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8. Kultur und Natur

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 11. November 1873

Schon vor längerer Zeit ließ Ich die Bedeutung dieser beiden Worte durch deine Seele ziehen; sie schwebten an deinem inneren Lichte vorbei, wie ein Panorama, Bild an Bild wechselnd, und stets Neues, stets Größeres, stets Tieferes dir enthüllend.
Dort, wo dieses geschah, war nicht der Ort (auf der Reise in Tirol), noch die Zeit, diese flüchtig aufgefassten Bilder auf’s Papier zu bringen, und da du nun Mich anflehst um die Wiedergabe derselben, so soll zum Nutzen aller diese Erklärung gemeinnützig werden, damit so manche weltlichen Vorurteile und Begriffe vor Meinem Lichte schwinden.
„Kultur“, oder wie ihr es in manchen Fällen benennt: „Veredlung“, ist ein so eingebürgerter Begriff bei allen Menschen, dass die mit diesem Worte verbundenen Ideen von den meisten für richtig gehalten werden.
Um nun diesem Irrtume zu steuern, und diese so vermeintliche Veredlung auf’s rechte Maß zurückzuweisen, so soll dieses Wort allen zur Richtschnur dienen, welche in dem Wahne leben, als könnten sie etwas Besseres, Gescheiteres und Edleres schaffen, als Ich der Schöpfer des ganzen Weltalls von vornherein bestimmt und als Regel und Norm festgesetzt habe.
Die Meisten werden sagen: „Ja, schauet die Früchte z.B. an, wenn der Mensch da nicht stets einwirken würde durch verschiedene Kunstmittel, wer könnte sie genießen, so wie selbe „wild“ vorkommen!?“
Gut, Meine Kinder, nun frage Ich euch aber: „Wisst denn ihr, wie Ich die Früchte vom Anbeginne erschaffen habe? Waren sie solche, wie ihr sie jetzt wild wachsen seht, oder waren sie andere, und sind vielleicht mit der Zeit erst so geworden (wie der nun vielfach verwilderte, einst auch vollkommen geschaffene Mensch), nachdem der Mensch auf der einen Seite die klimatischen Verhältnisse durch seine vermeinte „Kultur“ änderte, oder auf der andern Seite Früchte in Gegenden versetzt hat, für welche Ich sie nicht bestimmt hatte, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil dort die Elemente in Luft, Wasser und Erde nicht vorhanden waren, die zu ihrem Gedeihen nötig sind!“
Sehet, hier ist der Knoten oder der Eckstein, an welchem ihr alle anstoßet, ihr vergesst den ersten Grund des Fehlschlagens eurer Erwartungen, und haltet euch bloß an das sichtbare Resultat, ohne zu bedenken, dass, was ein Gott, ein Schöpfer gemacht, ebenfalls als Sein Machwerk göttlich, d.h. unabänderbar, im höchsten Grade vollkommen sein muss, und keiner Verbesserung fähig ist, sonst wäre ja Er Selbst kein Gott, sondern ein den Zufällen und dem Schwanken unterworfenes Wesen, wie ihr und alle Geister, mehr oder weniger.
Der erste Grundsatz Meiner Erkenntnis muss bei euch feststehen: „Was ein Gott gemacht, muss, eben weil Er es gemacht, höchst vollkommen sein (d.h. unverbesserlich)“, sonst könnt ihr Mich, Meine Schöpfungen nie begreifen, nie verstehen! Oder wollt ihr, wie das Sprichwort sagt: „als Eier klüger sein, denn die Henne? (Leider wollen so manche "Gelehrte" nicht einsehen, dass notwendig erst eine urgeschaffene Henne da sein musste, ehe ein Ei zum Leben bereitet werden konnte. D. Hsg.)
Sehet, Meine lieben Kinder, eure sogenannte Kultur und auch eure Unkenntnis Meiner Natur hat so langsam nach und nach in den meisten Gegenden andere klimatische Verhältnisse herbeigeführt, hat feste Erde und flüchtige Luft in ihren Bestandteilen geändert, so zwar, dass, wollt ihr eure nötigen Produkte erzeugen, die ihr nach jetziger (verkehrter) Lebensweise als höchst notwendig erachtet, ihr zu künstlichen Hilfsmitteln greifen müsst, um dem Boden, den Pflanzen und Tieren zu dem Gedeihen zu verhelfen, die selbe zwar einst hatten, aber nicht unter diesem Himmelsstriche und nicht in diesem Klima, wo ihr nun sie gerade wollt.
Sehet, den Boden müsst ihr düngen. Habe Ich bei der Schöpfung der Pflanzenwelt den künstlichen Dünger gebraucht? Gewiss nicht! Ich sorgte schon dafür, dass wie eine Kette alles ineinander greift, und das langsame Verwesen von Pflanzen und Tierleibern den rechten Dünger oder „Humus“, wie ihr es nennt, abgeben musste, wo sodann durch das Vergehen des einen das andere entwickelt wurde.
Was tut aber ihr mit dem Dünger, welchen ihr auf Felder und Wiesen, in Gärten und euren künstlichen Treibhäusern verwendet? Sehet, Ich bin gezwungen, euch noch Landwirtschaft zu lehren, wie Ich sie verstehe, und sie auch von euch begriffen haben möchte, nicht aber wie ihr sie treibt.
Zum Gedeihen einer jeden Pflanze oder Wesens, selbst den Menschen nicht ausgenommen, gehören erstens gewisse Elemente und auch geeignete Organe, selbe zur eigenen Individualität zu verwenden.
Will man nun ein schnelleres Resultat der Reife und des Wachslums, des Gedeihens erzielen, so bedient der Mensch sich gewöhnlich gewisser Reizmittel, welche den Nahrungs­prozess beschleunigen, vermehren, um so in kurzer Zeit z.B. eine große Frucht oder ein fetteres Tier zu erzielen.
Was geschieht über mittelst dieser Reizmittel? Denkt ein wenig darüber nach, so werdet ihr finden, dass, wo Reizmittel angewandt werden, die Organe in höhere Tätigkeit versetzt werden, um schneller und mehr zu produzieren, als im naturmäßigen Zustande von Mir ihnen angewiesen wurde.
Nun, gehen wir weiter und sagen als erläuterndes Beispiel: Sehet, ein Wagenrad dreht sich beim gewöhnlichen Laufe, wo es ein Pferd im Schritte oder Trabe gehend zieht, so und so oft um sich selbst. Gut, wollt ihr eine größere Schnelligkeit des Fortbewegens erzielen, durch Antreiben eures Pferdes, nehmen wir an, bis zur höchsten Geschwindigkeit, die möglich, was wird das Resultat sein?
Ihr werdet, wenn’s gut geht, schneller an Ort und Stelle gelangen, aber es ist leicht möglich, dass das Rad wegen der schnellen Bewegungen und durch zu große Reibung ruiniert und zum weiteren Gebrauche unfähig gemacht würde. (siehe Anhang)
Hier habt ihr ein Beispiel, welches, auf Reizmittel bezogen, sagen will, dass ihr durch selbe wohl ein schnelleres, größeres Resultat erzielen könnt, aber auf Kosten der Bereitungs­organe; ihr gebt der Pflanze, dem Tiere eine Entwicklung, die von außen trügerisch, und innerlich deren natürlicher Normalexistenz zuwider ist, da ihre Organe nicht im naturmäßigen, sondern in einem fieberhaften Zustande (der Typus des ganzen heutigen Kulturmenschengeschlechts. D. Hsg.) ein Wesen oder Ding erzeugt haben, welches statt gesund, nur eine krankhafte, über das Gewöhnliche eine gesteigerte Existenz gebildet hat.
Dieses Resultat nennt ihr dann „Veredlung!“
Betrachtet es nur von dieser Seite, wie Ich es eben gezeigt habe, und dann wollen wir sehen, ob ihr euch mit diesem Resultate brüsten könnt, als wäret ihr gescheiter als Ich!
Sehet nur eure Äcker an, was gewinnt ihr denn mit eurem Dünger? Ihr reizt den Boden und müsset ihn dann wieder ruhen lassen, weil er den immerwährenden Reiz nicht ertragen kann, und er das zweite Jahr wenig und im dritten gar nichts mehr geben würde.
Dass ihr jetzt zu solchen Mitteln greifen müsset, ist natürlich; denn ihr selbst habt durch Vernichten der Wälder andere klimatische Verhältnisse hervorgerufen, die euch zwingen, auf Mittel zu sinnen, das zu ersetzen, was ihr selbst verdorben habt.
So ist es bei den Früchten. Erstens habt ihr Früchte aus südlichem Klima bis in den höchsten Norden verpflanzt, verlangt das vom Baume oder Gewächs, was in warmen Ländern ein Leichtes war; was müsst ihr da tun? Sehet, was ein Baum nicht kann, da steckt ihr einen Zweig in den Organismus eines andern Baumes hinein, vermehrt die Tätigkeitskraft auf diese Weise; mit Mühe, künstlicher Wärme, mit Dünger und Begießung ersetzt ihr, was in warmem Klima von selbst geschähe, und das alles heißt ihr „veredeln“, und macht noch eine Wissenschaft daraus und glaubt, wenn ihr nicht eingreifen würdet in das Rad Meiner Schöpfung, so wäre es um die Pflanzen und ihre Kultur geschehen!
Wie kurzsichtig seid ihr doch alle! Wie gescheit dünken sich so viele!
Was ihr in vielem materiellen Gedeihen eurer erzwungenen Erzeugnisse sehet, das Nehmliche geschieht auch im geistigen sogenannten Veredlungs-Prozesse der Seelen von Tieren und Menschen.
Überall suchet ihr durch Reizmittel größere Resultate zu erzielen, drängt das Tier aus seinem von Mir ihm angewiesenen Kreise hinaus, zwingt es zur Entartung, und besonders bei jenen, welche ihr zu eurer Nahrung als so notwendig erachtet, äußert sich euer Veredlungssystem in den Krankheiten, welchen die Menschen dann unterliegen müssen, die selbe zu ihren Nahrungsmitteln gemacht haben.
So ist eigentlich euer Veredeln eine gerechte Strafe, die ihr euch selbst zuziehet; denn ihr ziehet die Erde wegen gereizter Tätigkeit, die Tiere wegen übermäßiger Genährtheit (Mästung) in den Bereich der Übel des menschlichen Lebens, und verkürzt so eure eigene Lebensdauer sowohl, als jene aller Pflanzen und Tiere, die zu ganz andern Zwecken geschaffen wurden, als wozu ihr sie meist verwendet.
Aber auch eure geistige Kultur geht als Veredlung des menschlichen Geistes den nehmlichen Weg.
Schon ein Wilder aus den Urwäldern Amerikas schaudert vor eurer Kultur zurück, wie viel mehr sollte es erst ein Mensch tun, der auf geistigen Wert Anspruch machen möchte!
Was ist denn eigentlich eure zivilisierte Welt oder „die menschliche Gesellschaft“ in jenen Weltteilen, die ihr „kultiviert“ nennt? Schauet sie an, und vergleichet sie mit eurem Veredlungs-Prozess von Pflanzen und Tieren!
Dort erzielet ihr nur durch Reizmittel ein bleibendes Resultat, und was ist im gewöhnlichen Leben ebenfalls der Zweck eurer sogenannten Erziehung? Nichts mehr und nichts weniger als dasselbe!
Der Geist oder die menschliche Seele wird mit Reizmitteln oder geistigem Dünger zur größeren Tätigkeit angespornt, man will ein größeres Außenleben erzielen; der Kopf wird mit allen möglichen sogenannten „Wissenschaften“ oder „Sprachen“ angefüllt, die alle keinen andern Zweck haben, als das sinnliche Leben als Endresultat zu befördern, allein das Herz bleibt unbeachtet, verwahrlost, hart!
So wie ihr Kurzsichtige einen Apfel anstaunt, der groß ja über seine Bestimmung groß gezogen wurde, in dessen Innerem eine Masse Säfte angehäuft sind, die nur in ihn hineingedrängt, aber nicht eigentlich hinein gehören, eben so steht der mit allen Kenntnissen ausstaffierte, aber herzlose Mensch als ein Phänomen da, dem Unkundigen ein fein Gebildeter, dem geistig blickenden Menschen aber ein schöner, von Außen polierter „Holzblock“, der noch wegen seiner glatten Fläche alles Licht, was vielleicht von Oben in ihn einfließen möchte, mit Stolz zurückwirft.
Da habt ihr das Resultat der veredelten Menschheit, nach menschlichen, nicht aber nach Meinen Begriffen!
So geht analog, von der Erde anfangend bis zum letzten Gliede der Schöpfung dieses Erdballes, der nehmliche Veredlungsprozess seinen gerechten Gang, eines das andere verderbend, bis alles seiner Zerstörung anheimfällt, und ein anderes Reich mehr aus geistigen, als materiellen Prinzipien geschaffen werden wird.
Ihr beeinflusst die Erde, als eure Wohnstätte, sie bringt euch die Früchte eurer Mühen, wie ihr freie Menschen sie haben wolltet; das materielle sogenannte „Veredelte“ wirkt natürlich auf’s Seelische, auf’s Geistige, erzeugt auch dort die tausend und tausend Abartungen einer langsam verkommenden Rasse, und so muss der Verfall des einen den Ruin des andern herbeiführen.
Je größer die Verfeinerung und Veredlung im Geistigen vorwärts schreitet, desto eher wird eine Reaktion eintreten müssen; jetzt ist die Menschheit durch ihr eigenes Gebahren gezwungen, so zu leben, wie sie lebt; sie hat sich diese Fesseln selbst angelegt, aus denen sie niemand befreien kann; denn sie sind die gerechte Strafe für das Sündigen gegen Meine Naturgesetze.
Ich schuf Menschen, Tiere, Pflanzen und die ganze Erde zu einem harmonischen Vereine, zu einem Paradiese; der Mensch mit seinem freien Willen hat sich aus diesem Paradiese selbst vertrieben, er hat sich die Natur zum Feinde gemacht, ist Sklave geworden, wo er Herr sein könnte!
Und so muss er auch die Folgen selbst tragen, die nicht ein zürnender Gott, sondern ein blinder, von Leidenschaften geleiteter Mensch nur für sich selbst erfinden konnte!
So, Meine Kinder, müsst ihr eure vermeintlichen Begriffe von „Veredlung“ und „Kultur“ betrachten, dann werdet ihr zwei Dinge leichter einsehen, nehmlich das Erste, dass es jetzt nicht anders sein kann, als es wirklich geworden ist, und zweitens, dass die Schöpfung, aus Meiner Hand hervorgegangen, eine ganz andere war, als wie ihr selbe jetzt sehet, dass sie aber stets vollkommen war, und jeder Frevler, der an diesem von Mir errichteten Baue rütteln will oder verbessern, nur sich straft, weil an Göttlichem keine Abänderungen zum Bessern möglich sind.
Den gänzlichen Ruin der geistigen Natur aufzuhalten, sandte Ich stets Mahner zu allen Zeiten; auch Ich Selbst unterließ nicht, durch Mein Heruntersteigen auf eure Welt den Grundstein zu dieser möglichen Rückkehr zu Mir anzubahnen.
Allein der freie Wille des Menschen musste von Mir und Meinen Geistern respektiert werden, und so, wenn jetzt aus der Welt, aus dem Pflanzen-, Tier- und Menschen-Geschlechte etwas anderes geworden ist, als Ich durch Meine Lehre bezwecken wollte, bin nicht Ich der Schuldige, sondern die Menschen selbst sind schuld.
Wäre nicht Meine Liebe unendlich, und wäre nicht alles Geschaffene – sei es was es will – ein Ausfluss eben Meiner göttlichen Liebe, die Welt ginge ihrem Ende oder der geistigen Umwandlung noch schneller entgegen, als es wirklich geschieht.
Aber da nichts im ganzen Weltall verloren gehen kann, da nichts umsonst geschaffen ist, und alles früh oder spät seinen Zweck, sein Ziel erreichen muss so höre Ich nicht auf, die Quellen dieser unendlichen Liebe zu öffnen, um, wenn gleich alles entartet ist, doch einen Weg zur Rückkehr noch ermöglicht zu haben, damit, wer will, zurückkehren kann.
Was materiell von seinem von Mir ihm angewiesenen Standpunkte entfernt, in andere Formen gedrängt, und so seiner primitiven Bestimmung durch künstliche Mittel entgegengestellt wurde, muss durch geistige Reaktion wieder auf sein früheres Maß zurückgeführt werden.
Bei der Materie fing der kalkulierende Mensch an und mit dem Geiste soll er selbst wieder und seine ihn umgebende Natur in die rechten Grenzen zurückgeführt werden!
Dieses der Zweck all Meiner Worte, die inmitten aller Kalamitäten des menschlich-sozialen Lebens, wie es jetzt besteht und noch fortgetrieben wird, doch noch das zu retten suchen, was zu retten ist.
Deswegen der Ruf Meines Geisterreiches in alle Winkel dieses Erdballes:
„Wachet auf, ihr Eingeschlafenen und öffnet eure Augen, damit ihr erkennet, wohin euch eure „Kultur“, eure „Zivilisation“ führt! Noch ist es Zeit! Versäumet das Gegebene nicht! Es ist euch geboten von eurem Vater, Der keinen Verfall, keine Zerstörung, keinen Ruin des Geschaffenen will, sondern Der alles unter einem Zepter vereinen möchte, unter dem Zepter der besänftigenden Liebe!“
In verschiedenen Formen und an verschiedenen Orten ertönt dieser Mahnruf; es sind die „Posaunen der Engel“, die noch warnen, ehe alle Zornschalen ausgegossen werden, welche die Menschheit über ihrem Haupte selbst mit Qualen aller Art angefüllt hat. (siehe Offenbarung Johannes 16. D.Hsg.)
Die Vorhersagen Johannis würden euch leichter verständlich sein, wenn ihr nur mit etwas geistigerem Blicke das Treiben der Menschen betrachten und die notwendigen Folgen aus demselben berechnen könntet.
Das jetzige Treiben der Menschen gleicht dem Treibhause eines Gärtners, welcher sich in den Kopf gesetzt hat, jede pflanzliche Organisation bis auf’s Höchste zu treiben; dazu düngt er, heizt er und bewässert er.
Alles schwillt auf, strotzt von Lebenssaft, dem Anscheine nach; allein der gänzliche Ruin und die Ungenießbarkeit der erzielten Früchte wird das Resultat sein!
So das jetzige Treiben der Menschen, nichts ist ihnen mehr genügend, materiell sind sie, und so wollen sie nur genießen, mehr als sie vertragen können, und geistig verleugnen sie alles, was ihnen in ihren Genüssen störend entgegentreten möchte.
Dieser (heutige) fieberhafte Zustand, der als Endresultat die gänzliche Erschlaffung haben wird, veranlasst Mich, auch die kleinsten Schatten und Zweifel aus euren Herzen zu bannen, damit ihr mitten im scheinbar Glänzenden die natürliche Verwesung, die natürliche Auflösung alles Bestehenden erkennen möchtet, damit auch ihr nicht in falsche Urteile verfallend auf Wege geraten sollet, wo schwer wieder zu helfen sein wird.
Noch kennt ihr nicht die Tragweite so mancher Worte, die Ich euch gegeben habe, noch seid ihr nicht eingedrungen in den wahren tiefen Sinn, der in jedem Worte aus Meinem Munde liegt, („Die Welt das Wort im Sinne hat, und Ich den Sinn im Worte!“ sagt der Herr anderswo. D. Hsg.) weil ihr noch zu sehr mit weltlichen Dingen beschäftigt nicht ganz fassen könnt, was es heißen will: „Ein Wort aus dem Munde des Schöpfers alles Wesenden!“
Ebendeswegen mache Ich euch aufmerksam durch verschiedene Erklärungen bald des einen oder des andern, dass noch vieles an euch klebt, wo ihr eben oft am entferntesten wähnt, auf Irrwegen zu sein.
Mir liegt vor allem daran, das Gerettete nicht wieder zu verlieren, sondern noch mehr verirrte Kinder auf den rechten Weg zurückzuführen, und so verschmähe ich kein Mittel und keine Gelegenheit, den freien Willen der Menschen zwar nicht beeinträchtigend, einem jeden zu zeigen, was er ist und was er sein sollte, und wohin die ganze Menschheit treibt in ihrer Wahn-Gelehrsamkeit, wo sich manche Menschen schon längst über Mich Selbst erhaben dünken, weil sie, wie sie sich ausdrücken, „die Natur veredeln können.“
Jetzt wisset ihr, was „veredeln“, was „kultivieren“ heißt.
Trachtet danach, wenn wirklich etwas veredelt werden soll, euer Herz zu veredeln, d.h.: Entfernet vorerst alles Schlechte aus demselben, damit dann das Gute, Edle Platz und Grund zum Wachstume findet, dann werdet ihr in Kurzem bald die Folgen geistiger Veredlung fühlen und werdet erhaben über den Flitterglanz des anderen Wissens, im geistigen Schauen Meiner Natur, die sogenannte Kultur des menschlichen Geistes zu schätzen wissen, wo sich dann das Sprichwort bewahrheiten wird: „Es ist nicht Alles Gold, was glänzt.“
Dieses Wort möge wieder ein kleiner Stein zum großen Gebäude sein, welches Ich Mir zu errichten gedenke auf den Trümmern eurer „zivilisierten Kultur“, wo sodann Meine Natur, Mein Wille und Meine nie endende Liebe den verirrten Kindern die hilfreiche Hand darbieten werden, den Berg der Erkenntnis zu erklimmen, auf welchem als höchstem Punkte Ich Selbst allein throne, und unter Mir als Grundbasis die ganze materielle und geistige Schöpfung habe.
Viele sind zu diesem Erklimmen berufen; aber wenige Auserwählte werden es sein, die es erreichen. Sorget ihr dafür, dass, wo so viele Hilfsquellen und Mittel euch zu Gebote stehen, ihr nicht die Saumseligsten sein möget; denn Unwissenden kann vergeben und verziehen werden, wenn sie gegen Gesetze fehlen, die sie nicht kennen; aber euch, denen Ich so oft und vielmals zeigte, wie viel Mir an einer Menschenseele gelegen ist; euch liegt eine größere Verantwortlichkeit auf den Schultern, denn ihr wisset, wie ihr leben sollet und tut es doch nicht!
Daher möge euch dieses Wort zur Belehrung, Trost und klaren Einsicht dienen in die Geheimnisse Meiner Natur und des menschlichen Herzens, wo oft so Manches noch haftet, was, um „Mein Kind“ genannt zu werden, doch zuvor ausgemerzt werden muss.
Jetzt, Mein Schreiber, hast du die vor deinem Geiste einst entrollten Bilder durch Meine Gnade wieder erhalten; benutze du und die Deinen selbe, wie es euch als geistigen Menschen geziemt.
Die Nachwelt wird ebenfalls einst staunen, welche Schätze aufgehäuft wurden, um das überkultivierte Menschengeschlecht wieder zu den Naturgesetzen zurückzuführen; sie werden sich wundern, wie viele der Worte es benötigte, um euch zu zeigen und zu beweisen, dass Natur, als sichtbarer Ausdruck des unsichtbaren Schöpfers, nicht veredelt, wohl aber verunglimpft werden kann, und dass es der direkten Mitteilungen von Meiner Seite so viele brauche, um die dort Lebenden auf das aufmerksam zu machen, was doch jedem geistig Sehenden so klar und deutlich vor Augen lag. Sie werden euch „Halbblinde“ schelten, und doch behauptet so Mancher von euch, „er sehe schon Alles!“ Welchen Namen verdienen dann die hinter euch, denen alle diese quellen ihr Leben lang verschlossen blieben, die euch so reichlich flossen?
Sehet, so lehre Ich, so veredle Ich, so kultiviere Ich, nicht dass Ich zu Reizmitteln greife, sondern Ich möchte gerade den Überreiz entfernen, um zur klaren Anschauung zurückzukehren, wo Mein Schaffen und Mein Ich am besten verständlich sind.
So lehrt ein Vater Seine Kinder Ihn verstehen und begreifen, weil erst aus diesem die Liebe zu Ihm erblühen kann, da vor dem Erkennen höchstens Furcht im Herzen der Kinder Platz hat.
Liebe verlangen ist leicht, man muss aber zuerst den Gegenstand ganz kennen, den man zur Liebe anpreist, nur gemäß der Erkenntnis der hohen Eigenschaften kann auch die Liebe wachsen.
Daher das Gebot: „Liebet Mich über Alles!“ nur dann ausführbar ist, wenn Ihr Mich, Meine Welt mit Meinen Schöpfungen im vollen Werte verstanden habt.
Um diese Liebe aber im gerechten Masse zu erlangen, muss auch vor jeder Unterschätzung geschützt werden, welche natürlich leicht entstehen kann, wenn Fälle vorkommen, wo sogar der Mensch in seinem eitlen Wissen bei einzelnen Entdeckungen sich über Mich, Meine Natur und ihre Gesetze stellen will, welches der nächste Weg zur Gottesleugnung ist; – ein Faktum, welchem ihr in der jetzigen Welt auf vielen Orten begegnen könnt, wo die Materie der Abgott und das Geistige nur als Produkt derselben, oder gar nicht anerkannt wird.
Hütet euch vor solcher Kultur! denn sie führt nicht einmal zur Natur, sondern nur zur Unnatur, als Gegenpol des eigentlichen Zieles Meiner Schöpfung!
Jetzt habe Ich dir und Allen genug gesagt, was sie über diese beiden Worte „Kultur“ und „Natur“ und ihre geistige Bedeutung und ihren wahren Wert denken sollen; es liegt daher bei ihnen allein, ob sie „kultivierte Menschen“ nach dem weltlichen oder nach dem Gottes-Sinne werden wollen!
Frei mögen sie wählen, und die Folgen dann sich selbst beimessen, ob selbe für sie zum Guten oder zum Schlechten gereichen! – Und so genug für heute.

Amen.

Nachtrag auf die Anfrage eines Bruders.

Du fragst, warum gerade in den warmen Ländern diese (edlen Baum, ec.) Früchte zuerst gediehen, die dann später der Mensch, wie ihr in Europa, erst (dahin) verpflanzen musste? Auf diese Frage antworte Ich:
Siehe, Mein Kind, Asien, die Wiege der Menschheit, war im Anfange mit all seinen Früchten für andere Menschen bestimmt, als solche, wie sie jetzt wirklich dort leben, und wenn Europa erst kultiviert werden musste, wie jetzt noch manches Land in Amerika und später in Afrika, so geht es auf den Mosaischen Spruch hinaus, nehmlich: „dass der Mensch im Schweiße seines Angesichtes sein Brot verdienen muss.“
Durch die Kultur von wüsten Steppen und durch Lichtung finsterer Wälder musste der Mensch bildlich vollführen, was in seinem eigenen Seelenleben ebenfalls geschehen muss; er muss das Schlechte zuvor wegräumen, damit das Gute nachwachsen kann. Bei der Materie, den Wäldern und Steppen fing er an, und bei seiner Geisteskultur muss er aufhören.
Begreifst du dieses?

Als Anhang möge hier noch der Vorläufer des obigen folgen; aus einem Briefe Br. Mfr., des Schreibers, an den Herausgeber.

Was Br. B. wegen der Früchte-Ausstellung in Wien sagt (da er, wie alle staunte ob der Riesen-Äpfel aus Schweden und so manchem andern, wo er glaubt, „die Kultur leiste mehr als die Natur“), so möchte ich ihn wohl eines Besseren belehren, (beim Schreiben dieses Briefes hatte Br. Mfr. schon das Gnadenlicht vorstehenden Wortes gehabt, wie es im Eingange erwähnt ist. D. Hsg.) aber es kostet mir zu viel Zeit zum Niederschreiben und ich möchte ihn bloß fragen: z.B. ein gemästeter Ochse, als fettkrankes Tier, ist er, als Produkt der Kultur, gesünder für sich und andere, als ein in seinen gerechten Dimensionen der Natur getreu groß und mäßig fett gewordener? Ich überlasse das Übrige jedem Selbstdenker! Was will doch der Mensch mit seinem winzigen Verstande ausrichten gegen die ewigen Gesetze der Natur, wo allem seine gerechte Größe und Schwere angewiesen, und alles, was darunter oder darüber, als abnormer Zustand zu betrachten ist.
Siehe, ich will dir noch ein Beispiel sagen: Es gibt für den Menschen wesentlich zweierlei Nahrungsmittel, die einen naturgemäß nährend, die andern reizend zur Tätigkeit der Organe. Die Ersteren sind im Ganzen die sogenannten vegetarischen Substanzen, zu den andern gehört (hauptsächlich) auch Fleisch (und was daran hängt).
Nun, ein Mensch, der viel von Fleisch sich nährt, fühlt sich stärker, kräftiger (weil angeregter), hat meist ein „besseres Aussehen“, als ein von Früchten (und Körner, u.s.w. Speisen) lebender Mensch! Man sieht ihm, wie man so sagt, die Gesundheit an, und doch die ganze Welt vergisst bei diesem Bilde einer strotzenden Gesundheit, dass selbe durch Reizmittel erkauft auch das angeborene Lebenskapital schneller verbrauchen hilft, und so die Dauer oder das notwendige Hiersein auf Erden bedeutend verändert und abgekürzt werden muss. Leget diesen Maßstab an alles an, und ihr werdet bald erfahren, wer gescheiter ist – Kunst oder Natur? –
So viel für meine Brüder, denen noch manches Weltliche anklebt, und die sich vom Scheine leicht täuschen lassen.

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