Empfangen durch G. Mayerhofer, am 30. März 1870
Nachdem du denn schon alle deine Freunde mit Meiner Himmelskost, d.h. mit Meinen Worten bewirten willst, so schreibe denn auch Meinem lieben M–b–ch wieder einige Zeilen, damit er aus seinen Zweifeln herausgerissen und besser und Heller sehen kann, was er eigentlich tun solle, in Bezug auf das Verhalten gegen seine leibliche Schwester, die jetzt in andere Weltverhältnisse getreten, und vielleicht wegen des Einflusses ihres Gatten die Liebe-Worte ihres Bruders nicht mehr so wohlgefällig aufnehmen möchte als früher.
Mein lieber Sohn möge aber doch dabei vorerst im Auge haben, was dazu gehört, Meinen Worten den eigentlichen Eingang zu verschaffen, so wird er sehen, dass, als Ich Mich ihm näherte, und ihn nur mit Meinem Finger an der zartesten Seite berührte, indem Ich ihm als Zeichen Meiner Ankunft sein Weib vorerst nahm, – so wird er klar ersehen, dass, wenn Ich nicht mit wichtigen Eingriffen in die Schicksale einen halbeingeschlafenen Geist erwecke und dadurch die Seele ebenfalls aufrüttle, es beinahe unmöglich ist, dass Mein Wort als Same aus den Himmeln auf gut gedüngten Boden falle.
Sehet nur eure eigene Gesellschaft an, es befinden sich auch in dieser so manche durch das Schicksal geplagte und verfolgte Menschen; und doch ist diese leise kleine Plage, die Ich geflissentlich ihnen zukommen lasse, noch nicht genug, um ihren Geist so ganz und gar von allen Vorurteilen frei – und ihre Seele von der Welt abwendig machen, damit sie Alle Meine Worte und Meine Liebe so recht verstünden, wie Ich es wünschte und möchte!
Ich lasse sie freilich Alle noch so zwischen wahrer Erhebung und Szenen der Rührung mit hinlaufen; noch habe Ich bei Keinem von euch – außer dir, Mein lieber Sohn – die rechte Arznei angewendet, um mit Einem Male dem Einen oder dem Andern die weite Kluft zu zeigen, die er noch zu übersteigen hat, um Mein Kind zu heißen, aber ein Jedes von euch solle stets gewärtig sein, dass Ich vielleicht einen gewaltigen Rüttler schicken werde, um alle Meine Kinder auf den Weg zu bringen, wo Ich sie haben möchte.
Wenn du alles das voraus bedenkst, so kannst du dir wohl einen Begriff machen, in wie fern deine Schwester bei all ihrem weiblichen Gemüte und zarten Gefühle sich für Meine Himmelskost interessieren wird?
Jetzt kaum in neue Verhältnisse eingetreten, wo so viele Sorgen ihr Herz bestürmen, Sorgen, die zwar alle unnütz sind, würde sie so recht an Mich und Meine Führung glauben, – jetzt, wie Ich eben sagte, wo so viele vermeintlich zweifelerregende Gedanken immer ihr Herz beschleichen, glaubst du, dass, wenn sie Mein Finger nicht berührt, sie werde je so viel Zeit und Muse haben, um Mir auch nur ein Stündchen zu schenken? – Lieber Sohn! Ich weiß es besser als du, was ein Weib ist, und weiß auch, wie leicht beweglich ihre Herzen sind, wohl
leicht aufwallend für alles Gute, Schöne und Edle; aber zum Festhalten dieses, zum sich Vertiefen in Meine Worte und danach selbe praktisch auszuüben im höchsten göttlichen Sinne, und stets Meines Beispiels eingedenk zu sein, zwischen Weltsorgen und andern Misshelligheiten, die andere Menschen euch fortwährend bereiten, – da ist es schwer, das zu erlangen, was Ich zur Wiedergeburt des Geistes verlange ja verlangen muss.
Du, Mein lieber Sohn, möchtest wohl deine Geschwister, Kinder und Verwandte, ja womöglich auch die ganze Welt für das empfänglich machen, was dich begeistert, erwärmt und dafür du dich bemühest. Auch Ich habe denselben Wunsch und muss Mich trotz all Meiner Allmacht gedulden, bis es dem Einen oder Andern einfällt, eine halbe Stunde und manchmal noch viel weniger Mir zu schenken, um sich im Geiste mit Meiner Lehre und Meinen so oft und viel verschwendeten Worten abzugeben.
Sieh‘, Ich als euer Vater, Schöpfer und Gott, stelle Mich zufrieden mit dem Wenigen, was Meine Kinder Mir geben; Ich denke dabei – wie euer Sprichwort sagt: „Kommt Zeit, kommt Rat!“ mache es du auch so, unterlasse es nicht, hie und da in deinen Briefen an deine Schwester so leise Andeutungen mit einzuschalten, überlasse das Übrige Mir und dem zarten Herzen deiner Schwester, Ich werde dann schon wieder bei mancher Gelegenheit auffrischen in ihrem Gedächtnisse, was du aus Bruderliebe ihr in den Briefen gezeigt hast, wie und warum man Mir vor allem den Vorzug geben solle; wie Ich aber dieses Auffrischen veranstalten werde, das lasse nur Mir über; Ich bin Seelen- und Leibesarzt, und weiß genau, welche Mittel und wann Ich selbe anwenden soll; deswegen sei unbesorgt, tue was Ich dir ebenfalls in dein Herz legen werde, und bei ganzem Vertrauen zu Mir wirst du nie unrecht gehandelt haben.
Dies sagt dir dein liebevollster Vater, Der auch die Bruder- und Schwesterliebe genau kennt, obwohl Er sich nur eigene Geschöpfe, d.h. die Kinder dieser Erde zu Seinen Brüder und Schwestern aus so vielen Welten auserkoren hat. Meinen väterlichen Segen dir und den Deinigen! Amen! Dies sagt Der, Den du und ihr Alle nie vergessen sollet, sowie auch nie den eigentlichen Wert der Worte Seiner unendlichen Liebe zu euch, damit ihr stets eingedenk sein möget, Wer es ist, Der euch tagtäglich diese Himmelskost reichen lässt!
Amen, Amen, Amen.
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