Empfangen durch G. Mayerhofer, am 20. Oktober 1870
Schon wieder wirst du angegangen von einem Bruder um einige Worte des Trostes für eine neugeworbene Seele, die eben jetzt in die Taufe genommen das Wasser scheut, das Ich auf sie herabträufeln lasse.
Ja, so ist es mit den meisten Menschen! Zuerst sehnen sie sich nach Meiner Gemeinschaft, bitten und flehen darum; komme Ich aber dann, wie Ich gewöhnlich es zu tun pflege, um – nämlich in dem Tempel, den Ich bewohnen will, allen weltlichen Mist auszuräumen, der sich darin angehäuft hat, so widersetzen sie sich der Räumung und glauben, das was Ich zu ihrem Beste tue, sei eine Strafe, während es doch nur ein Füllhorn von Segen ist! –
Arme Kinder, sehet ihr denn nicht ein, dass Ich und die Welt nicht zusammenpassen und um so weniger die Kaufmannswelt. Ich, Der alles hingibt für andere, gegenüber dem alles verschlingenden Egoismus eines Kaufmanns! Welche Extreme! Und diese sollten sich vereinigen können?!
Bedenke solches dein neuer Freund wohl selbst nur ein wenig! Je mehr er sich in Meine Worte hineinlas, desto mehr musste es ihn ja anekeln, mit solchen Menschen zu tun zu haben, die gerade das Entgegengesetzte sind von dem, was Ich aus den Menschen machen wollte und was er nun selbst am Wege ist zu werden, d.h. Mein Kind!
Nachdem Ich schon längst diesen Drang, Mich zu suchen, in ihm fand und er nicht Geistesstärke genug hatte, sich von dem loszumachen, was ihn doch anwidern sollte, so leitete Ich die Umstände so, dass auf eine geraume Zeit die Lust ihm vergehen wird, mit den weltlichen Interessen die göttlichen nebenbei verbinden zu wollen.
Ich weiß es wohl, die Arznei ist bitter, er wird von Menschen und euren menschlichen Gesetzen verurteilt; allein wenn Ich über ihn urteile und ihn nicht strafe, was ist besser? Meinem Gerichte anheim zu fallen, oder einem gewöhnlichen Gesetze-Tribunal, wo man die Gerechtigkeit wie eine wächserne Nase biegen kann, wie man will, eine Nase bleibt sie immer.
Wie viele sind schon eingekerkert worden, welche zu redlich waren, und wie viele schon verurteilt, weil sie Meine Gesetze höher achteten als die der Welt! –
Es ist eine harte Probe für den redlichen Mann, gestraft zu werden, während der eigentliche Schuldige frei ausgeht und sich mit dem brüstet, was er nicht hat und nie gehabt hat, mit der Rechtlichkeit; allein gerade eine solche Schule öffnet dann Meinen Verehrern und Zöglingen die Augen erst ganz, da fangen sie an zu sehen, wie nichtig alles in der Welt ist und wie unvollkommen eure Staats- und Religions-Gesetze sind!
Mit Abscheu wendet er sich davon weg, er hat – es ist wahr – das Ansehen bei der Welt verloren, aber bei Mir hat er gewonnen.
Für eine kurze Spanne Zeit von scheinbarem Wohlleben und Hochachtung von Seite seiner weltlichen Genossen hat er dies vertauscht mit einem künftigen – sage ewigen Seelenheil, das die Welt ihm mit allen ihren Schätzen nicht ersetzen kann.
Fällt also dein Freund anderer wegen, so sei es ihm zum Troste gesagt, dass auch Ich (in Jesu) für andere gelitten und geduldet habe.
Wer Mich liebt, dem lege Ich ein Kreuz auf! Nur unter der Last des Kreuzes blüht Mein Reich; ist es auch dem Anscheine nach schwer, so helfe Ich schon mittragen und werde momentane weltliche Kränkungen und Missstände durch selige Genüsse ersetzen, die dann den leidenden für alles entschädigen werden.
Das Herz frei von Schuld, kühn den Ereignissen entgegengeschaut, auf Mich vertrauend, Meine Wege verfolgt! Was kann ihm da begegnen, das nicht zu überwinden wäre?
Auch Ich wusste Mein Schicksal bei Meinem irdischen Lebenswandel voraus; auch Ich litt und starb sogar und zwar nicht für lauter gute, sondern meistens für schlechte Menschen; auch Ich hatte den Verräter unter Meiner nächsten Umgebung; also folge dein neuer Bruder nur Mir nach! Wenn der Weg gleich mit Dornen bespickt ist, die Rosen werden doch nicht ausbleiben.
Die Dornen reicht ihm die Welt und die Rosen behalte Ich Mir vor, sie dann in seinem geläuterten Herzen Selbst zu pflanzen!
Das gebe ihm Trost, und Meine Versicherung dazu, dass Mein Segen – trotz aller scheinbaren Misshelligkeiten des Lebens – ihn nicht verlassen, sondern stets ihn begleiten wird, so lange er fest gewillt ist, Mein Kind zu werden!
Amen.
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