(Durch Satana erzeugtes Ungewitter, woraus heftige Blitze und Donnerschläge kommen. Herbeischaffung der Satana und ihr schreckenerregendes Gebärden. Frage des Anführers wegen ihres verderbenbringenden Betragens gegen die Menschen und ihr keckes Antworten und Reden, als wäre sie der Gott der Urschöpfung der Menschen, wobei ihre große Lügenhaftigkeit die Hauptrolle spielt.)
Darauf berief Ich den Erzengel und sagte ihm: „Bringe mir die große Schlange, damit die bekehrten Kinder ersehen, wem sie bisher gedient haben, als sie noch in ihrem sündhaften Treiben waren, und dass sie in Zukunft nie mehr die Lust anwandeln wird, zu ihrem alten Leben zurückzukehren.“ Der Erzengel verneigte sich tief und dann verschwand er.
Nach einer Pause von etwa fünf Minuten begann das Firmament sich zu schwärzen und zu verdunkeln, was die Gesellschaft neugierig und zum Teil ängstlich zu machen anfing. Nicht lange dauerte es und es fing an zu blitzen und zu donnern, und zwar immer stärker und immer näher. Als das schwarze Gewölke über uns zu stehen kam, war es sehr unheimlich zu sehen, besonders aber deswegen, weil die Wolken sich wie in einem Wirbelwind drehten und fort und fort ihre von gewaltigem Donner begleiteten Blitze nach allen Seiten aussandten.
Im nächsten Augenblick fing das rasende Wolkenspiel an, sich gegen die Gesellschaft zu kehren. Eine heillose Panik ergriff die Anwesenden, am liebsten wären sie auseinandergestoben, aber wohin, wo sie das böse Wesen nicht verfolgen könnte? Das war allen unbekannt. Nun gab es Blitze und Gedonner gegen die nächste Umgebung der Gesellschaft und Donnerkeulen schlugen da und dort ein mit solchem Gekrache, dass alle wie auf Dornen standen. Im nächsten Augenblick schlug es in der Nähe ein, wo Ich stand. Nun war es genug. „Herunter mit ihr“, sagte Ich, und in diesem Moment sah man einen Riesendrachen, von Meinem Erzengel verfolgt, gegen Mich sich zubewegen. Im nächsten Augenblick war er vor Mir stehend und dräuend und kreischend schreiend, was Ich von ihm haben wollte.
Ich wandte Mich zu der Gemeinde und sagte: „Schaut euch eure Gottheit an, welcher ihr gedient habt, so lange ihr nach den Fleischesbegierden euer Leben dahinfristen ließet. Das ist die Entsprechung eures inneren Lebens. Es ist aber nicht bloß Entsprechung, sondern es ist zugleich die Tatsache vor euch stehend, denn das ist der Geist des Luzifers, der großen Schlange des Verderbens des Menschengeschlechts.“ Bei diesen Worten waren die Zuhörer ganz nervös vor Zittern und furchtbarer Erregung.
Ich aber kehrte Mich zum Drachen und sagte ihm: „Sage, du ewiger Widersacher, was zwingt dich, immer gegen die Liebe Gottes zu arbeiten und die Menschen zu verführen? Wer hat dir etwas zuleid getan, dass du deinen Hochmut und Rachezorn nicht bändigen kannst?“
Bei diesen Worten brüllte der Drache wild auf, dass die Zuhörer zusammenschauderten, und sprach: „Was berechtigt Dich, mich zu quälen in meiner Ruhe und mich heraufzuziehen? Was habe ich gemein mit Dir? Du bist, wer Du bist, und ich bin, wer ich bin; es besteht eine ewige Kluft zwischen uns zweien. Daher frage ich Dich, was habe ich Dir getan, dass Du mich herschaffen ließest?“ Diese wilde, in Gebrüllform hervorgebrachte Frage machte einen ängstlichen Eindruck auf die Zuhörer und alles war gespannt, was daraus kommen werde.
Ich sagte dem Luzifer: „Höre, du böses Wesen, wer hat dir etwas Unrechtes getan, dass du, nichts als Rache schnaubend, die Menschen zu allen erdenklichen Sünden anreizest? Antworte also, dass die Gesellschaft deine Rechtfertigung erfährt, nach welcher dir das Recht, dies zu tun, zusteht. Tust du es nicht, so werde Ich dich dazu zwingen.“
Kaum hatte Ich dies ausgesprochen, so fing der Geist Luzifers wie rasend zu brüllen und mit seinen Drachenfüßen zu stampfen an, dass die Erde wie von einem Erdbeben bewegt zitterte. Ich aber gebot ihm zu schweigen und ruhig zu sein. Denn das Beben der Erde brachte die Zuhörer in die größte Angst, weil sie glaubten, dass der Satan Mir nicht gehorchen werde. Als sie aber sahen, dass er doch schwieg und ruhig wurde, bekamen sie wieder Mut und Vertrauen, dass das höllische Spektakel gut ablaufen werde. Wieder wandte Ich Mich deshalb an den Luzifer und befahl ihm, sich zu äußern, widrigenfalls Ich zu Gewaltmitteln greifen würde. Aber der Satan hatte eben keine Ausrede. Daher brüllte er wieder von dem Unrechte, welches gegen seine Persönlichkeit geübt würde.
Da Ich nun darauf bestand, dass er die Wahrheit reden müsse, sagte er endlich: „Ich war ein Gott und selbständig und habe unzählige Millionen Geister aus mir erschaffen, welche die geistige Welt bevölkerten. Als aber meine Macht zu gewaltig zu werden drohte, wurde ich ohne Recht dazu von einem zweiten Gott ergriffen, weil ich Ihm nicht dienen und Gehorsam erweisen wollte, und besiegt und alle meine Geisterschöpfung in starre Materie verwandelt.
Schauet an, nicht nur die Erde, sondern der ganze gestirnte Himmel mit seinen unzähligen Millionen von Welten, deren Größe euch noch ganz unbekannt ist, ist ein Kerker derjenigen meiner Kinder, welche ich einst vor Ewigkeiten aus mir erschaffen habe. Und sehet, auch ihr seid diese Kinder, wie auch alle Menschen im Weltall, welche ich einst erschaffen habe. Und nun kam ein anderer Gott und wollte Gehorsam und Ehrerbietung von mir Ihm gegenüber. Und da Er stärker war als ich, wurde ich besiegt, in Fesseln getan und meine Seele in starre Materie verwandelt. Ich selbst wurde soweit gefesselt, dass ich als purer Geist nur das tun kann und darf, was Er mir erlaubt. Meine Kinder hat er mir geraubt und als Seine eigenen erklärt, sie in starre Materie in Kerker getan und lässt einen nach dem anderen Mensch werden, indem Er alles aus mir nimmt und als Sein Eigentum erklärt.
Der Geist ist ein Kind aus mir, das ich einst in Liebe erschaffen habe aus mir. Die Seele aber und der Fleischleib der Menschen sind aus meiner Seele her, die teils als Geist, teils als Materie in der sichtbaren Schöpfung inbegriffen ist. Und nun soll ich kein Recht auf meine Kinder haben? Ich habe sie erschaffen, sie sind aus meinem Geist und meiner Seele gemacht und daher mein. Und da ich keine Hoffnung habe, in nächster Zeit schon meinen Gegner, der übermächtig ist, zu besiegen, so verderbe ich Ihm meine geraubten Kinder, und das seid ihr.“
Bei diesen Worten erschraken die Zuhörer ganz gewaltig, dass sie Kinder des Satans wären.
Ich aber hieß den Luzifer nun zu schweigen, und begann folgende Aufklärung zu geben: „Du Luzifer, sage uns, wer hat dich erschaffen? Warst du von Ewigkeit her oder bist du von diesem Gott, der dich besiegt, gefesselt und deine Seele in sichtbare Materie verwandelt hat, erschaffen?“ Hier schwieg der Luzifer.
Ich aber fuhr fort mit Meiner Aufklärung und sagte: „Dein Schweigen sagt alles; denn wärest du ein ewiger Gott, so würdest du dagegen protestieren, dass du von dem dich besiegenden Gott erschaffen worden wärest. Wärst du von Ewigkeit her, und nicht ein erschaffenes Wesen, dann hättest du nie können besiegt werden, weil du die ewige Grundmacht in deiner Gewalt gehabt hättest. Aber darin lag eben deine Ohnmacht, weil die Allmacht in dem wahren urewigen Gott lag, während du nur das tun konntest, was dir Gott, welcher dich erschaffen hat, erlaubt hatte. Allerdings hast du die Geister erschaffen, aber nicht du bist der Vater, sondern nur die Mutter derselben, denn du bist nur ein Weib und kein Mann. Damit die Zuhörer dies glauben, will ich dich offenbaren, wie du in Wahrheit in der Urschöpfung aus Gott aussiehst.“
Bei diesen Worten begann der Drache wieder sehr gewaltig zu brüllen und sich unbändig zu gebärden und protestierte gegen diese Vergewaltigung.
Ich aber streckte die Hände aus und sagte: „Verschwinde dieses Phantasiegebilde und die Wahrheit stehe vor uns!“ In diesem Augenblick verschwand die Drachengestalt und ein wunderherrliches Frauenzimmer stand vor den Augen der Zuhörer.
Ein erregtes Erstaunen überkam die Gesellschaft und alles sagte: „So etwas Herrliches, Himmlisches hat die Welt noch nie gesehen. Man könnte sich verlieben und sie anbeten wie eine Göttin, wenn man nicht das Böse, und zwar das Satanisch-Böse, in dieser Herrlichkeit göttlicher Weisheit und Allmacht gesehen und bereits sehr empfindlich durchgekostet hätte.“
Nachdem das Staunen sich ein wenig gelegt hatte, gab Ich das Zeichen zur Ruhe und fuhr fort: „Nun, du herrliche Satana, sage uns, ob Weiber ohne Männer Kinder haben, oder ob du davon ausgenommen bist?“ Auf diese Frage hielt Ich ein wenig inne und wartete. Die Satana schaute zu Boden und schwieg.
Ich aber sagte ihr: „Siehst du, wie es heutzutage ist, so war es auch mit dir der Fall. Du hast die Aufgabe gehabt, die Welt mit Geistern zu bevölkern, welche die ewige Liebe durch dich ins Leben rief. Freilich ging das nicht so zu, wie heutzutage, materiell, sondern der Wille der göttlichen Liebe schuf die Geister durch dich so zahlreich, wie die Tropfen des Morgentaues am Grase. Aber du warst nur die Gebärende, nicht die Zeugende. Und dieses konnte nur durch die demütige Liebe zu Gott, deinem Manne, der dich aus Sich gestellt hat, geschehen. Als du aber widerspenstig, hochmütig und die demütige Liebe versagend geworden warst, hörte das Zeugen und dadurch auch das Gebären auf. Sage nur aufrichtig, ob es nicht so war?“
Wieder schwieg Satana und schaute zu Boden wie angenagelt. Daher fuhr Ich weiter fort: „Nun sagst du, dass die Menschen deine Kinder sind und du das Recht dazu hast, sie zu verderben. Wärest du nicht als ein Bestandteil Gottes einst als ein Teil seiner Liebe erschaffen worden, das dann erzböse geworden ist, dann hättest du wohl ein Recht, so zu sprechen. Aber du bist doch aus Gott genommen, von Gott erschaffen und hattest deine Aufgabe zu vollziehen, zu der du bestimmt warst. Da du aber als geschaffenes Wesen kein Urrecht besitzest, das, was Gott durch dich erschuf, als dein Eigentum zu erklären, daher ist deine Aufgabe nur, Gott zu dienen und Ihn zu lieben, nicht aber als ein erzböses Wesen Seine Kinder zu verderben und dir ähnlich zu machen. Da sie aus deiner Seele, seelisch und leiblich, gebildet sind, ist es eben die Liebe Gottes, welche dich nach und nach durch die Seelenpartikel der Menschen zurückführen und erlösen will.“
Bei dieser Äußerung stampfte die Satana, dass ein gewaltiges Erdbeben entstand, welches die Zuhörer in Bangen versetzte. Ich aber streckte die Hände aus und befahl ihr, ruhig zu sein, worauf sie sogleich gehorchte, eigentlich gehorchen musste, da Ich ihre Macht lähmte.
„So verhält sich die Geschichte und nicht anders. Nun spreche du, Satana, ob es so ist, wie ich der Wahrheit gemäß geoffenbart habe!“
Da erhob die Satana ihre zu Boden gesenkten Augen und begann voller Feuer sich vorzubereiten, Mir zu entgegnen, was ich ruhig zuließ. Nun fing sie mit hohem Pathos an, sich zu brüsten, dass sie doch Mutter sei und als solche das gleiche Recht wie Gott auf die Kinder habe, um so mehr, da der menschliche Leib samt der Seele der eigentliche Leib ihrer Seele sei, der ihr fort und fort geraubt und gegen ihren Willen verwendet werde. Sie sagte, dass ihr daher dieselben, wenn nicht noch höhere Rechte zu den Kindern zustehen würden, als Gott, da sie doch Leib aus ihrem Leib genommen und gebildet hätte. Somit habe sie das Anrecht auf alle Menschen in allen Welten und Schöpfungen aus ihr.
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