← Zurück zu „Martin Luther im Jenseits“

7. Die Lehre über die Heilige Dreieinigkeit

(Das große Erstaunen über die neue Lehre der heiligen Dreieinigkeit. Der Engel verheißt sie zu führen den rechten Weg des Glaubens und Heils. Frage Luthers über die heilige Dreieinigkeit und die Aufklärung des Engels darüber, dass Vater die Liebe, Sohn die Weisheit und Heiliger Geist die Allmacht in Gott bedeutet und dass in Christus alle Eigenschaften der Gottheit den Propheten Jesaja und Micha gemäß vereint sind.)

Nach diesen Worten, die ihnen den großen Glaubenssatz von einer dreipersönlichen Einheit Gottes wie mit einem Schlage vernichtete, standen die Brüder wie versteinert da und richteten ihre Augen auf ihren Doktor Martin Luther, gespannt, was er dazu sagen würde. Aber dieser schwieg, denn er wusste nicht, was er ihnen sagen sollte. Auch der Engel schwieg und überließ sie ruhig ihren Betrachtungen. Alle waren jedoch überzeugt, dass der Engel die Wahrheit gesprochen, nur die Art, nach welcher dieses möglich sei, war ihnen nicht klar. Nachdem sie der Engel eine Zeit lang in ihren Betrachtungen ruhig gelassen, sprach er: „Liebe Brüder und Schwestern in unserem guten und vielgeliebten Vater Jesus, ich begrüße euch als euer Bruder und von nun an euer Lehrer und Leiter, damit ihr den rechten Weg des Glaubens und Heils wandeln werdet, der euch unfehlbar zum Vater Jesus bringen wird!“

Auch auf diese Begrüßung und Aufklärung schwiegen die Versammelten, denn sie waren noch zu stark von der überwältigenden Herrlichkeit und Schönheit des Engels befangen, als er ihnen schwebend sein strahlendes Licht herabsendete. Nicht so der Engel, der voller Freundlichkeit zu ihnen kam und dem Martin Luther die Hand reichte, welche dieser voller Liebe an sich drückte und Freudentränen dabei vergoss.

Nach einer Weile sagte Martin Luther: „Lieber Bruder im Herrn! Mein Herz ist voller Liebe, voller Freude, so dass ich kaum sprechen kann. Zwar haben wir noch nicht den lieben Vater Jesus gesehen, aber doch schon Seine viel versprechende Stimme gehört. Andererseits bist du uns der lebendige Zeuge, dass wir das erreicht haben, um was wir gebeten haben, und es versteht sich von selbst, dass das Weitere noch folgen wird, wenn wir die Bedingungen erfüllt haben, von welchen die Verheißung abhängig ist. Aber, lieber Bruder in unserem vielgeliebten Vater Jesus, sage mir und uns allen: wie kommt es, dass Jesus nicht Sohn Gottes ist, da Er öfters im Neuen Testament als solcher bezeichnet wird?“

Hierauf erwiderte der Engel: „Liebe Brüder, ich frage euch, wo steht es im Neuen Testament, dass Gott drei Leiber habe und dreipersönlicher Gott genannt wird?“

Auf diese Frage waren sie nicht gefasst, daher schaute einer den anderen teils fragend, teils schmunzelnd an, denn das hatte wahrlich noch keiner in der Heiligen Schrift gelesen.

Nach einer Pause des Nachdenkens sagte Martin Luther: „Das habe ich zwar nicht gelesen, aber es ist darin so oft die Rede von Gott Vater, von Gottessohn und vom Heiligen Geist, dass man unwillkürlich auf die Annahme einer dreipersönlichen Gottheit kommt, daher habe ich die Annahme der Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) beibehalten. Da ich nun bemerke, dass diese Annahme falsch ist, so bitte ich dich, lieber Bruder, im Namen unser aller, da wir alle eine Aufklärung gleicherweise benötigen, wie sich dieser Glaubenssatz verhält zur Wahrheit, die du uns verkündest?“

Der Engel erwiderte voller Freundlichkeit: „Liebe Brüder, hätte es je mehr als einen Gott gegeben, dann hätten schon die alten Völker zwischen Adams- und Jesuszeit dies gewusst. Hätten die Apostel die Namen Vater, Sohn und Heiliger Geist als drei Personen verstanden, dann hätten sie diese dreipersönliche Gotteinigkeit gelehrt und im Neuen Testament als einen Glaubenssatz aufgezeichnet, allein weder das eine noch das andere fand statt, somit wird es wahrscheinlich nie einen dreipersönlichen Gott gegeben haben, oder nicht?“

Auf diese zutreffende Aufklärung wusste keiner eine Einwendung gegen diesen wahren Sachverhalt zu stellen, daher fing der Engel von neuem an zu reden und aufzuklären, indem er sagte: „Vater, Sohn und Heiliger Geist sind nicht etwa drei Personen in Gott, sondern drei Eigenschaften: Liebe, Weisheit und die betätigende Gnade und Allmacht, welche aus Liebe und Weisheit oder aus Vater und Sohn hervorgehen. Steht nicht alles das im Neuen Testamente? Sehet, ich will es euch noch genauer sagen: Vater ist ein geistiger Ausdruck, ein Entsprechungswort, welches die Liebe in Gott bedeutet, der Sohn bedeutet in der geistigen Entsprechung die Weisheit in Gott, und der heilige Geist ist die Willensbetätigung, was Liebe und Weisheit in Gott beschlossen, auszuführen. Das ist also die Dreieinigkeit Gottes und sonst nichts! Dass Jesus der urewige Vater und Gott ist, liest man bereits im Jesaja 9,5: ,Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schulter die (ewige geistige) Herrscherwürde ruht und den man nennt: Wundervoller, Rat, Gotteskraft, Gottesheld, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst.’ Spricht nicht Micha (5,1), dass in Bethlehem der Herrscher Israels geboren wird, dessen Abkunft aus den Tagen der Ewigkeit her ist? Diese zwei Stellen aus den Propheten besagen euch ganz deutlich, dass Jesus der urewige Gottvater selber ist, außerdem hat sich unser lieber Vater Jesus dreimal direkt als Vater bezeichnet, so bei Johannes 10,30; 12,45 und 14,9 und sonst öfters indirekt.

Ich glaube nun, liebe Brüder, dass dieser Glaubenssatz genug beleuchtet und allen klar und evident ist.“ Darauf erschallte einstimmig die Bejahung, dass sie alle verstanden und es für richtig erkannt hätten.

← Zurück zu „Martin Luther im Jenseits“