Empfangen durch Kath. Michel-M. (Triest), am 16. Juli 1872
Da dich deine Schwester im Drange der Verzweiflung um einige Worte von Mir bitten will, so sage ihr: „Ein schlechter Beweis, dass noch Keines Meiner Kinder auf eigenen Füßen zu stehen vermag.“
Wie oft lehrte Ich in allen Meinen Worten, was der Mensch zu tun hat, und wo er eigentlich Hilfe zu erflehen hat – in seinem Herzen! Wo keine andere Stimme vernehmbar als die Meinige (sein sollte), auf diese allein sollte auch gehorcht werden; allein, da aber das Herz nicht für Mich, sondern meist für die Welt geeignet ist, so kann auch Meine Stimme nicht vernehmbar sein, weil der Haupt-Faktor abgeht, nämlich die Liebe und das feste Vertrauen!
Wenn ein wahres Vertrauen nur wie ein kleines Weizenkorn vorhanden wäre, so würde der Mensch nie in verzweifelnde Momente kommen, und in selben unbedacht handeln; da der Mensch seinen freien Willen hat von Mir, als eine Mitgabe, da soll er nach selbem handeln.
Die Kreuzlein, welche Ich auflege, sind ihr zu gering, doch es sind derselben ja noch genug, es soll sich jeder beilegen, wie viel er will nach seiner Willkür, und suchen, wie er dann ganz ungeschoren sich daraus findet. –
Wo Eigendünkel, Eigenliebe und selbstisches Beraten zu Hause ist, da kann nie ein wahres Vertrauen zu Dem, Der euch alle führt und leitet, sein; wo das fehlt, da kann auch nie wahres Verständnis Meiner Worte sein!
Sagte Ich denn nicht zu Meinen Aposteln, dass Ich niemand als Waise zurücklasse, dass der Vater im Himmel für Alle sorgt, und Brot in Überfülle hat; aber wenn der Mensch eigentlich selbst zu handeln und zu richten anfängt, da kann Ich nicht mitarbeiten; der heilige Geist ist da nicht gegenwärtig, wo nur zeitliche Vorteile gesucht werden; daher zum Schlusse:
Berate dich im Herzen, reinen Verstandes, beseitige du nur jede weltliche Ansicht, dann wirst du auch bald alles mit andern Augen betrachten können mit dem reinen Verstande, und dann die Stimme deines dich allezeit liebenden Vaters erkennen und hören, und klar wird es dir sein und werden, dass Ich der Vater aller Menschen, keinen in den Welten verschmachten lassen will, der Mich als Denselben wahrhaft erkennt und liebt!
Ferner sagte Ich:
„Ihr alle untereinander seid Brüder und Schwestern, handelt als selbe! Nur Ich allein bin der Herr über Leben und Tod! richtet niemand, damit niemand gerichtet wird;“ Fehler des menschlichen Lebens sind Fehler des Verzeihens, und nicht des Urteilens.
Seid tolerant und nachsichtig gegen andere! Schmähet nicht über deren menschliche Schwächen, sondern befreiet sie davon, richtet sie auf! Nicht mit Füßen treten sollt ihr jene, die die menschlichen Verhältnisse zu zertrümmern scheinen! –
Was tat Ich? Ist keines Meiner Beispiele der Nachahmung wert? O ihr blinden Brüder und Schwestern! Löst eure Binde der weltlichen Ansichten von euren Augen! und lasst leuchten die Bruderliebe und behandelt jeden mit Nachsicht! –
Nur die Tat nach Meinen Lehren wird euch zu Meinen Kindern stempeln! Das sagt euch euer liebender, langmütiger, geduldiger Vater und nicht Richter über anderer Leidenschaften des menschlichen Lebens! Merket es euch wohl, und handelt danach! Mit dem Segen!
Amen!
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