(Swedenborg in das obere Paradies versetzt. Angenehme und unangenehme Erfahrungen. Die Zumutung, einen schweren Baumstamm tragen zu helfen und wegen Zögerns in die zweite Hölle versetzt.)
Als er dieses inbrünstige Gebet beendet hatte, befand er sich plötzlich in einer anderen herrlichen Gegend, wo alles viel edler und hochgeistiger war und freundliche Geister lustwandelnd ihn herzlich willkommen begrüßten. Erstaunt blickte er herum, daß seine frühere Gegend sich so plötzlich verändert hatte und seine früheren Freunde und Bekannten verschwunden waren.
Doch war ihm das ein gutes Zeichen, daß sein Gebet doch in einer Weise erhört wurde, welches das Beste zu erhoffen versprach, und er dachte, es wird wohl noch der liebe Heiland kommen und meinen Sehnsuchtswunsch erfüllen. So stand er eine Weile und schaute nach allen Seiten, ob er Mich nicht irgendwo erblicken könne, doch nichts zeigte sich, was seinen Wunsch in Erfüllung zu bringen versprach. Nach langem Warten wandte er sich an eine Gruppe fröhlich dahin wandelnder Menschen und fragte sie, wo er sich denn eigentlich befinde, da er niemand kenne. Er erzählte ihnen, wer er im Leben war, was er schrieb und wie er ins Geisterreich kam und unter seine Freunde und Bekannten von gleicher Gesinnung ins Mittelparadies gelangte, dort aber nicht seine innere Befriedigung finden konnte und daher zum Gebet seine Zuflucht nahm und nach der Beendigung des Gebetes in diese herrliche Gegend versetzt wurde.
Die seligen Geister freuten sich über seine Berichte und sagten: »Hier ist das obere Paradies, der Vorort des Himmels, und es wird sich schon finden, daß auch dir der liebe Heiland Jesus erscheinen wird, wenn du so großes Verlangen nach Ihm hast. Denn im oberen Paradiese kommt dies hin und wieder vor, daß der liebe Heiland persönlich unter diejenigen kommt, die eine große Sehnsucht nach Ihm haben.« Darauf entfernten sie sich und der Swedenborg befand sich wieder allein in der herrlichen Gegend, die er bewundernd mit seinen Augen musterte. Doch nicht lange konnte er ruhig bleiben, sondern die Liebe zu Mir trieb ihn entlang eines silberklaren Baches, der voll Edelfische war, zu wandeln und die schönen Gewächse, Blumen und Früchte, die an Bäumen und Gesträuchen in großer Fülle zu sehen waren, zu beschauen und sich des Wohlgeruches, der zu ihm drang, zu erfreuen. Endlich kam er zu einer Bachkrümmung, die wie in ein anderes Land zu führen schien.
Neugierig gemacht, was das für ein Land sein möchte, ging er hinein in die veränderte Landschaft, die aber nicht so schön war, wie die frühere, weil seine Liebe zu Mir zu stark zur Bewunderung der Natur sich hinneigte und dadurch die Lieblichkeit des geistigen Seins sich in ihm verminderte. Dies war eine unangenehme Überraschung für ihn und er wollte daher umkehren. Aber o wehe! die schönen Gegenden, die er im Rücken zu haben glaubte, waren weg und verschwunden und der Weg zurück nicht besser wie nach vorwärts.
Das machte ihn stutzen, woher und warum diese plötzliche Veränderung. Da stand er wieder traurig und wußte nicht, was er machen sollte, da die Landschaft viel unansehnlicher war, als im Mittelparadiese und er sich allein und verlassen sah. Nun stieg ihm der Gedanke auf: Du hast ja den lieben Vater Jesus ganz vergessen vor lauter Beschauung und Bewunderung der herrlichen Gegenden und hast Ihm nicht einmal einen Dank und Lob dafür gesagt, daß Er dich so herrlich in die obere Sphäre des Paradieses versetzt hatte. Ein Seufzer der Wehmut überkam ihn und Tränen der Reue wegen seines Undankes und seiner Vergessenheit traten in seine Augen und tiefbewegt fiel er auf seine Knie und bat um Vergebung der Sünde, die er eben begangen hatte.
Plötzlich sah er einen Menschen den Bach aufwärts gegen ihn zugehen, der einen schweren Baumstamm auf seiner Schulter trug. Als der fremde Mensch näher kam, sah Swedenborg, daß er ganz in Schweiß gebadet war wegen der Schwere des Baumstammes, den er trug. Als dieser ganz in seine Nähe kam, bat er ihn, ob er ihm nicht helfen möchte den schweren Baumstamm zu tragen, da er ihn schon lange und von weit her trug. Swedenborg schaute den Träger, den Baumstamm und seine eigenen, feinen schwarzen Kleider an und wußte nicht, was er ihm antworten solle, da er sich die Kleider zu beschmutzen und zu zerreißen fürchtete. Da schaute ihn der Träger traurig an und sagte: »Lieber Bruder, hast du mehr Liebe zu deinem Salonanzug als zu mir, der ich müde und nahe ermattet bin und doch fort muß, wohin mir beschieden ist, den schweren Baumstamm zu tragen?« Da erbarmte sich Swedenborg und sagte: »Weißt du was, ich will dir helfen, aber lasse mich meinen schwarzen Salonrock ausziehen, damit er nicht beschmutzt oder zerrissen, wird.«
Da erwiderte ihm der Träger: »Was nützt dir da dein Salonrock in dieser Wüste ohne Leben und Freude? Mag der Rock zerrissen oder ganz sein, wer schaut dich an, wo wir zwei allein in dieser traurigen Landschaft sind? Überlege nicht viel, sondern nimm die Hälfte der Last auf deine Schulter, indem du mir hilfst sie dort hinaufzutragen, um einen Steg über den tiefen Bach zu machen, damit wir hinüber kommen und uns dort auf der anderen Seite umschauen, ob da nicht eine schönere Gegend sich vorfindet, wo wir zufriedener mit unserem Los werden.« Auf diese Zurede wollte Swedenborg zugreifen und den schweren Baumstamm tragen helfen, aber sein Salonanzug stand ihm im Wege und er zauderte, den schmutzigen und knorrigen Baumstamm auf seine Schultern zu nehmen.
Plötzlich wurde es finster um ihn herum und eine unheimliche Gesellschaft umgab ihn, während der Träger und der Baumstamm verschwunden waren. Wohl trug er noch den schwarzen Salonanzug, aber was bedeutete dieser in dieser gemeinen und garstigen Gesellschaft, die sich recht gemein betrug und unschöne Reden unter sich führte wie in einer gemeinen Schnapsbude. Wie vom Blitzstrahl getroffen stand Swedenborg da und konnte sich die seltsame Veränderung der schönen in immer traurigere Gegenden nicht enträtseln. Besonders ekelhaft kam ihm das Reden seiner neuen Gesellschaft vor, welche ihm recht höllisch erschien. Hier stand er traurig und beschaute beim Abenddämmerungslichte seine Umgebung, die kahl, unfruchtbar, garstig, ja unheimlich, wie ihre Bewohner war.
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