Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Anstoß [zur Sünde] gibt, für den wäre es besser, dass ein großer Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
Wehe der Welt wegen der Anstöße [zur Sünde]! Denn es ist zwar notwendig, dass die Anstöße [zur Sünde] kommen, aber wehe jenem Menschen, durch den der Anstoß [zur Sünde] kommt!
Wenn aber deine Hand oder dein Fuß für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst.
Und wenn dein Auge für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst.
Matthäus, Kap.18, 6-9
04b] »Wer aber durch was immer ärgert dieser noch so geringen Kinder eines, die nun mehr denn ihr selbst an Mich glauben, dem wäre es besser, so ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er dann ersäuft würde im Meere, da es am tiefsten ist. Wahrlich sage Ich euch: Wehe der Welt der Ärgernisse willen; denn sie wird eben an denen, die durch sie geärgert worden sind, ihre unerbittlichsten Richter finden!«
05] Hier wendete ein Jünger Mir ein und sagte: »Herr, bei solcher Deiner Rede und nach ihrem Sinne wird es im Himmelreiche sehr mager aussehen; denn wo lebt auf Erden der Mensch, der, ohne es zu wollen, nicht ein oder das andere Kind irgend geärgert hat? Und ich setze den möglichen Fall, daß ein solches Kind auch nie von jemand geärgert würde, so wird es aber dennoch in seinem mannbareren Alter durch seine eigenen erwachten Triebe ganz instinktartig geärgert und zum Teil durch die notwendige Bekanntschaft mit den Gesetzen Mosis. Sage uns demnach klar, was Du uns mit solcher Rede, die sehr hart ist, hast sagen wollen!«
(Matthäus 18,07) Weh der Welt der Ärgernisse wegen! Es muß ja Ärgernis kommen; doch weh dem Menschen, durch den Ärgernis kommt!
06] Sprach Ich weiter und sagte: »Seid nicht blöde in eurem Denken! Welcher nur einigermaßen weise Mensch wird es dir zu einer Sünde rechnen, so du, ohne zu wissen und zu wollen, dennoch jemanden geärgert hast?! Es kommen und müssen zwar gewisse Ärgernisse in die Welt kommen, aber da sind sie eine Zulassung von oben; Ich aber sage hier nur: Wehe dem, durch den sie böswillig und vorsätzlich kommen!«
Verhalten bei Ärgernissen in sich selbst
7] So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so hau ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist besser, daß du zum Leben lahm oder als Krüppel einhergehst, als daß du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.
08a] Auf diese etwas zu freie und ziemlich kecke Frage von seiten des etwas erregten Jüngers ward Ich denn auch etwas erregt und sagte: »Gut, so dich deine Hand oder dein Fuß ärgert, so haue beides ab und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, daß du lahm und als ein Krüppel eingehest ins Himmelreich, als daß du mit beiden Händen und Füßen ins ewige Feuer geworfen werdest! Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Es ist besser für dich, daß du einäugig zum Leben eingehst, als daß du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.
08b] Und so dich ärgert dein Auge, da reiße es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, daß du einäugig eingehest ins Himmelreich, denn daß du mit zwei Augen geworfen werdest ins Höllenfeuer!«
09] Hier erhob sich Petrus, dem diese Lehre auch nicht so recht munden wollte, und sagte: »Aber Herr, gedenkest Du jener Worte nimmer, die Du bei den armen Fischern geredet hast über das Wesen der Hölle, über das Gericht und über die ewigen Strafen der verlorenen Seelen? Ja, das waren Lehren, die jede gesunde Menschenvernunft mit den höchsten Freuden begrüßen mußte! Aber was Du nun in einer Art Aufregung gelehrt hast, verwischt alles Frühere, und die alte Hölle mit ihren ewigen Strafen und ihren Satanen und Teufeln und Feuern steht wieder so wie früher in der völlig unveränderten Gestalt vor uns, und einen allerunversöhnlichsten Gott haben wir auch wieder vor uns! Ich habe es ja gewußt, daß wir sicher wieder auf das Alte zurückkommen werden, und die Indier mit ihren schaudererregenden Leibesverstümmlungsbußen haben sonach die allein wahre und richtige Lebens- und Gotteslehre!
10] Sieh, ich setze nun den Fall, daß eben jetzt diese meine linke Hand mich geärgert hat! Auf daß sie mich aber nicht irgend möglicherweise noch einmal ärgern kann, so nehme ich nach Deinem Verlangen ein Beil und haue mir die mich ärgernde Hand ab, was mir ohne einen schnellen ärztlichen Beistand offenbarst den Tod geben wird. Ich setze aber den günstigen Fall, daß ich geheilt werde und dann wieder ganz heiter einhergehe. Aber es geschieht, daß mich da einmal die noch übrige Rechte zu ärgern anfängt. Nach deiner jetzigen Lehre soll ich sie um des Himmelreiches willen auch abhauen, was nun aber rein unmöglich ist. Es fragt sich nun, was ich in diesem Falle zu tun habe, um nicht des Himmelreiches verlustig zu werden!
11] Mein lieber Herr und Meister! Mit dieser Lehre wird es nicht also gelten, wie Du sie nun ausgesprochen hast! Ob aber irgendein anderer Sinn dahintersteckt, das ist eine Frage, deren Beantwortung sicher jedem noch so weisen Menschen sehr schwerfallen dürfte. Ehe er sie also nackt, wie Du sie nun ausgesprochen hast, als wahr und als gesetzlich ernst annimmt, wird er sich sehr Zeit lassen und sicher bei seiner alten Lehre verbleiben. Ich selbst, so wertvollst auch Dein Himmelreich ist und sein kann, will dasselbe wohl durch alle mögliche Selbstverleugnung mir verdienen, aber durchs Hände- und Fußabhauen und Augenausreißen nimmer! Statt dessen nehme man sich lieber gleich das ganze Leben, und man ist dann ganz sicher vor allem Ärgernis!«
Großes Evangelium Johannes, Band 5, Kap.244, 4-11
Petri Bitte um erneute Erläuterung des ‚Hand abhacken‘ und ‚Auge ausreißen‘
01] Mit diesen Worten des Petrus waren bis auf Johannes auch alle die andern Apostel einverstanden. Dieser aber nahm das Wort und sagte: »Aber, liebe Brüder, wie möget ihr euch nun darüber gar so entsetzen, als hätte der Herr uns damit eine ganz neue Lehre aufgestellt! Erinnert ihr euch denn nicht an des Herrn Worte (Bergpredigt, d. Hg.) auf dem Berge zu Samaria! Da redete der Herr über die Ärgernisse nahe ebenalso und hat uns dazu auch das rechte Licht gegeben. Damals habt ihr das alles im rechten Sinne verstanden; wie denn jetzt nicht?«
02] Sagte Petrus: »Es kommt mir nun wohl vor, als sei davon schon einmal eine Erwähnung geschehen; aber von dem, wie das zu nehmen und zu verstehen ist, weiß ich so wie sicher auch die andern Brüder keine Silbe mehr, und es wäre sehr zu wünschen, daß uns das noch einmal erklärt würde.«
03] Sagte Ich: »Es sind solche Worte sogar aufgezeichnet worden, so wie nun eben diese Worte, die Ich über den Nachteil der Ärgernisse nun gesprochen habe, aufzuzeichnen sind, auf daß ihr sie nicht so leicht wieder vergesset.
mt.05,30; mt.18,08] Entsprechung für Hand und Fuß abhacken
04] a Was aber entspricht der Hand des Menschen? Die Tätigkeit, – ob gut oder schlecht, so ist es eine Tätigkeit, was in der rechten Entsprechung durch das Wort und Bild ‚Hand‘ dargestellt wird; der feste Wille aber ist das Beil, mit dem allein du deine schlechte Tätigkeit auf immer von dir trennen kannst. Wie aber kannst du nun noch so blöde sein und meinen, daß Ich damit die leibliche Verstümmelung befohlen habe? {a mt.05,30; mt.18,08}
05] Ich habe desgleichen auch von einem dich a ärgernden Fuße befehlend geredet. Wer wohl wird es je vermögen, sich einen Fuß wirklich abzuhauen? Und wie dumm müßte Ich Selbst sein, um solch eine grausame Verstümmelung am selbstischen (eigenen) Leibe zu gebieten, auf daß sich dadurch rettete die Seele aus der Hölle! {a mt.18,08}
06] Gleichwie aber der Leib Füße haben muß, um weiterzukommen und am rechten Orte tätig werden zu können, so muß die Seele eine Liebe und Begierde haben zu irgend etwas, damit sie danach und zum Zwecke ihres wie immer gearteten Wohlbehagens tätig werde.
07] Ist nun die Liebe und Begierde der Seele nicht nach Meiner Lehre, was etwa wohl zu erkennen ist, so ist sie schlecht und dein ganzes Wesen ärgernd, und da nimm du abermals das scharfe Willensbeil und haue dir ab solche Liebe und Begierde und wandle und handle dann allein mit der guten Liebe und Begierde, und du wirst dann auf diesem neuen Wandelfuße der Seele ganz leicht ins Himmelreich eingehen!
08] Es ist aber das im Grunde also zu verstehen: Ein jeder Mensch auf dieser Welt hat notwendig eine dreifache Liebe und daraus hevorgehende Begierde. Die eine ist materiell und muß es sein, da ohne sie niemand die Erde bearbeiten und sich auch nicht nehmen würde ein Weib. Damit der Mensch auf dieser Erde aber auch das tue, so muß er auch eine materielle Liebe und Begierde nach außenhin haben, die ihn zu solch einer Tätigkeit bewegt und trägt. Wird solche Liebe und Begierde zur Außenwelt zu mächtig, so ärgert sie ja den ganzen Menschen und macht Verkümmern die Seele, weil diese zu sehr in die Materie hinausgedrängt wird. Da ist es dann an der Zeit, sich sehr zu ermannen und mit dem festesten Willen sich von solcher Liebe und Begierde ganz loszumachen und allein pur dem, was rein des Geistes ist, mit den Kräften nachzustreben. Ist das der Fall, so genügt das allein auch zur Gewinnung des Reiches Gottes, obwohl man sonst nach der rechten Ordnung der Dinge beides tun soll der Liebe des Nächsten wegen.
09] Es gibt nun schon und wird fürder solcher noch mehr geben, die sich gänzlich von der Welt und ihrer Arbeit abwenden werden und allein dem nachstreben, was da ist des Geistes. Aber Ich sage nicht, daß sie dadurch dereinst als ganz gerechtfertigt dastehen werden; nur sind sie, wie gesagt, dennoch um vieles besser daran, als so sie als verärgert materielle Menschen in den euch bekannten Lebensgegenpol, von dem Ich bei dem Fischer Aziona gesprochen habe, geraten würden, was soviel heißt, als so ganz eigentlich in die Hölle kommen oder geworfen werden.
mt.18,09] Entsprechung für ‚Auge ausreißen und wegwerfen‘
11] Wer das tut, der wird auch als gerechtfertigt dastehen und anschauen das Angesicht Gottes; aber es werden derlei selige Geister denjenigen, die ihre Weltweisheit auch durch Worte und Taten zu einer göttlichen erhoben haben, um ein sehr Bedeutendes nachstehen.
12] Ich meine nun, daß ihr das jetzt doch werdet begriffen haben, und so Ich fürderhin wieder einmal auf dieses Thema geraten sollte, da fraget Mich nicht mehr um den Sinn solcher Lehrbilder, die Ich eben darum also verhüllt gebe, weil sie pur für die Seele gestellt sind, die nun bei jedem Menschen auf dieser Erde auch durch das Fleisch verhüllt ist vor dem Leibesauge! Denn es ist ein anderes um eine Lehre, die den ganzen Menschen betrifft und ein anderes um die Lehre, die allein die Seele angeht. – Verstehet ihr nun dieses alles?«
Großes Evangelium Johannes, Band 5, Kap.245, 1-12
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