Empfangen durch G. Mayerhofer, am 17. Mai 1871
Liebes Kind! Am 12. dieses (Monats?) war es ein Jahr, dass Ich die ersten Worte an dich gerichtet habe, und Ich wusste wohl, das selbe nicht auf steinigten Boden fallen werden; denn jetzt, gerade nach einem Jahre, stehst du mit sehnsüchtigen Blicken zu Mir emporschauend vor Mir, um neue Worte des Trostes und des Friedens von deinem Vater zu erflehen. Dass Meine Worte Früchte getragen haben, beweiset die Erkenntnis deiner Fehler und die aufrichtige Reue darüber, und auch nebenbei dein Einsehen, dass Ich weder dich noch deinen Mann seit jener Zeit verlassen, sondern stets euch mit Trost gestärkt habe, wann es nötig war, und wo eure Kräfte nicht auslangten. Fahre nur so fort, streng gegen dich, und nachsichtig gegen Andere zu sein, fahre fort, Gutes zu wirken, wie du es jetzt und auch dein Mann im Stillen getan habet. O Kinder! ihr wisset nicht, was ein Dankgebet, ein Blick zu Mir wert ist, den ein Armer, Dürftiger nach empfangener Gabe mit dankerfülltem Herzen zum Himmel sendet; ihr kennet den geistigen Wert solch eines Ausdrucks des Dankes nicht; aber Ich kenne ihn, und weiß ihn zu schätzen, und gerade dort wird sein Wert erhöht, wo eben eine mit der Welt und ihren Sorgen kämpfende Seele ihre eigenen Leiden vergisst, um die ihrer Mitmenschen zu heilen. Segen quillt auf dein Haupt Mein Kind herab, des sei aber überzeugt, wann du selben auch nicht wirklich fühlst, so versichere Ich dich, das, er auf euch in solcher Fülle herabströmt, wie es Kinder verdienen, welche sich so ganz in Meine Hand gegeben haben, und mit Allem dem zufrieden sind, was Ich ihnen gebe, wenn es gleich dem Anscheine nach wenig ist.
Sehet! Ich habe nämlich eine andere Ansicht, als ihr Menschen; Ich erziehe Meine Kinder durch Not und Leiden, durch Herabstimmunq aller weltlichen Bedürfnisse, um sie mehr fähig zu machen, die geistigen Genüsse desto eifriger zu suchen, zu schätzen, und am Ende, wenn sie dann die Nichtigkeit der Weltfreuden begriffen, sie sich nicht mehr nach denselben, sondern nach den geistigen sehnen.
Ist dieser Schritt gelungen, dann zieht Ruhe und Friede ins vielbewegte Herz wieder ein, dann ist der Mensch zufrieden, nimmt was der Vater ihm gibt, und weiß, dass alles nur zu seinem Segen, zu seinem Besten ist.
So mache es auch du, Meine liebe Tochter, folge deiner inneren Stimme, tue Gutes und vertraue auf Mich!
Wenn du und dein Mann stark sein werdet, auch in besseren Verhältnissen nicht von Mir abzufallen, dann werden auch die jetzigen Verhältnisse sich ändern, deine Gesundheit sich bessern, und du den Vater segnen, Der, wenn gleich auf steinigen Wegen, dich doch zum sichern Ziele geführt hat.
Vertraue auf Mich! und sei wachsam über dein eigenes Herz, damit du keinen Rückschritt machst, das Andere wird sich alles so unmerklich einstellen, wie du jetzt aus einer Krankheit mit wenig Mitteln langsam größeren Gefahren entronnen bist. (Bei Befolgung der natürlichen Lebensweise.) Wache und bete! dass im nächsten Jahre als Erinnerungstag dieses neuen Wortes dein Vater dich auch mehr gereinigt, und besser antrifft, und du selbst die Hand dann preisest, die jetzt dich und deinen Mann segnet und stärkt!
Amen!
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