Empfangen durch Johanne Ladner (Btgh.), am 3. September 1882. „Simon, Sohn des Jonas, hast du Mich lieber, denn diese Mich haben?“ Johs. 21, 15
Liebe Kinder! Diese Frage will Ich heute auch euch vorlegen, weil ihr euch doch in der Liebe zu Mir als solche betrachtet, die dieselbe in größerem Maßstabe besitzen, als andere, welche den Glauben hervorheben, welcher mehr der Erkenntnis nachstrebt als der tätigen Liebe.
Das ist von euch aus zwar das Richtige, wenn ihr die Liebe obenanstellt; aber weil Mein Reich ein großes ist und viele Arbeiter braucht, so muss Ich auch andere anstellen, die nicht ganz eures Glaubens sind; denn auch sie pflegen dennoch im Gebet mit Mir zu verkehren und bieten Mir ihre Dienste an, welche sie auch oft auf eine äußerst pünktliche Weise und ganz in der Ordnung ausführen, und dadurch wirklich vieles leisten; denn die schmachtenden Seelen, welche Ich auch ihnen zuführe, sehen oft auf das Äußere, und beobachten deshalb sehr die gesetzliche Ordnung, um zu prüfen, ob sie sich solchem Leiter anvertrauen dürfen!?
Solches ist auch in dieser argen Zeit nicht nur verzeihlich, sondern sogar nötig; denn um sogleich von der Liebe beeinflusst zu werden, ist die Menschheit in der Jetztheit zu materiell und zu heuchlerisch. Es muss daher derselben nun etwas Überzeugendes geboten werden und ebenso muss bei Meinen berufenen Kindern in diesem Werke die größte Aufrichtigkeit walten, um ein Einreihen (auch) solcher (kritischer) Mitmenschen als Geschwister zu ermöglichen.
Jede Frage muss ihnen mit Liebe beantwortet werden, auch wenn dieselbe sogar auf Misstrauen beruht; denn sie sollen eben dadurch auf die Liebe hingewiesen werden, welche dem Glauben nicht fehlen darf.
Alle diese Bedingungen sollen Meine wahren Kinder gerne eingehen; denn Ich richtete deshalb an Petrus (als Entsprechung des Glaubens) die Frage: „Simon, Sohn des Jonas, hast du Mich lieber, denn diese Mich haben? Weide Meine Lämmer!“ Zu diesem Amte gehört die Liebe zu Mir, die um Meinetwillen all ihre eigenen Ansichten fahren und dadurch anderen Seelen die größte Liebe zukommen lässt, und die größte Selbstbeherrschung über sich nimmt, alles Mir zuschreibend, dass sie nur von Mir als dem allein wahren Hirten lernen können, ihre anvertrauten Schafe recht zu weiden.
Hier aber muss Ich euch abermals auf die Missstände hinweisen, die sich immer wieder bei der Mission einschleichen. Ein Lehrer oder Leiter kann oft sehr viel Liebe geben; aber er erhebt sich dabei im Herzen doch noch sehr über seine ihm zugeführten Gleichgesinnten und dieses ist dann noch ein Haupthindernis, dass Ich nicht so segnen kann, wie Ich es gerne tun würde, weil da noch die Überhebung als ein kranker Fleck vom Satan vorhanden ist.
Erst wenn ein Lehrer oder Leiter sich nicht mehr dünkt als seine Brüder und Schwestern und ihnen nichts vorenthält von allem, was Ich ihm anvertraute, dann ist der Feind weggeräumt, und es kann sicher fortgearbeitet werden. Darum tut Fleiß, euch selbst zu opfern um Meinetwillen und es erkenne ein jedes unter euch im andern seinen Lehrer, alsdann werdet ihr euch erst wahrhaft untereinander lieben lernen, und Ich kann euch dann alle einreihen zu tüchtigen Hirten, und Meine Herde wird schnell wachsen.
Amen. Euer Vater!
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