Empfangen durch G. Mayerhofer, am 18. Oktober 1871
Sehet, Meine Kinder, diese drei Worte haben euch in eurem Leben schon oft behelligt, wenigstens das Erste am meisten, und das Zweite war gewöhnlich die Folge des Ersteren, und das Letzte das gewünschte Resultat.
Es sei im geistigen wie im weltlichen Leben, so ist immer nach dem Ersten das Zweite erfolgt, und soll alles von Dauer sein, so muss das letzte Wort dem ganzen Läuterungsprozesse die Krone aufsetzen.
So wollen wir nun vorerst diese drei Worte in ihrer Bedeutung betrachten, was sie eigentlich sagen wollen und dann aufs Praktische übergehen, wie selbe im gewöhnlichen Leben sich oft ereignen und lösen und wie im geistigen Fortschreiten sie selbst dort noch bedingende Elemente sind, wenn eine höhere Stufe erreicht werden soll.
„Confusion“ heißt eigentlich eine Verwirrung, ein Zusammentreffen heterogener Ideen oder von Dingen, die erst sich scheiden, klären oder vereinigen müssen, wie es das zweite Wort „Fusion“ bezeigt, um zu einem Resultat der Reinigung oder Einigung zu gelangen, was im letzten Wort „Union“ d.h. Vereinigung ausgedrückt ist.
Ihr sehet auch hier wieder drei Worte vor euch, die schwer und gewichtvoll oft in das menschliche Leben eingreifen; es ist eine Dreifaltigkeit, wie alle geistigen und weltlichen Dinge drei Seiten oder Eigenschaften haben, wie die Körper eine Länge, Breite und Dicke, wie auch die geistigen Ideen bis zur Tat, d.h. Gedanke, Idee und Ausführung, wie Liebe, Licht und Leben u.s.w.; – überall könnt ihr die Dreizahl erspähen als eine Grundzahl Meiner Schöpfung und Prinzip Meines eigenen Ichs, wie es selbst in eure Religionslehre aufgenommen, aber irrig verstanden und ausgelegt wird, als: Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, oder die Liebe, die Weisheit und das Produkt ans selben, als geistiges Element betrachtet.
Verwirrung ist scheinbar überall in den materiellen Elementen, wie in den geistigen Ideen und Begriffen, dort wo ein höherer Zweck angestrebt wird; es ist das erste Anregen, welches die bis dorthin ruhig nebeneinander gelegenen Elemente oder Begriffe aufweckt und zur Tätigkeit anregt.
Sobald dieser erste Anstoß gegeben ist, erkennen sich die früher ruhig gewesenen Elemente oder Begriffe als fremdartig; es geht an ein Ausscheiden, an ein Drängen, eines will das Andere beherrschen, vernichten. Durch dieses Streben hat dieses wohltuende rege Leben im einzelnen Elemente und Begriffe den Anschein einer Confusion oder Verwirrung; denn man weiß noch nicht, wer der Sieger, was das Vorherrschende, der regierende Teil sein wird.
Nachdem, wie im materiellen Leben, gegenseitiges Streben oder Verschmelzen der einzelnen Atome zweier Stoffe zusammen etwas Anderes ist, was weder der eine, noch der andere Teil vorher war, sondern wo ein neues Drittes zum Vorscheine kommt, so ist dieses der zweite Prozess welcher als Fusion oder Verschmelzung bezeichnet werden kann.
Sobald die Elemente so vereinigt sind, dass eben dadurch jedes seine eigene Individualität aufgeben musste, um einem Dritten als Basis zu seinem Aufbaue zu dienen, sodann geht aus dieser Verschmelzung, je länger sie dauert und je mehr sich die einzelnen Elemente vermischen, und ihr Eigenes aufgebend, ein neues Drittes werden, das Endresultat ihrer ersten Anregung zur Confusion (Verwirrung), die Union, hervor, wo vom früheren nichts mehr daseiend, ein aus höhere Stufe gehobenes Ganzes sich darbietet, welches nun die geeigneten Mittel in sich trägt, ein noch höher Gelegenes durch ähnliche Prozesse zu
erreichen!
So beschrieb Moses die materielle, so begann die geistige Schöpfung mit scheinbarem Chaos, dann kam die Scheidung in Licht und Finsternis, in Tod und Leben, wovon das Endresultat war: die Schöpfung materiell und geistig, als ein höherer Standpunkt, reif zu noch größerer Entwicklung.
Wenn ihr nun eure weltlichen und politischen Verwicklungen betrachtet, wie sie jetzt an allen Ecken der Welt sich kund geben, so sehet ihr den nehmlichen Prozess überall ist Confusion, Verwirrung, es ist ein Hin- und Herwogen von Ereignissen, von Begriffen, Ideen, Systemaufstellungen, von Regierenwollen und Nicht-regiert-sein-wollen, dass alle eure Zeitungs-Schreiber und Leser nicht wissen, was daraus erfolgen und wohin dieses Schiff treiben wird, das von allen Seiten, von verschiedenen Winden nach allen Richtungen gedrängt wird.
Dieser erste Gährungs-Prozess wo sich Menschen als fremdartig ernennen, welche früher friedlich neben einander lebten, wo auf einmal Misshelligkeiten entdeckt werden, die wohl früher auch bestanden, aber Niemand belästigten, wo die Einen nicht lassen wollen, was sie schon längst genossen und gleichsam als ihr privilegiertes Eigentum angesehen haben, und die Andern, auch ihre menschlichen Rechte erkennend, nicht mehr den Andern dienen wollen, – erzeugt die Verwirrung, Confusion; hin- und herflüchtend erringt bald die eine, bald die andere Partei einen kleinen Vorteil.
So geht dieses Treiben fort; die streitenden Parteien reiben sich an einander ab, schmähen sich gegenseitig und endlich, des Streites müde, erfolgt eine Annäherung, eine Verschmelzung, eine ruhigere Ansicht, teils der Forderungen der einen, teils der Rechte der andern Partei, es erfolgt eine Verschmelzung der verschiedenen Klassen der Menschen im sozialen Leben, deren Endresultat auch sein wird ein anderes Staatenleben, und ein geregelteres Verhältnis zwischen den Besitzenden und der arbeitenden Klasse.
Dort drängt jetzt Alles hin; das Endresultat, die Union, ist ihnen noch nicht klar, weil noch keine Partei ihre Kräfte an der Andern (genügend) erprobt hat, und daher die Menschen auch von dem, was sie eigentlich wollen, noch keinen rechten Begriff haben; aber die Zeit wird sie schon lehren, der einen Partei nachzugeben, von ihren Prätensionen nachzulassen, und der Andern, nicht ihre Forderungen zu hoch zu stellen.
Nur auf diese Weise ist geistiger Fortschritt, ist ein ruhiges, friedliches Zusammenleben möglich, welches dann eine höhere, geistigere Entwicklung zulassen kann.
Was in diesen politischen Läuterungs-Prozessen jetzt vorgeht, das geschieht auch in geistiger Hinsicht bei der zur Mündigkeit aufstrebenden geistigen Natur des Menschen. Bis jetzt lies sich die größere Zahl der Menschen durch die Priesterschaft gemäß deren eigenen Interessen leiten. Die Menschen glaubten, wie die Kinder ihren Eltern. Jetzt, wo sie anfangen in’s Jünglingsalter zu treten, beginnt auch bei ihnen der Zweifel aufzusteigen und es erwachen die Fragen: „Aber was mir diese Priester sagen, ist es auch wahr, was ich nur blindlings glauben soll?“
Es häufen sich die Fragen, die „Warum“ ertönen von allen Seiten, die Menschen wollen eine gediegenere Lehre haben, als die auf den bloßen Glauben gestützte. Die früher ruhig angenommenen Glaubensartikel fangen an zu wanken, es droht der Umsturz, der geistige Wind der Aufklärung ist stärker, als das morsche Gebäude traditioneller Hierarchie es ertragen kann, und so ist die Confusion im christ-katholischen (allg. christlichen) Glauben und seiner praktischen Ausübung eingetreten. Die Menschen wehren sich gegen das Gängelband, wollen nicht mehr geführt sein, sondern selbst frei auf eigenen Füßen stehen und
gehen!
Aus dem Streite dieser geistigen Begriffe wird nur das Nehmliche hervorgehen, wie aus der sozialen Frage. Die Priesterschaft, will sie fortbestehen, muss von ihren unantastbar geglaubten Vorrechten nachlassen, muss statt wie bisher gefälschten, nur reinen Wein einschenken und auch den Andern die Freiheit des eigenen Denkens zugestehen, – ein Privilegium, das sie bis jetzt bloß für sich beanspruchte.
So wird dann die Fusion hervorgehen, und durch selbe endlich eine Lehre, basiert auf den Glauben und nachgewiesen durch die praktische Ausübung, die das Endresultat, d.h. die Union der jetzt schroff sich entgegenstehenden Parteien zur Folge hat, wo dann erst Meine Religion, wie Ich sie verstanden und ausgeübt haben will und ihr sie schon seit längerer Zeit zum Teile kennt, die Menschen zu dem machen wird, weswegen Ich sie geschaffen habe und weswegen Ich auch für sie Meine irdische Lebensbahn einst begonnen und mit dem Kreuzestod beschlossen habe! Dann erst wird die Siegespalme Meiner geistiges aber einfachen Lehre denen verabreicht werden, die vertrauensvoll auf Mich blickend, allen Stürmen Trotz bietend, bei Mir ausgeharrt haben!
Auch bei euch, Meine Kinder, auch bei euch herrschte im Anfang, euch oft unbewusst, die Confusion; ihr wusstet nicht recht, was gut, was böse ist, und erst als Ich euch Mein Wort direkt zu Teil werden lies, erst dann begann dieses Chaos von Begriffen und Ideen sich zu lichten, sich zu läutern, sich zu scheiden.
Es wurde auch bei euch in euren Herzen die Fusion (teilweise) erzielt, d.h. die Verschmelzung der Ideen und Begriffe, wie Meine Lehre neben dem weltlichen Erhaltungsleben bestehen, näher ausgebildet und vervollkommnet werden kann, wie das Leben nach Meiner Lehre trotz allen Versuchungen der Welt möglich sei und wie trotz allen Kämpfen und Leiden doch am Ende das Geistige bei weitem über dem Weltlichen steht.
Jetzt seid ihr in dieser Zeit der Fusion begriffen; fahret fort nicht allein bloß Mein Wort zu lesen, sondern übet es aus! Trachtet es euch so einzuverleiben, dass es eurem innern Seelenmenschen als unumgängliche Nahrung nötig wird, und ihr werdet die Union in euch bewerkstelligen, welcher sodann die Einigung mit euren Mitmenschen folgen wird!
Seid einig vorerst mit euch selbst und ihr werdet auch ruhiger sein, werdet die Welt, die Menschen mit kälterem Blute beurteilen; ihr werdet euch der ganzen Menschheit näher gerückt fühlen, werdet ihre Fehler milder und toleranter beurteilen, ihr werdet mit der Welt trotz der verschiedenen Widersprüche euch leichter einigen können, und so als Resultat der Union in eurem Innern wird die Einigung mit der Welt erfolgen; dann werdet ihr auch leichter begreifen, warum Ich so viele Anomalien, dir tagtäglich auf eurer Welt vorkommen, so viele Laster und Unglücke, die die Menschen haben und einander zufügen, mit kaltem Blute ansehe und nicht als zorniger Richter mit Donnerkeilen dazwischen fahre, eben weil auch in Mir die höchste Union herrscht, die Einigung von Liebe, Weisheit und der Erhaltungstrieb des von mir einmal Geschaffenen.
Suchet auch ihr aus diesem Kleeblatt von Confusion zur Fusion und sodann zur Union zu bringen, und ihr werdet, mit den Mitmenschen durch Liebe vereinigt, auch mit Mir den Bund und derselben Liebe schließen können, die euch als Anfang eures geistigen Strebens zuerst eine Confusion in eure Begriffe brachte, sodann zur Verschmelzung der angelernten mit den neuen, geistig höheren Begriffen drängte, jetzt noch weiter, zur gänzlichen Union mit Mir führen möchte, damit ihr im ganzen Sinne den Titel: „Meine Kinder“ wirklich verdienen möget!
Dieses wünscht euer Vater von euch, dazu schickt Er euch Licht um Licht aus Seinen Himmeln; leset es aber nicht bloß allein, sondern verschmelzet es mit eurer Seelen-Natur, um endlich auch die geistige Union oder Vereinigung mit Meinen großen Himmeln und mit Mir Selbst ertragen zu können!
Dieses ist die geistige Bedeutung der drei Worte; Confusion, Fusion und Union, die jetzt überall zum nehmlichen Kampf, zum nehmlichen Endziele leiten sollen, und wie Ich im Großen diesen Läuterungs-Prozess fördern helfe, so unterstütze Ich auch den eurer eigenen Herzen; lasst nur ihr nicht ab!
Trachtet aus der Confusion herauszukommen, in die Fusion einzutreten, und es wird dann die Union nicht ausbleiben; dies versichert euch Euer Vater, Der nur im letzten Worte lebt, und alle Seine Wesen dort vereinigt sehen möchte!
Amen!
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