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64. Josephs Predigt über die Liebe zu Gott und die Liebe zur Welt, Segen

 01] Als Jakob mit seiner Erzählung zu Ende war, sprach Joseph zu Jakob:
  02] »Ja, also ist es und ist auch allezeit also gewesen und wird allezeit also sein; man muß Gott mehr lieben im geringsten Teile schon als alle Herrlichkeiten der Welt!
  03] »Denn was gäbe einem Menschen auch all die schreienden Herrlichkeiten der Welt?!
  04] »David selbst mußte flüchten vor seinem eigenen Sohne, und Salomo mußte bitter am Ende die Ungnade des Herrn empfinden, weil er zu sehr den Herrlichkeiten der Welt nachhing!
  05] »Gott aber schenkt uns zu jeder Sekunde ein neues Leben; wie sollten wir Ihn da nicht im geringsten Teile mehr lieben als alle Welt, die vergeht und ist voll Aases und Unrates?!
  06] »Wir aber sind ja unter uns alle überzeugt, daß dies unser Kindlein von oben ist und heißt Gottes Sohn.
  07] »Es ist somit kein geringer Teil Gottes; daher ist es auch billig, daß wir Es mehr lieben als alle Welt.
  08] »Sehet an den Heiden Cyrenius! Nicht uns gilt das, was er an uns tut, sondern dem Kindlein; denn sein Herz sagt es ihm, daß nach seinem Begriffe ein allerhöchstes Gottwesen mit diesem unserm Kinde in engster Verbindung stehe, darum er Es dann fürchtet und liebt.
  09] »Tut aber solches ein Heide, um wieviel mehr müssen wir erst desgleichen tun, die wir vollends wissen, woher dies Kindlein kam, wer Sein Vater ist!
  10] »Daher soll allezeit all unser Augenmerk auf dies Kindlein gerichtet sein; denn das Kind ist mehr als wir und alle Welt!
  11] »Nehmet euch an mir ein Beispiel, und sehet, welche schwere Opfer ich alter Mann alle schon diesem Gotteskinde gebracht habe!
  12] »Aber ich brachte sie leicht und mit großer Liebe, weil ich Gott mehr liebe als alle Welt.
  13] »Haben wir aber dadurch je irgend etwas verloren? – O nein! Wir haben noch nach jedem Opfer gewonnen!
  14] »Also denket und tuet auch ihr alle dasselbe, und ihr werdet nie etwas verlieren, sondern allezeit nur hoch gewinnen!
  15] »Zudem ist dies Kind ja ohnehin so sanfter Art, daß es wahrlich eine Freude ist, bei Ihm zu sein!
  16] »Nur höchst selten weint Es laut! Es ist noch nie krank gewesen; und wenn man es lockt, so sieht Es so munter und fröhlich umher und lächelt jeden Menschen so herzlich an, daß man dadurch zu Tränen gerührt wird.
  17] »Und jetzt, da Es auch wunderbar auf einmal zu reden hat angefangen, möchte man Es ja gar erdrücken vor lauter Liebe!
  18] »Daher also, meine Kinder, bedenket wohl, wer dieses Kindlein ist, und wartet und pfleget Es ja sorgfältigst!
  19] »Denn sonst könnte Es euch gebührendermaßen strafen, wenn ihr Es als unser höchstes Gut geringer achten möchtet als alle die nichtssagenden Torheiten der Welt!«
  20] Diese Rede brachte alle die fünf Söhne zum Weinen, und alle standen vom Tische auf und umlagerten die Wiege des Kindes.
  21] Das Kindlein aber sah Seine Brüder auch gar freundlichst an und segnete sie und sprach: »O Brüder werdet Mir gleich, wollet ihr ewig glücklich sein!« Und die Brüder weinten und aßen nichts an diesem Abende.

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