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„Das Wild schreit nicht, wenn es Gras hat, und der Ochs blöckt nicht, wenn er…

sein Futter hat.“ Hiob 6,5.

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 2. Juli 1870

Als du diesen Text lasest, zaudertest du zu schreiben, indem du dachtest, was wird denn da Gescheites herauskommen?
Du für dich und nach menschlichem Wissen betrachtet, hast recht so zu denken, dass hinter diesem Vers nicht viel stecke; allein Ich will sehen, ob nicht Ich doch Etwas herausbringe, das des Beachtens wert ist.
Wir wollen also auf den Vers übergehen, selben analysieren (zerlegen), und dann aufs praktische und geistige Leben ihn anzupassen suchen.
Im Texte heißt es: „Das Wild schreit nicht, wenns Gras hat“, was will das sagen. Es besagt, dass wenn das Wild seine Nahrung gefunden hat, danach es vielleicht schon länger suchte, so hört das Schreien und Jagen nach der eigentlichen gewünschten Kost auf, und nur die Kinnlade, sowie in der Folge der Magen setzen ihre Bewegung fort; desgleichen beim Ochsen, auch er wird stille, nachdem er sein Futter gefunden, und übergibt sich ganz dem Genusse, den ihm sein Futter gewährt. –
Nun, wie lässt sich dieses auf den Menschen anwenden? So, sage Ich, im weltlichen Sinne ebenfalls wie bei den Tieren, die hier oben erwähnt wurden.
Wenn die Menschen bei Tische sitzen und so lange sie ihre Nahrung einnehmen, so hört auch das Rufen oder begehrende Verlangen danach, sowie auch die dem entsprechende Bewegung auf, Mund, Schlund und Magen ausgenommen. Gut, was tun aber die Menschen eigentlich, wenn sie essen? Ich meine da nur beim Essen aus Bedürfnis und nicht aus langer Weile oder aus (Gewohnheits-) Gefräßigkeit.
Sehet, die Menschen beim Essen, sei es aus Hunger oder Appetit, suchen durch das Mahl oder die Speisen das für ihren Körper in sich aufzunehmen, was sie zur Erhaltung desselben bedürfen, damit, wenn der Körper wieder gestärkt ist, auch die Seele ihr geistiges Tagewerk (wenn auch bei natürlicher Tätigkeit) ungestört fortsetzen kann.
Nun gut, was die Menschen hier in natürlicher Weise tun, indem sie sich körperlich mit materieller Speise stärken, das sollten sie auch geistig tun, vorerst die geistige Speise für ihre Seele begehren und aufsuchen und dann, so sie selbe gefunden, sie in sich aufnehmen, und Geist und Seele damit nähren, um so ihrem Ziele – Meine Kinder zu werden – näher zu kommen!
Dies ist der eigentliche geistige Entsprechungssinn dieses Verses; aber es liegt noch ein anderer darin, nemlich, so wie das Tier, sobald es sein Futter gefunden, alles andere es umgebende und darunter vielleicht auch Angenehmes vergisst, und sich ganz der Beschäftigung des Essens hingibt, wie es der Vers besagt; eben dasselbe sollten auch die Menschen tun, und sobald sie das entsprechende geistige Futter gefunden haben, alles andere Weltliche vergessen, und nur sich dieser Nahrung und der daraus erwachsenden Stärkung, d.h. dem Frieden und der Seligkeit der geistigen Ruhe hingeben; sie sollten es da machen wie die Tiere und durch Nichts sich stören lassen, damit auch die eingenommene Nahrung ganz ihren Zweck erfüllt, wie beim Tiere; sie sollten dieselbe in Ruhe geistig verdauen, wie das Wild und der Ochs nach eingenommenem Mahle ruhig bleiben und der Verdauung ganz allein ihren regelrechten Verlauf lassen.
Allein die Menschen tun das leider nicht, sie nehmen zumeist diese geistige Kost, wie Ich selbe oft und viel aus den höchsten Himmeln für sie spende, so oberflächlich hin, das kleinste Ereignis der Welt stört sie, reißt sie heraus aus den wichtigen Betrachtungen, denen sie sich hingeben sollten, über ihren nunmehr zu führenden Lebenswandel, was eben der geistigen Verdauung entspricht. Hier beschämen die Tiere den Menschen oft genug, die in ihrem Kreise besser wissen, was sie zu tun haben, um als Tiere ihren Platz auszufüllen, welchen der Schöpfer ihnen angewiesen hat, als der mit solch großen Eigenschaften ausgerüstete Mensch.
Ebendeswegen wählte Ich diesen Text, um euch wieder auf eine andere Art ans Herz zu legen, dass Ihr Meine Kost nicht so leicht hinnehmen solltet! nicht wenn ihr beisammen seid und euch mit derselben beschäftiget, euch so leicht durch weltliche, oft sehr nichtssagende Dinge von der Hauptsache abziehen lasset; denn noch immer muss Ich leider sehen, dass ihr nicht ganz begreifet, was das sagen will, Ich, der Schöpfer alles Geschafften, komme zu euch, unterhalte Mich mit euch und belehre euch Selbst!
Wenn ein nur etwas Hochgestellter in eure Gesellschaft treten wurde, wie viele Bücklinge und Höflichkeitsbezeugungen würdet ihr ihm erweisen, ja sogar eure Stimme würde in schöner klingenden Tönen und außergewöhnlichen Worten ihm antworten und demütigst fragen. Und was tut ihr denn, wenn Ich zu euch komme? – wenn Ich euch überschütte mit dem größten Gnadenlichte, darum Meine Engel euch beneiden, erstens, wegen der weisen und wichtigen Erklärungen, womit Ich euch alle Zweifel klar mache, und zweitens, weil eben Ich Selbst in Person es bin, der sich die Mühe gibt, euch zu erziehen.
Und trotzdem – leget die Hand auf eure Brust, wie gleichgültig nehmet ihr oft Meine Worte hin, und wie lange dauert günstigenfalls diese schöne Stimmung der Seelenruhe, die euch das angehörte Wort bewirkt hat? – Bekennet es nur selbst, da stehet ihr weit hinter den Tieren aus Hiobs Versen zurück; diese nehmen die Speisen zu sich, verdauen selbe ganz ihrer Natur gemäß und alles, ja die ganze sie umgebende Natur ist dabei als nicht vorhanden für sie während dieser Zeit, worauf eine längere Ruhe folgt.
So solltet auch ihr es tun, wenn ihr Meine Speise geistig in euch aufnehmet, solltet ihr euch ganz in diese zwei Dinge vertiefen: erstens in den Inhalt des Gegebenen, und zweitens in den Gedanken, dass aus Tausenden Ich euch ausgewählt habe und euch stets mit neuer geistiger Nahrung das ins Herz grabe, dass, wollt ihr Meine Kinder werden, ihr es ganz und nicht halb, nicht oberflächlich dem Namen nach nur, sondern mit Geist und Seele es sein müsset, wollt Ihr Meines väterlichen Segens, der täglich über euch von Mir ausgeschüttet wird, auch wirklich würdig werden!
Amen!

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