Empfangen durch G. Mayerhofer, am 5. Juni 1873
Du flehest Mich an wegen der Bitte deines Freundes, die an und für sich unschuldig ist und doch nicht am rechten Platz ist, da sie eher ein Missbrauch Meiner Gnade, als ein richtiger Gebrauch Meiner Liebes-Gaben ist!
Wäre nicht die Bruderliebe deines Freundes, welche ihn zu dieser Bitte veranlasst, so würde er keine Antwort bekommen; denn mit Meinen Worten so ein ÜberraschungsGeschenk zu machen, wie ein von fernen Landen zurückkommender Bruder seinen Geschwistern Dinge mitbringt, die selbe in ihrer Heimat nicht haben können, das zeigt noch sehr wenig von dem richtigen Begriffe, was denn eigentlich Meine Worte sind, und Wer selbe kund gibt.
Allein ihr Alle, ihr möget noch so viele Worte der Liebe, der Aufklärung von Mir bekommen, so bleibet ihr doch immer „Menschen“, beurteilet Alles menschlich, und auch am Ende Mich Selbst!
Noch erkennet ihr alle nicht, was Tausende nach euch leichter begreifen werden, was diese Gnade besagen will – mit Mir, dem Ewigen, euch unsichtbaren Schöpfer, in sichtbaren Verkehr zu treten, und Worte zu erhalten, die nicht ein Mensch, nicht ein Engel, sondern Der diktierte, für den eure Erde, euer Sonnen-System, eure Hülsenglobe, selbst der ganze materielle Weltenmensch eine Null, ein kaum bemerkbarer Punkt in Seinem Schöpfungsreiche ist.
Der vertrauliche Ton, in dem Ich mit euch rede, die Stimme des Vaters zu Seinem Kinde, lässt euch Meine Größe, Meine Macht vergessen, und als Kinder verlanget ihr dann,
eben wie Kinder in ihrer Einfalt oft Dinge, die vom anderen Gesichtspunkte angesehen, euch wegen der Keckheit erröten machen würden, wo ihr als winzige Menschen, Geschöpfe eines kleiner als ein Sandkorn seienden Erdballes, es waget, den über alle Begriffe erhabenen Schöpfer um ein paar Zeilen zu bitten, die ein Bruder seinem lieben Schwesterchen mitbringen will, als irdisches Zeichen oder Briefchen aus den fernen Himmeln!
Wie es aber bei euch ebenfalls geht, wenn Jemanden ein erwachsener Mann um etwas bitten würde, was nicht in der Ordnung ist, ihr diesem eine abschlägige Antwort, wenn aber um das Nämliche ein unmündiges Kind bittet, ihr, statt erzürnt, mit gutmütigem Lächeln eben das gewähret, was ihr dem Erwachsenen verweigert haben würdet, – so will auch Ich, als euer himmlischer Vater, auf die unschuldige Bitte des Kindes antworten, ihm damit die Freude machen, bei seinem Schwesterchen eine Freude zu bereiten, und will so Gnade für Recht ergehen lassen.
Warum Ich dieses Alles vorausschicke, davon ist der Grund, weil wenn ihr Mich um etwas bittet, was euch selbst anbetrifft, Ich euch stets geantwortet und zwar gerne geantwortet habe; nun es sich aber hier darum handelt, einer weiblichen Seele Worte zu spenden, die noch nicht im Mindesten überzeugt ist, dass Alles, was sie bis jetzt gelesen, wirklich von Mir kommt, und also auch diese hier geschriebenen Zeilen von ihrem Schöpfer kommend, gleichfalls in Zweifel ziehen wird, da sie Meine Stimme, die oft schon zu ihr gesprochen, in einsamen Stunden oder am Krankenbette ihres Kindes, nicht für die nämliche halten wird, als dieselbe, welche jetzt hier zu ihr spricht! –
Und doch, Mein liebes Kind, es ist doch so; als du trostlos oft zu Mir aufblicktest, und Ich dir Ruhe und Frieden in deine Seele goss, sei es durch direkte Worte, als Stimme deines eigenen Gewissens, oder als Worte, die Ich Meinen treuen Knechten zu verschiedenen Zeiten (als Bibelworte) diktiert hatte, so war es immer der nämliche Schöpfer, der nämliche Vater, der den letzten Wurm im Staube kriechend, als wie den größten Engelsgeist, nicht aus Seiner Hand entschlüpfen lässt, und der aus Liebe zu Allem, was Er geschaffen hat, auch dich so auf deinem Wege leitete, die zur Erkenntnis führen: deiner selbst, der dich umgebenden Welt, und deines Vaters und Schöpfers!
So Manches des Gelesenen ist in dir bleibend zurückgeblieben, hat deine Ansichten über die materielle und geistige Welt geregelt, damit du Wahres vom Falschen unterscheiden lernest und der Materie keinen größeren Wert gibst als sie verdient; wären diese gelesenen Schriften nicht von Mir, wäre nicht des Geistes Höchstes in selben, so wäre schon längst der kritisierende Menschenverstand herangetreten und hätte dir Dieses oder Jenes in anderem Lichte gezeigt; allein, das was da gegeben, wie es gegeben und von Wem es gegeben wurde, bricht der kritisierenden Lanze die Spitze ab.
Wahrheit gibt es nur Eine, und diese kann durch nichts Anderes ersetzt werden; so bleibt auch stets das nur wahr, was Ich einst während Meiner Lehrjahre unter euch kleinen Menschen sagte, das in der Bibel teilweise euch aufbewahrt worden ist, und jetzt zu eurem besseren Verständnis erst noch näher – ebenfalls wieder durch Meinen eigenen Mund aufgeklärt wird, da die Zeit des richtigen Begreifens stets näher rückt und ich keine unwissende, finstere, sondern klare, lichte Geister in Meinem großen Lichtreiche brauche. –
Befleißige dich nur, Meine Worte zu verstehen, sie auch tätig auszuüben, so baust du dir selbst das feste Haus, welches Stürme nicht vernichten können, und Stürme und Kämpfe von mancherlei Art werden an dich herantreten; denn nur im Kampfe bewährt sich der echte religiöse Geist, der erhaben über weltliche Kalamitäten, doch nur den Blick nach Oben richtend, sein ihm angemessenes Prüfungsleben versteht.
Siehe die Welt um dich, deine nächsten Verwandten, siehe deinen Bruder, der soeben
liebend dir Trost und Frieden bringen will, Trost und Frieden, die auch er verloren hatte, und welcher nur durch die einzigen Liebesgesetze Meiner ganzen Natur wieder erlangt hat, eben dieser Bruder möchte dir durch frühzeitige Belehrung so manche bitteren, trostlosen Augenblicke ersparen, deren er selbst so manche durchlebt hat, ja durchleben musste, um das zu werden, was er jetzt ist!
Höre seine Worte! sie entquellen dem Bruderherzen, das neben allgemeiner Menschenliebe, auch seine nächsten Verwandten nicht vergisst.
Wenn du auch zweifelst ob der Worte aus Meinem Munde, so zweifle doch nicht an dem Inhalte derselben, die dir nur Wahrheit, lautere, ungeschminkte Wahrheit darbieten, wie Ich einst während Meines Erdenwandels einfachen Fischern dieselbe gepredigt habe. –
In jener Zeit sprach Ich: „Ich bin nicht gekommen um das Gesetz aufzuheben, sondern es zu ergänzen!“ und auch jetzt sage Ich zu dir und zu Allen: –
Nicht die Religion, so wie selbe einst von Mir eingeführt wurde, will Ich (nun mit diesen neuen reichen Kundgaben) umstürzen, sondern sie nur von den Missbräuchen reinigen, welche seit Jahrhunderten um den goldenen Kern sich angehäuft haben!
Meine Lehre ist ein Diamant, er soll leuchten, aller Welt leuchten, damit „Licht werde!“
Und wie einst die materielle Schöpfung durch das Machtwort „Es werde Licht!“ entstand, ebenso soll jetzt das geistige Machtwort erschallen – „Es werde Licht!“ Licht in Allen Herzen, auf dass sie alle erkennen – den großen Lichtverbreiter, Der Licht, Leben, Liebe überall verbreitend, Niemanden vergaß, und auch in dein Herz, Mein Kind, den Lichtfunken gelegt hat, der nicht unter der Schale schlechter Gewohnheiten und Begriffe, sondern frei leuchten soll, dir zum Troste und Anderen zum Führer!
So Mein Kind, empfängst du diese Zeilen; ob du deren Ursprung glaubst oder nicht, hat nichts zur Sache; es genügt, dass du die Wahrheiten befolgst, die dir, nicht Mir zum Besten gereichend, dich näher zu Dem fühlen werden, Der jetzt unaufgefordert dir diese Zeilen senden lässt!
Amen!
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