← Zurück zu „Lebensgarten“

Die Morgen– und die Abend – Blume, oder: Wie soll man Gott lieben?

(Aus Bischof Martin’s Führung im Jenseits)

Empfangen vom Herrn durch Jakob Lorber

Vorbemerkung. Von einer musterhaften Chinesin, Namens „Chamchah“, welche vom Herrn das Zeugnis erhielt: dass Er in ihr, als einer Heidin, eine Liebe gefunden, dergleichen in der Christenheit außer einer Magdalena und Maria, Mutter Seines Leibes, kein drittes Beispiel aufzuweisen ist. Ihre Liebe war so groß, dass das Licht daraus sie also mit Weisheit erfüllte, dass sie fand: ihre Liebe zu Gott sei Gott Selbst in ihr! – eine Perle aus dem „himmlischen Reiche der Mitte“, woran sich jede Seele ein Beispiel nehmen kann.
Nach allerlei Proben spricht der Herr zur Chamchah: O, du liebes Kindchen, du! Ich sehe es schon, dass dir dein „Lama“ (chinesisch: Gott) am meisten am Herzen liegt, und das ist überaus löblich von dir; – aber du sagst auch Mir (dem Herrn Jesus, der nur als ein einfacher, aber mächtigster Geist-Mensch unter Andern bei ihr war), und Ich erkenne es aus deinen Augen und Reden, dass du auch Mich über die Maßen liebst; nun möchte Ich denn doch von dir erfahren, ob du Mich oder deinen „Lama“ mehr liebst; frage darüber dein Herz, und sage es Mir dann.
Die Chamchah wird hier sehr verlegen, und schlagt die Augen nieder; ihr Herz aber entzündet sich stets mehr und mehr in der Liebe zu Mir, was sie nur zu mächtig fühlt, – daher sie, die sonst nur zu Gesprächige, diesmal mit keiner Antwort zum Vorscheine kommt!
Nach einer Weile frage Ich sie abermals, ob sie Mir solches nicht kundgeben könne!? – da spricht sie, wie mit sehr beklommenem Gemüte: „O du mein Augapfel! O Du Feuer-Altar meines Herzens! Siehe, als ich auf der Erde noch zu Hause war an der Seite meiner Mutter, und ein Mädchen war von etwa 13 Erd-Jahren, da fragte ich die Mutter:
wie man es denn so ganz eigentlich anstellen solle, um den heiligen „Lama“ (Gott) über Alles zu lieben?“ –
Da sprach die recht weise Mutter: „Höre du, meine geliebteste Tochter, pflanze da im Garten zwei gleiche Blumen, eine gegen Morgen, diese weihe dem „Lama“, und die andere gegen Abend, und diese weihe den Menschen; pflege beide gleich, und siehe wie sie wachsen und sich entfalten werden. Wird die Abendblume besser gedeihen als die Morgenblume, so wird das ein Zeichen sein, dass du die Welt mehr liebst als den heiligen Lama; wirst du aber an den beiden Blumen das Gegenteil bemerken, da ist deine Liebe zum Lama stärker, als die zu den Menschen!“
Ich Tat sogleich, was mir meine weise Mutter riet; da ich aber fürchtete, die Blume Lama’s möchte etwa hinter der der Menschen zurückbleiben, so pflegte ich sie heimlich doppelt mehr, als die der Menschen. Aber siehe, ach, trotz meines großen Eifers in der Pflege der Blume Lama’s blieb sie dennoch zurück in der Entwicklung. Ich sagte das Alles der Mutter, und diese beruhigte mich durch ihre weise Lehre, indem sie sagte: „Siehe du, mein liebstes Töchterchen, Lama hat dir dadurch anzeigen wollen, dass du Ihn, Der im ewig unzugänglichen Lichte wohnet, nur dadurch über Alles lieben kannst, so du die Menschen wie dich selbst liebst; denn wer diese nicht liebt, die er doch sieht, wie kann er den Lama lieben, Den er nicht sieht?“ –
Darauf begoss ich dann die Abendblume öfter denn die Morgenblume, und siehe, da wucherte die Morgenblume gewaltig vor der Abendblume. Und siehe, gerade also verfahre ich nun; Du bist nun meine Abendblume (weil sichtbarer Mensch), und mein Herz für Lama ist die Morgenblume. Dich begieße ich mit aller Kraft, da ich in Dir den vollkommensten Menschengeist entdecke, und mein Herz wuchert ganz gewaltig, aber leider nicht mit Lama, sondern mit Dir, mit Dir! Du bist ein wahrer „Lama“ meines Herzens geworden! Was aber dazu „der große Lama“ zu seiner Zeit sagen wird, das wird auch Er am besten wissen; und ich muss Dir noch dazu bekennen, dass mir darob mein überaus zart fühlendes Gewissen gar keine Vorwürfe macht. – Was sagst Du, Herrlichster, nun dazu?!
Rede Ich: „Meine geliebteste Chamchah! siehe, Ich habe eine Weile auf diese deine Mein Herz überaus erfreuende Antwort harren müssen; also musst du nun auch ein Bisschen warten auf eine recht schöne und gute Antwort; aber da freue dich, was ich dir nun erst für eine schönste Antwort geben werde, sie soll dir bald werden.“ (In dieser folgenden schönsten Antwort des Herrn – welch einfache Bilder! und doch welche Tiefe der Weisheit und lichtvollen Lebenswahrheit darin, zugleich ein großes neues Zeugnis der unbegrenzten Barmliebe des Herrn, womit Er auch die Heiden umfängt und N.B. noch im Jenseits für das Heil der Seelen sorgt)
Amen.

← Zurück zu „Lebensgarten“