Empfangen durch Kath. Michel-M. (Triest), am 10. Juni 1871
Ich bin euer, und wieder da, um Meine Mir gewählte Herde aufrecht zu erhalten; aber leider ist das Schwerste, dass keiner seine Fehler erkennt und jeder ohne Unterlass sich schon für vollkommen hält, wo doch alles noch so verwirrt ist, dass jeder nicht weiß, wo anfangen, sein Haus auszureinigen und die Tore weit aufzumachen, dass der Herr der Heerscharen mit all Seiner Herrlichkeit auf verschiedene Art und Weise einziehen kann! Nein, die Türen werden verriegelt, damit sie nicht aufgemacht werden können, um Meinen Einzug zu feiern; darum sind alle Herzen sehr traurig und finden keine Rast und keine Ruhe.
Wo aber ist der Hausmeister, der den Riegel am Tore öffnet? Sehet, dieser ist die Liebe, und die Nächstenliebe ohne Eigennutz, wahrhaftes Vertrauen zu eurem Vater, Der doch alle Herzen kennt, und sie stündlich prüft; keiner aber besteht die Probe im Einzelnen, Kleinen, – wie könnt ihr im Großen bestehen! O ihr armen Binden! Wie lange muss ich euch noch zurufen:
„Wachet auf! Die Stunde des Mittags wird bald der Hammer erklingen lassen, wo ihr dann keinen Augenblick mehr Zeit gewinnen könnt, den Zeiger, der auf Ein Uhr führt, zu sehen!“ Jetzt, da Ich euch die Augen öffnen will, starret ihr Mich an, statt in euren Herzen nachzusehen, wie es dort aussieht. Dann fragt sich einer um den andern: „Was soll ich tun? Wie leben? Ja, man kann doch nicht alles verlassen! Wer weiß, wie es ehestens gehen wird?“ Da frage ich: Wo ist das Vertrauen?! Wenn nicht das Kapital vermehrt wird, hat jeder Furcht zu leben. Frage: Wo ist das Vertrauen?! Der Handel geht schlecht, was kann ich erwarten, der Vorsteher (der freie Wille) ist verschwenderisch! Sage – Wo ist das Vertrauen?
Ohne Mein Vertrauen kann keine Ruhe in euren Herzen stattfinden und ist keine Zeit nachzudenken: „Wo kann ich anfangen aufzuräumen, ich stolpere ja doch über jeden Gegenstand, der mir im Wege liegt; weiß Gott, wenn ich dazu kommen kann, einmal Ordnung zu machen, weil der Hausmeister fehlt, der mir helfen könnte, zu ordnen; wo und wer ist er?“
Sehet, die Liebe ist es – zu Mir, diese überwindet alles, jeden Balken aus eurer Brüder Augen reißt die Liebe; rein wäscht sie den Bruder vor euren Augen. Glaubt eurem heiligsten Vater! Der der beste Ratgeber ist und alle Herzen will reinigen helfen.
Der Vater ist es, der euch mit Geduld, Sanftmut, Ergebung demütig in allem vorangeht; – der Vater ist es, der euch wieder den Himmel öffnet, euch hineinblicken lässt in das Reich der Herrlichkeit, das für euch bereitet ist, damit Der in Frieden, Liebe und Eintracht in euch einziehen kann, des Vaterherz voll Liebesflammen lodert.
Weichet nicht aus, diesen Dornenweg zu wandeln und umfanget die Liebe, die ist es, die alle auf leichtem und nicht auf Dornenpfade führt.
Wer Ohren hat, der höre die harmonischen Himmelsklänge; sie sind in allen Akkorden nichts anderes als Liebe und wieder Liebe, die euch in allem weiß wie Bissus wascht.
Ohne den Liebesstern kann kein leuchtender Funke aus allen euren Fasern herausleuchten.
Höret, noch einmal rufe Ich euch allen ohne Unterlass zu: Wachet auf! Überhöret nicht den letzten Vaterruf, der euch schlafend bis hierher führte, aber nun euch nicht mehr weiter führen kann. Ermüdet bin Ich, die Geduld wird erschöpft. O Kinder! Trocknet Mir die Vatertränen – durch Erwachen in eurer Liebe, legt ab den Hammer, den ihr fortwährend in eurer Hand führt, um Mich immer wieder ans Kreuz zu heften; – macht euch würdig, bringt Mir in euren Herzen Früchte der Liebe! Sättigt Mein Herz, es hungert und dürstet nach euren Seelen, die Ich so teuer mit dem größten Akte der Erniedrigung erkauft habe!
Das spricht zu euren Herzen euer liebevollster Vater mit dem Segen.
Amen!
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