Empfangen durch G. Mayerhofer, am 16. Juni 1874
Schon gestern, Mein lieber Sohn, wolltest du deinem Bruder M–ch einige Worte mitgeben, da du sehr gut von Mir wusstest, dass er insgeheim diesen Wunsch im Herzen trug, jedoch ihn nicht auszusprechen wagte. Du warst durch andere Dinge verhindert, und so will Ich deinem Wunsche heute willfahren, damit ihr Beide zufrieden gestellt seid.
Dass dein Bruder aus eurem Kreise entfernt wurde, dass er in neue Verhältnisse eintritt, sowie auch seine Kinder, dieses Alles hat seinen Grund, welcher ihm schon später einleuchtend sein wird, und wo er wieder erkennen wird, dass Ich und wie Ich die Schicksale (Führungen) der Menschen regiere, verkette, und sie zu Meinem Zwecke zusammenfüge.
Auf seinem jetzigen Standpunkte ist nicht die Rede davon, als sollte er dort für Mich wirken im belehrenden Sinne; nein, dazu wird er wenig Gelegenheit haben, seine Mission wird und muss eine andere sein, indem es jetzt an ihm ist, das Gelesene, Erlernte und Geglaubte im praktischen Leben in seiner Dienstes-Sphäre auszuüben, d.h. nur die Grundeigenschaften Meiner Lehre beibehaltend selben zu folgen, und durchs Beispiel Anderen indirekt den Weg vorzuzeichnen, den sie gehen sollten, aber leider eben nicht gehen.
„Liebe, Sanftmut und Toleranz“ seien die Grundpfeiler, „Strenge gegen sich und nachsichtig gegen Andere“ die Basis seiner Handlungen, und er wird in allen schwierigen Verhältnissen leicht durchkommen, seine Widersacher leicht besänftigen und sogar Feinde zu Freunden machen.
Es sei seine neue Stellung eine Probierzeit, um ihm Gelegenheit zu geben, auch in ganz weltlichen Dingen erstens nur Meinen Lehren zu folgen, und zweitens selbst in die materiellsten Geschäfte doch etwas Höheres, Geistiges hineinzulegen! –
Als Ich auf Erden wandelte, schickte Ich ebenfalls Meine Apostel und Jünger öfters in andere Länder, weil Ich sie vorbereiten wollte, fern von Mir doch Meine Lehre nicht zu vergessen, und nur selbe den Umständen anpassend – sie fruchtbringend zu machen.
Das immerwährende Beisammensein, wo sich ein Tag wie der andere abwickelt, wo man sich nur darauf beschränkt, entweder im Gelesenen weiter zu träumen, oder höchstens an sich selbst zu feilen, in diesem Alltagsleben (in der Gefahr des "Versauerns" D.Hsg) weiß Keiner von euch, ob und wie viel Seelenstärke er besitzt, in anderen Verhältnissen sich gleich zu bleiben.
Erst wenn andere Verhältnisse eintreten, wenn man mit Meinungen anderer Menschen zu kämpfen hat, die Würde seines Nächsten achten und dabei die eigene nicht verlieren soll; erst da tritt die Frage näher an den Menschen: „Will sehen, welche Früchte das Gelesene bringt, und ob du selbes deiner würdig praktisch und nutzbringend verwerten kannst!“
So ist es jetzt mit deinem Bruder; von euch entfernt, und in neue Verhältnisse gestellt, muss er sich den Probierstein anlegen und sehen, wie das von Mir gegebene sich mit der Welt, und mit seinen Dienst-Pflichten vereinen lässt. –
So lange er bei Mir bleibt, werde Ich bei ihm sein, werde ihn so wenig verlassen, als Ich es bis jetzt getan.
Er halte nur jeden Abend Abrechnung mit sich selbst – in wie weit er Mir und der Welt gegenüber recht gehandelt, duldsam gewesen ist, und wenn er auch des Tages hindurch der Welt und weltlichen Sorgen leben musste, so gehört doch die letzte Stunde vor dem Einschlafen Mir, wo wir Beide unsere Rechnung durchschauen und womöglich zur Zufriedenheit Beider abschließen wollen.
So möge er jeden Abend den Schlaf des Gerechten haben, um des Morgens dann neugestärkt dem entgegenzugehen, was ihn erwartet.
Dieses sei der Gesichtspunkt, von welchem er die Welt und Meine Lehre betrachten und verwerten solle, das Übrige lasse er Mir über, Der ihn und seine Kinder bisher geführt hat, und sie auch nicht verlassen wird. –
Diese Worte schicke ihm nach, mit Meinem Segen, den er wohl bald selbst verspüren wird, wenn er auf den Wegen wandelt, die die Liebe vorzeichnet, und die nur allein zu Mir führen.
„Alles mit Mir, und Nichts ohne Mich!“ Dieses sei sein Wahlspruch und sein Wegweiser, auf dass er sich nicht Enttäuschungen aussetzt, wo er vielleicht von eigenen Kräften mehr erwarten möchte, als selbe zu leisten im Stande sind. –
Hier habe Ich nun deinem gegen Mich ausgesprochenen und dem im Herzen deines Bruders gehegten Wunsche entsprochen; nicht ohne Trostwort wollte Ich ihn hinausziehen lassen in die Welt, wo er schwerlich ein gleichgestimmtes Herz finden wird; aber gerade, weil er keines findet, wird er sich mehr an Mich anschließen.
Nur durch Erkenntnis des Entgegengesetzten lernt man das Besitzende erst schätzen!
Im Erkennen der Verwirrungen der meisten Menschen, wie sie jetzt sind und leben, und eingebildeten Glückseligkeiten nachjagen, wird er erst begreifen, welchen Schatz von Weisheit und Liebe Meine Worte bergen, die ihm erst dann um so werter und um so einleuchtender werden, je finsterer es um ihn her ist.
Daher möge er als Leuchte dienen, und auch ohne zu wollen – Licht verbreiten dadurch, dass er seiner Umgebung Schritt für Schritt zeigt, wie man christlich menschlich handeln kann, ohne doch dabei den Kultus der Religion als Hauptsache zu betrachten!
„Gut“ entfernte er sich, und „besser“ hoffe Ich, sollt ihr ihn wiedersehen; dieses euer Wunsch und auch der Meinige!
Amen!
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