13] ,Hört‘, sprach die heilige Stimme, ,ihr stürmen nur wollenden Fluten, Gehorsam und Liebe der Säule des Kenan seid schuldig ihr bebenden Wogen, wollt lange ihr feuchten die toten und festen Geklüfte der trauernden Erde; doch wehe den bergen sich wollenden, schäumenden Wogen, die da sich erheben je über die leuchtende Säule des Kenan vermöchten!

[HGt.01_042,14] Zu klaffenden Bergen, so hoch sie auch immer erheben sich möchten, werd‘ Ich durch die ewige Kraft Meines Zornes und brennenden Grimmes sie jählings erhärten und festen zur zeitlich sowohl, als auch geistigen, ewigen Qual in dem brennenden Pfuhl Meines ewigen Fluches!

[HGt.01_042,15] Doch den gar ruhig gehorchenden Fluten soll zeitlich und ewig das Wogen im Lichte der ewigen Liebe des heiligen Vaters der Väter gesegneter, munterer, fröhlicher Fluten, zuströmend den Meeren des ewigen Lebens, aus Meiner Erbarmung bald werden!

[HGt.01_042,16] Erhebet euch immer denn über die heilige, leuchtende Säule des Kenan. So will es der ewige, heilige Vater der Väter und Richter der tobenden Wogen der Meere des Lebens in endlosen Reihen und feurigen Strömen aus Gott!‘ – Seht, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, wie ich es erzählte, so treu und so wahr, ja geradeso hab‘ ich’s gesehen mit innerer Sehe voll Wunder und höherem Walten der ewigen Liebe in Gott und aus Gott!

Fortsetzung in 42b

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