Sammlung neu-theosophischer Schriften
(Joh. Busch Nachf.)
No. 17 d.
Vorbemerkung.
In diesen Tagen, wo ja – wie nie zuvor – die Gottheit Christi und die Göttlichkeit der hl. Schrift ec. angefochten wird, dürfen nun nach 50 Jahren es endlich an der Zeit sein, diese Winke vom Herrn über den hervorragensten neueren Rationalisten zu veröffentlichen. Möge des hl. Vaters Gnade diese Blätter recht vielen
zum Segen werden lassen! F. L.
I.
Empfangen von Jakob Lorber, im Jan. 1843
Siehe, solches ist vorderhand nötig zu wissen, was dieser Mann ist, und dass es sich darum handelt, diejenigen Texte Meines Buches näher zu bestimmen, an denen derselbe einen widersprechenden Anstoß nimmt und wodurch er die Ungöttlichkeit Meines Wortes zu beweisen strebt.
Es gibt wohl derlei Texte noch in großer Menge in Meinem Buche, die der Mann als Waffe gegen Mich gebraucht; allein wir werden an den Texten, welche schon vorbereitet daliegen, zur Genüge haben, um das Wesen unseres Gegners ganz zu erschauen, und somit auch seinen großen Irrtum.
Du aber fragst: Wer ist Strauß? Warum tut er solches? Also merke, Ich will es dir kundtun!
Strauß ist ein Prophet jetziger Zeit und Welt. Er ist ein Baumeister, der aus Edelsteinen ein großes Gebäude auf dem Flugsande der Welt erbauen will; ja ein solches Gebäude, das der Ewigkeit trotzen soll; aber welch ein Widerspruch, welch eine Torheit solches ist, dies wird sich eben aus den betreffenden Texten ganz klar dartun. Der Mann wird sich verbauen, er wird seine Torheit einsehen; wenn da kommen werden Regen und Winde, so wird sein Prachtgebäude untergehen! Aber auf dem Sande werden dann viele Sucher die edlen Steine finden, werden sie tragen auf die Felsen und werden aus eben diesen vorgefundenen Edelsteinen unter Meiner Leitung ein solches Prachtgebäude aufführen, welches dann allen ewigen Zeit-Stürmen trotzen wird!
Siehe! Es musste also auch ein Strauß kommen, einer der größten Gegner Meines Wortes, darum Mein Heiligtum bis zum letzten Häkchen bekämpft werden und die äußerste Grenzlinie der Nacht bestimmt werden möchte, auf dass nun alle gelehrte Welt erschaue, wie groß da ist der Horizont ihrer Erkenntnis, und sie gründlich und buchstäblich sage: Bis hierher und nun nicht mehr ein Haar weiter! – Also ist Strauß ja auch ein notwendiger Prophet!
Es gibt aber schon eine Menge Sammler der Edelsteine auf dem Flugsande dieses Propheten, und es steht schon nahe vollendet ein anderes Gebäude auf einem starken Felsen! daher lassen wir diesen Mann in seiner Sphäre; er ist nötig für uns; denn er streut zuvor den Samen der Nacht aus. Dieses Unkraut wird gesammelt und auf unserem Acker verbrannt werden, damit derselbe durch dessen Asche auf das Vorteilhafteste gedüngt werde!
Nun wirst du hoffentlich wissen, wer der Strauß ist und warum er solches tut? Da du nun aber solches weißt, so ärgere dich nicht seinetwegen; denn auch er ist ein Arbeiter für Mich und muss es sein! Verstehe solches sonach gar wohl.
Amen!
II.
20. Januar 1843.
4. Mose 22, 28–30 ff.
Wer mag dieses Bild wohl verkennen? Wer ist der Prophet Bileam? Und wer seine ihn zuvor allzeit willig tragende Eselin?
O wie klar liegt solches doch vor Jedermanns Augen, und doch mag es niemand recht erkennen! Siehe! Bileam bezeichnet alle naturmäßige Gelehrtheit der Welt, und die Eselin bezeichnet die Natur, auf welcher alle diese Gelehrten reiten. So lange die Gelehrten diese Eselin ihres weltlichen und eigentlich naturmäßigen Zweckes willen reiten, so ist dieses Lasttier stets geduldig. Wollen sie aber sich auf diesem Lasttiere schmählich in das innere geistige Heiligtum wagen, da wird diese Eselin störrig und so sie dasselbe mit Gewalt bezwingen wollen, so wird die Eselin sogleich redend und spricht: „Was habe ich euch getan, darum ihr mich also misshandelt und wollet von mir erzwingen, das unmöglich ist? Ihr möget mich ja zerstören und zu Atomen zermalmen, so werdet ihr es über mir doch nicht um ein Haar weiterbringen; denn nicht ich, sondern die Kraft Gottes stellt sich hier euch entgegen, und lässt euch nicht weiter bringen, weil ihr tut, was wider Seine göttliche und ewige Ordnung ist!“
Oder ist es nicht also? Was tut Strauß oder der allereigentlichste Prophet Bileam dieser Zeit? Er reitet eben auf dieser Eselin, um Mich vor Meinem Volke zu verdächtigen aller Orten; er will das Lasttier, die naturmäßige Erde zwingen, dass sie ihm dazu dienen solle, Mich und alle Meine Offenbarung zu Grunde zu richten. Aber dieses sonst so geduldige Lasttier spricht zu ihm: „Bis hierher und um kein Haar breit weiter. So du aber die Ehre Gottes verkündigen willst, so werden die Augen dir aufgetan werden, und dein Lasttier wird dich tragen dahin, da du reden wirst von deinem Lasttiere das Wort Gottes und wirst verkündigen Seine Ehre!“
Bileam verstand sein Lasttier, aber Strauß, der große Gelehrte, versteht es noch nicht! – Er wird es aber auch so lange nicht verstehen, so lange er ein naturmäßiger Reiter des naturmäßigen Buchstabens bleiben wird; wenn er aber bedenken möchte, daß die Natur noch ganz andere Kräfte in sich birgt, welche von keiner äußeren Form enthüllt werden können, so dürfte es ihm dann ja auch wohl klar werden, dass hinter dem Buchstaben des Wortes Gottes sicher noch etwas anderes verborgen liegt, als allein die für ihn ersichtliche tote Form! Ich meine aber, es wird auch für ihn noch einmal die Zeit kommen, wo er sein störriges Lasttier gleich einem Bileam verstehen wird! Verstehet ihr nun solches?
Amen!
III.
21. Januar 1843.
Josua 10, 12–14.
Wenn so manche Gelehrte mit der Eselin Bileams besser umzugehen verständen, so würde dieses geduldige Lasttier ihnen auch hier den gehörigen Aufschluss gar verständlich redend geben; aber dieses Tier ist nun unter dem gar groben Knittel des neuen allereigensinnigsten Propheten sogar maulstörrig geworden, und lässt sich lieber zu Tode abknitteln, als das Maul aufzutun! Ich aber frage:
Wer hat denn die Sonne und den Mond und die Erde gemacht? Und wer hat denselben die Bewegung gegeben? Wer hat alle Gesetze in die Weltkörper gelegt? Ich setze nun den Fall, ein solcher gelehrter Prophet käme in die Werkstätte eines Mechanikers, welcher da gerade das Pendel einer astronomischen Uhr auf eine dem Gelehrten noch unbekannte Weise eine Zeit lang zum Stehen brächte; da meine Ich, dass es wohl nichts Alberneres geben könnte, als so der Gelehrte zum Mechaniker sagen würde: Freund, wie kannst du solches tun und magst das eigentlich sich bewegende Pendulum nicht da zum Stillstande bringen, da es sich zumeist bewegt, sondern greifst dafür nur ganz geheimnisvoll in das doch bei weitem ruhigere Werk und bringst also auf eine mir unerklärliche Weise das sich bewegende Pendulum zum Stillstande?
Was würde der Mechaniker einem solchen allwissend sein wollenden Gelehrten wohl für eine Antwort geben? Besonders, wenn dieser dem Mechaniker darob alle mechanische Kenntnis streitig machen wollte, weil derselbe einen dem Gelehrten völlig unbekannten Kunstgriff tat, um das Pendulum zum Stillstande zu bringen. Er würde den Gelehrten entweder mitleidig bedauern oder würde ihm die Türe weisen!
Ich meine aber, dass, so gut der Mechaniker sein Werk kennt, so gut werde Ich wohl auch das Meine kennen, kann daher wohl in die Sonne greifen, und dabei aber dennoch das sich um die Sonne bewegende Pendulum Erde auf eine Zeit lang zum Stillstande bringen, ohne dass dadurch die andere Schöpfung nur im geringsten beirrt wird.
Es heißt aber ja im 14. Verse: „Und es war niemals zuvor und danach ein so langer Tag gewesen, als da der Herr der Stimme eines Menschen gehorchte; denn der Herr stritt da für das israelitische Volk.“
Heißt aber dieses nicht so viel als: Der Herr tat in Seiner Schöpfung der Unkenntnis mit der Ordnung der Weltkörper von Seite eines Menschen Genüge, und erfüllte in der Erscheinlichkeit den Wunsch des Menschen, welcher nicht wusste, was er sprach! Ich meine aber, wenn der neue Bileam alles aus Meinem Worte so schlecht für Mich bemessen kann, da könnte er ja auch also messen, wie Ich es jetzt gezeigt habe! Ja, er könnte es wohl; aber sein Lasttier ist störrig geworden, und darum ist er auch blind in Meiner Sphäre. „Sonne“ aber bezeichnet auch die Weisheit, und der „Mond“ die Liebe! Allein Strauß nimmt ja nichts Geistiges an; daher wollen wir ihn auch mit dem inneren Sinne dieser Texte verschonen. Verstehet solches also auch ihr wohl selbst im Sinne des Buchstabens.
Amen!
IV.
23. Januar 1843.
2. Mose 11, 2 und 12, 36.
Hier frage man den gelehrten Mann, woher denn die Fürsten und Könige das Recht haben, Steuern von ihren Untertanen zu verlangen und die Priester den Zehnten? Warum soll ein rechter Staatsbürger denn geben dem Kaiser, was dessen und Gott, was dessen ist? Warum heißt es denn: Seid der weltlichen Macht untertan; denn es besteht nirgends eine Macht, außer in Gott. So aber Macht ist Einem gegeben, so ist sie ihm ja aus Gott gegeben, mag sie nun so oder so beschaffen sein! Wie mag denn nun solches den Mann beirren? Ich meine aber, dass das, was der Herr tut und getan hat, doch recht getan sei, indem der Herr doch sicher ein vollkommener Herr ist, und somit ganz allein der vollkommenste Inbegriff alles Rechtes über alle Dinge und alle Seine Geschöpfe. Sollte etwa dagegen der Mann auch etwas einzuwenden haben?
So ein Nachbar zum andern sagte: Freund! Ich verlange von dir jährlich ein Drittel deiner Ernte. Was wird dazu der Nachbar wohl sagen? Ich sage: er wird dem also Fordernden gar übel begegnen, und wird ihn gar ernstlich fragen, mit welchem Rechte verlangst du solches von mir? Ziehe ab von mir mit solcher Forderung, wenn du von mir nicht verderbt werden willst!
Wenn aber der Monarch ein Gebot veröffentlichen lässt, das da lautet: Ein jeder meiner Untertanen muss mir künftig die Hälfte seiner Ernte abtreten. Wer sich dagegen sträuben wird, der solle als ein Meuterer behandelt werden, und wer da nichts geerntet hat und hat doch Haus und Grund, dem soll alles weggenommen werden, damit ich zu meiner Hälfte komme. Warum spricht denn da der Untertan nicht also, wie er ehedem zu seinem Nachbarn gesprochen hatte? Du antwortest, weil solches der mächtige Landesherr gebietet. Gut – so aber der Landesherr durch seine Macht ein Recht hat, sein Volk unmäßig zu besteuern, und es getraut sich Niemand, ihm dasselbe zu bestreiten, da solches Tun in brüderlich menschlicher Hinsicht doch offenbar ungerecht ist, allda ernten zu wollen, wo man niemals einen Kern ausgestreut hat, da meine Ich, dass dem Schöpfer aller Dinge doch eher ein Recht zukommen dürfte, den Israeliten zu sagen, dass sie das Gold und Silber der übermütigen Ägypter nehmen sollen, indem sie ehedem denselben gar lange hatten fronen müssen, als da ferner ein Feldherr das Recht hat, eine eroberte Stadt zu plündern. Daher möge sich der Mann über Meine ewige Alleinrechte zuvor besser bescheiden lassen und dann erst urteilen, ob Meine Führungen göttlich oder nicht göttlich sind? Übrigens besagen auch die goldenen und silbernen Gefäße noch ganz etwas anderes; allein solches ist nicht für unseren Mann; daher für ihn bloß das Schwert des Buchstabens.
V.
25. Januar 1843.
2. Korinther 11, 13–15.
Siehe – kurz gesagt, ist auch gut gesagt! Strauße, alle gewinnsüchtigen Priester, je höheren Weltranges, desto ärger, und zwar von was immer für einer Konfession; denn alle eigennützigen und dadurch herrschsüchtigen Gesetzgeber und Machthaber sind lauter solche Afterapostel und sehr betrügende Arbeiter in Meinem Weinberge. Gestalten sie sich auch von außen, als wären sie Meine Apostel, so sind sie aber dennoch nichts anderes als reißende Wölfe in Schafspelzen, oder noch mehr verdolmetscht, sie sind Satane, die sich eines sichereren Fanges wegen zu äußeren Engeln des untrüglichen Lichtes gestalten, und es ist ja dann auch nichts Sonderliches, dass die Diener in der Sphäre ihrer auszuübenden Gerechtigkeit gleich sind ihren Herren! Ich aber sage: Ihr Lohn wird nach ihren Werken sein! Wer aber ist besser aus dem Terno? Siehe, Strauße sind an sich besser, denn die Priester und Gesetzgeber; denn die Strauße verlangen nichts für ihr Licht und den angerichteten Schaden; die Andern aber verlangen dafür noch einen mächtigen Tribut!
Wer da Arges tut, ohne das Arge zu sehen, der ist nur ein blinder Führer des Blinden, und sein Gericht wird mäßig sein; wer aber ein Sehender sein will und führt den Blinden ins Verderben, tötet ihn und beraubt ihn dazu noch seiner kleinen Habe, nun dies wird doch wohl ein arger Satan sein? Ich meine, dass dieses Wenige dir wohl genügen wird; denn es ist leicht zu fassen, wie Ich es meine! O Priestertum, o Gerechtigkeit! Du große Trübsal der Welt bis ans nahe Ende! Dein Lohn wird groß sein!
Amen!
VI.
26. Januar 1843.
Ev. Johs. 7, 3–5.
Solches taugt für das Prophetentum des Dr. Strauß.
Siehe, so der Herr nicht tut nach dem Sinne – besser Unsinne – der Menschen, so mag Niemand an Ihn glauben. Sagen nicht auch jetzt die Brüder, mehr als zu Meiner Zeit, zu Mir: „Mache Dich auf von dannen, ziehe nach Judäa, auf dass auch die Jünger sehen die Werke, die Du tust! Wer tut denn etwas im Geheimen, so er will offenbar werden? Du tust aber solche Werke, so tue sie vor der Welt, auf dass auch Deine Jünger glauben an Dich!“ Wer sind denn die Brüder? Ein jeder, der an Mich glaubt und hört Mein Wort, der ist Mein Bruder; denn auch Ich habe ja das Menschliche darum angenommen, und wollte daher und daraus geboren werden, daraus und daher ein jeder andere Mensch geboren wird. –
Glauben diese Brüder aber völlig an Mich? Nein, sie glauben nicht! Warum glauben sie aber nicht? Weil Ich als Gott und Schöpfer ihnen wollte ein wahrer Bruder sein, und weil Ich als Solcher nicht nach ihrem Unsinne tue, weil Ich die höchste Weisheit bin von Ewigkeit!
Was verlangen aber die Brüder dennoch von Mir? Sie verlangen, dass Ich als Gott Mich vor allen Schweinen der Welt manifestieren solle! Und tue Ich solches nicht, so wollen sie Mir nicht glauben, und sagen: Was solle es da mit solch einem Gott, Welcher Sich nicht ans Tageslicht getraut, und zieht Sich beständig zurück, wie der Fuchs in sein Geschleif? Sind denn nicht alle Menschen Seine Geschöpfe? Warum treibt Er denn Sein Wesen nur mit Einzelnen und achtet der Gesamtheit nicht? Warum geht Er denn nicht dorthin zu den Mächtigen, zu den Hohepriestern, die Er doch bis jetzt im Wohlstande geduldet hat, sondern schleicht wie ein Furchtsamer in den verborgenen Schlupfwinkeln herum, macht da Fischer und allerlei anderes nichtssagendes Gesindel zu Seinen Freunden und Brüder, und will wirken mit ihnen? Aber diejenigen, die Er unter Donner, Blitz und Erdbeben unter Moses zu Seinen Dienern gemacht hat, lässt Er nun sitzen, verachtet sie wohl gar, schimpft über sie und weicht ihnen aus, wo Er nur kann! –
Sehet! das ist der alte Vorwurf, und Strauß samt der ganzen ungläubigen Welt machen Mir stets den gleichen Vorwurf, und dennoch will Ich Mich nicht ändern! Findet ihr dies nicht sonderbar? Mir sind die armen Lumpen lieber, als die honetten Reichen, die da sind eine wahre Weltehre und Glanzzierde. Ist das nicht sonderbar? Mir ist die Magdalena lieber, als die züchtigste Kloster-Vestalin! Ja, es gäbe noch eine Menge solcher Sonderbarkeiten; aber was nützt es, darüber zu raisonniren, so Mir ein Kind lieber ist, als der gelehrteste Strauß! Ich bin denn einmal so und nicht anders. Wem Ich also nicht zusage, der soll Mich anders machen, wenn Er kann; Ich aber werde schon für ewig in dieser Verfassung bleiben. Warum? Weil es Mir gerade so am besten gefällt. Solches verstehe ein jeder – Strauß.
Amen!
VII.
27. Januar 1843.
Die Welt und der Zeitgeist.
Daniel, letzte Zeit, der Antichrist, Kap. 11 ins Kap. 12 übergehend, Vers 37 und 38.
Auch hier wollen wir uns kurz fassen und mit wenigen Worten zeigen, wie es mit der Sache steht. Wer ist der König? und wer der Gott „Mäusim“? Der König ist die Welt, und der Gott Mäusim ist der sogenannte Zeitgeist! Wieso denn, sagst du. So sehe denn hin und urteile selbst, ob es nicht also ist! Achtet die gegenwärtige Menschheit eines Gottes? Ich sage dir: Ohne Gold und Silber nicht einmal der bessere Priester. Wie sieht es denn mit der Frauenliebe aus? Sage Mir: Welche noch so gottesfürchtige, züchtige und dabei auch noch reizend, sogar schönste Jungfrau hat denn noch vor den Weltmännern einen Wert ohne Geld? Wer nimmt eine arme Dirne zum Weibe? Wenn sie eine Hure machen will, so wird sie bezahlt sein für die Entblößung und will sie dies aus Liebe zu Mir nicht, da wird sie als eine Irrsinnige betrachtet und ist vor den Augen der Welt verächtlich.
Siehst du nun ein, dass der König richtig bezeichnet ist, und sein Gott, der Zeitgeist – lehrt ihn Gold, Silber, Edelsteine und andere geldeswerte Gegenstände zu suchen und ihn mit denselben zu ehren! Was aber ist die Wesenheit dieses Gottes?
Solches besagt schon sein Name „Mäusim“, nämlich: Meineid, Eigenliebe, Selbstsucht, Ruhm, Pracht, Herrschsucht, Stolz, Verachtung alles dessen, was der Selbstsucht zuwider ist. Kennst du nun den Gott? – Siehe, also ist er nun buchstäblich da vor deinen Augen!
Du sagst: Ja, o Herr, also ist es richtig bis auf ein Haar vor unseren Augen; aber was hat denn der Strauß mit dem Mäusim zu tun?
Ich sage dir: Sehr vieles; denn in ihm personifiziert sich ja dieser Gott von der einen Seite gerade also, wie er sich auf der andern im gegenwärtigen hohen Priestertume personifiziert, und das zwar ohne Ausnahme in der ganzen Welt.
Strauß leugnet Christum durch seine Schriften, das hohe Priestertum aber durch seine
Taten! Strauß verkauft seine Schrift oder den Nicht-Christus ums Geld; das hohe Priestertum aber tut alles für Christus ums Geld; ohne Geld und Ruhm aber würde es für Christum ebensowenig tun, so wenig Strauß je einen Nicht-Christus geschrieben hätte, wenn er dafür nicht recht viel Geld bekommen hätte. Also Christus oder Nicht-Christus, das ist gleich, wenn er nur Geld einträgt, so oder so, dann kann man ja alles für ihn tun! Und siehe, dieser Christus oder Nicht-Christus ist der personifizierte Mäusim, oder der allereigentlichste Antichrist. Ich meine aber nun: du wirst die Sache endlich einmal verstehen; verstehe aber auch, warum hier das Kap. 11 so stark ins 12. übergeht, wie die Nacht in den Tag, so wirst du das ganze hohe Geheimnis enthüllt erschauen. Solches wohl zu beachten und zu verstehen sei euer Sinn.
Amen!
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