(Höhnische Aufklärung der Höllengeister über die Versündigung wegen Lieblosigkeit. Swedenborg erkennt seine Sünde. Der Höllenteufel mit himmlischen Salonanzug. Höllische Unterhaltung. Versetzung auf einen Wüstenweg. Begegnung mit einem zerlumpten Menschen.)
Einige der neuen Gäste traten zu ihm und musterten ihn von oben nach unten und fragten ihn: »Wer bist du denn und woher kommst du, daß du dich zu uns in die Hölle unter die Teufel verirrt hast? Denn du scheinst ein besserer Mensch gewesen zu sein, das besagt uns dein schöner Anzug unzweideutig. Was hast du denn angestellt, daß dich das böse Schicksal in die Hölle verstoßen hat? Wahrscheinlich warst du lieblos wie wir und daher traf dich dasselbe Los wie uns, die wir schon auf Erden Teufel unter Menschen waren und kamen daher gleich nach dem Tode mit unseren schmutzigen und zerrissenen Kleidern hierher.
Du aber scheinst dich erst hier versündigt zu haben, weil dein Anzug einen besseren Menschen zeigt als wir es sind. Sage uns, was hast du angestellt, daß du mit einem himmlischen Anzug in die Hölle kamst?!« Wie ein Donnerstrahl durchdrang dieses Gerede seiner neuen Umgebung sein trauriges Herz und er dachte bei sich selbst: Also diese erkennen an meinem Anzug, daß ich mich hier durch Lieblosigkeit versündigt habe und daher in die Hölle kam. Und ich, ein Werkzeug des Herrn, der soviel Schönes schrieb, wußte das nicht, was Höllengeister sogleich an mir erkannten! O wehe mir, jetzt weiß ich, wie und warum ich mich versündigt habe.
Die Liebhaberei mit den Naturschönheiten und die Lieblosigkeit gegen den armen Mann, der so schwer seine Baumlast trug, ist die Schuld meines traurigen Zustandes in dieser unheimlichen höllischen Gegend und Gesellschaft. Swedenborg schaute nach seinen unheimlichen Gästen, soviel er beim Dämmerlichte an ihnen sehen konnte und war sichtlich aufgeregt, plötzlich ein Höllengeist geworden zu sein. Besonders mißfiel ihm die heimliche Schadenfreude seiner neuen Gäste, die höhnisch lachten und witzige Geringschätzungen über den Höllenteufel mit himmlischem Salonanzug hervorbrachten.
Tiefgebeugt und in Trauer versunken stand er da und schwieg auf alles, was er hörte, denn er fühlte, daß dieser Zustand seiner begangenen Lieblosigkeit entsprach und daher auch die Verhöhnung und Geringschätzung eine verdiente war. Ohne etwas zu erwidern, wandte er sich ab von der Gesellschaft und ging weg von ihr an einen einsamen Ort, wo er allein sein konnte. Hier setzte er sich nieder und dachte über die Ereignisse nach, die er bisher im Geisterreich erlebt hatte, und dachte darüber nach, wie er wieder aus der Hölle, in die er zufolge seiner Lieblosigkeit geriet, kommen könnte.
Jetzt hätte er wohl mögen den schweren Baumstamm tragen, aber wo ist diese Gegend, wo der Träger hin verschwunden, damit er ihm helfen könnte? Diese Gedanken durchschwirrten sein Inneres, aber er sah keine Auskunft auf seine Fragen, er sah keine Möglichkeit, die begangene Lieblosigkeit gutzumachen in seinem Höllenzustande und daher war er sehr niedergeschlagen über das traurige Los, das ihn infolge seines Mangels an Bruderliebe traf. So saß er versunken in träumenden Tiefen seiner Gedanken, die ihm kein Aus und kein Ein zu raten wußten. Plötzlich kam ihm ein lichter Gedanke, der ihn aus seiner Gedankenvertiefung herausriß.
Wie wäre es, wenn ich wieder einen Fußfall der Reue und Bitte um Vergebung meiner Sünde des Mangels an brüderlicher Nächstenliebe machen möchte!? Diesen Gedanken hielt er nun fest und dachte nach, wie er es nun recht anstellen könnte, um zum Ziele seines Wunsches zu gelangen. Aber je mehr er darüber nachdachte, desto schwieriger erschien ihm die Demütigung, der er sich unterziehen wollte, um wieder in Gnade bei seinem lieben Heiland Jesus zu kommen. Denn er wußte nun, daß die Proben, die von jetzt ab an ihn herantreten würden, größer und schwieriger sich gestalten dürften und das verlangte Überlegung und Prüfung der Geisteskraft, die dazu nötig wird, um jede unangenehme Zumutung mit Ruhe und Liebe entgegenzunehmen.
Plötzlich hörte er einen großen Lärm und Laute, welche riefen: »Wo ist der neue Gast, den müssen wir in unsere Gesellschaft einführen und einweihen in unser Leben, damit ihm nicht langweilig unter uns wird.« Dunkle Gestalten näherten sich ihm und sprachen: »Hier muß er irgendwo sein, denn dahin zog er sich zurück.« Kaum war dies ausgesprochen, so standen sie schon vor ihm und fragten ihn, warum er so einsam und traurig da sitze. Ohne etwas darauf zu antworten, stand er auf und wollte sich von ihnen entfernen. Allein die wilden Gesellen folgten ihm und wollten sich nicht abweisen lassen, sondern drangen in ihn, er solle mit ihnen gehen und sich mit ihnen unterhalten.
Sie wollten Karten spielen, damit ihnen die Zeit nicht langweilig werde. Ganz in Angst geraten vor den zudringlichen Gesellen schrie er förmlich auf im Herzen nach Mir, Ich solle ihn erretten aus dieser Höllengesellschaft, die ihn verfolgte. Plötzlich stand er allein an einem einsamen Wege ohne Menschen, noch Bäume, noch sonst etwas zu sehen. Es war ein förmlicher Wüstenweg. Hier nahm er sich zusammen und machte ein Gelübde, er wolle alles tun, was Ich nur wolle, nur solle Ich ihn wieder in Gnade aufnehmen und ihm Meinen Wunsch auftragen, den er nach Möglichkeit erfüllen würde, und bat zerknirschten Herzens, aber bloß um die Vergebung seiner Sünde der Lieblosigkeit.
Ich ließ ihn da eine längere Zeit allein stehen und sich beraten, wohin er denn seine Schritte lenken soll, um aus dieser Wüste zu gelangen. Aber es ließ sich nichts erraten. Er sah wenig, weil er noch immer in der Höllenfinsternis zweiten Grades war und nirgends ein Leben bemerkte. Als er schon ziemlich lange da hin und her sann, was er tun oder anfangen solle, sah er in der Entfernung etwas Dunkles sich bewegen, welches sich bald als eine menschliche Gestalt erwies, aber welche!? Ein ganz zerlumpter Mensch, der die Blößen seines Leibes nicht bedecken konnte, so daß er wie ein Wilder, mehr nackt als angezogen vor dem Swedenborg stand. Entsetzt wich Swedenborg einige Schritte vor ihm zurück und wollte ihm ausweichen. Allein der Halbnackte ging ihm nach und bat ihn um Nahrung, und da er so schön angezogen sei, möchte er ihm doch soviel von seinem Anzug geben, damit er die Blöße seines Unterleibes bedecken könnte.
NEUOFFENBARUNG