Empfangen durch Th. B., am 10. September 1882
„Und ihr sollt euch nicht lassen Meister nennen; denn Einer ist euer Meister – Christus.“
„Der Größte unter euch soll sein euer Diener.“ Matth, 23, 10. 11.
Liebe Kinder! In diesen Worten liegt der Höhepunkt welche meine wahren Nachfolger anstreben und erreichen sollen; der aber leider nur von sehr wenigen erreicht wird; denn die wahre Demut ohne jede Selbstüberhebung im Herzen ist diejenige Tugend, welche der Satan am meisten zu vertilgen sucht, und daher erfordert es viel Kampf und Wachsamkeit, dieselbe zu erlangen.
Die Überhebung war die Ursache zum Falle Luzifer’s, und nachher des (ersten Erd-)Menschenpaares, denen die Schlange vorspiegelte, dass sie Mir gleich werden könnten, wenn sie sich nicht nach Meinem Willen richten; die Sucht, allein zu herrschen, bereitete ihnen den Verlust des Paradieses.
Und so ist es heute noch unter Meinen Nachfolgen, die Überhebung über andere – und wenn auch nur im Herzen – macht, dass sie nicht in die Liebe eingehen können, welche Mir ähnlich macht, diese ist die Mitteilung (an eure Mitbrüder) von allem, was ihr besitzet, sei es in der Erkenntnis, Erleuchtung oder Teilnehmenlassen (derselben) an euern Missionsarbeiten, oder auch an äußeren Gütern; immer wieder ist der Mensch geneigt, bloß nach seiner Willkür auszuteilen, anstatt dass er diejenigen, die gleichfalls etwas mit ihm anstreben, aufrichtig ebenso viel teilnehmen lässt, als er selbst besitzt. Diese Liebe ist aber bei geistigen Gütern viel mehr nötig, als bei den natürlichen: denn die natürlichen sind so eingeteilt, dass ein Mehrbesitz des einen, den andern nicht stören kann in seinem Glück und seiner Befriedigung, (zumal) wenn der andere geistig reicher ist; nur in geistigen Gütern macht sich das Viel oder Wenig mehr fühlbar, denn geistige Armut kann nicht durch äußere Güter ersetzt werden, wohl aber umgekehrt; denn manch Armer – mit Mir verbunden – würde keinen Tausch mit einem gottlosen Reichen eingehen; aber dieser geistige Reichtum ist Gnade, und darum überhebe sich keines über das andere, wegen Gütern, die Ich ihm zugeteilt als anvertrautes Pfund, um auch andere zu beglücken, denn sonst fehlt ihm das beste Gewürz bei dem (Geistes-)Mahle – die wahre Demut, welche alles Bittere und Saure in Liebliches zu verwandeln weiß; der wahre Genuss eines (solchen) Mahles oder einer Gabe kann (eben nur) dadurch erhöht werden, dass auch andere mitgenießen und sich mitfreuen, gleichwie die Liebe erst groß wird durch Entäußerung ihrer selbst.
Wollt ihr darum immer glücklicher werden, so werdet vorher immer demütiger; denn der Größte unter euch solle sogar euer Diener sein; (d.h.) je größer die Demut, desto größer die Macht des Einflusses bei euren Mitmenschen, und so auch eurer Leistungen für Mich.
Amen. Euer Jesus!
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