← Zurück zu „Lebensgarten“

Ergebung in Geduld aus Liebe! Gnadenwinke vom himmlischen Vater

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 20. März 1873

Nachdem du schon wieder in Verlegenheit bist, und deinen Zweifler und Grübler nicht zurecht bringen kannst, so will Ich wiederholt Mich ins Mittel legen; und es versuchen, seine Ansichten von Schuld, – Sühne, – Finsternis. – Licht, – Kreuz, – Gnade, – Liebe und Leben – näher zu beleuchten, damit es ihm möglich werde, sich, seine Stellung in der Welt, als Geist und als Mensch, seine geistige Mission und seine weltlichen Pflichten so zu erkennen, damit er sein eigenes Leben als eine Prüfungsschule zu höheren Stufen, und nicht als ein „Hundeleben“ betrachtet, ein Ausdruck, der in dem Munde eines Menschen nicht gut lautet, welcher – von Mir geführt – so viele Gnaden genossen, und noch nicht im Reinen ist, was er ist, und warum er ist! –
Schon oft habe Ich euch gesagt: dasjenige, was die Menschen „Wahrheit“ nennen, ist nicht immer Wahrheit, sondern gemäß den Umständen scheint wahr heute, was morgen für unwahr verworfen wird! So ist es auch mit deinem verirrten Bruder, ihm scheint Schuld und Finsternis gleichbedeutend, und doch sind beide so himmelweit verschieden; denn, wer da weiß, dass eine Sünde begangen oder „schuldig“ ist, der wandelt nicht in der Finsternis, sondern im Lichte, weil er eben durch das, was er soll, erkennt, was er nicht sollte! –
Wer im Finstern wandelt, wandelt dort ohne sein Zutun, und wenn er dort Schaden anrichtet, so ist er nicht zurechnungsfähig, denn er weiß nicht, was er getan, kann also nicht verurteilt werden, nicht zur Rechenschaft gezogen, nicht gestraft werden, da er keine Schuld kennt, und auch deswegen – wollte er es auch – keine sühnen kann! –
Siehst du, Mein Kind, wie weit du weg bist von dem rechten Wege der Erkenntnis und der Bedeutung der Worte, die du schon seit einiger Zeit herumkaust und nicht verdauen kannst! Wer weiß, dass es eine „Schuld“ gibt, der lebt im Lichte und wandelt nicht im Finstern. –
Was die „Sühne“ einer Schuld betrifft, so ist auch dieses Wort von zweierlei Bedeutung, entweder müsste eine begangene Schuld gesühnt werden als Strafe, oder der Schuldige im Gefühle und Bewusstsein seines Fehlers geht hin und sühnt die Schuld selbst, durch Vergeltung oder Widerrufung des Getanen.
Was das Erstere anbelangt, so müsste Ich solche Gesetze gegeben haben, die als Richter streng und unerbittlich ausgeführt werden müssen! Nun, sage Mir, Mein Kind, wo stehen denn diese Gesetze geschrieben? vorausgesetzt, wenn du mit geistigen Augen Meine Worte lesen willst, die Ich einst und jetzt euch gegeben!
Siehe, Ich gab euch wenig Gesetze, und diese waren Gesetze der Liebe; denn wer dagegen fehlt, straft sich durch sein Benehmen selbst, das ist keine von Mir verhängte Sühne über ihn, sondern notwendige Folge seines eigenen Gebarens!
Was das Zweite betrifft, wo der Mensch seine begangenen Fehler durch gute Taten, als
der Demütigung, der Verleugnung wieder gut machen will, das ist der beste Beweis, dass solch ein Mensch nicht im Finstern wandelt, sondern, als er fehlte wusste was er tat, und wenn er das Gefehlte wieder gut machen will, so geschieht es im vollen Lichte seines klarsten Bewusstseins. Also er handelte und wandelte nicht im Finstern; denn wenn der im Finstern Wandelnde an etwas anstößt, so weiß er nicht gleich, an was er angestoßen, und ob neben dem Schmerze des Anstoßes er auch Schaden angerichtet hat, welchen er – weil er ihn nicht kennt – weder bemessen, noch vergüten, noch dafür verantwortlich gemacht werden kann.
Siehst du nun, Mein lieber Sohn, wie falsch du urteilest, wie ungerecht du Mich und dem eigenes Leben beschudigen möchtest, wegen Verhältnissen, die dich doch nur am Ende zur Erkenntnis deiner selbst, der Welt und deiner Pflichten treiben werden, in wie fern du Meine Lehre, Meine Liebe, Meine Gnade mit ersteren in Einklang bringen kannst, damit dir dein Leben als eine Kette von geistigen Momenten erscheine, welche alle dazu beitragen sollten, dir deine Mission auf diesem Erdballe und dein Verhältnis zu deinen Mitmenschen klar zu bezeichnen!
Ich sagte: „Wandelt zwischen Schmutz und Unflat, und bleibet dabei dennoch rein!“ Warum nimmst du denn diesen Ausspruch nicht ganz so, wie er gesagt wurde, und zwar mit andern Worten: „Dem Reinen ist Alles rein!“ Warum kannst du denn nicht die Welt mit ihrem Gebaren bei Seite setzen, ihr nur den wahren Wert beilegen, nicht hassen, wie in dem Sinne, in dem du es gerne auslegen möchtest, und doch deine geistige moralische Laufbahn verfolgen, unbeschadet aller Pflichten, sie mögen so misslich als nur immer möglich sein!
Warum kannst du nicht deine Pflichten, welche die Verhältnisse dir auferlegen, doch mit Liebe erfüllen, im Hinblick auf Mein eigenes Erdenleben; warum kannst du denn nicht dem Kreuze, was nichts anders ist als Ergebung in Meinen heiligen Willen, das Bittere abstreifen, damit es für dich keine Last, sondern nur ein notwendiger Führer werde, wie das Weltliche zu betrachten sei, und wie das Geistige damit verbunden werden kann!
Siehe, Mein Kind, da ist noch viel Mist in deinen Begriffen und Ansichten, teils des Erden- als des künftigen Lebens, du stellst dir das Kreuz noch immer als ein schmerzbringendes, unausweichbares Strafmittel dar, welches doch ein jeder Mensch tragen muss um zu Mir zu gelangen.
Es ist bei dir – wie bei Vielen – das Kreuz ein Zeichen des Schmerzens, und sollte doch nur sein, was es einst für Mich Selbst war, ein Mittel zur Abstreifung des Weltlichen, ein Mittel zur Vergeistigung der menschlichen Natur, damit auch ihr, wie einst Ich – Meiner menschlichen Eigen- und Leidenschaften ledig – rein vergeistigt aus dem Schlamme des Erdenlebens zu einem besseren emporsteigen könnet.
Wo diese Ansicht nicht Platz greift, da wird das Kreuz menschlicher Missverhältnisse noch lange drücken, wird noch lange eine Last sein, unter der auch du keuchend dahin schreitest, wo dir natürlich das Erdenleben ein Leben voll Enttäuschungen und Hemmungen alles Gehofften und Gewünschten, mehr „ein Hundeleben“ als eine weise Prüfungsschule für ein weit längeres Jenseits ist.
Gehe vorerst ein in Meine Lehre, die Lehre der Liebe, lerne lieben, mit Liebe Alles verrichten, drücke jeder Handlung den Stempel adeliger, geistiger Würde auf! und du wirst bald erfahren, dass eben diese Liebe, dieses Wohlwollen gegen Alles und gegen Alle, deine eigenen Handlungen verschönern und dir selbe und die Anderer im schönern Lichte zeigen wird.
Versuche, die einzige Wahrheit von deiner wechselnden zu unterscheiden, – und es wird Friede in deinem zerrüttetem Herzen einkehren, und du wirst die Welt, dich, deine Umgebung, Meine Lehre und Mich Selbst – nicht in Finsternis tappend, sondern im hellsten Liebe-Lichte der göttlichen Wahrheit erblicken! Dieses merke dir und folge Meinem Rate!
Amen!

← Zurück zu „Lebensgarten“