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Was heißt: dem Himmelreich Gewalt antun? (Zunächst für Bruder P.)

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 20 Dezember 1870

Mein liebes Kind, du möchtest wissen, was hier „Gewalt antun“ heißt; nun so will Ich es erklären.
Sieh, du musst von dem Worte „Gewalt“ nicht den engsten Begriff nehmen, denn ihr Menschen, und jedes geschaffene Wesen seid gegen Mich und Mein Reich zu ohnmächtig, als wollte Jemand mit Gewalt dort etwas erzwingen, oder dem Himmelreiche (buchstäblich) Gewalt antun. Ich will dir dieses durch ein Gleichnis erklären! –
Siehe ein Vater hat mehrere Kinder, die ihn Alle sehr lieben, und doch ist in der Liebe dieser Kinder ein Unterschied. Das Eine liebt den Vater, weil er eben der Vater ist, und weil es einsieht, dass der Vater auch sein bester Freund ist; es befolgt gerne Seine Befehle. Das Andere liebt den Vater anders. Während das erste Kind sich sehr leicht vom Vater entfernt, um seine Befehle zu vollführen, möchte das Zweite nicht gern die Gegenwart des Vaters vermissen; es wäre ihm lieber, wenn alle Dinge, die es zu verrichten hat, in Gegenwart seines Vaters geschehen könnten, damit es stets auf dem Antlitze seines Vaters die Zufriedenheit lesen könnte, wenn es seine anbefohlenen Verrichtungen gut ausgeführt hat.
Ein drittes Kind ist aber so von der Liebe zum Vater ergriffen, dass es von Geschäften und Verrichtungen gar Nichts wissen will, es will nur immer am Halse seines Vaters hängen, will nur immer in Seine Augen blicken, will ihm immer wiederholen: „Vater, lieber Vater, erlasse mir alle Geschäfte und nicht geistige Verrichtungen! Siehe, meine Geschwister fühlen sich selig für Dich zu arbeiten; ich aber will und kann nicht arbeiten, ich will nur bei Dir sein, an Deiner Brust dem langsamen Pulsschlage des väterlichen Herzens lauschen, will Nichts als Dich und nur wieder Dich!“ –
Was tut da wohl der Vater? Siehe, Mein Kind, dieses Kind, alle Vorteile die aus den Verrichtungen und Arbeiten erwachsen, welche die andern Kinder einst zu praktischen Männern heranbilden werden, verschmähend, mir geistige Liebe wollend, und so mit süßem Vertrauen am Halse des Vaters hängend, hat seine Liebe bezwungen, der liebende Vater kann nicht anders, als es fester an sein Herz zu drucken, und zu ihm zu sagen:
„Nun so ruhe an dem Vaterherzen, genieße so die ganze Fülle der geistig- (seelischen) väterlichen Liebe, du hast auf alles Andere Verzicht geleistet und dadurch Meine Liebe besiegt! –
Hier hast du den Ausdruck „Gewalt antun“ erklärt, und jetzt will Ich dir auch für dein eigenes Leben denselben näher beleuchten. So höre also:
„Wenn du so von festem Vertrauen zu Mir durchgedrungen bist, dass du es für unmöglich hältst, dass Ich bei einer Bitte, die gerecht vor Meinen Augen ist, dir die Erfüllung
derselben abschlagen könnte, dann tust auch du Meiner Liebe „Gewalt an“ und Ich gebe deinen Bitten, deinem Vertrauen nach, weil die Liebe der Liebe Nichts verweigern kann!“
Werfe also alle weltlichen Bedürfnisse weit von dir hinweg! lebe nur Mir! und gebrauche die Welt nur in soweit, als es zu deinem Lebensunterhalte nötig ist, und du wirst Wunder erleben an deinen eigenen Bitten, wie du erst vor Kurzem eines an deinem eigenen Weibe erlebt hast.
Als sie sich Mir ganz in die Arme warf, als ihr Vertrauen zu Mir und ihre Liebe unbegrenzt war, da ging ihre Heilung mit Riesenschritten voran, und wenn sie jetzt wieder Rückfälle bekommt, so ist das ein Zeichen, dass die schöne Blume des Vertrauens wegen Mangel an geistiger Nahrung das Köpfchen hängt. Sie soll diese Blume mit dem Tau geistiger Liebe zu Mir begießen, und mit der Blume wird sich ihre Gesundheit heben. Das geistige Aufblühen hilft dem Körper, wie mit ihrem Welken er auch mit leidet.
Sehe zurück auf die Geschichte der Propheten und Apostel, wenn selbe Wunder wirkten, Kranke plötzlich heilten, was taten sie dann in diesen Fällen? Siehe, sie taten Meiner Liebe „Gewalt“ an! Ihr Vertrauen zu Mir, dass Ich sie nicht ihm Stiche lassen werde, wenn es sich darum handelte, Meine Lehre durch Taten zu bekräftigen, war so groß, dass Ich ihrer zu großen Liebe nachgeben musste! –
O Meine Kinder! wenn ihr wüsstet, was ein inbrünstiges Gebet aus ganzer Seele bei Mir vermag, ihr würdet erstaunen, welch eine Macht in eurem Willen liegt, und welch eine Masse von Wohltaten ihr der leidenden Menschheit erweisen könntet. So aber kennet ihr diese Macht nicht, und an den Hals werfen kann Ich sie euch auch nicht!
Deswegen befleißet euch des festen unerschütterlichen Vertrauens in Mich, strebet selbes zu gewinnen, und es festzuhalten, und ihr werdet dann erst den Vater in seiner ganzen Herrlichkeit kennen lernen!
Amen.

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