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Liebe–, Licht– und Gnaden – Winke im Kampfe des Lebens

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 20. November 1872

Nachdem schon seit längerer Zeit du dein Gemüt mit Grübeleien, Zweifeln und sonstigen Dingen angefüllt hast, und weder Meine früheren, noch jetzigen Worte, noch die Tröstungen meines Schreibers, dich beruhigen können; ja selbst über Mein Verfahren du dich hermachst, und quasi Mir sagen möchtest, was Ich tun oder lassen sollte, – so will Ich selbst statt meines Schreibers dir antworten, und versuchen, ob es nicht möglich ist, dir eine klarere An- und Übersicht der Dinge zu verschaffen, wie sie sich vor deinen Augen in der Welt abwickeln.
Schon öfter habe Ich dir und Allen gesagt, dass Meine Ansichten von Glück oder Unglück von denen der Menschen sehr verschieden sind, und ebendeswegen auch Meine Wege um das Ziel zu erreichen, welches Ich nur vorgesteckt habe, von den euren differieren (verschieden sein) müssen!
Du Mein Kind, glaubst, es sollte den Tugendhaften hier schon mehr beschieden sein, gemäß ihres Verdienstes, und nicht alles erst auf das Jenseits aufgespart werden! Hier bei dieser Stelle deines Briefes hast du doppelt gefehlt, denn erstens, was heißt denn „Verdienst?“
Siehe, „verdienen“ heißt: eine gewisse Entschädigung für das erhalte, was man für jemand Anderen getan; nun, was tun die Menschen wenn sie tugendhaft sind? Tun sie etwas für Mich, dass Ich sie belohnen sollte für den Gefallen, welchen sie Mir erweisen, oder tun sie das Meiste nicht für sich selbst? –
Denn die versprochenen Seligkeiten im Jenseits, wovon ein Tugendhafter, Rechtlicher schon hier oft einen Vorgeschmack hat, sind selbe nicht in der eigenen Brust des Handelnden, des Leidenden, des Kämpfenden?
Zweitens, ist dir bei dieser Stelle eine weltliche Entschädigung im Kopf gesteckt, statt der geistigen inneren eines Jeden, dessen Bewusstsein rein ist, und diesen Frieden gibt ihm die Welt nicht, kann ihm selben aber auch nicht rauben.
Ferner will Ich dich noch aufmerksam machen, warum es den Guten im Allgemeinen auf dieser Welt mehr schlecht als gut geht. Siehe, erstens, eben weil ihr Denken und Handeln dem der Masse entgegengesetzt ist, und zweitens, weil die Tugend nur als Tugend sich zeigt, befestigt wird, und ihren Wert erhält, wenn sie siegreich aus einem Kampfe hervorgeht! Es muss also bei diesem Siege doch Mühe kosten ihn zu erwerben, sonst ist es ja doch nicht der Mühe wert, dass man kämpft, und es kann kein befriedigendes Bewusstsein aus Dingen erwachsen, die nicht mit Kraftanstrengung erworben wurden.
Ihr leset ja selbst in Meinen Worten so viel von Vertrauen, Liebe zu Mir und Zuversicht! Wann sollen denn diese Eigenschaften erprobt werden?! solange es dem Menschen gut geht, oder wenn bittere Verhältnisse und Umstände eintreten, tatsächlich zu beweisen, was er in hoher Begeisterung beim Lesen Meines Wortes schon glaubt zu besitzen!
Siehe, nur Hindernisse spornen den eigentlichen festen Charakter an, seinen Zweck mit noch mehr Eifer zu verfolgen; im Feuer reinigt sich jedes grobe, materielle Metall, und so auch das Geistige!
Auch dir geht es seit einiger Zeit nicht wie du willst, und schwankend wie ein Schilfrohr stehst du da, möchtest dich an manchen „Wortlaut“ halten, der dir gegeben wurde, aber das Wort allein tröstet nicht, nur der Geist, der darin verborgen, der gibt dir Aufschluss über manches, was dir so ein Rätsel scheint! („Der Buchstaben tötet, nur der Geist macht lebendig.“ 2. Cor. 3, 5. D. Hsg.)
Siehe, du sagst, sein Leben für Etwas hingeben, womit man Anderen nützlich sein kann, das findest du ganz recht und wohl möglich, nur setzest du bei, man müsste in Aussicht haben dabei, dass dieses Opfer etwas nützt.
Nun frage Ich dich, wann du Meine ganze Leidensgeschichte, Meine Jugend, Meine Lehrjahre, Meinen Tod als Mensch betrachtest, und noch dazu die Folgen davon, wie sie die Geschichte der vergangenen und der heutigen Zeit beweist, – sage Mir, Ich, der wohl voraus wusste, wie es nach Mir gehen wird, welche Aussichten hatte denn Ich, und habe Ich noch heute?! und wo waren die gerechten Vergeltungen für Mich, der Ich doch gewiss auch zu den Tugendhaften zählen konnte!
Sieh, was Ich als Mensch Mir Selbst auferlegt habe, um eine Probeschule für Mein ganzes Geisterreich zu gründen, das werden, ja das müssen alle Meine Nachfolger ebenfalls
durchmachen, sonst können sie nicht „Kinder“ des allerhöchsten Wesens werden, in der ganzen Schöpfung, sondern würden nur auf einer Stufe bleiben, wo sie vielleicht einem sehr untergeordneten Geiste als seine Kinder Ehre machen würden!
Von diesem Standpunkte aus musst du Mich, und die Führungen Meiner Kinder beurteilen lernen, und du wirst begreifen, erstens dass es eine geraume Zeit braucht solche Kinder, welche nebenbei nicht gezwungen werden dürfen, zu erziehen; und zweitens, dass wegen der Individualität auch verschiedene und oft drastische Mittel angewendet werden müssen, um die Menschen dazu zu bewegen, Leidenschaften und Begierden zu bekämpfen, welche gerade des Kampfes wegen in sie gelegt wurden.
Solange du nicht die Spuren Meiner Wege auf geistigen Bahnen suchst, so lange wirst du auf Widersprüche und scheinbare Ungerechtigkeiten stoßen, so lange wirst du die Eroberungen des Lasters, des Truges auf dieser Welt mit Missgunst ansehen, und selbst in deinem Familien- und weltlichen Verhältnis nicht das Wahre vom Falschen unterscheiden lernen, wirst mürrisch auf das Treiben der Welt, und traurig auf dein eigenes Gebaren herabsehen. Nur erst, wenn du auf höherem Standpunkt dir eine größere Fernsicht wirst errungen haben, dann werden dir Meine Worte nicht mehr zweifelhaft, nicht unklar, nicht widersprechend erscheinen!
So lange du dich nicht auf diesen Standpunkt wirst emporgearbeitet haben, werden die Welt-Nebel deinen Fernblick beschränken, und du dich statt glücklich unglücklich fühlen. Nur wenn der Spruch wahr wird: „Dem Reinen ist alles rein!“ dann erst wirst du auch im Schlechten den Keim des Guten, im Düstern das werdende Licht noch achten.
Befleiße dich dorthinauf zu gelangen, wo schon manchmal du dich befandest, wenn gleich nur auf Augenblicke, dann wird der Zweifel schwinden, das Vertrauen wiederkehren und du wirst erfahren, dass dein Vater nicht Seine Kinder irre führen will, sondern sie in das Reich des Friedens und der Seligkeit, welches hier auf Erden nur in eurem Innern, dort aber auch von Außen euch umgeben soll!
Amen!

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