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Das hohe Lied der Liebe Gottes zu den Menschen

(Swedenborg hielt eine Rede über sein irdisches Bestreben, die Lehre Gottes auszubreiten. Himmlischer Gesang, darauf himmlische Musik im Rücken. Ein über 3 1/ 2 Millionen Geister fassender Tempel. Das Lied der Liebe Gottes zu den Menschen. Der Marsch in den Tempel, dessen innere himmlische Schönheiten und Wunder der Schöpfung. Wiederversetzung der Geister in die himmlische Liebe, die sie bei Beschauen der Schönheiten und Wunder der Schöpfung eingebüßt haben.)

 
Alle standen still und warteten ruhig und voller Hoffnung der neuen Ereignisse, die da folgen könnten. Ich wendete Mich nun zum Swedenborg und sagte: »Lieber Swedenborg! Wegen deiner ist dieser große Fischzug gemacht worden und daher ist es ersprießlich, daß du den ganzen Hergang den Brüdern und Schwestern erzählst, wie Ich dich im Leben geführt habe, um Mein Werkzeug zu werden, doch verrate Mich nicht, sondern sprich nur so, wie du sprechen würdest wenn du Mich nicht kenntest.« 

Sogleich wendete sich Swedenborg zur Gesellschaft und hieß sie sich niedersetzen. Dann aber begann er ihr seine Lebensbegebenheiten auf der Erde zu erzählen und welche großen Kämpfe er gegen die Widersacher zu bestehen hatte, bis es ihm gelang die neue Lehre unter den Menschen zu verbreiten und wie sie ihm bis zu seinem vor kurzem erfolgten Tode feindlich entgegenstanden.

Daß aber jetzt seine Hoffnungen sich zu erfüllen beginnen und bald das Ziel des Lebens, der Himmel, erlangt werden wird, wobei eben alle mit ihm glücklich in dieser Weise mit einziehen werden zur Anschauung Gottes, des lieben Vaters in Jesu, durch dessen Willen die große Sammlung von verschiedenen Bekennern zu einer Jesu- Gesellschaft sich vereinigt hat und einigen Herzens und in Liebe verbunden den Weg des Heils nach aufwärts im Geiste, die Wege der himmlischen Herrlichkeit zu betreten sich zusammengefunden hat.

Damit endete Swedenborg seine Ansprache. Sobald diese beendet war, hörte man in großer Entfernung einen himmlischen Gesang von bisher nicht gehörter Schönheit, so daß alle, ganz in sich versunken, nur dem Gesang ihre Sinne hingaben und alles um sich vergaßen, da sie Auge und Ohr der Gegend zugewandt hatten.

Diese Aufmerksamkeit benützend, ließ Ich im Rücken der Gesellschaft einen großen Tempel erstehen, der die ganze Gesellschaft fassen konnte. Und als endlich der Gesang verstummte, erscholl die himmlische Musik in ihrem Rücken, worauf sie sich schnell umdrehten und vor Verwunderung wie gebannt waren, wie diese Herrlichkeit und in einer solchen ungeheuren Größe entstehen konnte, ohne von jemandem früher bemerkt worden zu sein, und dazu die bezaubernd schöne Musik! Als sie noch voll Bewunderung da standen, erscholl wieder der schöne Gesang, diesmal aber über ihnen, und als sie hinaufblickten, sahen sie einen großen Engelchor, der sich langsam zur Gesellschaft herabbewegte und das hohe Lied der Liebe Gottes zu den Menschen sang.

Sobald die Engel heruntergelangt waren, begaben sie sich zu Mir, verbeugten sich tiefst und warteten still Meiner Order. Zugleich als die Engel über uns zu singen begannen, hörte die Musik im Tempel auf und so war jetzt eine spannende Stille in der Gesellschaft, die voller Erwartung dastand und die Entwicklung der weiteren Ereignisse erwartete. Ich sagte nun zu den Engeln: »Begebet euch in den Tempel und erwartet uns dort.« Eine tiefe Verbeugung und sie waren den Blicken der Zuschauer entschwunden.

Gleich darauf sagte Ich zur Gesellschaft: »Wir begeben uns jetzt in den großen Tempel, der, um euch aufzunehmen entstand, und so schreiten wir nun in die Riesenkolonadenhalle hinein, damit ihr einen Tempel beschauen könnt, wie es solche nur im Himmel geben kann.« Sogleich setzten sich alle in Marschbewegung und schritten durch die freien Eingänge in das Innere. Als sie aber dieses erschauten, waren sie ganz außer sich vor Verwunderung, denn da war alles in einer ungeheuren Pracht und Herrlichkeit, daß alle irdischen Prunkgemächer und Salons der Könige und Reichen der Welt lauter Bettlerwohnzimmer dagegen wären.

Darum erscholl auch ein lautes Gemurmel der Verwunderung unter der Menge, denn so etwas Erhabenes und Herrliches in Stil und Ausführung kennt die Erde nicht, es ist ihr ganz fremd. Die Riesensäulen waren von lauter feinstem Kristall brillantartig poliert in Kernform, wodurch unzählige Strahlen in allen Farben glitzernd auftauchten und wieder verschwanden, der Boden war weiß wie Schnee und der Plafond stellte die Weltkugel in lichtblauer Färbung und in einer ungeheuren Höhe dar, in welcher unzählige Kügelchen, wie Sterne glänzend, den Weg ihrer Wanderung beschrieben und ihr Licht herabsendeten.

Die Gesellschaft stand geraume Zeit da, unverwandt dieses astronomische Weltkugelspiel betrachtend, welches sie in einer Minute mehr lehrte, als alle Astronomen je ergründen könnten, weil das, was die Astronomen teils durch Beobachtung, teils durch Hypothesen aufgestellt haben und noch aufstellen, in klarer Wahrheit dastand, und das Unzutreffende der Hypothesen in ihr wahres Licht stellte.

Es befanden sich aber hier außer der großen Hauptkugel in Weltkugelform noch mehrere Nebenkugeln, welche jede ihre eigene Bestimmung hatte. So stellte zum Beispiel die eine die aufgehende Sonne, als Leuchtspenderin der Welt dar, wie sie die Strahlen aussendet, welche das Licht in Farben geteilt, der Erde, sowie anderen Planeten Erden zusendet, wodurch das Elektrische darin besonders hervortrat. Es ist nämlich im Lichte der Sonne die Liebe und Weisheit Gottes materiell sichtbar vertreten. Diese aber bilden in der Farbenstrahlung verschiedene Nuancen wie in einem Regenbogen und bilden die sieben Geister Gottes, welche sich durch die Farbe unterscheiden.

Es sind das die sieben Tugenden und Eigenschaften in Gott, wovon das Elektrische eben das weiße Licht gibt, welches der Weisheit in Gott entspricht, aber dieses ist nicht ganz weiß, sondern durch andere Farben getrübt, und dieses Farbenspiel und dessen Wirkung auf das Wachstum und Gedeihen, ward hier deutlich veranschaulicht, was alle bewunderten. Eine andere Kuppel veranschaulichte das Mondlicht in seiner Wirkung.

Es gab da manches zu sehen, wovon sich die Gelehrten der Welt noch nie etwas haben träumen lassen, da sie eben bloß das Materielle sehen und erfassen können; die Wirkung des Mondlichtes ist aber geistig, daher den Augen der Gelehrten verborgen. Wieder eine andere Kuppel stellte die verschiedenen Einflüsse der Sterne auf das Wachstum der Erde in allen ihren Beziehungen und Wirkungen dar, so daß die Zuschauer voller Staunen diese Geheimnisse betrachteten und hoch erbaut davon waren. Zwischen den Kuppeln bestand ein großer Gewölberaum, der in den herrlichsten Verzierungen ausgeschmückt und voller glitzernder Brillantensterne war, welche ihr Licht in allen Farben brachen.
 
Alles zeigte eine Pracht, wovon ein Erdenbewohner keine Ahnung hat, da er nie so etwas oder ähnliches zu sehen Gelegenheit hat. Daher ergötzte sich die Menge lange an dieser himmlischen Pracht des Tempels und pries und lobte dessen Erbauer. Als die Menge sich genügend die Pracht und Kunstwerke des Tempels angeschaut hatte, gab Ich den Engeln die Order, ein Loblied dem Gottvater dafür anzustimmen, was sogleich geschah und die Menge wieder in die Liebe versetzte, welche sie infolge zu großer Betrachtung der Schönheiten und Geheimnisse der Natur etwas nachgelassen hatte. Es ging der Menge wie den Erdenbewohnern, daß sie vor lauter Betrachtung der Materie und ihrer Reize und Schönheiten Gott ganz vergessen und ganz materiell und daher finster werden. Nach einer Weile verstummte der Gesang und wir standen vor neuen Ereignissen. 

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