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Gemachte Geschichten und wahre Geschichten

Gemachte Geschichten und wahre Geschichten als Vorbilder und Gefäße für Himmlisches und Geistiges

Dieses und das Folgende verhält sich geschichtlich, so wie es geschrieben steht, aber das Geschichtliche ist vorbildend, alle Worte sind sinnbildlich bezeichnend. Dasselbe ist der Fall in allen Geschichtsbüchern des Wortes, nicht allein in den Büchern Moses, sondern auch in den Josuas, der Richter, Samuels und der Könige, in welchen allen nichts anderes erscheint als Geschichte, aber obwohl Geschichte ist im Buchstabensinn, so sind doch im inneren Sinn Geheimnisse des Himmels, die darin verborgen liegen. Welche Geheimnisse durchaus nicht gesehen werden können, solange das Gemüt mit dem Auge am Geschichtlichen haftet, und sie werden auch nicht eher geoffenbart, als wenn das Gemüt vom Buchstabensinn entfernt wird.
Es verhält sich mit dem Wort des Herrn wie mit dem Leib, in dem eine lebendige Seele ist. Was in der Seele ist, kommt nicht zur Erscheinung, solange das Gemüt am Leiblichen klebt, so dass es kaum glaubt, es habe eine Seele, geschweige denn, es werde nach dem Tode fortleben. Sobald es aber vom Leiblichen sich zurückzieht, so kommt zum Vorschein das, was Sache der Seele und des Lebens ist. Dies ist auch die Ursache, warum nicht allein das Leibliche sterben muss, ehe denn der Mensch von neuem oder wiedergeboren werden kann, sondern auch der Leib sterben muss, auf dass er (der Mensch) in den Himmel kommen, und das Himmlische sehen kann.
Eine solche Bewandtnis hat es mit dem Wort des Herrn: sein Leibliches ist das, was Sache des Buchstabensinnes ist: wenn das Gemüt daran haftet, wird das Innere gar nicht gesehen, ist aber jenes gleichsam tot, dann erst stellt sich dieses zur Anschauung dar. Aber gleichwohl ist das zum Buchstabensinn Gehörige ähnlich dem, was beim Menschen in seinem Leib ist, nämlich dem Gedächt­niswissen, das aus dem Gebiet der Sinnlichkeit ist, und das aus allgemeinen Gefäßen besteht, in denen Inwendiges oder Inneres ist. Hieraus kann man abnehmen, dass etwas anderes sind die Gefäße, und etwas anderes das Wesentliche, das in den Gefäßen ist. Die Gefäße sind Natürliches, das Wesentliche in den Gefäßen ist Geistiges und Himmlisches.
Ebenso sind die Geschichten des Wortes, wie auch die einzelnen Ausdrücke im Wort allgemeine, natürliche, ja materielle Gefäße, in denen Geistiges und Himmlisches ist. Dieses kommt gar nicht zur Anschauung, außer durch den inneren Sinn. Einem jeden kann es schon daraus einleuchten, dass vieles im Wort nach Scheinbarkeiten, ja nach Sinnestäuschungen, gesprochen ist, z.B. dass der Herr zürne, strafe, verfluche, töte, und dergleichen mehr, während doch im inneren Sinn das Gegenteil ist, dass nämlich der Herr gar nicht zürnt und straft, noch weniger verflucht und tötet; denen jedoch, die aus Einfalt des Herzens an das Wort glauben, wie sie es im Buchstaben fassen, schadet es nicht, wenn sie nur in Liebtätigkeit leben. Darum, weil das Wort nichts anderes lehrt, als dass jeder mit dem Nächsten in Liebtätigkeit leben, und dass man den Herrn lieben soll über alles. Die, welche das tun, haben Inneres bei sich, und so werden bei ihnen die aus dem Sinne des Buchstabens gefassten Täuschungen leicht zerstreut. <HG 1408>
Die wahren Geschichten des Wortes begannen mit dem vorhergehenden 12. Kapitel; bis dahin, oder vielmehr bis Eber, waren es gemachte Geschichten (geschichtsartige Einkleidungen). Was nun von Abraham weiter vorkommt, bezeichnet im inneren Sinn den Herrn, und zwar Sein erstes Leben, wie es war, bevor Sein äußerer Mensch verbunden wurde mit dem inneren, so dass sie übereinwirkten, d.h. bevor Sein äußerer Mensch gleichfalls himmlisch und göttlich geworden war.
Die Geschichten sind es, die den Herrn vorbilden, die Worte selbst sind Bezeichnungen dessen, was vorgebildet wird. Weil es aber Geschichten sind, so kann es nicht anders sein, als dass das Gemüt des Lesers darin festgehalten wird, hauptsächlich heutzutage, wo die meisten und beinahe alle nicht glauben, dass es einen inneren Sinn gibt, geschweige denn in den einzelnen Wörtern. Und vielleicht werden sie es auch jetzt noch nicht anerkennen, obgleich es bis hierher so deutlich gezeigt worden ist. Auch darum nicht, weil der innere Sinn vom Buchstabensinn so sehr abzuweichen scheint, dass man ihn kaum erkennt.
Man kann jedoch eben dies, dass die Geschichten keineswegs das Wort sein können, schon daraus wissen, dass in ihnen, wenn sie vom inneren Sinn geschieden sind, nicht mehr Göttliches ist, als in irgendeiner anderen Geschichte; wogegen der innere Sinn macht, dass es göttlich ist. Dass der innere Sinn das Wort selbst ist, erhellt aus vielem, das geoffenbart ist, z.B. “Aus Ägypten rief Ich Meinen Sohn”: Matth.2/15, außer vielen anderen Stellen. Der Herr selbst hat nach der Auferstehung die Jünger gelehrt, was bei Mose und den Propheten in Beziehung auf Ihn geschrieben war: Luk.24/27, dass somit nichts im Wort geschrieben steht, was nicht sein Absehen auf Ihn, Sein Reich und die Kirche hat; diese sind die geistigen und himmlischen Dinge des Wortes. Dagegen was der Buchstabensinn hat, sind meistenteils weltliche, körperliche und irdische Dinge, die keineswegs das Wort des Herrn ausmachen können.
Heutzutage sind die Menschen so, dass sie nichts als solche Dinge in sich aufnehmen; was geistige und himmlische Dinge sind, wissen sie kaum. Anders der Mensch der Urkirche und der Alten Kirche: wenn dieser heutzutage lebte, und das Wort läse, so würde er gar nicht achten auf den Buchstabensinn, den er für nichts ansehen würde, sondern auf den inneren Sinn. Sie wundern sich sehr, dass jemand das Wort anders in sich aufnimmt. Daher sind auch alle Bücher der Alten so geschrieben, dass sie im tieferen Sinn etwas anderes in sich schließen, als im Buchstaben. <HG 1540>
Was hier (1.Mose Kap. 15) enthalten ist, sind, wie früher gesagt worden, wahre Geschichten, dass nämlich Jehova mit Abraham so geredet und ihm der erbliche Besitz des Landes Kanaan verheißen wurde. Dass ihm befohlen wurde, eine Kuh, eine Ziege, einen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube also hinzulegen; dass das Gevögel herabfiel auf die Körper; dass ein Schlummer auf ihn fiel, und im Schlummer Schrecken der Finsternis; und dass, als die Sonne untergegangen war, ihm wie ein rauchender Ofen mit einer feurigen Fackel zwischen den Teilen erschien usw.; dies sind wahre Geschichten, dennoch aber alles und jedes, auch im kleinsten einer Tatsache, vorbildlich, und die Worte selbst, in denen es beschrieben wird, auch im kleinsten Jota bezeichnend, d.h. in allem und jedem ist ein innerer Sinn; denn alles und jedes, was im Wort ist, ist eingegeben, und weil eingegeben, so kann es nicht anders als aus himmlischem Ursprung sein, d.h. Himmlisches und Geistiges in seinem Schoße bergen. Sonst wäre es durchaus nicht das Wort des Herrn. Dies ist es, was im inneren Sinn enthalten ist.
Wenn dieser Sinn sich herausstellt, so verschwindet der Buchstabensinn, als ob er gar nicht da wäre, wie auch umgekehrt, wenn man bloß auf den historischen oder Buchstabensinn merkt, so verschwindet der innere Sinn, wie wenn er gar nicht da wäre. Dies verhält sich wie das himmlische Licht zum Weltlicht, und umgekehrt wie das Weltlicht zum himmlischen Licht: wenn das himmlische Licht erscheint, dann ist das Weltlicht wie Finsternis, was mir durch Erfahrung kund geworden ist; wenn man aber im Weltlicht ist, dann wäre das himmlische Licht, wenn es erschiene, wie Finsternis. Ebenso ist es in den menschlichen Gemütern: wer in menschliche Weisheit oder in die Wissenschaften alles setzt, dem erscheint die himmlische Weisheit wie ein dunkles Nichts, wer aber in der himmlischen Weisheit ist, dem ist die menschliche Weisheit wie etwas dunkles Allgemeines, das, wofern nicht himmlische Strahlen darin sind, wie Finsternis wäre.
<HG 1783>
Was die Geschichtsbücher betrifft, so sind alles, was darin steht, wahre Geschichten; ausgenommen was in den ersten Kapiteln der Genesis steht, welches gemachte Geschichten sind, wovon im ersten Teil gehandelt wurde; aber obgleich es wahre Geschichten sind, haben sie dennoch einen inneren Sinn, und in diesem Sinn handeln sie, wie die prophetischen Schriften, einzig und allein vom Herrn, sie handeln auch vom Himmel und der Kirche, und von dem, was des Himmels und der Kirche ist, aber dieses ist des Herrn, darum bezielen sie durch dieses den Herrn, und ebendaher sind sie das Wort. Alle Geschichten darin sind vorbildlich, und die einzelnen Worte, womit sie beschrieben werden, sind bezeichnend.
Dass die Geschichten vorbildlich sind, ergibt sich aus den Erklärungen, die bisher über Abraham gegeben wurden, und wird erhellen aus den Erklärungen, die über Jischak, über Jakob, seine zwölf Söhne, über Ägypten, über die Wanderschaft des Volkes in der Wüste, über seinen Einzug ins Land Kanaan, usw., aus göttlicher Barmherzigkeit des Herrn, gegeben werden sollen.
Dass die einzelnen Worte, womit die Geschichten beschrieben werden, bezeich­nend sind, erhellt auch aus dem, was gezeigt worden ist, als: dass die Namen Sachen bezeichnen, z.B. Ägypten Wissenschaft, Aschur das Vernünftige, Ephraim das Verständige, Tyrus die Erkenntnisse, Zion die himmlische Kirche, Jerusalem die geistige Kirche, usw.; ebenso die Nennwörter, z.B. dass der König das Wahre, der Priester das Gute bezeichnet, und dass die übrigen ihre innere Bedeutung haben, z.B. Königreich, Stadt, Haus, Völkerschaft, Volk, Garten, Weinberg, Ölberg, Gold, Silber, Erz, Eisen, Vögel, Tiere, Brot, Wein, Öl, Morgen, Tag, Licht und zwar immer die gleiche, sowohl in den geschichtlichen als prophetischen Büchern, obgleich sie von verschiedenen Männern und in ganz anderen Zeiten geschrieben worden sind; diese Bedeutung würde keineswegs sich so gleich bleiben, wenn das Wort nicht vom Himmel herabgekommen wäre.
Hieraus kann man erkennen, dass ein innerer Sinn im Wort ist; überdies auch daraus, dass das göttliche Wort keineswegs handeln kann von bloßen Menschen, wie von Abraham, Jischak, Jakob, deren Nachkommenschaft, welche die schlimmste Völkerschaft war, von ihren Königen, Weibern, Söhnen, Töchtern, Kebsweibern, Raubzügen und dergleichen, was an sich betrachtet nicht einmal wert ist im Wort erwähnt zu werden, wenn nicht dadurch vorgebildet und bezeichnet ist solches, was im Reich des Herrn ist, dieses ist des Wortes würdig. <HG 2607>
Alles, was in den ersten Kapiteln des 1.Mose enthalten ist, ist eine geschichtsartige Einkleidung, in deren innerem Sinn göttliche Wahrheiten enthalten sind von der neuen Schöpfung und der Wiedergeburt des Menschen der himmlischen Kirche. Diese Art der Darstellung war üblich in den ältesten Zeiten, nicht nur bei denen, die der Kirche angehörten, sondern auch bei denen, die außerhalb der Kirche waren, z.B. bei den Arabern, den Syrern und den Griechen, wie aus den Büchern jener Zeit, sowohl den heiligen als den weltlichen, deutlich hervorgeht.
Als Nachahmung derselben, weil aus ihnen hervorgehend, wurde das Hohelied von Salomo geschrieben, welches Buch kein heiliges Buch ist, weil es nicht inwendig Himmlisches und Göttliches in bestimmter Reihenfolge enthält, wie die heiligen Bücher.
Das Buch Hiob ist ein Buch der Alten Kirche. Heilige Bücher der Alten Kirche, die nun verloren sind, werden erwähnt 4.Mose 21/14,15,27: die historischen Teile derselben wurden “Kriege Jehovas” genannt und die prophetischen “Aussprüche”. Dass in den historischen, welche die Kriege Jehovas hießen, eine solche Schreibweise war, erhellt aus dem, was daraus von Mose entnommen und angeführt wurde. Dass diese Bücher heilig waren, ist klar aus dem, was 4.Mose 48/45,46 steht.
Dass eine solche Schreibweise bei denen, die außerhalb der Kirche waren, zu jener Zeit sehr gebräuchlich und fast einzig in Übung war, geht auch deutlich hervor aus den Fabeln (Mythen) jener Schriftsteller, die außerhalb der Kirche waren, in denen sie Moralisches einkleideten, oder solches, was sich auf die Neigungen und auf das Leben bezieht. <HG 9942>

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