Mancher römisch-katholische Leser wird in vorliegender Glaubensaufklärung die Anrufung und Anbetung Marias und der sogenannten Heiligen vermissen und daraus vielleicht falsche Schlüsse ziehen. Diesem soll hier mit folgender Aufklärung vorgebeugt werden: Maria ist unter den Weibern die allerhöchste begnadigte und die einzige gebenedeite Leibesmutter Meiner Menschwerdung in Jesus. Sie war es aber nicht durch ihr eigenes Verdienst, sondern durch den Willen, die Leitung und Gnade Gottes. Ebenso wenig haben die sogenannten Heiligen ein Verdienst. Sie litten und büßten – schuldig – für sich selbst (Während der Herr Selbst unschuldig für die Menschheit litt.) und sind dafür von Mir nach ihren Verdiensten belohnt worden.
Daß ihr dafür Maria, die zwar ein hoher Geist ist und die sogenannten Heiligen (Nach der Offenb. Joh. 15, 4 und ChtS. 41, 1 heißt es im Himmel: Niemand ist heilig, als Gott allein!) anrufen und anbeten sollt, weil sie ein frommes Leben geführt haben, wäre ein direktes Zuwiderhandeln gegen Mein erstes Gebot, wo es heißt: Du sollst allein an einen Gott glauben und allein diesen einen Gott anbeten. Die alleinige Anrufung der Maria und der Seligen um Hilfe, ohne dringende Bitte an Mich, Gott Vater, ist sinnlos, weil Ich, Jesus, als euer eigener Geist, als bester Freund und Ratgeber in eurem Herzen wohne, daher auch am allernächsten bin und durch Meine unendliche Liebe zu euch, nur Ich allein euch erhören kann und werde. Finde Ich es für ungut, euch zu erhören, dann hilft weder euer, noch der Seligen Gebet. (Das Gebet übrigens vermag viel, wenn es ernstlich ist.) Wenn ihr, die ihr in ewiger Audienz vor Mir stehet, Mich nicht direkt bitten würdet, sondern durch Gottesdiener, dann würde es ebenso ausschauen, als wenn ihr zur Audienz eures Landesfürsten ginget und anstatt direkt zu ihm zu reden, euch an seine Kammerdiener wenden würdet, daß sie sollen für euch bitten, den eure Angelegenheit nichts angeht. Der Landesfürst würde solchen törichten Menschen den Rücken kehren und fortgehen. – Die Seligen sind zwar Meine Diener, aber nicht Fürbitter für euch, sondern eure geistigen Führer und Ratgeber (Eingeber guter, Gott gefälliger Gedanken); im Geisterreich aber Belehrer unwissender Seelen, wenn diese anfangen um Gottes Erleuchtung zu bitten.
Daß die Menschen zuweilen erhört werden, wenn sie sich in ihrer Unwissenheit an Maria oder Selige wenden, ist Tatsache, weil Ich als Vater das Vertrauen berücksichtige, aber das geschieht nicht wegen der Anrufung der Seligen. Denn würde Ich sie in ihrer Unwissenheit nicht brücksichtigen, dann würden sie sogar den ganzen Glauben an Gott und die geistige Fortexistenz nach dem Tode verlieren. – Also wendet euch direkt an Gott. Denn Ich sagte nie: Wendet euch an Maria und Heilige, sondern: Kommet zu Mir alle, die ihr mit Mühe und Last beladen seid; Ich (Selbst) will euch erquicken (Matth. 11, 28)
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