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Ein Trost– und Licht – Wort für’s Leben

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 3. März 1870

Mein lieber Sohn! du hast in zwei an Mich gerichteten Worten deinen Dank für erhaltene Gnaden, und deine Zweifel über die Führungen die Ich dir angedeihen lasse, ausgesprochen.
Auf der einen Seite dankst du für das Empfangene, sei es für dich, sei es für deinen Freund, und auf der andern Seite siehst du mit Schrecken, dass mit all dem Empfangenen von Mir, und mit all dem Eifer, mit welchem du dasselbe praktisch in deinem Leben ausüben willst, dir doch noch viel mangelt, und wenn du auch heute glaubst aufgeräumt zu haben, du doch morgen vor der Schwelle deines Herzens wieder eine Masse unreines, unlauteres Zeug entdeckest.
Um dir in diesem letztern Punkte etwas mehr geistige Ruhe zu verschaffen, so muss Ich mit dir in weitere Details eingehen, in Bezug auf Meine Schöpfung – Mein Ich – und deine Mission als Mensch, damit du klar begreifen lernst, wie man eigentlich Meine Worte, Meine Lehren mit der Welt und mit der körperlichen Organisation eures Leibes vereinbar machen könne, und nicht auf Widersprüche stößt, oder mit eurem Gewissen in steten Konflikt kommt.
Nun sieh, Mein Sohn, mit Allem dem, was Ich euch bis jetzt über Meine Schöpfung gesagt und erklärt habe, mit Allem dem, was Ich euch über Mein eigenes geistiges Ich kundgab, und mit Allem dem, was ihr bis jetzt wisset über euren eigenen Körper; mit allen den Grundeigenschaften, Lebensprinzipien und Fundamental-Gesetzen einer Geister- und Materiewelt werdet ihr ersehen haben, dass, wenn ihr, und auch du, Mein Kind, noch so eifrig nach Vervollkommnung strebet, selbe nicht so leicht erreicht, selbe nicht so leicht erhalten werden kann; ja, dass selbst die heiligsten Vorsätze nicht einmal von langer Dauer sind; und dass das Wort, welches ich einst zu Meinen Aposteln sagte, seinen guten Grund hatte, indem Ich ihnen bemerkte:
„Und wenn ihr Alles getan habt, was in euren Kräften steht,
so bekennet doch nur, dass ihr faule Knechte waret!“
Sieh, Mein Sohn, dieses Wort liesest du in der ganzen Schöpfung, dieses Wort zeigt dir Meine Grüße als Geist, und deinen Weg bis zu Mir; dieses Wort zeigt dir das zweite große Naturgesetz, die Vervollkommnung in seiner ganzen Tragweite.
In der Schöpfung siehst du das Nimmersattwerden des Emporsteigens von einem Grade der Vervollkommnung zum andern, das ewige Fortschreiten zum notwendigen Bestande des Ganzen; an deinem eigenen Ich kannst du das Nämliche gewahr werden, es ist ein ewiges Drängen Aufwärts? sieh, du erkennst es durch seinen Gegensatz, das Rückwärts; wie erkennst du in der weiten Schöpfung die zweite Stufe? durch die Vernichtung des Bestehenden auf der ersten Stufe; wie erkennst du das Licht? als nur durch den Schatten, wie die Wärme? als nur durch deren Mangel – die Kalte, wie das Gute? als nur durch den Bestand des Bösen.
Was ist aber Alles das eigentlich? Siehe die Gegensätze der schlechten Eigenschaften gehen nur aus dem Missbrauch oder Entgegenhandeln des Guten hervor!
Ich habe nichts Böses erschaffen, und nichts in der Welt wirkt bösartig, so lange es am rechten Orte, zu rechter Zeit und mit Maß und Ziel gebraucht wird.
Wendet der Mensch das an und für sich unschuldigste Mittel falsch an, so bringt es ihm Schaden, so nützlich es auch bei weiser Anwendung sein möchte.
Aus Allem dem siehst du also, Mein lieber Sohn, deine Klagen über Entdeckung von neuen schlechten Eigenschaften in deinem Herzen rühren nur daher, weil du vergisst, wo du lebst, weil du vergisst, dass du einen Körper hast, der auch seine Rechte fordert, und dich sogar am Ende zwingt, willst du später Herr im Hause sein, ihm nachzugeben.
Denn sieh‘, so ganz dem Geistigen leben und einen fleischigen Körper als Überkleidung zu haben, ist unmöglich.
Du musst bedenken, dass Ich euch Menschen geflissentlich mit solch einem Körper geschaffen habe, um euch eben durch Kampf mit ihm stets wach zu halten, um euch einen steten Widersacher als Begleitung auf eurer irdischen Lebensbahn mitzugeben, damit ihr euch geistig stärket, die Oberhand über euren Körper gewinnen und sein Verlangen und seine Bedürfnisse auf ein gerechtes Maß heruntersetzen sollet; aber ihn ganz bei Seite setzen wollen, oder ihn für gering achtend mit eiserner Strenge zu knechten, das rächt sich an euch selbst! – Deswegen: „Gebet dem Kaiser (oder der Welt, dem Fleische), was des Kaisers, und
Gott, was Gottes ist!“ (siehe Predigt 48.) Das will so viel sagen als:
Räume deinem Körper die Rechte ein, die Ich ihm gegeben habe! tritt nicht Meine Gesetze mit den Füßen! denn wollte Ich euch als Geister, so hätte Ich euch keinen Körper gegeben!
Was dein Körper dir für Schwierigkeiten macht, eben dieselben setzt dir auch die Welt entgegen; es wiederholt sich der nämliche Prozess im Großen, wie in deinem Organismus im Kleinen; hier hast du den steten Gegner, der dich an jedem Aufschwung nach Oben hemmen will, und dort tut dasselbe der Einfluss der Welt. So wenig du dich des Umgangs mit der Welt entheben kannst (und auch nicht sollst), ebenso wenig kannst du dich des Einflusses deiner irdischen Natur entäußern, du musst gegen beide kämpfen und streiten, denn nur durch Übung stärkt sich die Kraft, wie die Muskeln am Körper.
Denke dir den Zustand, z.B. du wärest auf einer hohen Stufe moralischen Wertes angekommen, wo nach deinen Begriffen kein Fortschreiten mehr möglich – was tust du dann? oder es gäbe keine Versuchung, keine Prüfung, was wirst du von dem Vorwärts wissen, wenn du kein Rückwärts kennst? du siehst aber, es würde ein Verbleiben auf der nämlichen Stelle, eine Langeweile das Resultat sein, und du selbst würdest dir Tätigkeit, ja Kampf wünschen, um nur aus diesem Zustand herauszukommen.
Hier siehst du also aus allem diesem klar, dass Untugenden da sein müssen, um die Tugend erst recht zu schätzen, und je mehr Widerstand, mit desto größerem Eifer sie zu verfolgen. –
Wenn Ich dir und auch noch andern aus „Meiner Pflanzschule“, wie du Meine kleine Gesellschaft nennst, die noch in der Blüte ihrer Jugend sind, Meine heiligen Lehren und die große Aufgabe des Menschen auf dieser Erde mitgeteilt habe, so weiß Ich wohl, dass für euch auch noch bei weitem mehr zu überwinden ist, als für Jene, welche schon weit über den Lenz des Lebens hinaus ins Sommer- oder Herbstleben der menschlichen Laufbahn eingetreten sind. Diese haben freilich nicht mehr so viel zu überwinden wie ihr, weil die noch zu lebende Zeit kürzer ist, als die eurige; allein sie haben aber dabei auch die Aufgabe, eben wegen der Kürze der Lebenszeit, schneller das zu bewerkstelligen, wozu euch ein längerer Zeitraum gegeben ist.
Ihr jungen Leute habt (gleichsam) noch einen guten Rock am Leibe, der euren Körper warm erhält, selben zur Tätigkeit anreizt, allein der Rock der älteren Brüder ist schon mehr abgenützt, es sind hie und da schon Löcher darin, der höhere Geisteswind eines anderen Lebens zieht leichter ein, als bei eurem wohl verschlossenen Weltrocke, und so müssen sie auch mehr in Eile noch gut machen, was sie – obwohl unbewusst – in der Jugend versäumt hatten.
Diese älteren Brüder und Schwestern wählte Ich geflissentlich, weil sie eher die Erhalter und Bewahrer Meiner Lehre werden können, als ihr jungen noch allen Einflüssen, der Welt ausgesetzten Kinder.
Nehmet das Beispiel nur aus dem menschlichen Leben, ein geschlagenes Heer besteht deswegen nicht aus schlechten Soldaten, weil es geschlagen, oder den mächtigen Umständen weichen musste, nein, so wie die Soldaten nach einer Schlappe sich ermutigen und von Neuem den Kampf beginnen, und zwar mit noch größerer Tatkraft, ebenso auch du, Mein Sohn, und alle deine Jugendbrüder: fallet ihr, so richtet euch wieder auf! erkennet eure unlauteren Flecken in eurem Herzen, merzet selbe aus! morgen werden sich andere zeigen, und so polierend und reinigend, wird euer Seelenmensch stets glatter, glänzender, und kann wie eine fein polierte Stahlfläche die Strahlen des göttlichen Lichtes von Oben nicht allein aufnehmen, sondern auch Andern mitteilen, wie er sie empfangen hat.
Tröste dich Mein Kind, das Erkennen der Makel an deiner Seele ist schon der größte Schritt, den du geistig machen konntest, es bleibt dir nun nichts mehr übrig, als das Erkannte zu modifizieren, es deinem Leben in der Welt anzupassen; wie der Schiffer auf dem Meere auch die Klippen und Untiefen nicht wegzaubern kann, sondern mit Klugheit sie umschiffen und ihnen ausweichen muss, so mache es auch du, und bei ruhiger Beurteilung des Bestehenden wirst auch du deine eigene Ruhe wieder erlangen!
Amen.

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