(Unterschied zwischen Order und Handlung. Abscheuliche Fragen im Beichtstuhle. Geistliche und leibliche Kirchen und Klostersklaven. Abscheuliches Leben und Handeln der Priester. Die Aussage der Wahrheit wurde durch Androhung der Kirchenstrafen unterdrückt. Beständiges Priester-, Polizei- und Gerichtszimmer. Erzteufel in Kutte und Talar als tägliche Polizeispitzel. Hexensabbat und Scheiterhaufen.)
»Gut gesprochen, lieber Prior, aber nicht so ehrlich gehandelt. Ihr habet wohl eure zeremoniellen Vorschriften und Dogmen zu erfüllen gehabt, aber das steht doch nirgends darin, daß ihr selber Schwindler und Betrüger sein sollet! Denn es ist schon genug des Schwindels und Betruges in Zeremonien und Dogmen, daher hättet ihr ehrlich bleiben sollen und nicht euer Scherflein dazu beitragen, daß das Volk durch böse Beispiele, die es aus eurem Leben und Handeln ersah, selber böse und ungläubig wurde, was euch ja die anwesenden Mitteufel bestätigen können.«
Sogleich meldeten sich mehrere und schrien: »Ja, ja, es ist wahr, was dieser junge Mann spricht. In der Kirche, auf der Kanzel habet ihr wohl schön gesprochen; im Beichtstuhl und im öffentlichen Leben waret ihr aber unser seelisches Verderben, wir sind zufolge eures skandalösen Lebens und Handelns lau und verdorben worden, und wir sind belogen und betrogen worden, bis uns das kühle Grab aufnahm, und da sind uns die Augen aufgegangen; aber es war zu spät, denn wir kamen in die Hölle, für welche ihr uns vorbereitet habt, und dann kamet auch ihr uns nach als unsere Priester, reif für alles Böse. Ihr werfet eure Verantwortung auf eure Oberen in Rom, aber saget doch, habet ihr nicht können so fromm leben, wie ihr uns auf der Kanzel so viel schöne Beispiele aus dem Leben der Heiligen erzählt habet?
Warum führtet ihr so abscheuliche Fragen an Jung und Alt im Beichtstuhle? Warum behandeltet ihr uns als eure Kirchensklaven, daß wir für euch das Feld bearbeiten mußten, während ihr arbeitsscheu von unserer Hände Arbeit lebtet, warum hurtet ihr mit unseren Mädchen und Frauen? Warum war euch die Ehe nicht heilig? Warum lehrtet ihr uns fleißig fasten, während eure dicken Bäuche, wie es schien, nichts vom Fasten wußten? Warum vertröstetet ihr uns mit dem Lohn im Jenseits, während ihr fleißig diesen Lohn im Diesseits einheimstet?
Ja, alles, was wir sahen, war kein gutes Beispiel, sondern nur böses, welches uns den Glauben nahm, daß wir sündigten, wenn wir euch gleich taten, und so sündigten auch wir wie ihr und sind dort, wohin uns eure bösen Beispiele brachten. Wieder andere warfen den Priestern vor, daß sie durch sie in der Kirche Diebe machten, indem sie Geld, das die Gemeinden für die Kirchen geopfert hatten, ausliehen und nicht mehr zurückgaben und die Priester durch Drohungen, daß sie alle Lumpereien, die sie sich zu Schulden hatten kommen lassen, offenkundig machen würden, zum Schweigen brachten.
Andere schrien wieder, daß sie jede Verantwortung von sich und auf die Priester wälzen, weil diese sie zu verschiedenen Sünden durch den Beichtstuhl brachten, da sie Sachen fragten, welche ihnen die Augen öffneten und die Begierden zum Sündigen reizten. Also hatten wieder andere Klagen wegen der Ungerechtigkeiten, die ihnen durch die Priester geschahen, indem sie diese zu Werkzeugen der dunklen, nicht zu nennenden Sünden gebrauchten.
Etliche klagten über sie, daß sie alle erdenklichen Kirchenbedürfnisse ersannen, fleißig Gott zu opfern predigten, aber viel Geld in die eigenen Taschen steckten, denn sie als Kirchenpröbste hatten fleißig aufgepaßt, was die Menschen opferten, und hatten herausgefunden, daß die Priester wie die Raben gestohlen haben. Um sie als gute Schweigwerkzeuge zu gebrauchen, standen sie immer auf gutem Fuß mit ihnen und traktierten sie mit Wein und Brot, damit sie schwiegen und schweigen mußten sie, weil sie Kirchen- und Klosterleibeigene waren, wenn sie Ruhe und Zufriedenheit in ihrem Schicksale als Sklaven des Kirchenbodens sich erhalten wollten.
Die Weiber schrien sie an, daß sie die ekelhaftesten Sachen im Beichtstuhle fragten, sie dadurch auf allerlei unkeusche Sünden aufmerksam machten und sie zu sich in ihre Wohnungen zur Nachbeichte und Absolution beschieden, wo sie handgreiflich alles nachgewiesen verlangten und so Unzucht mit ihnen trieben, mit jungen Verheirateten aber Ehebruch.
Was wollten wir machen? Zur Beichte mußten wir gehen, bekamen wir keine Absolution, so hätten die anderen in uns recht grobe Sünderinnen erschaut, hätten wir das Treiben der Beichtpriester veröffentlicht, dann wären wir nicht sicher, daß sie uns als Hexen durch ihre untertänigen Kreaturen verklagen ließen um uns als bös beleumundete Hexen in den Kerker zu werfen, zu foltern und am Scheiterhaufen zu verbrennen.
Also was konnten wir anderes tun, als zu allem Unfug schweigen, um mit heiler Haut davon zu kommen!? Rührte sich jemand, da wurde ihm sogleich gedroht, daß sie schon dieses und jenes von Hexerei von ihm hörten und daß sie eine peinliche Untersuchung beantragen werden, wenn er nicht das Maul halten und seine lose Zunge bändigen würde, denn es sei alles nicht wahr, sondern böse Verleugnung von ihren feindlichen gesinnten Pfarrinsassen, die sie aber schon zur Ordnung bringen werden, da sie schon vieles von Zauberei von ihnen durch den Beichtstuhl erfahren haben.
Also ward ein jeder mit Drohungen von Kerker, Folterungen und Scheiterhaufen bedroht, wer sich getraute laut zu werden, und hatte sich jemand unterstanden, trotz alledem etwas gegen sie auszusagen, da hatten sie schon willige Teufel, die für sie logen und den Freund der Wahrheit in die größte Gefahr brachten.
So ging es uns zufolge der Niedertracht der Priester, die alle erdenklichen Klatschlügen durch den Beichtstuhl erfuhren, und wir infolge dieser höllischen Kircheneinrichtung fortwährend im priesterlichen Polizei- und Gerichtszimmer waren, ob wir wollten oder nicht; denn wer konnte wissen, was böse Verleumder und alte Klatschweiber über uns klagten.
Ja, wir sagen euch, wir waren die ärmsten Teufel unserer Erzteufel in Kutte und Talar als tägliche Polizeispitzel des Gerichtes und zu diesen Höllengeistern waren wir kirchlich gezwungen, beichten zu gehen und aus uns machen zu lassen, was sie für gut fanden, denn wir waren rechtlose Kirchen- und Klostersklaven und als solche täglich gewärtig, vors Gericht und in den Kerker zu kommen, wenn wir uns nicht alles gefallen ließen und zu allem schweigen wollten. Und obendrauf versprach man uns Absolution und Himmel, wenn wir aus Bedenken gegen dunkle Handlungen Einspruch erhoben, da sie alle Macht von Gott hätten und jede Sünde vergeben könnten, möge sie noch so groß sein.
Ferner redeten sie uns alle erdenklichen Lügen ein, welche Rechte sie als ledige Priester zum anderen Geschlechte hätten und wie man gar keine Sünden begehe, wenn sie etwas begehren, womit schon jeder versteht, was wir sagen wollten und wenn es überhaupt eine Sünde wäre, so hätten sie ja das Sündenvergebungsrecht. Und wenn das alles nicht fruchtete, dann kamen sie mit Fragen: Du, gehst du wirklich zum Hexensabbat und wie oft warst du da schon; denn ich habe das und jenes von dir erfahren. Nach solchen Fragen stiegen ihnen die Haare zu Berge und alle Bedenken gegen die Sünden mußten fallen, wenn man vor Kerker und Folter bewahrt bleiben wollte.
Wieder andere klagten über Jugendschändung und -Verführung, deren Opfer sie waren. Andere fanden große Anklagen gegen sie, daß sie sich des Mordes an geborenen Kindern schuldig gemacht hätten, die von den Dienerinnen des Klosters und der Kirche herkamen und Priesterkinder waren. Also schrien sie durcheinander, allerlei Sünden den Priestern vorwerfend und sie als die Schuldigen ihrer Sünden anklagend.
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