(Verlangen des Mohammed als Glaubenszeugen. Mohammed wurde vom Bruder Liebe ein Volksbetrüger genannt, worauf große Entrüstung und Drohen mit Dreinhauen unter den Mohammedanern. Mohammed, vom Bruder Liebe heruntergerufen, erschien und hielt eine schöne Beichtrede über sein einstiges falsches Prophetentum, sein Lohn dafür die unterste Hölle und die Rettung daraus durch Bruder Liebe.)
»Gut«, sagte der Bruder Liebe, »saget mir also, welcher Beweis wäre für euch maßgebend oder unanfechtbar, daß bloß ihr die Rechtgläubigen seid, wir Christen aber Irrgläubige und Ketzer, da ihr uns mit Giaur tituliert?«
Diese Frage brachte sie wieder in Verlegenheit, da sie für den ersten Moment, nicht darauf gefaßt waren, Doch erholten sie sich bald und sagten: »Das könnte uns nur unser Prophet Mohammed sagen, aber wo steckt er jetzt, wer weiß den Ort, um ihn aufzusuchen und sein Urteil zu hören?« Der Bruder Liebe meinte nun: »Euer Prophet, der übrigens kein Prophet, sondern ein Religionsschwärmer und Volksbetrüger zugleich war, da er euch eine Religion zusammenpfuschte daß alle Türken und Mohammedaner, wenn sie sterben, in so armselige und viele in noch armseligere Zustände wie ihr nach dem Leibestode kommen, wäre mir leicht aufzufinden, da ich weiß, wo er sich befindet, aber es ist die Frage, ob ihr mir und ihm glauben werdet, da ihr ihn nie persönlich gekannt habet.
Also saget mir, was ist eure Antwort darauf?« Die Bezeichnung Volksbetrüger und Stifter einer falschen Religion reizte sie, daher sagten sie: »Du wirst uns nicht mehr von dannen gehen, bis du uns deine Behauptung erwiesen hast, sonst hauen wir dich zusammen, daß du liegen bleibst, du christlicher Maulheld und böser Hund!« »Na, ich wußte ja gut, was euch nicht schmecken wird darum sprach ich die Wahrheit und bin auch bereit, euch nachzuweisen, daß ich die Wahrheit sprach und daher frage Ich euch wieder: Was wünschet ihr von mir, als einen vollgültigen Beweis dessen, was ich sagte?« Da stutzen die Mohammedaner neuerdings, da der Bruder Liebe diese Worte fest betonend und wie herausfordernd sprach und daher zogen sie sich ein wenig zurück und besprachen sich.
Nach einigen Minuten kehrten sie sich um und traten wieder vor und sagten: »Wer sonst, wie Mohammed, könnte uns das vollwahr kundgeben, denn deinen Worten als Giaur können wir unmöglich glauben, also schaue zu, daß du uns den Mohammed herschaffst, sonst kommst du unter unsere bearbeitenden Hände, damit du ein anderes Mal wissen wirst, wie man mit Mohammedanern spricht, um sie nicht zu beleidigen in ihrem Glaubensgefühl.«
Diese Worte aber sprachen sie in voller Überzeugung, daß es dem Bruder Liebe nicht möglich sei, den Mohammed herzuschaffen oder zu finden. Der Bruder Liebe fragte sie nun, ob sie wirklich den Mohammed wünschen und ob sie vorbereitet sind, ihn zu befragen und anzuhören. Denn Mohammed hat sich bekehrt und ist im Jahre 1653 ein Christ geworden und ist im obersten Himmel beim Christengott Jesus, den ihr nur für einen kleinen Propheten haltet.
»Was! Wie!« schrien sie auf, »das getraust du dich auch noch uns zu sagen! Soll man dich nicht sogleich durchhauen, daß dir Hören und Sehen vergeht, du elender Wicht von einem Lügenmaul! Du kommst immer tiefer in die Fallstricke, die du dir selber legst. Warte du nur, du bist in unseren Händen, und daher bereite dich vor auf unsere Fäuste, die dich breit schlagen werden. Jetzt verlangen wir um so entscheidendere Beweise von dir.
Also gib uns Beweise, bevor wir die Hände an dich legen.« »Also Beweise wollet ihr?« sagte der Bruder Liebe, »ich habe euch ja gesagt, daß ich euch den Mohammed auffinden kann, aber ihr seid nicht bereit, ihn zu befragen; denn er ist jetzt ein herrliches, himmlisches Wesen, und ihr würdet euch erschrecken, wenn er plötzlich vor euch käme, um euere Fragen zu beantworten. Sammelt euch und denket nach, was ihr ihn befragen werdet, ohne euer Ziel des Verlangens zu erreichen. Es handelt sich zugleich darum, euch dann auch zu bekehren, aus diesem elenden Zustande zu erlösen und glücklich zu machen, wie wir es sind.«
Diese entscheidenden Worte wirkten wie eine Dusche auf sie und nun fingen sie an zu beraten, was sie anfangen sollten, wenn er wirklich käme. Da trat ein türkischer Geistlicher vor und sagte: »Brüder! Die Sache ist ernst, ich habe immer mit meinen Brüdern von der Seite zugehört, was vorgeht und sehe nun ein, daß es Zeit ist sich für die Sache ernst zu interessieren, damit kein Schwindel und Betrug herauskomme. Da wir als Geistliche und eure Religionslehrer in erster Linie interessiert sind, die Wahrheit zu erfahren, um zu wissen, wie wir mit diesem Menschen, der so siegesbewußt mit euch sprach, daran sind. Lasset einmal mich mit ihm sprechen, dann werde ich schon herausbringen, wie und was er mit uns beabsichtigt. Ich werde schon mit ihm fertig werden. Überlasset daher mir euren Streit, damit die Sache einen wahren Ausgang findet.«
Gleich darauf trat der mohammedanische Geistliche zu Bruder Liebe und sagte ihm: »Höre junger Mensch, deine Rede mit den Männern aus meinem Glaubenskreise war sehr herausfordernd, und daher komme ich als Glaubenslehrer zu dir, um von dir die angebotenen Beweise zu sehen. Also beweise uns, was du behauptest, damit uns der Wahrheitsbeweis geliefert wird, so können wir deine Behauptungen nicht glauben, also mache dich dazu, denn ich bin bereit, die Wahrheit zu prüfen.«
Der Bruder Liebe sagte nun zum Geistlichen: »Mache dich bereit, und nimm dich sehr zusammen, damit du vor Schreck und Staunen nicht am Ende stumm verbleibst. Rufe noch deine Mitbrüder und Geistlichen dazu, damit ihr mehr Mut haben werdet, wenn Mohammed erscheinen wird.« Der Geistliche rief sogleich noch die übrigen Geistlichen herbei und sagte: »Nun, mache deine Behauptungen zur Wahrheit!« Der Bruder Liebe sagte nun laut, daß alle deutlich hörten: »Bruder Mohammed, komme herunter!« In diesem Moment schoß ein Blitzstrahl aus der Höhe herunter und Mohammed stand im schönsten türkischen Anzuge, mit dem Turban auf dem Kopfe vor den erschrockenen Geistlichen und fragte sie: »Liebe Brüder, saget mir nun, was wünschet ihr denn vor mir?«
Die Priester aber waren so erschrocken, daß sie keinen Laut hervorbringen konnten und starrten ihn immerfort an. In dieser Verlegenheit meldete sich der Bruder Liebe und sagte: »Ihr wollet Beweise und hießet mich Maulheld, einen elenden Wicht, der ob seiner Lügenmäulerei breitzuschlagen sei. Nun, ihr Maulhelden, wo ist euer Mut, dreinzuhauen? Möchtet ihr nicht euren Propheten Mohammed ergreifen und als Betrüger durchhauen? Er ist da und damit der Beweis geliefert, den ihr verlangtet. Du Bruder Mohammed aber, sprich selber die Wahrheit, damit diese, rechtgläubigen Hitzköpfe sich abkühlen!«
Darauf ergriff Mohammed das Wort und sagte: »Liebe Brüder und Glaubensgenossen nach meinem einstigen Glauben, der Bruder der mich herunterrief aus den himmlischen Höhen, ist ein sehr hoher Geist, der allen Glaubens wert ist, was er spricht, und so hat er auch die Wahrheit gesagt, daß ich einst als euer Glaubensstifter ein Volksbetrüger war, weil ich nicht nach göttlichen Eingebungen, sondern nach meinen Ansichten eine neue Religion zusammenpfuschte, welche dem Charakter und den Sitten des orientalischen Volkes entsprach.
Ich benützte alles, von dem ich wußte, daß es dem Volke gefallen würde, denn ich wollte in meinem Ehrgeize ein großer Mann werden, und daher log ich zusammen, was ich für gut fand. Ich war im vollsten Sinne des Wortes ein Lügner oder falscher Prophet, so lange ich auf der Erde lebte. Als endlich mein Tod kam, ging der große Prophet Allahs in die tiefste Finsternis der untersten Hölle und nicht in den siebenten Himmel!
Hier in der tiefen Finsternis und unter Qual und Schmerzen hatte ich genug Zeit nachzudenken, daß ich eine Hauptsünde begangen habe, weil ich gar so stark gestraft worden bin dafür. Die Religion Jesu Christi war mir gut bekannt, denn ich entnahm ja manches daraus, nur wußte ich nicht, ob Jesus wirklich Gott oder bloß ein göttlicher Gesandter als Religionslehrer war; denn ich konnte mich nicht aus dem Tagesmenschen herauswinden und ein höheres Licht sehen, weil ich zu finster im Geiste war, denn Christusglaube und Hochmut und Ehrgeiz, die in mir steckten, vertrugen sich nicht.
Denn es wird einem kein Licht, solange man diesen Hauptsünden huldigt. Ich blieb lange Jahrhunderte, die mir Ewigkeiten zu sein schienen, unter einer fürchterlichen Ausgeburt von allerbösesten Teufeln wohnend und konnte mir nicht helfen. Ich rief zu Allah, aber es schien, als wenn es keinen Allah gäbe. Ich blieb unerhört und litt fürchterliche Schmerzen und geistige Leiden und Gewissensbisse, die unbeschreiblich waren. Ich wußte nun, daß meine Religionsstiftung im Auge des Allahs den größten Widerwillen erzeugt hatte und es schien, als hätte mich Allah ganz verstoßen und in die ewigen Flammen des Leidens der Hölle verdammt.
Ein Jahrhundert der größten Schmerzen und Leiden verging nach dem anderen, und immer schien es, daß dieser schreckliche Zustand kein Ende nehmen würde. Allah wollte von mir nichts wissen, und so mußte ich leiden ohne jede Hoffnung einer Erlösung und Linderung meines allertraurigsten Zustandes. Meine Umgebung, die Ausgeburt der allerbösesten Teufel, ließ mir auch keine Ruhe und verhöhnte mich auf alle erdenkliche Weise.
Anfangs hielt ich mich freilich über die Verspottungen meines Prophetentums auf, denn ich war noch hochmütig und ehrgeizig. Aber wie die Zeit alle Wunden heilt, so gewöhnte auch ich mich an die Geringschätzungen und Bosheiten meiner Umgebung, und dieses war ein großer Vorteil für meinen Gemütszustand. Ich hatte dadurch Muße, nachzudenken, was ich alles angestiftet hatte mit meiner neuen Religion. Sie erschien mir mit ihrer Unduldsamkeit gegen Andersgläubige, ihrer Unzucht mit den Weibern und anderen Untugenden, außer der Gastfreundschaft, eine Quelle zur Neuschaffung von Teufeln aller Nuancen für die Hölle.
Und sehet, vor mir stehet ihr, die mein Glaube zu Höllenbewohnern gezüchtet hat. Garstig, mehr nackt als angezogen, böse, unduldsam und geil stehet ihr da und wolltet vor einigen Minuten über den edelsten Bruder herfallen und ihn durchhauen, weil er euch die Wahrheit sagte. Also seid ihr hochmütig, weil unduldsam, und daher euer trauriges Los hier als Bewohner der Hölle, denn ihr seid Teufel im Inneren eures Wesens.
Doch ich erzähle euch weiter. Eines Tages, wenn man in der Hölle so sprechen darf, besonders in der untersten, wo kein Funken eines Lichtes vorkommt, kam ich endlich auf die Idee, über den Jesus als Stifter der christlichen Religion nachzudenken. Die Lehren kannte ich und daher war es mir leicht, den ungeheuren Unterschied zwischen der Religionslehre Jesu und meiner zu erkennen. In der Christusreligion fand ich nur Göttliches, in meiner aber eigenen Götzendienst, weil nach den weltlichen Untugenden des orientalischen Volkes zugeschnitten. Je mehr aber ich die Erhabenheit der Christuslehre durchdachte, desto mehr Liebe gewann ich zu Jesu als Stifter dieser Religion.
Ich fand heraus, daß er wirklich ein Licht in der Finsternis war und daher aller Achtung wert. Dieses fortgesetzte Studium weckte die Sehnsucht in mir, diesen seltenen Mann kennen zu lernen. Aber wie das, in der tiefsten Hölle der Finsternis, das war mir unklar. Allein die Sehnsucht ließ nicht nach, weil meine Achtung, Ehrfurcht und Liebe zu diesem ungewöhnlichen Genie und Geist der göttlichen Lehre der Liebe und Wahrheit eine zu hohe war. Eines Tages oder eines Nachts, das ist für die Erzählung Nebensache, überkam mich eine solche Sehnsucht nach diesem Manne, daß ich wie vor Wonne einen Liebesseufzer ausstieß: Ach, mein lieber Jesus, wenn ich doch die Gnade hätte, dich einmal zu sehen und zu sprechen! Das möchte gewiß meinen unerträglichen Leidenszustand lindern.
In diesem Augenblick blitzte es auf vor meinen Augen und ein wunderschöner Strahlenbogen stand über mir und eine unsichtbare Stimme sprach: ‘Mohammed! Deine Sünden sind groß, aber die Liebe des ewigen Vaters der Menschen, Jesus, ist noch größer. ’ Als diese Stimme verstummte, verschwand der Strahlenbogen und ich befand mich auf einer schönen grünen Wiese voller Blumen und voll Wohlgeruches und alle Qualen und Leiden waren weg.
Ich fiel auf die Knie und aufs Gesicht und verbarg es in meine Hände und weinte vor Freude, dieses herrliche Ereignis erlebt zu haben, wo ich aus der schrecklichen Hölle erlöst wurde und zugleich erfuhr, daß Christus tatsächlich Allah, Vater und Schöpfer der Menschen war und ist; denn davon überzeugte mich auch diese Versetzung aus der tiefsten Hölle und Finsternis auf eine so herrliche und lichte Wiese. Ich dankte, so oft ich konnte, für die große Gnade und wunderte mich zugleich, wie ich so plötzlich frei von allen Leiden werden konnte und mich so wohl und gesund fühlte.
Als ich schon lange auf dem Gesichte lag und den Allah in Jesus lobte und pries, fühlte ich eine Hand, welche mich berührte und hörte eine Stimme, die mich aufstehen hieß. Verwundert blickte ich nach der Gestalt, die mich aus meinem Zustand der Zufriedenheit weckte und aufstehen hieß, und da sah ich denselben edlen Menschen, mit dem ihr so sehr für meinen falschen Glauben gestritten habet, vor mir stehen und mich freundlich anschauen.
Ach, ich kann euch nicht beschreiben, welche Wonne mein Herz durchströmte nach solcher finsteren Nacht der allerbösesten Hölle einen freundlichen Menschenanblick zu sehen. Ich war eine Zeit wie gebannt vor Freude und schaute ihn an, endlich kam ich zum Worte und sagte: Allah mit dir, guter Freund! Sage mir, wo bin ich denn, da ich mich gar nicht auskenne? Und der gute Bruder sagte: Auf deinem eigenen Grunde deiner Erkenntnis und Liebe. Diese Antwort verstand ich nicht, aber ich nahm sie gutwillig auf und fragte ihn weiter: Lieber Bruder, sage mir, wie komme ich zu meinem Allahvater Jesus, denn Er hat mich vor einiger Zeit aus der tiefsten Hölle erlöst und hierher versetzt.
Da antwortete der liebe Bruder: Du wirst zu ihm kommen, aber du bist bar aller Liebeswerke und ohne diese kommt niemand zu Allah, dem Vater, der pure Liebe ist und in Jesusgestalt sich von seinen Kindern anschauen läßt und mit ihnen in dem obersten Himmel wohnt. Ich will dich aber leiten, daß du dir diejenigen Tugenden aneignest, welche dich zu Ihm bringen, und du auch etwas zu zeigen hast, womit man den Himmel erlangt, und sehet, diesem edelsten Menschen, der hier steht, habe ich alles zu verdanken, daß ich nun überglücklich bin.« In diesem Augenblick erstrahlte er wie eine Sonne und schoß wie ein Blitz zurück in die himmlischen Höhen und verschwand.
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