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287. Der Lehrer Piras Zachäus wünscht Jesus aus Ruhmsucht in seine Schule

287. Kapitel – Der Lehrer Piras Zachäus wünscht das Wunderkind aus Ruhmsucht in seine
Schule. Joseph rät dem Lehrer, einen Versuch zu machen. Jesus beschämt den heuchlerischen
Lehrer.
23. August 1844

[287,01] Nach einer Zeit von ungefähr drei Monden, als Joseph mit der Arbeit im Dorfe
fertig war, kam ein gewisser Piras Zachäus aus der Stadt zum Joseph auf einen Besuch und
machte da auch zum ersten Male persönliche Bekanntschaft mit dem Kinde, von dem er schon
so manches vernommen hatte.
[287,02] Er kam aber heimlich so ganz eigentlich des Kindleins willen.
[287,03] Denn dieser Piras Zachäus war in der Stadt ein wenig zu tun habender zweiter
Lehrer und hielt aber dennoch sehr große Stücke auf seine Weisheit.
[287,04] Warum aber kam er denn heimlich des Kindleins wegen zu Joseph?
[287,05] Weil er dachte: ,Das muß ein sehr talentvoller Knabe sein;
[287,06] diesen will ich zu mir in die Schule bringen, auf daß dann durch dessen rasche
Fortschritte meine Schule vor der meines Rivalen in Ruf komme!‘
[287,07] Er beschäftigte sich darum hauptsächlich mit dem Knaben Jesus, befragte Ihn
über manches und bekam allzeit die triftigste Antwort, worüber er sich hoch verwunderte.
[287,08] Als er das Knäblein also ausgeforscht hatte, da wandte er (Piras Zachäus) sich
an den Joseph und sprach zu ihm:
[287,09] „Bruder! der Kleine hat für sein Alter ja einen außerordentlichen Verstand.
Wahrlich wahr, da hast du ein übergescheites Knäblein!
[287,10] Es ist nur schade, daß es noch nicht lesen kann und zeichnen die Buchstaben!
[287,11] Möchtest du es denn nicht zu mir in die Schule geben, auf daß es bei mir lerne
die Buchstaben lesen und schreiben?
[287,12] Und ich will ihn dann noch lehren alle andere Wissenschaft, daß er begrüßen
lerne die Ältesten und sie ehren wie Großväter und Väter!
[287,13] Und – weißt du, daß er auch lieben lerne seine Spielgesellen, mit denen er
schon öfter sehr unbarmherzig solle umgegangen sein!
[287,14] Und daß er endlich auch erlerne das Gesetz Mosis, erkennen die Geschichte
des Volkes Gottes und die Weisheit Gottes in den Propheten!“
[287,15] Und Joseph sprach zu dem Lehrer: „Gut, mein Freund und Bruder! – Aber
bevor du noch diesen meinen Knaben zu dir in die Schule nimmst, mache hier vor mehreren
Zeugen, die heute bei mir sind, einen kleinen Versuch!
[287,16] Sage Ihm alle Buchstaben vor und erkläre sie Ihm deutlich; dann frage Ihn
durch,
[287,17] und du wirst dann aus dem, was Sich der Knabe wird gemerkt haben von
deiner Erklärung, am sichersten urteilen können, wie da beschaffen ist Sein Talent!“
[287,18] Und der Lehrer tat das sogleich. Er sagte dem Knaben die Buchstaben von
Alpha bis Omega deutlich vor und erklärte auch die Zeichen so gut es ihm nur immer möglich
war.
[287,19] Jesus aber schaute den Lehrer groß an und sprach, als er Ihn darauf befragte,
zu ihm:
[287,20] „O du Heuchler von einem Lehrer! – Wie willst du das Beta die Schüler
lehren, der du das Alpha noch nie nach seiner Bedeutung erkannt hast?!
[287,21] Erkläre Mir der wahren Weisheit gemäß das Alpha, und Ich will dir dann
glauben, was du sagen wirst über das Beta!
[287,22] Damit du aber nun erfahrest, daß Ich nicht nötig habe, von dir die Buchstaben
und ihren Bau und ihre Bedeutung zu erlernen, so will Ich dir’s erklären und zeigen der
Buchstaben wahre Bedeutung!“
[287,23] Hier fing der kleine Jesus dem ganz verdutzten Lehrer das ganze Alphabet
vorzukapiteln an und befragte ihn auch fleißig daneben, ob er es begriffen habe.
[287,24] Jede Antwort des Lehrers aber fiel so dumm und höchst unvollständig aus, daß
darob alle Anwesenden in helles Lachen ausbrachen.
[287,25] Da aber der Lehrer solche erstaunliche Weisheit in dem Kinde entdeckte, und
wie er da zuschanden geworden ist, da stand er auf und sprach zu den Anwesenden:
[287,26] „O wehe mir Armem, ich bin nun ganz verwirrt geworden! – Mir selbst habe
ich Schande, Spott und Schaden bereitet darum, daß ich dieses Knäblein in meine Schule
bringen wollte.
[287,27] O Bruder Joseph! hebe den Knaben von mir hinweg; denn ich kann nimmer
ertragen das Herbe seines Angesichts und das Durchbohrende seiner Rede!
[287,28] Wahrlich! dieses Knäblein ist kein Erdgebornes! – Es muß ja bei seiner
Weisheit Feuer und Wasser zu bändigen verstehen!
[287,29] Ich will ein Narr sein allzeit, wenn es nicht lange vor der Erschaffung der Welt
ist geboren worden! – Jehova wird es wissen, was für ein Mutterleib es getragen, und welcher
Schoß es ernährt hat!
[287,30] Wehe mir! – Ich bin schon ein Narr; ich kam, um einen Schüler zu werben,
und siehe, ich habe einen Lehrer gefunden, dessen Geiste ich nimmer nachzustreben vermag!
– O fühlet die Schande, Freunde, mit mir! – Ein Greis ward von einem Knäblein zum Narren
gemacht, – das ist ja mein Tod!
[287,31] Darum, o Joseph, hebe den Knaben von mir hinweg; denn er muß etwas
Gewaltiges sein, entweder ein Gott oder ein Engel!“
[287,32] Alle Anwesenden aber fingen nun an, den Lehrer zu trösten; denn er dauerte
sie seiner großen Not wegen. –

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